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Ausgabe:

1902

Spalte:

193-195

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kautzsch, Emil

Titel/Untertitel:

Die bleibende Bedeutung des Alten Testaments 1902

Rezensent:

Lobstein, Paul

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Erlcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark.

Nr. 7. 29. März 1902. 27. Jahrgang.

Kautzfeh, Die bleibende Bedeutung des Alten v. d. Goltz, Das Gebet in der alterten Chrirten-

Teftaments (Lobftein). heit (Hennecke).

Labanea, La ,Vita di Gesu' di Ernesto Renan j Stahl, I'atriftifche Unterfuchungen (Hennecke).
• Tt f /i in • 1 Deifsmann, Ein Originaldokument aus der

diocletianifchen Chriftenverfolgung (Harnack).

Berning, Die Einfetzung der heiligen Eu-
chariflie in ihrer urfprünglichen Form (Lobftein
).

Aall, Der Logos. II. Gefchichte der Logosidee
in der chriftlichen Litteratur (Krüger).

Geppert, Die Quellen des Kirchenhirtorikers

Petit de Jullevillc, La veherable Jeanne

d'Arc (Preufchen).
Joly, Sainte Therese (Derf).
Tfchackert, Die unveränderte Augsburgifche
Konfeffion deutfeh und lateinifch nach den
beften Handfchriften (Boftert).

Socrates Scholasticus (Preufchen). i Keintzel, Orendi, Kramer, Graef, An

Zimmer, Pelagius in Irland (Grützmacher).
Puech, St. Jean Chrysostome (Preufchen).
Andre, Le bienheureux Raymond Lulle (Derf.).

regungen zur Neubelebung unferes ev. Ge-
meinde-Gottesdienftes (E. Chr. Achelis).
Antikritik, gegen Walther (Harnack).

Kautzsch, Prof. D. Emil, Die bleibende Bedeutung des eigneten bleibt noch ein gewaltiger Stoff an fittlichen

Alten Testaments. Ein Konferenzvortrag. (Sammlung
gemeinverftändlicher Vorträge und Schriften aus dem

Vorbildern und Antrieben übrig. Dies exemplificirt K.
nicht nur an dem Dekaloge und an den Erzählungen
im Bereiche der Urgefchichte und der Patriarchenge-

Gebiet der Theologie und Religionsgefchtchte. 25.) fchichtei fondern an der, ungeachtet gevviffer Unvoll

Tübingen 1902, J. C. B. Mohr. (38 S. gr. 8.) M. —.65
Diefer am 16. October 1901 bei Gelegenheit der
achten Verfammlung der ,Sächfifchen kirchlichen Con-
ferenz' zu Chemnitz gehaltene Vortrag erinnert zunächfl:
an die hauptfächlichflen Angriffe, welche das Alte Tefta-
ment in älterer und neuerer Zeit erfahren hat. Diefen
Angriffen gegenüber fcheint der Erweis der bleibenden

kommenheiten des fittlichen Urtheiles vom tiefften fittlichen
Ernfte getragenen gefammten Weltanfchauung
des A. T. — Doch das Ausfchlag gebende Moment liegt
in der religiöfen Sphäre. Die Unentbehrlichkeit des
A. T. in diefer Beziehung beruht in erfter Linie auf
der Tiefe und Reinheit des altteftamentlichen Gottesbegriffes
. Der Sieg des Glaubens an einen abfolut

Bedeutung des A. T. für Gemeinde und Schule einen geiftigen, das ganze Weltall umfpannenden Gott wird
fchweren Stand zu haben. Um des Erfolges bei der dadurch nicht weniger bedeutungsvoll und wunderbar,

Abwehr der gegen das A. T. gerichteten Angriffe ftcher
zu fein, muffen gewiffe Bedingungen erfüllt werden, welche
der Verf. mit grofser Kraft und Klarheit aufführt, und
die er felber ebenfo tapfer als gewiffenhaft beobachtet.
Mit der Erörterung der drei hier in Betracht kommenden
Punkte ifl die Aufgabe, die K. fich geftellt, einfach und
glücklich erledigt.

Zunächfl müffen wir ehrlich und rückhaltlos auf
alle unhaltbaren apologetifchen Beweismittel verzichten.
Unhaltbar ift einmal jeder Ueberreft einer rriechanifchen
Infpirationslehre, die jedem Buchflaben des A. T.
abfolute Irrthumslofigkeit und Gleichwerthigkeit zu-
fchreiben will; unhaltbar ift weiter jeder Verfuch, den
vorbereitenden und daher in allerlei Fragen der religiöfen
Erkenntnifs unvollkommenen Standpunkt des A. T. zu
leugnen oder doch zu vertufchen; unhaltbar ift endlich
die allbeliebte Spiritualifirung altteftamentlicher Glaubensmeinungen
und -Erwartungen im Interefte ihrer befferen
Verwerthung für das fpeeififeh chriftliche Bedürfnifs. -
^Nachdem K. von den unerläfslichen Vorbedingungen für
aie_ erfolgreiche Verteidigung der von ihm vertretenen
i-ohtion gehandelt, richtet er feinen Blick auf die künft-
lerifche Bedeutung des A T und auf feine Bedeutung

dafs er erfl allmählich erkämpft worden ift. DasWunder-
barfte dabei ift, dafs die hohe Vergeiftigung des Gottes-
begrift'es nicht der Gefahr verfallen ift, die nachmals
in der jüdifchen und in der chriftlichen Theologie auftauchte
: dafs die ängftliche Scheu vor irgend welcher
Einfchränkung den Gottesbegriff zu einer blofsen Ab-
ftraction verflüchtigte. Wie der Gott des A. T. ein
lebendiger Gott ift, veranfehaulicht K. befonders bei
den Eigenfchaften, die als recht eigentlich metaphy-
fifche dem menfehlichen Denken die gröfste Schwierigkeit
bereiten, — bei der Ewigkeit, Allgegenwart und
Allwiffenheit. Damit hängt zufammen, dafs in diefem
Buche, allen Erwartungen und Theorien zum Trotz,
der Thatbeweis vorliegt, dafs das Gebet die.fchlechthin
nothwendige Aeufserung des religiöfen Lebens ift. Doch
wichtiger noch ift ein letzter Punkt, in welchem vor
allem die bleibende Bedeutung des A. T. fleh kund-
giebt: es verbürgt uns mit unbedingter Gewifsheit die
Thatfache und das Wefen eines göttlichen Heilsplanes
und Heilsweges, der im Neuen Bunde, in der Perlon
und dem Werke Jefu Chrifti, feinen Abfchlufs und feine
Vollendung gefunden hat. Die hebräifchen Propheten
ftudieren, heifst das Wefen der göttlichen Offenbarung

als GefchichtsqucÜe. Er erinnert fowohl an die Proben (abgefehen natürlich von der Perfon Jefu Chrifti) an der
hervorragender Erzählungskunft als an die Mufter ausge- j uns am Beften zugänglichen Quelle ftudieren. Man kann
zeichneter dichterifcher Kunft. An diefe äfthetifche Be- | die Thatfache eines echten ungeheuchelten ,Enthu(iasmus'

trachtung fchliefst fleh die Werthung des A. T. als Ge
|chichtsquelle, noch ganz abgefehen von feiner religiöfen
Bedeutung. Doch den Kern der Sache nimmt K. erft
im letzten Theile feines Vortrages in Angriff, indem er
den pofltiven Nachweis führt ,der fortdauernden Unentbehrlichkeit
des A. T. ebenfowohl für die Unter-
weifung der Jugend, wie für die Erbauung und fittliche

fei es in der griechifchen Mantik oder in gewiffen Er-
fcheinungen des Orients bis herab auf Muhamed ganz
unbefangen anerkennen und dabei doch an der Einzigkeit
und himmelhohen Erhabenheit des hebräifchen Prophetismus
über alle jene Erfcheinungen unbedingt feft-
halten. Das unterfcheidende Merkmal ift: diefer Prophetismus
fteht im Dienfte eines göttlichen Heilsplanes,

Förderung des chriftlichen Volkes überhaupt, wenn , dem er fich mit keiner Gewalt entziehen kann (Arnos 3,8;
anders die Gefahr eines fchweren Verluftes von beiden I Jerem. 20, 8 fg.). Hier flehen die Grundpfeiler, auf denen
abgewehrt werden foll' (22—23). Auch nach einer mit 1 nachmals die neuteftamentliche Verkündigung ihren Bau
peinlicher Strenge vollzogenen Ausfcheidung des Unge- j errichtet.

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