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Ausgabe:

1902 Nr. 22

Spalte:

603-604

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Vorländer, Karl (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Immanuel Kant’s Kritik der Urtheilskraft. 3. Aufl 1902

Rezensent:

Mayer, Emil Walter

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Seite 1

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603 Theologifche Literaturzeitung. 1902. Nr. 22. 604

Miffionshandelsgefellfchaft, diefe von Zellweger
organifirte, für die Einwirkung des kaufmännifchen Elementes
in der Basler Miffion charakteriftifche und für
die fociale Verforgung der neugewonnenen Chriften fo
wichtige Einrichtung, hätte im Zufammenhange be-
fprochen werden dürfen. Dann wäre auch Infpector
Schott's Austritt klarer dargeftellt worden. — Mit :
grofser Anerkennung wird in den letzten Abfchnitten
das persönliche Chriftenthum der bekehrten Heiden behandelt
und die Basler Miffion im allgemeinen charakteri-
firt. Vier Tabellen geben noch eine Ueberficht über ihre
Gefchichte. — Das Buch ift auch für Kenner von Epp-
ler's Gefchichte der Basler Miffion lefenswerth, und von
einer befonderen Wärme für den Gegenftand getragen, I
welche gewifs viele Lefer anziehen wird. Wir wünfchen
diefelben namentlich unter der jüngeren Generation.

Calw. P. Wurm.

Bruno, Giordano, Von der Ursache, dem Princip und dem
Einen. Aus dem Italienifchen überfetzt und mit erläuternden
Anmerkungen verfehen von Adolf La ffon.
Dritte verbefferte Auflage. (Philofophifche Bibliothek.
Band 21.) Leipzig 1902, Dürr'fche Buchh. (XXIV,
162 S. 8.) M. 1.50

Kant's, Immanuel, Kritik der Urtheilskraft. Herausgegeben
und mit einer Einleitung, fowie einem Perfonen- und
Sachregifter verfehen von Dr. Karl Vorländer. Dritte
Auflage. (Philofophifche Bibliothek. Band 39.) Leipzig
1902, Dürr'fche Buchh. (XXXVIII, 414 S. 8.) M. 3.50

— Beweisgrund zu einer Demonstration des Daseins Gottes,

nebft den anderen kleineren Schriften zur Religions-
philofophie. Der II. Abtheilung von Kant's kleinen
Schriften zur Ethik und Religionsphilofophie. Zweite

Auflage, durchgefehen von Friedrich Michael Schiele.
(Philofophifche Bibliothek. Band 47 II.) Leipzig 1902,
Dürr'fche Buchh. (VIII, 172 S. 8) M. 1.50

Von der Philofophifchen Bibliothek liegen drei
Bändchen vor.

Das eine, Nr. 21, bietet die von Laffon gefertigte
Ueberfetzung der Schrift Giordano Bruno's ,Dialoghi j
della causa principio cd uno', die zu den wichtigeren des
abenteuerlichen Denkers gehört, in dritter Auflage dar.
Beigefügt find, abgefehen von einzelnen textkritifchen |
Fufsnoten, eine Reihe erläuternder Anmerkungen und
eine Einleitung, die wefentlich ein biographifcher Abrifs 1
ift. Die Stellung Bruno's zum katholifchen Chriftenthum
wird darin etwas anders beurtheilt, als es fonft wohl ge-
fchieht; vgl. beifpielsweife die Darfteilung Windelband's
in der ,Gefchichte der neueren Philofophie'. Die Veränderungen
gegenüber den früheren Auflagen find minimal
. Die bedeutendften dürften darin gefunden werden,
dafs der Druck beffer und der Nachweis der einfchlägigen
Literatur etwas ausgiebiger geworden ift.

Band 39 enthält Kant's Kritik der Urtheilskraft.
Herausgegeben ift diefe von Karl Vorländer. Zu Grunde
gelegt ift nicht mehr, wie das feiner Zeit von Seiten
Kirchmann's gefchehen war, der Text der zweiten
Hartenftein'fchen Ausgabe, fondern derjenige der dritten
Originalauflage als der letzten ,noch zu Kant's Lebzeiten
gedruckten''; Kehrbach hat die erfte, Erdmann die zweite
verwendet. Etwa 24 neue Textveränderungen find felbft-
ftändig von Vorländer vorgenommen, aufserdem fämmt- 1
liehe wichtige Verbefferungen anderer angemerkt worden.
In Fufsnoten find des weiteren alle Abweichungen der
dritten Auflage von der zweiten und die fachlich be-
deutfamen von der erften angeführt. Die, man darf
wohl fagen, berüchtigten Erläuterungen Kirchmann's hat
der Herausgeber ganz befeitigt. An die Stelle ift ein

detaillirtes Perfonen- und Sachregifter getreten und eine
Einleitung, die fich aus folgenden Stücken zufammen-
fetzt: einem Referat über die Entftehung des Werkes, einer
kurzen Recapitulation der Grundgedanken und einem Berichte
über das von Goethe benutzte Exemplar der Kritik
der Urtheilskraft. Ob das letztere Capitel, das nicht viel
mehr leiftet, als die Stellen namhaft zu machen, die der
grofse Dichter angeftrichen hat, in eine Ausgabe der
Kant'fchen Schrift hineingehört, ift eine discutable Ge-
fchmacksfrage. Im übrigen ift aber die Arbeit Vorländer's
zweckentfprechend und dankenswerth.

Band 47 II enthält nachftehende Schriften Kant's:
1. Verfuch einiger Betrachtungen über den Optimismus.
1759. 2. Der einzig mögliche Beweisgrund zu einer Demon-
ftration des Dafeins Gottes. 1763. 3. Einige Bemerkungen zu
Ludwig Heinrich Jakobs Prüfungen der Mendelsfohn'fchen
Morgenftunden. 1786. 4. Ueber das Mifslingen aller philofophifchen
Verfuche in der Theodicee. 1791. 5. Das Ende
aller Dinge. 1794. Der Herausgeber ift F. M. Schiele.
Wie bei der erften Auflage des betreffenden Heftes in
der Philofophifchen Bibliothek ift der Text der Hartenftein
'fchen Ausgabe benutzt worden. Aber derfelbe ift,
wie eine in das Vorwort aufgenommene Tabelle veran-
fchaulicht, vielfach revidirt und — abgefehen von dem
Auffatz über den Optimismus — mit den Originaldrucken
der Werke Kant's verglichen worden. Zu denjenigen
Verbefferungen Hartenftein's, die von Schiele beibehalten
wurden, find einige neue hinzugekommen. Das Ganze
hat dadurch nur gewonnen. Dagegen wäre eine kurze
Einleitung zu den dargebotenen Publicationen vielleicht
nicht überflüftig gewefen.

Strafsburg i. E. E. W. Mayer.

Miscelle zum Aufenthalt des Petrus in Rom.

Wenn mein Gedächtnifs mich nicht im Stich läfst,
fo ift die Stelle Macarius Magnes, Apocrit. III, 22, für die
Dauer des Aufenthalts des Petrus in Rom nicht ver-
werthet oder doch eine folche Verwerthung nicht beachtet
worden. Sie fcheint mir von grofser Bedeutung
zu fein. Ich bemerke, bevor ich fie überfetze, dafs der
von Macarius bekämpfte Heide, von dem umfangreiche
Ausführungen mitgetheilt werden, aller Wahrfcheinlich-
keit nach Porphyrius ift, der in Rom gelebt hat.
Die Ausführungen find leiner Schrift gegen die Chriften
entnommen:

,. . . Man mufs fich daher wundern, wie Jefus einem
folchen Menfchen wie Petrus die Schlüffel des Himmelreichs
geben und wie er einem, der fich bei einem folchen
Lärm (Act. 12) beftürzt zeigte und fich durch folche
Dinge niederwerfen liefs [indem er aus Todesfurcht aus
dem Gefängnifs floh] fagen konnte: „Weide meine Lämmer
" . . . Doch wird erzählt, dafs Petrus, nachdem
er die Schäfchen nicht einmal wenige Monate
geweidet hatte, gekreuzigt worden fei (dficoq
iöTOQtlrcu fi?jö oXiyovq urjvaq ßoOx-nöaq ra jcooßdrea o
UixQoq eOzavncöaOcu), während Jefus gefügt hatte, die
Pforten der Hölle würden ihn nicht überwältigen.'

Als eine ,I<StOQla' bietet der in kritifchen und hifto-
rifchen Angaben gründliche Prophyrius die Nachricht,
Petrus habe die Schafe nicht einmal wenige Monate geweidet
. Ich weifs nicht, wie man diefe Nachricht anders
zu deuten vermag, als dafs er nur wenige Monate
in Rom gewefen ift. Es gab alfo um die Mitte des
3. Jahrhunderts in der römifchen Gemeinde eine Ueber-
lieferung — unwiderfprochen war fie nicht mehr —,
dafs Petrus nur ganz kurze Zeit in Rom gewirkt hat.
Diefe Ueberlieferung trifft mit den heutigen kritifchen
Erwägungen über die Dauer des Aufenthalts des Petrus
in Rom in überrafchender Weife zufammen. Der Ausdruck
.p/cf oXiyovq firjvaq' lautet beftimmt genug und
läfst etwa knapp zwei Monate offen; die Nachricht ver-