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Ausgabe:

1902

Spalte:

633-634

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Berger, Philippe

Titel/Untertitel:

Mémoire sur les inscriptions de fondation du temple d‘Esmoun à Sidon 1902

Rezensent:

Hoffmann, Georg

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. SchÜrer, Prof. in Göttingen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark.

Nr. 24. 22. November 1902. 27. Jahrgang.

Berger, Memoire sur les inscriptioos de fon- Harnack, Die Miffion und Ausbreitung des
dation du temple d'Esmoun ä Sidon (G. Hoff- j Chriftentums in den erden drei Jahrhunderten
mann). (Harnack).

Kittel, L'eber die Notwendigkeit und Möglich- : Sickenberger', Die Lukaskatene des Niketas
keit einer neuen Ausgabe der hebräifchen Bibel j von Herakleia [Texte und Unterf. von Geb-
(Beer). hardt und Harnack N. F. VII, 4] (v. Dob-

Jacoby, Ein bisher unbeachteter apokrypher j •**).

Bericht über die Taufe Jefu (v. Dobfchütz). I Kujot, Visitationes archidiaconatus Pomeraniae

Hieronymo Rozrazewski et Pomeraniae epis-

copo factae (Freytag).
Kaftan, Dogmatik, 3. u. 4. Aufl. (Reifchle).
Rein, Grundrifs der Ethik (Reifchle).
Flügel, Die Seelenfrage mit Rückficht auf die

neueren Wandlungengewiffer naturwiffenfchaft-

licher Begriffe, 3. Aufl. (Reifchle).
Kögel, Rudolf Kögel, fein Werden und Wirken,

z. Ild. (Eck).

Berger. Philippe, Memoire sur les inscriptions de fondation Kedes bei bbToy. Der unermüdliche Berger behandelt
du temple d'Esmoun ä Sidon. (Extrait des mem. de j ausführlich, aber nicht entfcheidend, die Zeit der Nach

1 - / I III , , . 1 1 . .". n-. Am r. n m n .._,-] Ll„4n4. Cm . II sllja

kommen Esmün'azor's und bietet forgfähige Heliogravüren
der zwei in Paris befindlichen Infchriftfteine.
Am Ende der vorletzten Zeile des erften fcheint hinter
T^N kein beunruhigender Buchftabe weiter zu ftehn.

Kiel. Georg Hoff mann.

l'acad. d. inscript. t. XXXVII, Paris 1902.) (29 p. 4. av.
6 planches.)

Rechts vom Wege von Saida nach Beirut 1100 Meter
im Norden des Dorfes el-Baramije, nur 925 Meter öfUich
der Mündung des Nahr al-'Auli in das Meer hat man in
halber Höhe einer (teilen bewaldeten Berglehne, 50 Meter
über dem Meeresfpiegel Mauerwerk gefunden, das aus Kittel, Prof. D. Rudolf, über die Notwendigkeit und Möggewaltigen
rechteckigen Blöcken ohne Mörtel zufammen- lichkeit einer neuen Ausgabe der hebräischen Bibel. Stu-
gefügt ift Auf den verdeckten P lachen derfelben, mit dien und Erwä Ld ■ ,™ A Deichert,

welchen die Steine fich neben und unter einander be- f o »«■

rühren, berichten fechs völlig gleichlautende Infchriften, JNacnt- 1SÖ b- Sr- *J M- 2 ~

dafs fie einem Tempel des Esmün (Asklepios) ange- Was Kittel in diefer, nicht blofs feine Fachgenoffen,

hören, wahrfcheinlich demfelben, den Strabo 16 c. 756
fowie die Sarkophaoinfchrift Esmün'azor's erwähnen. Die
Echtheit der Infchriften wird durch Berger's Mittheilungen
jedem Zweifel entrückt. Obgleich fie einen vollftändigen
und ficheren Buchftabentext geben, bleibt auch diefer für
den Erklärer ein Danaidenfafs. Berger überfetzt: Le roi Bodostart
, roi des Sidoniens, fils du roi Esmounazar, roi
des Sidoniens a Sidon maritime, des cieux eleves, terre
des Resefs, Sidon, qui domine sur . . . ., Sidon souveraine,
ce tcmple-ci a construit a son Dien, ä Esmoun, prince saint.
Aber möglich ift z. B. auch:

=:-s ibü -iwsaiEK Iba p p ora Iba r-incy-d Tb»
.n© ra z:i ©8 .b© ans db»t p8 oan na« w .psa
.©ip n© p©8b ■'bsb p t ran fps

,Der König Bod'aftart, König der Sidonier, Enkel des
Königs Esmün'azor, Königs der Sidonier, in Sidon [betete:]
,Meer, Hoher Himmel, Erde, Flammen: die Sidonier laffet
in Frieden! (== Tb© Piel*); die da bauen Sidon, behütet
(= itY©')! Diefes Haus baute er feinem Gotte Esmün,
dem Huter des Heiligthums (oder: ,von Kedes'!)". Dergleichen
Gebete beim Tempelbau find bei den Baby-
loniern häufig vgl. Schräder, Keilfchr. Bibl. 32 S. 55, 16
S. 65; 103 u. f. w. Vgl. 1. Kön. 81s. Hier werden die
Elemente ftatt der Götter angerufen, wie ähnlich in Han-
nibal's Vertrage mit Philipp: Polyb. 79; wenn nach diefer
Interpunction vier, fo wäre an griechifche Gewohnheit zu
denken: Empedocles ed. Diels fr. 17 is. tcvq xal vömg xdi
yata xal rjenog djti.uxov vipoc vgl. 38 s. — ©1p 1© von 11©
iqjonäv vgl. Hof. 149. Num. 249 und JJv&mvoq ixönxaiq,
Apollo und Artemis: Pind. Nein. 95 AäXov fteodfedrov
oxojzöv Apollo: Pind. Olymp. 659.

Lieft man aber 1© )-Z.ÜlZ ©8 b©a pt, fo heifst es:

fondern auch die übrigen Theologen, ferner alle Benützer
und Freunde des A. T. angehenden Studie bietet, ift
nichts weniger als eine Toterklärung des textus receptus
massoreticus und einProgramm für eine kritifche hebräifche
Bibel, die fich neben der einzigen, die wir bis jetzt, freilich
noch unvollendet, befitzen, der Haupt'fchen Regenbogenbibel
, ihre Selbftftändigkeit wahrt.

Unfere gewöhnlichen hebräifchen Bibelausgaben beruhen
in letzter Linie befonders auf der Complutenfer
Polyglotte 1514 ff. und der Bomberg-Bibel, feit 1517. Die
älteften hebräifchen Bibelhandfchriften reichen über das
10. und Ii. nachchriftliche Jahrhundert nicht zurück. Setzt
man den Beginn des a.t.lichen Schriftthums ca. 1000 v.Chr.,
die Blüthe zwifchen 8—700 und das Ende zwifchen 200
bis 100v.Chr., fo bleibt zwifchen der Niederfchrift unferer
älteften hebräifchen Mff. und der Entftehung der a.t.lichen
Texte ein Zeitraum von ungefähr 2000 Jahren, der fich
bei den mittleren und jüngften Schriften um 2—300, bezw.
8—goo Jahre kürzt und für die gefammte Literatur um
weitere 900 Jahre fich verringert, wenn man bedenkt,
dafs der Archetypus, auf dem unfere keine wefentlichen
Varianten aufweifenden hebräifchen Handfchriften beruhen
, etwa aus der Zeit Hadrian's (117—138) flammt.
Immerhin ift der Abftand der a.t.lichen Originalfchriften
von dem textus receptus der Synagoge grofs genug, um,
ganz abgefehen davon, dafs die hebräifchen Bibelhandfchriften
felbft nicht fehlerlos und die von ihnen abhängigen
älteften Drucke und modernen Ausgaben keine
abfolut treue Wiedergabe der Handfchriften find, die
buchftabenfefteften Theologen und Laien, die in ihrem
Leben nichts anderes in die Hand nehmen als etwa die
von Hahn und Theile beforgten Ausgaben bezw. die

,Meer, Hoher Himmel, Erde, Flammen behütet mich (ihn?) , Luther'fche Ueberfetzung des Ä. T., in ihrer Vertrauens
(von UD) als Herrfcher über fie; behütet mich (ihn?) als J feligkeit gegenüber dem ihnen zugänglichen hebräifchen
P'ürften'. Für ©ip -|© geht ©np T©; alfo Esmün'azor- j oder deutfchen Text zu beunruhigen (1. Cap. S. 4—13).
infchr. 16: ,dem Esmün von Heiligenfelde bei bbTW vgl. Dem Nachweis möglicher und wirklicher Fehler in

3D© p©-|, n^b« S)©1; wenn nicht wie oben: ,dem Hüter von [ dem mafforethifchen Text dient das zweite Capitel. Da-

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