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Ausgabe:

1902 Nr. 9

Spalte:

274-276

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Baumstark, Anton

Titel/Untertitel:

Die Petrus- und Paulusacten in der literarischen Überlieferung der syrischen Kirche 1902

Rezensent:

Dobschütz, Ernst

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Theologifche Literaturzeitung. 1902. Nr. 9.

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gegeben (151); Barn, will aus dem Schatze feiner Gnofis Baumstark, Dr. Anton, Die Petrus- und Paulusacten in der
einiges mittheilen, wodurch feine Hörer gefördert werden j litterarischen Ueberlieferung der syrischen Kirche. Feft-
f?»en (15 und .);, de Römer glauben den Korinthern alles | fs dem prieftercollegium des deutfchen Campo

eingefcharft zu haben, was fich für Chnften fchickt und * ' „ b .

was für die, die ein tugendreiches Leben führen wollen, Santo zu Rom zur Feler femes 25jahrigen Beftehens
nützlich ift (I. Clem. 621). (8- December 1901) gewidmet. Leipzig 1902, O. Har-

Thema an Thema wird in den genannten Briefen | raffowitz. (80 S. gr. Lex. 8.) M. 4. —

(und nicht nur in (Hefen) aneinander gereiht: wo W. In- , R A_ Li flus hat den kühnen Muth befe(T "die
clufionen findet, handelt es^ fich nur um kurze Zufammen- , Gefammtheit der apokryphen Apoftelgefchichten und
faffung des beendeten Themas, wo er Coimatenationen Apoftellegenden in der Teichen Mannigfaltigkeit ihrer
aufze.gt finden Ueberle.tungen zu etwas Neuem ftatt, Ausgeftaltungen uns quellenmäfsig darzufidlen Mit einem
das nicht abrupt eingeführt, fondern an das Vorher- Riefenaufwanrj von Arbeitskraft hat er damit ein VVerk
^?±^'^*.SP™*£&t<*»fftn, das für alle Zeiten grundlegend Sn whd

W. mehr als einmal rathlos da, und kann auch mit den
femitifchen Stilgefetzen die Stoffanordnung nicht erklären
(beachtenswerthe Zugeftändnifse: S. 70 über
Barn., S. 137 über II. Clem.). In I. Clem. follen diefe
Stilgefetze am Beften befolgt fein und bei gewiffen
Partieen des Briefes (z. B. im Briefeingange, in c. 20
und im grofsen Gebete am Ende des Buches) ift ein
Einflufs femitifcher Compofitionsweife ohne Zweifel zuzugeben
. Aber auch hier geht es nicht an, die umfangreichen
Themata, die der Brief behandelt, als pro-
phetifche Strophen hinzuftellen. Ich will nur einiges
hervorheben, was in W.s Analyfe von I. Clem. unrichtig
ift: 32—142 bilden nach ihm ein Strophenpaar. Str. 1
(32—64) handelt vom Ci/Toc. Str. 2 (74—133) handelt von
fiexävoia und vnaxoi). Um 74—133 als einheitliche
Strophe ohne inneren Gedankenfortfehritt zu faffen, mufs

Ob er gewagt hätte dies zu unternehmen, wenn ihm von
vornherein die unabfehbare Maffe des über alle Literaturen
des chriftlichen Morgen- und Abendlandes ausgebreiteten
Materiales klar vor Augen geftanden hätte, mag
fraglich fcheinen. Durch ihn gefchult zu einer metho-
difchen Ausbeutung der vorhandenen Schätze wiffen wir
jetzt, dafs nur Arbeitstheilung uns dem Ziele einer voll-
ftändigen Ueberficht über den Quellenbefund näher
bringen kann. So begrüfsen wir es mit F"reuden, wenn
Specialiften uns die einzelnen Ueberlieferungszweige fachkundig
vorführen, um fo mehr, wenn dies mit folcher
Anerkennung der grundlegenden Forfchung von Lipfius
gefchieht').

Baumftark hat fich zur Aufgabe geftellt, die Petrus-
und Paulusacten in der litcrarifchen Ueberlieferung der
fyrifchen Kirche zu verfolgen. In methodifch durchaus

W. (piXogevia (die 107—127 fo ftark hervortritt), nicht als ; gerechtfertigter Weife geht er dabei aus von den bei
,Gaftfreundfchaft', fondern = xiöTiq= evOeßeia = vytaxorj , läufigen Angaben bei den Chroniften, den Apoftelver-
fafftn. Unmöglich, wo doch <prto&via als .Gaftfreund- j zejchnifsen der Bibelhandfchriften u. ä., darlegend, was
fchaft' durch die drei altteftamenthchen Befpiele (10 7, ; fich aus der Chronik des Eufebius u. a. derartigen Quellen
111, 12irr. Abraham, Lot, Rahab waren gaftfreundheh) ge- herleitet, was darüber hinausgeht. Dann kommen als
deckt ift. Dann fällt aber die von W. conftruirte Gegen- I primäre fyrifche Texte' Ueberfetzungen aus dem Grie-
ftrophe und damit der ganze Abfchnitt hin. Die cc. 14—30 , chifchen wie die fyr. Clementinen, der Briefwechfel des
bilden wieder eine .Strophe', Inhalt: Verkehr nur mit | Paulus mit den Korinthern, Theclaacten, Martyrien des
Friedensfreunden; uni in c.30 eine dem c. 14 entfprechende Petrus und des Paulus. ihnen fchliefsen fich die erft auf

Inclufion zu finden, ift W. gezwungen, die Paränefe 30117.
(gegen Unzucht, Ehebruch, Trunkfucht) allegorifch umzudeuten
(die genannten Lafter find ihm prophetifche
Bilder für Eiferfucht und Unordnung), und von dem
Bau der ganzen zwifchen cc. 14 und 30 liegenden Strophe
giebt er felbft zu, er fei durch allerlei Zufätze unüber-
fichtlich geworden (S. 167). Das nächfte Strophenpaar
(31—36) handelt von den Segenswegen: 311—338 cor-
refpondirt 341—3511. Um in diefem Abfchnitte ein
Strophenpaar herauszubekommen, leugnet W. den offenbaren
Gedankenfortfehritt zwifchen 324 und 331. Gerade
bei diefem Abfchnitte ift klar, dafs fich Clemens hieran ein
Problem (Glauben, Gnade, Werke) macht, welches durch
logifche Gedankenentwickelung, mit Beifpielen geftützt,
gelöft wird. Und fo laffen fich auch noch gegen die
weiteren Strophengebilde, die W. conftruirt, allerhand
Einwände machen, die feine Aufhellungen höchft fraglich
machen.

Die Beobachtungen an fich, die W. über die Rhetorik
der Briefe im Einzelnen und über den Aufbau des
Ganzen macht, find im Durchfchnitt fehr fein und
treffend, nur die Schlüfse, die er zieht, fcheinen mir falfch
zu fein. W. ift es gegangen, wie manch anderem Entdecker
: von der Gröfse feines Fundes überrafcht, ift er
einfeitig geworden und hat dem Stoffe Gewalt angethan.
Um des Materiales willen indeffen, das er beibringt, ift
feine Leiftung auf jeden Fall werthvoll und wir müffen

fyrifchem Boden entftandenen .contaminirten fyrifchen
Texte', die Predigt des Simon Kepha in der Stadt Rom,
Bedjan's Acten u. A. an. Nach einer Befprechung der
jungen Karshunitexte wird in einem 5. Abfchnitt das
Refultat gezogen und der Verfuch gemacht, den Ent-
wickelungsgang der Ueberlieferung darzuftellen. In einem
Anhange werden 12 kürzere Texte meift aus vaticanifchen
Handfchriften mit lateinifcher Ueberfetzung veröffentlicht.

Ein Grundgedanke des Verf. dabei ift der, dafs nur
die alten von Lipfius als gnoftifch bezeichneten Acten
gewirkt haben, nicht die fog. katholifchen Peter- und
Pauls-Acten. Den petropaulinifchen Charakter der jüngeren
fyrifchen Acten erklärt er als eine theils durch die
chroniftifche Ueberlieferung, theils durch kultifche Motive
beftimmte Analogiebildung. Er überfieht dabei, dafs,
wenn auch die Epifode der Stiertötung und -erweckung,
die den katholifchen Acten angehört, aus abgeleiteten
byzantinifchem Quellen (lammen könnte, das Motiv des
Pilatusberichtes in dem Zufammenhange der Verhandlungen
vor Nero direct auf die Peter- und Pauls-Acten hinweift
(f. Lipfius 11,207). Wichtig aber ift der Nachweis, dafs
jene alten Acten den Syrern nur in Bruchftücken bekannt
geworden zu fein fcheinen.

Im einzelnen ift manches nachzutragen, und mit der
Unvollftändigkeit der Induction hängt es theilweife zufammen
, dafs auch B.'s Combinationen nicht immer eine
glückliche Hand verrathen. Am auffallendften ift wohl,

er

ihm dafür recht dankbar fein.

Druckfehler, namentlich in den ausgedehnten griechi- die dorh"^^ Cnron'k der_ EuE'bius berückfichtigt!
fchen Citaten find leider in Menge zu finden, auch nach ! h bere,tS vor 462 entftandene Ueberfetzung d

den erften 7 Bogen, für deren Fehler W. (S. 225) nicht
verantwortlich ift. zQEvvtco, das S. 173 viermal fteht,
ijrETtXdaO-rj (S. 151 und 165), Apollo ftatt Apollos
(S. 207) fcheinen faft mehr als Druckfehler zu fein.
Marburg i. H. Rudolf Knopf.

i) Merkwürdig flicht davon ab die Art, wie B. über Harnack redet,
zumal die betreffenden Stellen der Literaturgefchichte meift nicht von
Harnack "herrühren, fondern auf Preufchen's Conto kommen. - Auch
ift es nicht correct, einen von Lipfius felbft 1890 im Ergänzungsheft
S. 44 zurückgenommenen Anfatz von 1887 ohne jede Bemerkung hierüber
zum Gegenftand der Polemik zu machen.