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Ausgabe:

1902

Spalte:

18-19

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Neumann, Karl Johannes

Titel/Untertitel:

Hippolytus von Rom in seiner Stellung zu Staat und Welt 1902

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Theologifche Literaturzeitung. 1902. Nr. 1.

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pirung des Stoffes, nach bestem Vermögen abzuhelfen. Neumann, Prof. Karl Johannes, Hippolytus von Rom in seiner
Es ift mir perfönlich eine Freude gewefen, deutlich zu er- Stellung ZU Staat und Welt. Neue Funde und Forfchungen
kennen, dafs die Bemerkungen meiner Recenfion wie j zur Qefchichte von Staat und Kirche in der römifchen
auch die üispofition meines gleich nach dem Barden- , Kaiferzeit. Erfte Abteilung. Leipzig 1902, Veit & Comp,
hewer fchen Buche erfchienenen Grundnfses darauf von . ö lvr

erheblichem Einflufse gewefen find. Zwar lehnt B. nach , O 1 J44 gr- 8-) M. 4.—

wie vor ,die moderne altchrifbliche Literaturgefchichte' , Der Verfaffer des trefflichen Buches ,Der römifche
als den Ausflufs der ,Vorausfetzungen des modernen f Staat und die allgemeine Kirche' (Bd. I, 1890, f. Theol.
rationaliftifchen Proteftantismus', der ,den übernatür- 1 Lit. Ztg. 1890 Col. 83fr.) bietet hier in einer Monographie
liehen Urfprung des Chriftenthums und der Kirche j eine willkommene Ergänzung zu feinen früheren Ausleugnet
' rundweg ab; von feinem Standpunkte aus, über i führungen. Die Berliner Hippolyt-Ausgabe, fowie neue
den man mit inm nicht rechten kann, zweifellos mit , Funde und Entdeckungen der letzten zehn Jahre gaben
Grund. Dafür ift er aber dem felbftgefteckten Ziele, j jhm die Veranlaffung, die Gefammtdarftellung an einem
dafs die Patrologie ,weit mehr als bisher eine gefchichts- , befonders wichtigen Punkte zu erweitern und zu vertiefen,
wiffenfchaftliche Erfaffung und Durchdringung ihres i Der erften Abtheilung foll die zweite (der Schlufs) in
Gegenftandes anzuftreben habe', mit viel gröfserem Er- ! wenigen Monaten folgen.

folge nachgegangen, als ihm in der erften Auflage be- I In der erften Hälfte der vorliegenden Lieferung be-
fchieden war. fchäftigt fich der Verf. mit Plippolyt's efoterifcher Schrift

In erfter Linie gilt das von der gründlichen Neuge- 5über den Antichrift', damit verbindend, was im N. T., bei
ftaltung des Aufiiffes der Literatur der erften drei Jahr- i Juftin, Irenaus und Judas über den Antichrift gefagt ift.
hunderte. Während B. fich früher damit begnügt hatte, in 1 Die forgfältige, an einigen Stellen faft zu umftändlich
zwei grofsen Capiteln die griechifchen und lateinifchen I fcheinende Analyfe der Schrift Hippolyt's erweift fich
Schriftfteller ohne irgend welche Einfchnitte oder Grup- j ais fruchtbar; denn durch fie wird ein detaillirtes, genaues
pen abzuhandeln, fo dafs z. B. die Apoftolifchen Väter undficheresBild von den politifchen und eschatologifchen
mit Methodius von Olympus zufammenftanden, ift nun- j Anfchauungen des römifchen Schriftftellers gewonnen,
mehr eine forgfältige Gliederung verfucht worden. Ich Seine Schrift will beruhigen — das Ende fleht noch lange
angenehm überrafcht, wenigftens für das 3. Jahr- Ij nicht vor der Thüre und das römifche Reich ift felbft noch

hundert meine Eintheilung faft ohne Reft aufgenommen
zu finden. Dabei ift es eine Verbefferung, dafs B. den
Hauptabfchnitt: ,Die kirchliche (ftatt patriftifche) Lite

nicht das Reich des Antichrifts —, aber die Beurtheilung
ift doch viel herber als bei Irenäus: in dem Römerreiche,
deffen Wefen antichriftlich ift, fchattet fich bereits die zu-

ratur im Zeitalter der Entftehung einer theologifchen | künftige Herrfchaft des Anfichrifts ab: Hippolyt verhält
Wiffenfchaft'_ betitelt hat. Seinen erften Abfchnitt über- ! ucn zu Renäus wie der Apokalyptiker Johannes zu

fchreibt er jetzt ,Die urkirchliche Literatur', nicht ,ur
chriftlich', was fich aus der grundfätzlichen Beifeitelaffung
der neuteftamentlichen Literatur rechtfertigen läfst. In
der erften Auflage fehlte die häretifche Literatur ganz

Paulus. In beiden Fällen ift es die Forderung des Kaifer-
cultes gewefen, welche die Stimmung der Chriften erregt
hat. Im Einzelnen wüfste ich an der Darfteilung des
Verfaffers kaum etwas auszufetzen. Dafs Johannes in der

Sie ift jetzt in 8 Paragraphen (die gnoftifche Literatur; , Apok. 17 die fchriftftellerifche Form gewählt habe, er
die judaiftifche L; die montaniftnehe L.; Ueberficht über fchreibe unter dem fechften Kaifer(Vespalian), während er in
die neuteftamentlichen Apokryphen; Apokryphe Evan- 1 Wahrheit unter dem achten (Domitian) fchrieb, ift mir nicht
genen; Ap. Apoftelgefchichten; Ap. Apoftelbnefe; Ap. ; wahrfcheinlich. M. E. fchrieb er unter dem achten, und feine
^nokalyplen) eingefügt worden. Ob diefe Eintheilung Quelleftammtaus derZeit des fechften. Bei derOffenbarung
al.en Wü.ifchen entfpricht, will ich heute dahingeftellt fein Johannis hätte die Frage verhandelt werden können (f
laffen. Jedenfalls ift fie beffer als die meintge. Uebn- j Lübeck, Reichseintheilung und kirchliche Hierarchie des
gens hat mir der Herr Verf. brieflich mitgetheilt, dafs ihn Orients bis z. Ausgang des 4. Jahrh 1901 S 27fr) ob
die jetzt gewählte Eintheilung der Literatur des 2. Jahrh. j nicht die fieben Briefe empfangenden Städte diejenigen
noch nicht volllländig befriedige, und dafs er fie in feiner j jn Afien find, in denen der Kaifercult befonders blühte
im Drucke befindlichen ausführlichen Literaturgefchichte Dafs fie nicht die einzigen chriftlichen Gemeinden in Afien
durch eine andere zu erfetzen gedenke. Es wird alfo ! um 93 wareni fleht fett. Alfo verlangt die Auswahl eine
aut diefe Frage fpäter zurückzukommen fein. Inzwifchen Erklärung. In Bezug auf die Beftimmung der Abfaffungs-
mufs man doch Act davon nehmen, dafs die Aufnahme ■ zeit der Schrift vom Antichrift wird der Verfaffer das
der haretifchen Literatur in die Patrologie zu gleich- , Richtige getroffen haben (197—202, näher an 202 aber
berechtigter Darfteilung doch eine bedenkliche Durch- 1 vor dem Refcript), obfehon ganz fichere Merkmale
brechung der alten, von B. beibehaltenen Begriffsbeftim- i fehlen. Hier wie in anderen Punkten hat ihm Overbeck
mung bedeutet, ein Zeichen mehr, dafs diefe fich, wie ; vorgearbeitet, deffen kleine Monographie vom Jahre 1864
noch jungft wieder grade von kathohfeher Seite durch i zwar an einigen Stellen zu berichtigen, in den Haupt-
Ehrhard gezeigt worden ift, vor dem wiffenfehaftlichen fragen aber zu beftätigen war. 1
Forum nicht mehr halten läfst. Auch die jetzt vollzogene , Die zweite Hälfte der Arbeit ift dem Danielcommentar
/.eriprengung Oes ßegnttes der .Apoftolifchen Vater' wird Hippolyt's gewidmet und fucht ihn hiftorifch auszubeuten:
man in d.efer Beziehung als einen rortfchr.tt begrüfsen. er ift nicht nur reichhaltiger als die Schrift über den
Aut Einzelheiten einzugehen darf ich mir erfparen, ; Antichrift, fondern auch bisher, trotz B onwetfch's treff-
da es fich um ein bereits eingebürgertes Buch handelt. 1 licher Unterfuchung, noch nicht ausgefchöpft. Auch
Doch will ich nicht unterlaffen darauf h.nzuweifen, dafs j diefer umfangreiche Commentar hat fchliefslich einen
die neue Auflage trotzdem alle hortfehntte der Wiffen- : praktifchen Zweck und zwar denfelben wie die ältere
lchatt darin verarbeitet find, und ohne, dafs der Klein- | Schrift: er will die durch das Kaiferrefcript vom Jahre 202
druck in ftorender Weife vermehrt worden wäre, um 32 ; erregten Gemüther beruhigen; das Ende ift noch nicht
Seiten kurzer geworden ift. Hierzu darf man den Verf. | zu erwarten; noch dauert es nahezu 300 Jahre. Der Ver-
aufrichtig begluckwunfehen. I faffer gjebt ejne genaue, von Wiederholungen nicht ganz

Giefsen. G. Krüger. ! freie, in den Ausdeutungen energifche Analyfe des Werkes,

1 das in Ton und Gefammthaltung fich von dem früheren

,_____ nicht unterfcheidet. Pline beftimmtere Inhaltsbeftimmung

j des feverianifchen Refcriptes und ein concretes und lichtvolles
Bild feiner Folgen, fpeciell an den Tauftagen, alfo
vor allem zu Oftern, ift die Frucht der Analyfe, fowie