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Ausgabe:

1902 Nr. 19

Spalte:

532-533

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Brockhaus‘Konversations-Lexikon 1902

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologifche Literaturzeitung. 1902. Nr. 19.

532

Wollen. Ein Beitrag zur Apologetik und zur Würdigung
der thomittifchen Philofophie. (V, 135 S.
gr. 8.) 1900. Sämmtlich ä M. 2.20 bei Mayer & Co.
in Wien.

Weniger fonderbar als der Titel ift der Inhalt des
erden Heftes von Englert, eine religionswiffenfchaftliche
Vergleichung der in den beiderfeitigen heiligen Schriften
vorausgefetzten metaphyfifchen Grundlagen Chridi und

Brockhaus' Konversations-Lexikon. 14. volldändigneubearb.
Aufl. Neue rev. Jubiläums-Ausgabe. 5. Bd. Deutfehes
Volk — England. 6. Bd. Engler — Frankreich.
7.Bd. Frankdadt — Gleyre. 8. Bd. Glied — Henares.
Leipzig 1901—1902, F. A. Brockhaus. (1056, 1050,
1040 u. 1040 S. Lex. 8.) Geb. in Halbfrz. je M. 12.—

Seit unterem Berichte über die vier erden Bände
diefes Werkes (Theol. Lit.-Ztg. 1902 Nr. 3) find vier

Buddha's, die mit ihrer fad durchgängigen Befchränkung weitere Bande erfchienen. ' Es' bedarf kaum der Be-
auf biblifche Belegdellen und ihrer ruhigen fachlichen , merkung dafs fie an Gediegenheit des Inhaltes und der

Art vielmehr einen gündigen Eindruck für das ganze
Unternehmen hervorruft. Im zweiten Hefte empfiehlt
Commer gegenüber der krankhaft zerriffenen, fkepti-
fchen und atheiftifchen Philofophie der Gegenwart die
immerwährende Philofophie' eines Plato, Aridoteles,
Augudin und Thomas, die auf dem Wege fyllogiftifch ftren-
ger Beweisführung bereits zu einer Reihe von apodiktifchen
Wahrheiten gelangt id, die ihre Vertreter in allen Zeiten
bis auf die Gegenwart hat und die fich durch ihren
detigen Eortfchritt in der Wahrheit und ihre Continuität
als die echte Philofophie documentirt. Der Zweck der

Ausdattung ihren Vorgängern gleichdehen. Was vor
allem in die Augen fällt, id der Reichthum an bildlichen
Beigaben (Karten, Plänen, Abbildungen). Der
fünfte Band enthält 54 Tafeln und 283 Textabbildungen,
der fechde 54 Tafeln und 245 Textabbildungen, der
fiebente 57 Tafeln und 324 Textabbildungen, der achte
39 Tafeln und 261 Textabbilduugen. Fad ausnahmslos
find diefe Abbildungen fo gewählt, dafs fie nicht nur
zum Schmucke dienen, fondern ein wefentliches Hilfsmittel
zur Förderung des Verdändnifses bilden. In be-
fonderem Maafse gilt dies für die Gebiete der Technik

Arbeit von Otten id der Nachweis, dafs das Stoffliche und der Geographie. Ich hebe zunächd erderes hervor

denn es geziemt auch uns Vertretern der Geifteswilten-
fchaften, von den gewaltigen Leidungen der modernen
Technik gelegentlich Notiz .zu nehmen (vgl. z. B. die
Artikel Dynamomafchinen, Eifenbrücken, Elektricität,

ganz und gar vom Seelifchen verfchieden id und dem
nach weder der Materialismus noch der pfychophyfifche
Parallelismus, das Erzeugnis eines eingedandenen Unvermögens
und fchwächlicher Verlegenheit, Berechtigung

befitzen. Im vierten Hefte verfucht Kneib gegenüber , Gasbeleuchtung, Gasmotoren, Glasfabrikation, Hänge-
Feuerbach, Straufs und Haeckel in felbddandigem An- | brücken Heizung). Die geographifchen Artikel über alle
fchlufs an Thomas die Underbhchkeit der Seele philo- j wichtigeren Länder und Städte find mit Karten und
fophifch zu beweifen und giebt zugleich eine kurze, j B]anen ausgedattet (Deutfchland, Europa, Frankreich,
im Ganzen wohlgelungene Onentirung über die Er- j Griechenland, Grofsbritannien, Dresden, Dublin, Düffel-
kenntnifsprinzipien der mittelalterlichen Scholadik. dorf; Edinburgh, Elberfeld, Florenz, Frankfurt, Genf,

! Genua, Graz, Halle, Hamburg, Hannover). Bei den
II. Vorträge und Abhandlungen, herausgegeben j Hauptländern (Deutfchland, Frankreich, Grofsbritannien)
von der Leogefellfchaft. i(t das Culturleben der Gegenwart in feinen mannig-

, „ • , . „ . „ ' lloi 1 u 1 • , ' fachen Verzweigungen, wie die Gefchichte der Vergangen-

(14.) Ehrhard, Prof. Dr. Albert, H. Stewart Chamberlain's hdt durch kaff>ographifche Darftellungen erläutert.

„Grundlagen des 19. Jahrhunderts" kritisch gewürdigt. (25 S.

gr. 8.) 1901.

(15.) Swoboda, Prof. Dr. Heinrich, Neue Wendungen in der
Leichenverbrennungsfrage. (24 S. gr. 8.) 1901.

Die Haupfache ift freilich nicht die bildliche Erläuterung,
fondern der Text felbft. Er ift, Dank der ununterbrochenen
Nacharbeit, welche diefem Werke gewidmet
ift, von folcher Vollftändigkeit, dafs man es nicht leicht
bei irgend einer Frage ohne die gewünfehte Belehrung

(16.) Mantuani, Amanuenfis Dr. Jofef, Ueber den Beginn aus der Hand legen wird. Aufser den fchon genannten

des Notendruckes. (29 S. gr. 8.) 1901. Gebieten ift befonders den verfchiedenen Zweigen des

, , .... . „. , _. .. ... . „ , öffentlichen Lebens (Politik, Recht, Volkswirthfchaft, Heer-

(17.) Hilgenreiner, Dr. Karl, Die kirchliche Vorcensur und wefen Marine) die gröfste Aufmerkfamkeit gewidmet.

das Partikularrecht. (38 S. gr. 8.) 1901. Sämmtlich a
M. —.60 bei Mayer & Comp, in Wien.

Ehrhard übt an dem in letzter Zeit vielgenannten,
hervorragenden Werke eine bei aller Anerkennung doch
fcharfe, in manchen Punkten aber durchaus berechtigte
Kritik. Swoboda orientirt über die neueften Schriften
für das Recht der Cremation und fpricht fich in befon-
nener Weife auf Grund der chriftlichen Tradition und
des natürlichen Empfindens für die fernere Beibehaltung

Wer fich für fociale Fragen intereffirt, findet Artikel
über alle fpeciellen Punkte (Erwerbsgenoffenfchaften,
Frauenarbeit, FYauenfrage, PVauenftimmrecht, Freihandel,
Getreidehandel, Gewerkvereine, Göhre, Grundeigenthum).
Auch die actuellflen Intereffen der Gegenwart (bis zu
Fahrrad, Flugtechnik und F unkentelegraphie nach den
Syftemen Slaby, Marconi u. A.) find nicht vergeffen.

Während fo das Werk in erfter Linie ein Bild von
der faft verwirrenden Mannigfaltigkeit unferes modernen
der Begräbnifsfitte aus." IMan*tu*anTli'e7ert Culturlebens giebt, ift doch auch die Vergangenheit nach

fältigen Detailftudien beruhende Ergänzungen und Be- Gebuhr berückfichtigt. Unfere Jugend, welche nicht mehr
richtigungen zu Hugo Riemann's ,Notenfchrift und Noten- durch das humanifhfehe Gymnafium zur Befchäftigung
druck'. Hilgenreiner endlich behandelt dieFrage, inwie- mit dem claffifchen Alterthum gezwungen ift, kann fich
weit die Ausführung der Beftimmungen der Conftitution hier noch orientiren über Epheben, Ephoren, Epigraphik,
Leo's XIII. ,0/ficiorum ac munerum1 vom 25. Januar 1897 j eques, flamen, Forum, das alte Griechenland und Hannibal.
in betreff der kirchlichen Vorcenfur durch das Parti- ■ Aucn für die Gefchichte des Mittelalters und der Neuzeit
kularrecht in Deutfchland und üefterreich vorausfichtlich Wlrd das Notwendige geboten.

werde befchränkt werden. Um fchliefslich meiner Pflicht als theologifcher Be-

richterftatter zu genügen, nenne ich noch eine Anzahl
dahin einfchlagender Artikel (ohne Vollftändigkeit zu
beabfichtigen): Dieckhoff, Dieftel, Dillmann, Döllinger,
Elkefaiten, Engel, Epheferbrief, Ephräm, Epifcopalfyftem,
epistolae virorum obscurorum, Erasmus, Erbfünde, Eri-
gena, Efra, Effener, Efther, Fithik, Eufebius, Evangelien,
Ewald, Fegefeuer, Felix (Päpfte), Föderaltheologie, FVancke

Bafel. Lic. A. Bruckner.