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Ausgabe:

1902

Spalte:

65-66

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Smith, George Adam

Titel/Untertitel:

Modern criticism and the preaching of the Old Testament 1902

Rezensent:

Volz, Paul

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. HinrichsTche Buchhandlung. jährlich 18 Mark.

Nr. 3. 1. Februar 1902. 27. Jahrgang.

Smith, Modern criticism and the preaching of

the Old Testament (Volz).
Lötz, Die Bundeslade (Volz).
Köberle, Die Motive des Glaubens an die Ge-

betserhörung im Alten Tedament (Volz).
The Jewish Encyclopedia ed. by Singer, vol. I

(Schürer).

Keville, Le quatrieme evangile, son origine et
sa valeur historique (Baldensperger).

Lisco, Roma Peregrina, ein Ueberblick über
die Entwickelung des Chriftentums in den erden
Jahrhunderten (von der Goltz).

Falconer, From apostle to priest, a study of
early church Organisation (von der Goltz).

Sickenberger, Titus von Bodra [Texte und
Unterfuchungen von Gebhardt und Ilarnack
N. F. VI, 1] (Jülicher).

Harnack, Diodor von Tarfus [Texte und Unterfuchungen
N. F. VI, 4] (Jülicher).

Gibson, Apocrypha Arabica [Studia Sinaitica
VIII] (Ryssel).

Lewis, Select narratives of holy women [Studia
Sinaitica IX. X.] (Ders.).

Riedel, Die Kirchenrechtsquellen des Patriarchats
Alexandrien (H. Achelis).

Brockhaus' Konverfations-Lexikon, rev. Jubiläums
-Ausgabe, I. bis 4. Bd. (Schürer).

Smith, Prof. George Adam, D. D., LL. D., Modern criticism
and the preaching of the Old Testament. Eight lec-
tures on the Lyman Beecher Foundation, Yale Univer-
sity, U. S. A. London 1901, Hodder and Stoughton.
(XII, 325 S. 8.)

Das Buch hat in Schottland eine mächtige Bewegung
hervorgerufen, weil hier wieder einmal ein berufener Vertreter
des A. T. öffentlich und freimüthig ausspricht, dafs
die moderne Kritik den Werth und Offenbarungsgehalt
des A. T.s nicht verneint, fondern eift recht klar ftellt,
fpeciell für die Predigt das A. T. erft recht brauchbar
macht und durch gefunde Erklärung der Widerfprüche
und des Werdeganges der israelitifchen Religion die Hin-
dernifse hinweggeräumt, die dem vom Infpirationsdogma
befangenen Lefer bleiben. Verf. beginnt damit, dafs er
das Recht der Kritik an der Schrift durch das Beifpiel
Jefu und der Apoftel erhärtet; fodann fucht er dem Zuhörer
die ganze Arbeit der hiftorifch-kritifchen Schule
fympathifch zu machen, indem er ihre lange Gefchichte
erzählt, wie jetzt nach ernftem wiffenfchaftlichem Bemühen
eine Reihe anerkannter Refultate daftehen, wie
diefe Arbeit fich nicht in Beobachtung der Sprache und
des Stils erfchöpfte, fondern in den gefchichtlichen Gang
der israelitifchen Religion eindrang, wie fie auch durch
die Angriffe der Infchriftenforfcher nicht beirrt wurde, fondern
die Infchriften in ihren Dienft Bellte. Wenn die Kritik
Manches, wie dieUrfagen,Pfalmen-und Bücherüberfchriften
für ungefchichtlich erklärt, fo raubt fie damit nicht der
Predigt die gefchichtliche Ausnutzung des A. T.s, vielmehr
giebt fie vielfach erft die Mittel und den gefchichtlichen
Sinn, um die Schrift für die Predigt zu verwerthen:
dafs der Prediger vor Allem die Propheten dem heutigen
Zuhörer erft lebendig machen kann, wenn fie zunächft zeit-
gefchichtlich verbanden worden find, das ift eine Errungenschaft
der modernen Kritik; bei den Patriarchen u. f. w.
fteht die innerliche Realität weit über der äufseren, das
find Charaktertypen, die Leben haben, auch wenn fie nicht
gelebt haben, und ein Schriftftück, ein Ffalm, weift fich
durch feinen Gehalt, nicht durch feinen Namen als Wahrheit
und Offenbarung aus. Ebenfo nimmt die Kritik
dem A. T. nichts von feinem Offenbarungscharakter; im
Gegentheil, fie macht es erft klar, dafs die eigentliche
Gotteserkenntnifs des israelitifchen Volkes angefichts
feiner fonftigen Gleichartigkeit mit den femitifchen Verwandten
nur aus Offenbarung hervorgegangen fein kann.
Auch fonft rückt die freiere Behandlung des A. T.s gerade
das echt Religiöfe am A. T., Manches, was bei der tra

Thieropfer, nicht die meffianifchen Stellen find die Haupt-
weisfagungen auf Chriftus, fondern in den Geftalten edler
Aufopferung und der religiöfen Gemeinfchaft mit Gott und
in dem Heilswirken Gottes felbft ift das Wefen und Wirken
Chrifti vorgebildet und vorbereitet. Die Entwickelungs-
phafen der religiöfen Kämpfe, die der neuere Forfcher
im Leben der jüdifchen Frömmigkeit conftatirt, find für
den heutigen Seelforger werthvolle pädagogische Mufter.
Es darf ihn nicht beirren, dafs nur vereinzelte Fromme
im A. T. fich zum Unfterblichkcitsglauben durchrangen,
die Kritik lehrt ihn dies gefchichtlich verftehen, und gerade
auch das Ringen nach diefer Hoffnung, die Thatfache,
dafs der Glaube an die Fortdauer der Nation dem frommen
Individuum nicht genügte, die Erkenntnifs, dafs der fchon
im A. T. gefühlte Befitz der geon aimviog gröfser ift als
die Unfterblichkeitshoffnung, ift für den Prediger wichtig.
Es folgt noch ein umfaffender Abfchnitt über die Gefchichte
der Auslegung und Benutzung des A. T.s in der
chriftlichen Kirche von den früheften Anfängen bis jetzt
in ethifcher, focialer und politifcher Hinficht, wobei die
Schilderung aus Schottland am meiften intereffirt. Im
Einzelnen ift dann noch ausgeführt, was der Prediger
nach Inhalt und Form aus den Schriften der Propheten
und der jüdifchen Weisheit (Hiob und Sprüche) lernen
und verwerthen kann.

Man fieht, das Buch bietet Vieles und Vielerlei, in
der behaglich breiten Form des Vortrages fchweift es
nicht feiten über das Thema hinaus, und namentlich in
der zweiten Hälfte redet es weniger von Kritik und
Predigt, als allgemein von der Nutzbarmachung der
A. T.lichen Schriften für die Predigt. Noch fchärfer
dürfte überdies hervorgehoben fein, dafs das A.T. für
fich felbft ohne die Beziehung auf Chriftus und die chrift-
liche Religion feinen felbftftändigen religiöfen Werth hat.
Auf das Einzelne einzugehen ift hier nicht der Raum. Das
Buch wird den Predigern für eine gefunde, ernfte und ergiebige
Benutzung des A. T.s viele gute Dienfte lehren.
Tübingen. P. Volz.

Lötz, Prof. D. Wilhelm, Die Bundeslade. Sonderabdruck
aus der Feftfchrift der Univerfität Erlangen zur Feier
des achtzigften Geburtstages Sr. königlichen Hoheit
des Prinzregenten Luitpold von Bayern. Erlangen und
Leipzig 1901, A. Deichert Nachf. (44 S. Lex. 8.) M. 1.20
Die Lade ift nach dem Verf. das von Mofe am Sinai
gegründete Nationalheiligthum; es wird darin dem Volke,
ri"« ""li* *Auffaffung verborgen blieb, ins helle Licht. [ wie es vom Sinai wegzieht, ein Sacrament gegeben, das
aitioneiien ^Anwend*ung des A. T.s auf Chriftus mufs j ihm die Gegenwart Jahwe's darftellt. Da in der Folge-
geiftvoHer und innerlicher gefchehen; nicht das blutige I zeit Jahwe's Gegenwart hauptfächlich im Kriege nöthig

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