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Ausgabe:

1902

Spalte:

207-210

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Geppert, Franz

Titel/Untertitel:

Die Quellen des Kirchenhistorikers Socrates Scholasticus 1902

Rezensent:

Preuschen, Erwin

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Frau in die innere Oafe gebracht, Pfenofiris aber ift es
gelungen, Ig dvxirjq xmv vexgoxäcpcov fie Chriften in
Gewahrfam zu geben und dort wird fie bleiben, bis ihr Sohn
kommt. Das ,/iagxvg^öti ooi Jtegl cov avxrjv Jtexoirjxaöiv1
wird wohl auf die fchlimmen Thaten der Todtengräber

des Sokrates an Rufin's Glaubwürdigkeit zu beweifen,
geht zu weit. Zudem ift gerade an diefer Stelle der Text
nicht über allen Zweifel erhaben. Statt ovx dsreixdq de
yeveö&ai' xal ydg JtoXkd xoiavxa yevopieva xoXXäxiq
eg>EVQf]xai, wie alle griechifchen Hff. zu lefen fcheinen,

und nicht auf die Wohlthaten der Chriften gehen. überfetzt der Armenier: ,es ift nicht unpaffend, da(s

Berlin. A. Harnack.

Geppert, Dr. Franz, Die Quellen des Kirchenhistorikers
Socrates Scholasticus. (Studien zur Gefchichte der Theologie
und der Kirche, hrsg. von N. Bonwetfch und
R. Seeberg. III. Bd. Heft 4). Leipzig 1898, Dieterich.
(134 S. gr. 8.) M. 3.-

Eine zufammenfaffende Unterfuchung über die Quellen

der älteren griechifchen Kirchenhiftoriker ift noch immer

eine ungelöfte Aufgabe. Soviel an einzelnen Punkten

wenigstens für Eufebius auch fchon gearbeitet worden ift, j recht gewürdigt, obgleich fie intereffant genug ift. Wir

lernen nämlich daraus, dafs die Dankrede des Gregorius
Thaumaturgus der Apologie des Pamphilus und Eufe-

fo etwas gefchah, weil viele derartige Begebenheiten fich
häufig finden, wovon ich in diefer Weife fprach'. Die
Benutzung Eufeb's erftreckt fich, was in der Natur der
Sache liegt, befonders auf die Vita Constantini, die fehr
reichlich ausgebeutet ift, wie die Tabelle S. 23 f. anfchau-
lich macht. Daneben finden fich Citate aus der Kirchen-
gefchichte, der Schrift de eccles. thcol. adv. Marceilum und
der Apolgie des Origenes, von der G. merkwürdigerweife
im Tone des Zweifels redet (,der zu Folge Eufeb mit
Pamphilus zusammen eine Biographie des Origenes ge-
fchrieben haben foll' S. 25), obgleich fie fo gut wie nur
möglich bezeugt ift. Die Stelle IV, 27, 6 ift zudem nicht

fo fehlt es doch an einer Zufammenfaffung. Und für
Sokrates und Sozomenus find die Vorarbeiten in befchei-
denen Anfängen flecken geblieben. Daher ift es ein
dankenswerthes Unternehmen, mit dem Geppert wenigftens
den Quellennachweis für Sokrates darzulegen begonnen
hat. In einer knappen Einleitung bietet G. die

bius einverleibt war, wovon fonft nichts bekannt ift. Da
Sokrates diefe Apologie felbft eingefehen und die Notizen
über Gregorius, die über das von Euseb, h. e. VI, 30.
VII, 14. 28, 1, hinausgehen, wahrfcheinlich jener Apologie

fpärlichen Notizen über die Perfon des Sokrates, und eine I entnommen hat, hätte diefe Stelle etwas mehr verdient,

kurze Charakteriftik feiner Kirchengefchichte. Die Dedi
cation an Theodorus, dem Sokrates ftets das Prädicat
legoq xov d-eov dv&gcojcoq giebt, wird von G. fo verftanden,
dafs die Anregung zu dem Werke von Theodorus ausgegangen
fei (S. 3). Man wird diefe Vermuthung wahrfcheinlich
finden, wenn man bedenkt, dafs Sokrates hier,
was G. entgangen ift, einfach dem Origenes nachfchreibt,
der Ambrofius fo betitelte (in jfok. 1, 2 AfrßgoOce, aXrjQ-mq

als den blofsen Abdruck. Auch das zweite Citat aus
der Apologie (III, 7, 9) hätte eine etwas eingehendere
Würdigung beanfpruchcn dürfen. Dafs Sokrates auch
hier direct aus der Apologie und nicht etwa aus der
fie ebenfalls citirenden Kirchengefchichte des Eufebius
fchöpfte, beweifen die Abweichungen und namentlich die
Bemerkungen, die in § 7 f. über die Chriftologie des Origenes
gemacht werden, fammt dem dazu gehörigen Citate

d-eov ävQ-gmxe; vgl. II, 1 lege döeXcpe 'A., VI, 2 lege *A.). j aus dem Genefiscommentare des Origenes tarn. IX. Dafs
Da diefe Abhängigkeit nicht unbewufst fein kann, fo folgt, dies die Weife der Apologie war, lehren die dürftigen
dafs Theodorus zu dem Werke des Sokrates in ähnlichem | Trümmer, die in dem von Rufin veranftalteten Auszuge
Verhältnifse geftanden haben wird, wie Ambrofius zu dem j in lateinifcher Ueberfetzung vorliegen. Dann aber hat
des Origenes, d. h. dafs er ihm Anregung, vielleicht auch die Bemerkung, Beryll fei Bifchof von Philadelphia in

die Mittel gewährte. Die doppelte Redaction des Werkes
ift aus II, 1, iff. zu erfchliefsen. Dafs fie fich nicht auf
die erften beiden Bücher allein erftreckte, fondern auch
die fpäteren betraf, hat G. einleuchtend bewiefen. Der
Ausdruck, den Sokrates gebraucht, ävco&ev vstayogevöat

Arabien gewefen, einen befonderen Werth, und ift nicht,
wie z. B. Venable {Dict. of Christ. Biogr. I, 317a) meint,
nur ein Irrthum des Sokrates. Freilich läfst Eufeb h. e.
VI, 33, 1 Beryll Bifchof von Boftra fein. Aber Eufebius
ift aufser Sokrates die einzige Quelle für ihn; denn

,neu dictiren' geht auf eine vollftändige Umarbeitung i Hieronymus, de viris inl. 60 und Niceph., h. e. V, 22
und fetzt voraus, dafs die erfte Bearbeitung, die fich ! fchreiben Eufeb aus. Ist Sokrates der Apologie gefolgt,
wefentlich an Rufin anfchlofs, im Buchhandel war. Die i fo hat er hier die Nachricht gefunden, Beryll fei Bifchof
Bb. III—VII wurden dann nur theilweife umgearbeitet, | von Philadelphia gewefen, das ebenfalls zu Arabia gehörte,
da in ihnen fich dem Verfaffer fpäter die Zuverläffigkeit Die Frage ift nicht zu entfcheiden; aber es fcheint mir

des verwendeten Materiales im weiten Umfange bewährte.
Die Parallelrecenfion zu VI, II, die fich in zwei griechifchen
Hff. findet, in zwei andern ebenfo wie in der ar-
menifchen Ueberfetzung (aus dem 7. Jahrhundert) fehlt,
gehört dann wohl, wie G. vermuthet, der erften Bear

nicht ausgefchloffen, dafs Eufebius fich in der Kirchengefchichte
geirrt hat, wie denn fein Bericht über Beryll
überhaupt nicht befonders klar ift. Beryll war wahrfcheinlich
in der That Bifchof von Philadelphia und die
Synode, auf der Origenes den Bifchof widerlegte, fand

beitung an. Was G. ferner über Abfaffungszeit Stil, »0 Boftra, der Metropolis der Provinz Arabia ftatt. So

Kritik, Art der Quellenbenutzung, Citationen bemerkt, ift
zwar an einzelnen Stellen zu fehr von unferer modernen
Betrachtungsweife beeinflufst, aber im Ganzen doch zutreffend
.

In dem Haupttheile feiner Unterfuchung, der Quellen-
analyfe geht G. zweckmäfsig von den erhaltenen fchrift-
lichen Quellen aus und befpricht hier die Benutzung von

würde fich die Differenz der Angaben ungezwungen erklären
. Die Ausbeute für Athanafius, von dem befonders
die Apologie gegen die Arianer fehr reichlich benutzt
ift, betrifft wefentlich nur B. I u. II, was die Angabe
des Verfaffers über die Art der Umarbeitung beftätigt.
Da in den folgenden Büchern auf Athanafius fo gut wie
gar keine Rückficht genommen ift, ergiebt fich hieraus,

Rufin, Eufeb, Athanafius. Ueber Rufin als Quelle infor- dafs Sokrates vor der Ausarbeitung feiner revidirten
mirt G. zum Theil zu fummarifch. Es ift für die Beur- I Ausgabe von Athanafius nichts gekannt hat. Dafs er die
theilung der Compofition der Kirchengefchichte nicht un- Vita Antonii gelefen habe, behauptet G. S. 10 A. 4 ohne

wichtig, die Benutzung Rufin's in B. III mit der in
B. I und II zu vergleichen. Es würde fich dabei ergeben
haben, dafs hier Rufin in der That viel eingehender benutzt
ift, als in B. I und II. Daraus folgt, dafs in der
That die Umarbeitung von Bd. III ff. fich nur auf einzelne
redactionelle Aenderungen, die den Stoff im Wefentlichen
unverändert liefsen, befchränkt haben kann. Was S. 21 f.
aus Sokr. I, 15, 4 herausgelefen ift, um den ftarken Zweifel

Grund. Denn I, 21 ift Rufin h. e. I, 8 die Quelle, wie
G. felbft zugiebt, und die IV, 23, 15 f. citirte Anekdote
von dem Mönche Amun ift auch fonft in der Mönchsliteratur
vielfach überliefert worden, fodafs fie Sokrates
wohl aus einer Apophthegmenfammlung entnommen
haben wird. Daher ift auch auf die Citate aus dem Xöyoq
xaxa Ageiavmv, die G. S.28f. Kopfzerbrechen verurfachen,
recht wenig Gewicht zu legen. Sokrates hat fie aus