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Ausgabe:

1902 Nr. 7

Spalte:

212-213

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

André, Marius

Titel/Untertitel:

Le bienheureux Raymond Lulle 1902

Rezensent:

Preuschen, Erwin

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21 I

Theologifche Literaturzeitung. 1902. Nr. 7.

212

verwandten Kelten Britanniens gebracht wurde. Der | desfelben von höchfler Bedeutung ifl. Wichtig ift zunächft,
Einfall der Angeln und ihre Eroberung des Südens Bri- ; dafs die dogmatifch anftöfsigen Stellen erhalten find,
tanniens ifolirte feit dem zweiten Viertel des 5. Jahr- : aber Kürzungen und willkürliche Auslaffungen find an
hunderts die Keltifche Kirche Englands vom Feftlande i dem Commentar vorgenommen, auch hat er Zufätze
und bewirkte ihre eigenthümliche Entwickelung. Ebenfo er- j aus dem Titus- . Ephefer- und Philemoncommentar des
ging es der irifchen Tochterkirche. In den irifchen 1 Hieronymus erhalten. Der Hebräerbrief flammt nicht
Klöftem erhielt fich fo die Kenntnifs des Griechifchen I von Pelagius. Zimmer druckt nicht den St. Gallener

bis ins 9. Jahrhundert. Der merkwürdige Johannes Scottus
Eriugena befand fich, als er ins Frankenreich kam, im
Befitze einer chriftlich-claffifchen Bildung, die Staunen
erregen mufste. Er brachte diefe Bildung aus Irland
mit. Der Verfuch Karl Müller's (Kirchengefchichte I, 374),
der die Kenntnifs des Griechifchen in Irland auf vertriebene
griechifche Mönche zurückführen wollte, wird
von Zimmer abgelehnt. Gegen Ende des 4. Jahrhunderts,
alfo zu einer Zeit, in der die irifche Kirche noch in
Verbindung mit den Kirchen des Feftlandes (land, kam
Pelagius nach Rom. Im Verkehr mit Rufin bekam er
die Anregung zu der Ausbildung feiner Theorie über
die Wirkung der göttlichen Gnade, und in Rom fchrieb
er nach dem Zeugnifse des Marius Mercator vor der
Zerftörung der Stadt feinen Commentar zu den paulini-
fchen Briefen. Garnier fand diefen Commentar in dem
Hieronymus fälfchlich beigelegten Commentar wieder,
der nur durch Caffiodor einer antipelagianifchen Redaction
unterzogen fei. Noch zu Lebzeiten des Pelagius i(l nach
Zimmer diefer Commentar nach Irland gekommen, da wir
um 455 von Pelagianern hören und noch 680 bei der Ro-
manifirung der nord-irifchen Kirche eine pelagianifche
Partei erwähnt wird. Diefe Nachrichten finden nun ihre
Beftätigung durch altirifche Handfchriften, die eine
Kenntnifs des Pelagiuscommentars verrathen. In dem
Uber Ardmachanus aus dem Jahre 807 find ein Prolog des
Pilagius zu allen paulinifchen Briefen und Einzelprologe
zu den Paulusbriefen enthalten, die auf den unverftüm-
melten Commentar zurückgehen. In einer Handfchrift
der Univerfitätsbibliothek zu Würzburg wird Pelagius
als Autor von 949 Gloffen zu den Paulinen citirt. Wie
ein Vergleich mit Pfeudo-Hieronymus ergiebt, ifl auch
hier der urfprüngliche Commentar benutzt. Derfelbe
Commentar enthält aufser Pelagius Erklärungen des
Origenes, Hieronymus, Auguflin, Gregors und Ifidors. Eine
wichtige Entdeckung Zimmer's ift es aber, dafs auch in
ihm der anonyme Commentar zu den Paulinen, der foge-
nannte Ambrofiafter unter dem Namen des Hilarius von

Text vollftändig ab, fondern nur alles, was vom Pfeudo-
Hieronymus abweicht oder was er mehr als diefer enthält
. — Durch feine mühevolle und fcharffinnige Arbeit
hat Zimmer einen überaus werthvollen Beitrag zur Ge-
fchichte der irifchen Kirche geliefert. Wenn das Buch
auch keine leichte Leetüre ifl, fo folgt der Lefer mit
dem gröfsten Intereffe den verfchlungenen Pfaden, auf
denen Zimmer zu feinen Refultaten gelangt. Die Reful-
tate werden zweifellos in den Hauptpunkten fich als
durchaus flichhaltig erweifen. Nur betreffs des Pfeudo-
Hieronymus wird wohl zugegeben werden müffen, dafs
er ebenfalls eine antipelagianifche Recenfion des urfprüng-
lichen Commentars darftellt, die allerdings wahrfcheinlich
nicht von Caffiodor gemacht ift. Wie weit der urfprüngliche
Commentar des Pelagius von griechifchen Commen-
tatoren, vor allem von Origenes, den Pelagius durch Rufin
kannte, abhängig ift, hat Zimmer den Theologen zur Unter-
fuchung übrig gelaffen. Auch bietet der Text der Paulusbriefe
, den die Erklärungen des Pelagius in der St. Gallener
Handfchrift vorausfetzen, manches Problem. Es ift nicht
der Text der Vulgata, aber er weicht auch von den alt-
lateinifchen Recenfionen erheblich ab und nähert fich
einem griechifchen Text, der dem des Vaticanus ähnlich
ift. Mit dem Dank für die treffliche Arbeit fchliefst
Referent die Anzeige.

Heidelberg. Grützmacher.

Puech, Aime, St. Jean Chrysostome. („Les Saints".) Paris
19OO, V. Lecoffre. (V, 200 S. 8.) Fr. 2.—

Andre, Marius, Lebienheureux Raymond Lulle. („Les Saints".)
1900, Ebd. (VI, 216 S. 8.) Fr. 2.—

Petit de Julleville, L., La venerable Jeanne d'Arc. („Les
Saints".) 1900, Ebd. (200 S. 8.) Fr. 2.—

Joly, Henry,SainteTherese (1515—1582). Deuxieme Edition.
(„Les Saints".) 1902, Ebd. (VIII, 243 S. 8.) Fr. 2 —
Poitiers benutzt wird. Zimmer vermuthet, dafs die j Die Sammlung der Heiligenleben ifl feit meinem

irifche Tradition hier den urfprünglichen Autornamen
erhalten hat. Endlich ifl in dem genannten Commentare
noch der unter dem Namen des Primafius von Hadrumet
verbreitete Commentar benutzt. Eine dritte Handfchrift
der Codex bibl. Palat. Vindobon. 1247 enthält die Texte

letzten Bericht wieder ein Stück weiter gekommen. Der
Umfland, dafs es einzelne Bände fchon zur 7. faft alle
zur 2., 3. oder 4. Auflage gebracht haben, beweift, dafs
die Idee in Frankreich auf fruchtbaren Boden gefallen ift,
und dafs diefe Heiligenbilder, die etwas hiftorifche Wahr-

der paulinifchen Briefe, in denen interlinear und auf j heit durch den Heiligenfchein durchleuchten laffen, ihr
dem Rande zahlreiche lateinifche Erklärungen aus ver- Publicum finden. Ein Vergleich mit dem jüngflen Unter-

fchiedenen Commentatoren fich finden. Auch hier wird
Pelagius ausdrücklich citirt. Von mittelalterlichen Zeugen,
bei denen die Kenntnifs des Pelagiuscommentars ficher ifl,
kommt das Collectaneum in otnnes b. Pauli epistolas des
Iren Sedulius (um 850) in Betracht. Endlich notirt noch

nehmen des deutfehen Katholicismus, der Weltgefchichte
in Karakterbildern von Kampers, Merkle und Spahn, fällt
nicht zu deffen Ungunften aus. Es fleckt doch in dem
deutfehen Katholicismus, der hinter diefem Unternehmen
fleht, unendlich viel mehr wiffenfehaftlicher Sinn und

Zimmer die Nachricht, dafs in dem auf irifchen Urfprung j gefchichtlicher Ernft, als hinter jenen ffanzöfifchen Biozurückgehenden
Klofler St. Gallen wie im Klofler Lorfch | graphien, bei denen fich die auflakirte und mit ein par
und St. Ricquier noch im 9. Jahrhundert Handfchriften [ naturaliftifchen Lichtern verfehene Heiligenlegende felt-
des Pelagiuscommentars fich in den Kloflerbibliotheken j fam genug ausnimmt. Immerhin find auch hier einzelne
vorfanden. Die angeblich verlorene St. Gallener Hand- j Beiträge etwas höher einzufchätzen.

fchrift Nr. 73 hat nun Zimmer wieder aufgefunden und 1. So gleich die zuerft genannte Arbeit von Aime

im zweiten Theil herausgegeben. Da das erfle Blatt mit ! Puech, der in einem umfangreichen Werke (Un reformateur
dem Titel verloren gegangen war, fo war fie im Katalog J de la societe chretienne au IVe siede, Paris 1891) Chry-
als Glossae incerti auctoris in epistolas saneti Pauli be- ] foftomus in erfter Linie nach feiner culturgefchichtlichen
zeichnet. Diefe Handfchrift ift, wie Zimmer wahrfcheinlich Bedeutung gefchildert hatte. Als vortrefflicher Kenner
macht, eine Abfchrift eines Exemplars, das der Ire I der Cultur jener Zeit erweift fich P. auch in diefer po-
Moengal, der 850 bis 871 in St. Gall en an der Klofler- ' pulären Darfteilung vom Leben des Chryfoflomus. Dafs
fchule wirkte, dorthin gebracht hat. Leider ifl aber der ! dabei Chryfoflomus als Theologe zu kurz kommt, läfst
St. Gallener Text auch fchon eine Ueberarbeitung des Wer- l fich leicht begreifen. Für die gelegentlich berührte, aber
kes des berühmten Ketzers, wenn er auch für die Kenntnifs ' nicht weiter motivirte Gewalt, die Chryfoflomus als