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Ausgabe:

1902 Nr. 5

Spalte:

142-143

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Taylor, C.

Titel/Untertitel:

Hebrwe-Greek Cairo Genizah Palimpsest from the Taylor-Schechter Collection including a fragment of the twenty-second psalm according to Origen‘s Hexapla 1902

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologifche Literaturzeitung. 1902. Nr. 5.

142

können z. B ioi>-is gegenüber. Aehnlich hätte vielleicht I Ausgeführten zuftimmen kann, namentlich nicht dem über
der Vergleich von Lev. 11 mit Deut. 14 dazu benutzt werden Fr Gefagten, ergiebt fich aus dem Obigen. S. 89 Z. 6

können, das Eigenthum von Pr. und das des zu Grunde
liegenden Gefetzes fchärfer von einander zu fondern. Sonft
wäre zu Datirungsfragen noch zu bemerken, dafs uns
nicht jede Differenz berechtigt, die Frage zu ftellen, welche
von den beiden Anfchauungen die ältere, welche die
jüngere fei. und danach das Alter des betreffenden Stückes
zu beftimmen. Differirende Anflehten beftehen ja oft
zeitlich nebeneinander. Wieweit hier B. fich zu falfchen
Schlüfsen hat verleiten laffen, wage ich nicht zu ent-
fcheiden.

Der literarifchen Analyfe gegenüber kommt die Einzelauslegung
etwas zu kurz weg. Das gilt namentlich von
der Erklärung fchwieriger Conftructionen; z. B. hätte zu
5,i3b gefagt werden müffen, was Subject zu nt"P!Yl ift, zu
7,16b hätte im:m eine Bemerkung erfordert (das 1 ift
nur durch Verfehen aus Vers 17 eingedrungen). Hier und
da hätte auch etwas confequentere Textkritik geübt werden
können. Reichhaltiger ift die fachliche, namentlich die
religionshiftorifche Erklärung. Sorgfältige Beachtung ift
befonders den Parallelen aus dem babylonifchen Cultus
gefchenkt worden, foweit fie bis jetzt zugänglich find.
Von hier aus haben namentlich das Attribut ,rein' in
4,1a etc. und das milE i£n in 12,4 eine Erklärung als
Euphemismus gefunden. Sonft hebe ich noch hervor die
Bemerkungen zu l,u: die Nordfeite des Altars fei aus
praktifchen Gründen gewählt, nicht aus dem religiöfen,
dafs im Norden der Götterberg lag, und zu 23,11, mffiatt
PQtJH bezeichne den Sonntag, an welchem gewöhnlich
die Ernte begann, nicht den Sonntag der Massothwoche
und nicht den Tag nach dem erften in die Erntezeit
fallenden Sabbath. Beides fcheint mir das Rechte zu
treffen. In anderen Beziehungen mufs ich mich der gegebenen
Erklärung ablehnend gegenüber (teilen. In

v. u. lies ,zehnten' ftatt ,erften'.

Halle a. S. C. Steuernagel.

Taylor, C., DD., Hebrew-Greek Cairo Genizah Palimpsests
from the Taylor-Schechter Collection including a fragment
of the twenty-second psalm aecording to Origen's Hexapla.

Edited for the Syndics of the Cambridge University
Press. Cambridge 1900, University Press. (VIII, 96 S.
u. XI Taf. Fol.) 15 s.

Aus den reichen Schätzen, welche jahrhundertelang
in der Genisa (Rumpelkammer) der alten Synagoge zu
Kairo geruht haben, bis fie vor 5—6 Jahren wefentlich
durch Schechter's Bemühungen nach England gekommen
find, werden uns hier abermals werthvolle Fragmente
des griechifchen Bibeltextes geboten. Sie haben
alle das gemeinfam, dafs fie Palimpfefte find: über die
urfprüngliche Schrift find von fpäterer Hand hebräifche
Texte gefchrieben.

I. An erfter Stelle fleht ein Fragment der Hexapla
zu Pfalm 22 (LXX21) Vers 15—18...20—28. Die Schrift
ift eine ftark nach rechts geneigte, alfo verhältnifsmäfsig
junge Majuskel. Ob der Text alle fechs Columnen der
Hexapla enthalten hat, erfcheint fraglich. Vorhanden find
nur die Refte von vier Columnen, nämlich 1. ganz dürftige
Spuren des hebräifchen Textes in griechifcher Trans-
fcriptionVers25—28 (in vorliegender Publication S. 10—11);
es find etwa ein halb Dutzend halbe Worte, fonft nur
einzelne Buchftaben. 2. Die Ueberfetzung Aquila's
Vers 20—24,25—28(S.6,8,10—11). Dafs es sich um Aquila
handelt, kann nach dem Charakter der Ueberfetzung
nicht zweifelhaft fein, wenn auch das charakteriftifche
Cap. 11. 12 und 15 wird mir viel zu fehr mit dem Ge- | piK = ovv fich nicht findet, da Pitt in dem Texte des

danken operirt, unrein fei für den Israeliten alles, was Fragmentes überhaupt nicht vorkommt. In Vers 22 ift
anderen Culten angehöre, refp. was zu Dämonen in Be- j nach Field als Ueberfetzung Aquila's tlorjxovöäq ui

Ziehungen flehe. So fehr ich das Recht diefer Theorie
in vielen Fällen anerkenne, fcheint mir B. doch in ihrer
Anwendung zu weit zu gehen. In vielen Fällen fcheint
mir das Urtheil, dafs dies oder jenes unrein fei, gefällt
zu werden, weil das Betreffende phyfifch unrein oder gar
ekelerregend ift. In 17,2 fcheint mir die Erklärung, Heirathen
mit nahen Verwandten feien Sünden gegen Gott,
weil fie Vergehen gegen das eigene Blut feien, und diefes
nach dem alten Glauben identifch mit dem Blute der
Gottheit fei, zu gekünftelt: Sünde gegen Gott find fie,
weil Gott fie verboten hat. Endlich bemerke ich zu
10,1 ff. folgendes: B. fieht in der Erzählung über das
Strafgericht, das über Nadab und Abihu hereinbricht,
einen Reflex der Thatfache, dafs die alten Höhenpriefter
in Folge der deuteronomifchen Reform abgefetzt wurden.
Das erfcheint mir nicht befriedigend. Nach den Anfchauungen
des P. waren Nadab und Abihu legitime
Prielter, da fie Söhne Aaron's waren. Hätte die Erzählung
ausdrücken wollen, dafs fie des Priefterrechtes verluftig
gingen, weil fie, refp. ihre Nachkommen fich am Höhen-
cultus betheiligten (vgl. Ezech. 44), fo hätte fie wohl berichtet
, dafs Nadab und Abihu aufserhalb der Stiftshütte
opferten. Eine befriedigendere Erklärung fcheint fich
mir von Exod. 24.1. 9ff. aus zu bieten. E. kannte als Söhne
Aaron's nur Nadab und Abihu; das Judenthum kennt als

überliefert, während unfer Text elöäxovOov ue giebt.
Der Herausgeber erklärt die Differenz durch Hinweis
auf die Thatfache, dafs es von Aquila's Ueberfetzung
zwei verfchiedene Ausgaben gegeben hat. 3.Symmachus
Vers 15-18, 20—24 (S. 4—5, 7, 9). Hier findet fich
gleich im Anfang (Vers 15) das auch fonft als Lesart
des Symmachus bezeugte ötEöxn. 4. Vom Text der
Septuaginta find Vers 20—24 erhalten (S. 7, 9). In
allen drei Texten ift in Vers 20 der Gottesname durch
mm (in griechifcher Majuskel) wiedergegeben (S. 6—7
und Tafel II). Diefe Wiedergabe ift zwar auch fonft bekannt
(f. über das Vorkommen derfelben S. 26f.). Neu ift aber
hier, dafs fie im Septuagintatexte felbft fleht. Sonft fei
noch hervorgehoben, dafs bei Symmachus Vers 17, ent-
fprechend dem maforethifchen Texte, fo wiedergegeben
wird: ovvaymyr] xaxovoymv stEPiyk&ov [iE coq Xecov tkc
XElQaq (iov xal xovq stoöaq uov, während fonft als Text
des Symmachus uberliefert ift: coq ^rjxovvxsq övöat
Ysinccq [iov xal stoöaq [iov. Der Herausgeber vermuthet.
dafs aus o?s Xecov raq zunächft mq ÖEOvxeq entftanden
fei und daraus dann die weitere Corruption coq ^nxovvxEc
önOat (S. 22 f.). Er giebt auch fonft noch Material zur
Textgefchichte der Stelle (S. 39fr).

2. An zweiter Stelle theilt Taylor Palimpfeft-Fragmente
mit, welche Stücke von Aquila's Pfalmen-

Priefter, d.h. eben als Söhne Aaron's nur Nachkommen I Ueberfetzung enthalten. Es find drei defecte Blätter
des Eleafar und Ithamar. Unfere Erzählung will nun die j (= fechs Seiten, f. Tafel III—VIII), deren griechifche

Vermittelung geben. Sie addirt die Anfchauungen des
E und des Judenthumes und erhält fo 4 Söhne Aaron's; da
aber fpäter nur Nachkommen von zweien von ihnen exi-
ftiren, fo müffen die beiden anderen frühzeitig umgekommen
fein.

Anerkennend hervorgehoben fei noch der Abfchnitt III
der Einleitung ,zur theologifchen und religionsgefchicht-
lichen Würdigung des Lev.' Dafs ich nicht allem hier

Schrift zwar etwas kleiner aber fonft von gleichem Charakter
ift wie die Schrift der von Burkitt herausgegebenen
Fragmente von Aquila's Ueberfetzung der Königsbücher
(Fragments of the books of Kings aecording to the
translatton of Aquila ed. by Burkitt, 1897, vgl. Theol.
Litztg. 1898, 129). Burkitt, deffen Urtheil über die Schrift
der neuen Fragmente bei Taylor S. 53 mitgetheilt wird, fetzt
daher auch diefe in das 5. bis 6.Jahrh. n. Chr. Sie enthalten