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Ausgabe:

1902 Nr. 2

Spalte:

35-36

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Diettrich, Gustav

Titel/Untertitel:

Eine jakobitische Einleitung in den Psalter, in Verbindung mit zwei Homilien aus dem grossen Psalmenkommentar des Daniel von Salah 1902

Rezensent:

Schwally, Friedrich

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Theologifche Literaturzeitung. 1902. Nr. 2.

36

Doch glaube ich, ohne eingehende Unterfuchungen angeheilt
zu haben, fchon jetzt fagen zu können, dafs
die meiften lexikalifchen Curiofitäten fich als Fehler der
Handfchriften oder irrthümliche Auffaffungen des alten
Salomo herausheben werden. Bacher, der fich fchon viele
und grofse Verdienhe um die Gefchichte der jüdifchen
Sprachgelehrfamkeit erworben hat, kann auch für diefe
werthvolle Publication des Dankes der Fachgenoffen
ficher fein.

Giefsen. Fr. Schwally.

Nachwort: Ich habe mich inzwifchen genauer mit
dem Lexikon befchäftigt und bin vielen räthfelhaftenlden-
tificirungen auf die Spur gekommen. Die ficherhen
Refultate diefer Unterfuchungen habe ich meinem Strafs-
burger Collegen Paul Horn zur Verfügung gehellt, der
diefelben im Literar. Centraiblatt zur Veröffentlichung
bringen will.

Diettrich, Pfr. Lic. Dr. G., Eine jakobitische Einleitung in
den Psalter, in Verbindung mit zwei Homilien aus dem
grossen Psalmenkommentar des Daniel von Salah zum

erhen Male herausgegeben, überfetzt und bearbeitet.
(Beihefte zur Zeitfchrift für die altteham entliche Wiffen-
fchaft V.) Giefsen 1901, J. Ricker. (XLVII, 167 S.
gr. 8.) M. 6.50

Die beiden auf dem Titel genannten Werke finden
fich zufammen in dem unferem Herausgeber zur Verfügung
gehellten Cod. Manuscr. Harris 65. Die ,Einleitung' ih
nach den forgfältigen Unterfuchungen S. I—XLV zwiichen
dem 10. und 12. Jahrh. gefchrieben. Der Verfaffer der
.Homilien', Daniel von Salah, war ein Zeitgenoffe des bekannten
Araberbifchofs Georg (f 724). Der Werth der
Einleitung behebt darin, dafs im Syrifchen wenig derartige
Werke bekannt geworden find, die eine fo überlegte und
fyhematifche Arbeit enthalten. Wenn der Herausgeber
zu feinem Erhaunen fämtliche Materien darin behandelt
findet wie in einem modernen Commentar über die
Pfalmen, fo gereicht dies zwar dem fyrifchen Schriftheller
zum Ruhme, aber nicht dem 19. Jahrhundert. Ueber den
Werth diefer Publication für die dogmengefchichtliche
Forfchung kann ich mich nicht ausfprechen. Ich mufs
mich darauf befchränken, die Leihung des Herausgebers
und Ueberfetzers zu würdigen. Wenn man bedenkt, dafs
nur eine einzige Handfchrift vorlag, die vielfach ver-
hümmelt ih oder auf fchlechte Ueberlieferung zurückgeht,
und dafs andererfeits der Herausgeber ein vielbefchäftigter
Pahor ih, fo wird man diefer Arbeit feine Anerkennung
nicht veriagen dürfen. Ich habe den fyrifchen Text ganz
gelefen, indeffen die Ueberfetzung nur gelegentlich verglichen
. Es fei mir gehattet, einiges von dem, was mir
bei diefer Leetüre aufgefallen ih, herzufetzen.

S. 12 Z. 7 v. u. lies: ,und ich habe behätigt' (rTTE»)
für ,es heht feh'. — S. 16 Z. 10 überfetze ,haben fie mit
Ruthen gefchlagen'. — S. 17 Z. 4 v. u. lies ^M"I ,dafs
wir zurecht weifen'. —S. 17 u. lies SraTaK für tTÖÖ'ia«. —
S. 25 Z. I ITtTn heifst nicht .einfach', fondern ,forgfältig'. —
S. 24 Z. 1 überf.:,die Wuthausbrücbe der Juden über ihn und
über das Kreuz'. — S. 27 Z. 9 lies nitttrm — S. 37 Z. 4 v. u.
hreiche 1 vor 'pnitä. — S. 41 Z. 4 KSriB heifst nicht Cither,
fondern .Pauke'. — S. 67 Z. 6 v. u.: da X»1t als Name eines
muficalifchen Inhrumentes nicht bekannt ih, wird man
etwa fcWOI tympanon zu emendiren haben. — S. 77 Z. 2 v.
u. 1. »mm. — S. 86 Z. 4 v. u. xa»3 heifst nicht .bedecken',

wie arabifch ^aÄ, fondern .vernichten, auslöfchen, fühnen'.

— S. 103 Z. 2 v. u. hreiche 1 vor »Bbntö'a. — S. 108 Z. 4 fcOSM
heifst nicht ,Fafs', fondern ,Krug, Amphora'. — S. 109 Z. 4
hinter 'pDBBn ih eine Lücke, oder es liegt eine andere Ver- 1
derbnifs vor. — S. 119Z. 6 lies nnir)H8. — S. 121 Z. 2 «aiB !

heifst .Erhörung'.— S.i2i Z.7V.u. niOS heifst .begierig'nicht
,fich freuend'. — S. 123 Z.4 v. u. lies 8Jnp b»KT. — S. 124 Z. 1
überf. ,erheben wir uns zu', nicht .verbinden wir damit'. —
S. 134 Z. 13 überf. ,und er ih in einen Mantel gehüllt' (,er
hat feinen Mantel umgehüllt' ih aufserdem fehr fchlechtes
Deutfch). — S. 135 Z.9 hreiche pbfl als Dittographie. — S. 141
Z. 7 sulp ,Tilgung', beffer ,Zerreifsung'. — S. 148 Z. 12
überf. .verborgen hatte'. — S. 149 u. lies KTOTl für rTTT»T).
— S. 150 Z. 6. 7 ih .Verfammlung' zu hreichen. Der
Ueberf. hat Kntlhi» doppelt wiedergegeben, und das zweite
Mal, als ob XlrvBhD» dahünde. — S. 155 Z. 9 v. u. ,und bewahrt
fie aufserhalb des Haufes' ih falfch. Weder heifst ja
aufserhalb, noch Tal» .aufbewahren' wie im Hebräifchen.
Vielmehr ih fyr. Tai» = ,löfen'. Daher ih zu überfetzen:
,Und macht fie vom Haufe feines Vaters los und ledig'. —
S. 156Z. 6 nblS heifst nicht .vertilgen', fondern .verwirren'. —
S. 159 Z. 13 1. übttOTl oder üblfch. — S. 160 Z. 16 überf. ,die
gezählt werden können' (iMattfia), oder .keine zählbaren'
[Tage], nicht ,die gezählt werden'. — S. 163 Z. 1 lies "plan
Die Abschrift des Codex ih von einem Diakon
Namens Matte angefertigt, über den S. XIIf. einige bio-
graphifche Notizen abgedruckt find. Bei der Ueberfetzung
derfelben hat fich D. ein fehr fchlimmes Verfehen zu
Schulden kommen laffen, indem er die Worte T3 Kflfta
fjOT1 lOTpa wiedergiebt durch ,Matte der Sohn des Bauers
Jofeph'. Woher hat er die Weisheit, dafs "©Tpa ,Bauer'
heifse, bezogen, oder was hat er fich fonh dabei gedacht?

Giefsen. Fr. Schwally.

Mommert, Ritter des hl. Grabes, Pfarrer D. Carl, Die
Heilige Grabeskirche zu Jerusalem in ihrem ursprünglichen
Zustande. Mit 22 Abbildungen im Texte und 3 Kartenbeilagen
. Leipzig 1898, E. Haberland. (VIII, 256 S.
gr. 8.) M. 5.50

— Golgotha und das hl. Grab zu Jerusalem. Ebenda, 1900.
(VIII, 280 S. gr. 8.) M. 5.50

— Die Dormitio und das deutsche Grundstück auf dem traditionellen
Zion. Mit 10 Abbildungen im Text und 1 Planzeichnung
. Ebenda, 1899. (VII, 124 S. gr. 8.) M. 3.—

C. Mommert hat fich mit diefen drei Schriften in
die erhe Reihe der Topographen Jerufalems gehellt. Mit
gründlicher hihorifcher Bildung und einer anerkennungs-
werthen Unbefangenheit vereint er ein ungewöhnliches
Mafs von fcharfer und eindringender Beobachtung an
Ort und Stelle. Dadurch hat er von allen mafsgebenden
Verhältnifsen eine klare Anfchauung gewonnen und ih
es ihm möglich geworden, ein lichtvolles und in vielen
Hauptpunkten überzeugendes Bild feiner Anflehten zu
geben.

Die wichtighe feiner Schriften ih die über die Gr ab es-
kirche. Es ih ihm nämlich unferes Erachtens gelungen,
durch fie unwiderleglich nachzuweifen, dafs die Bafilica
Conhantin's das Grab Chrihi, Golgotha, das Martyrium,
die Helena- und Kreuzfindungscapelle in fich zufammen-
fafste, und dafs in den Säulenhümpfen, die fich jetzt
noch bei der Marktgaffe ez-Zet finden, Ueberrehe von
den Propyläen diefes gewaltigen kaiferlichen Baues erhalten
haben. Alle Angaben, die uns Eufebius, Cyrill
von Jerufalem, der Bordeauxpilger, die Pilgerin Silvia,
Theodofius u. f. w. über die Kirche Conhantin's gemacht
haben, gewinnen durch die Aufhellungen Mommert's ihr
volles deutliches Licht, fo dafs fein Grundrifs die 19 bisherigen
Entwürfe überholt.

Keinem der früheren Forfcher hund ein fo reichhaltiges
Material zu Gebot; er wufste es aber durch
äufserh forgfältige Meffungen noch wefentlich zu äufnen.
Dadurch gelang es ihm viele Irrthümer zu berichtigen
und manche richtige Anficht feiner Vorgänger beffer
und eingehender zu begründen. So hat z. B. erh er mit
vollendeter Deutlichkeit und Sicherheit nachgewiefen, dafs