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Ausgabe:

1902

Spalte:

129-133

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dorner, August

Titel/Untertitel:

Grundriss der Encyklopädie der Theologie 1902

Rezensent:

Wendt, Hans Hinrich

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Hamack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark.

Nr. 5. i. März 1902. 27. Jahrgang.

Zeitalter Jefu Chrifti, I. Bd., 3. u. 4. Aufl.
(Schürer).

Baijon, Grieksch-theologisch woordenboek
6. stuk (Blass).

Savonarola, Predigten, ausgewählt und überfetzt
von Schottmüller (Deutfch).
Hegler, Sebaftian Francks lateinifche Para-
phrafe der deutfchen Theologie (Deutfch).

Dorner, Grundrifs der Encyklopädie der Theologie
(Wendt).

Gunkel, Genefis [Handkommentar zum A. T.
herausg. von Nowack I, 1] (Bertholet).

Bertholet, Leviticus [Kurzer Hand-Commentar
zum A. T. herausg. von Marti, 13. Liefrg.]

(Steuernaeel) Rand, Der dem Boethius zugefchriebene Trak- Meffert, Der heilige Alfons von Liguori

tat De fide catholica (Brandt).
Ruysbrock, Drei Schriften, aus dem Vlämi
fchen überfetzt von Lambert (Deutfch).

Mitius, Jonas auf den Denkmälern des chrift- Werner, Die Flugfchrift Onus ecclesiae, 1519
liehen' Altertums (H. Achelis). (Cohrs).

Taylor, Hebrew-Greek Cairo Genizah Pa

limpsests (Schürer).
Schürer, Gefchichte des jüdifchen Volkes im

(Bruckner).

Akten des fünften internationalen Kongrefses
katholifcher Gelehrter zu München (Bruckner).

Dorner, D. Dr. A., Grundriss der Encyklopädie der Theologie.

Berlin 1901, G. Reimer. (VIII, 142 S. gr. 8.) M. 3.—

Dorner will in diefer Encyklopädie nur den Begriff
der Theologie feftftellen und aus ihm die Aufgabe und
Methode der einzelnen theologifchen Disciplinen ableiten,
ohne auf deren Inhalt näher einzugehen. In diefer Be-
fchränkung auf eine kurze principielle Erörterung der
Aufgaben der Theologie gleicht feine Encyklopädie
Schieiermacher's ,kurzer Darftellung des theol. Studiums'.
Zu dem leitenden Grundgedanken Schieiermacher's freilich
, dafs die Theologie im Ganzen ihre Abzweckung auf
die Leitung der chriftlichen Kirche habe, fetzt fich D. in
fcharfen Gegenfatz. Die Theologie foll nach ihm eine
ganz ohne Rückficht auf kirchliche Intereffen vollzogene
Wiffenfchaft fein mit der lediglich dem Wahrheitsintereffe
dienenden Aufgabe, das Wefen des Chriftenthums all-
feitig zu unterfuchen. In Folge diefer Auffaffung bekommt
natürlich befonders die praktifche Theologie eine andere
Stellung zum Ganzen, wie bei Schleiermacher. Sie hat
als ,technifche Disciplin' nur neben dem in fich abge-
fchloffenen Ganzen der ftreng wiffenfehaftlichen Theologie
Platz. Abgefehen hiervon aber berührt fich D.'s Encyklopädie
doch gerade in vielen und wichtigen Punkten
befonders nahe mit den Auffaffungen Schieiermacher's in
jener Schrift.

Die Gedanken, auf die D. am meiften Gewicht legt,
find folgende. Die ftreng wiffenfehaftliche Theologie

welche als befferer Erfatz für die ,Einleitung' über den
gefammten Beftand der urchriftlichen Literatur orientirt,
ohne Rückficht auf das kanonifche Anfehen der einzelnen
Schriften; und dann die Gefchichte des Urchriftenthums.
die wieder in eine Gefchichte des urchriftl. Lebens und
in eine Gefchichte des urchriftl. Bewufstfeins (neuteft.
Theologie) zerfällt. Auch der zweite Theil der hiftorifchen
Theologie, von der Urzeit bis in die Gegenwart reichend,
gliedert fich in die Gefchichte des chrifti. Lebens und in
die des chrifti. Bewufstfeins. Denn die ,Kirchengefchichte'
ift beffer als Gefchichte des chrifti. Lebens aufzufaffen.
weil die Gefchichte des Chriftenthums nicht richtig gezeichnet
wird, wenn man Alles um die organifirte Kirche
gruppirt. Ebenfo ift der Begriff der ,Dogmengefchichte'
zu einfeitig kirchlich orientirt, weil blofs auf das kirchliche
Dogma bezogen. Diese Disciplin ift richtiger zu bezeichnen
als Gefchichte des chriftlichen Bewufstfeins in
Lehrform. Der dritte Theil der hiftorifchen Theologie
hat es mit der Schilderung der Gegenwart des Chriftenthums
zu thun. Die chrifti. Confeffionskunde hat mit
möglichfter hiftorifcher Objectivität 1) die gegenwärtigen
Aeufserungsformen des chrifti. Bewufstfeins in der Lehre
(Symbolik), 2) das chrifti. Leben der Gegenwart (Statiftik)
darzuftellen. Bei der Schilderung der Confeffionen der
Gegenwart mufs man verbuchen ,die eigenthümliche principielle
Modification des chrifti. Princips, die in einer
Confeffion vorliegt, herauszuheben, um dann wieder die
in diefer Confeffion in der Gegenwart vorhandenen vergliedert
fich in die hiftorifche und die fpeculative Theo- j fchiedenen Strömungen als Sondererfcheinungen diefer
logie. Für die hiftorifche Erforfchung des Chriftenthums , principiellen Modification des chrifti. Princips zu begreifen',
bedarf es nicht einer befonderen theologifchen Methode. Dabei ift auf eine vergleichende Werthung der einzelnen

Sie hat nur die beiden Methoden der allgemeinen Ge
fchichtsforfchung richtig mit einander zu verbinden: die
empirifche Methode exaeter Erforfchung des Concreten
und die teleologifche Methode, welche die der gefchicht

Confeffionen zu verzichten. Denn eine folche müfste nach
Mafsgabe einer folchen Erkenntnifs des Wefens des
Chriftenthums gefchehen, wie fte nicht auf rein hiftorifchem,
fondern nur auf fpeculativem Wege allgemeingültig geliehen
Entwickelung zu Grunde liegenden Ideen in's Auge j wonnen werden könnte. Vorausfetzung für die be
fafst. Der exegetifchen Theologie ift nicht eine befondere j zeichnete Arbeit der Symbolik ift, dafs in den einzelnen

Stellung neben der hiftorifchen zu geben, wie es nur aus
dogmatifchen Gründen gefchehen könnte; fondern fte
bildet den erften Theil der hiftorifchen Theologie, indem
fte fich mit der gefchichtlichen Erkenntnifs des Urchriften

Confeffionen fchon lehrhafte Darftellungen ihres Glaubens-
bewufstfeins vorhanden find. So ergiebt fich die Noth-
wendigkeit der ,üogmatik' als einer rein hiftorifchen Disciplin
, in der die Glaubenslehre der eigenen Confeffion

thums befafst. Hülfswiffenfchaft für den Zweck diefer j in ihrer gegenwärtigen Befchaffenheit, und zwar mit den

Erkenntnifs ift die altteftamentliche Wiffenfchaft, die
wiederum durch die allgemeine Religionsgefchichte und
die neuteft. Zeitgefchichte ergänzt werden mufs. Bei der
Exegefe bedarf es einerfeits der grammatifch-hiftorifchen

verfchiedenen Strömungen, die innerhalb der Confeffion
vorhanden find, gefchildert wird.

Aber mitteilt blofs gefchichtlicher Forfchung läfst
fich die Frage nach dem Wefen des Chriftenthums nicht

I t-U j ------ —»—-»........ ..... ------...... .......>..........---------— -• .....yuiuieumuuia 1111.111

-yemode, andererfeits zugleich der pfychologifchen Me- 1 beantworten. Um zur Unterfcheidung des Wefentlichen
de, gemäfs welcher fich der Exeget auf den Stand- j und Unwefentlichen in den gefchichtlichen Erfcheinungs-
fetz reliftiöfen Schriftftellers pfychologifch zu ver- | formen des Chriftenthums einen Mafsftab zu gewinnen,

locfte" r AA- HauPtdisciPlinen der exegetifchen Theo- 1 mufs man mitteilt Speculation das in den concreten ge-
ö und die Literaturgefchichte des Urchriftenthums, ! fchichtlichen Erfcheinungen angefchaute alleemeine
129 fa s

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