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Ausgabe:

1901 Nr. 6

Spalte:

169-171

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Charles, R. H.

Titel/Untertitel:

The Ascension of Isaiah 1901

Rezensent:

Schürer, Emil

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169

Theologifche Literaturzeitung. 1901. Nr. 6. 170

Werth Das hier mitgetheilte Fragment geht von 4. Das grofse griechifche Fragment (2, 4—4, 4),
Lev i 11 bis zum Schlufs des Buches Numeri. Dankens- welches Grenfell und Hunt erft vor Kurzem in den

Amherst Papyri herausgegeben haben (f. Theol. Litztg. 1900,'
601). In der Reproduction diefes Textes hat fici Charles
etwas zu fehr von den erften Herausgebern abhängig

werth'ilt das Gloffar S. XXX ff.

Von den beiden in der zweiten Veröffentlichung
vereinigten Ueberfetzungen ruht die erfte, vollftändige,

auf den 2 Hdff. von Oxford (bodl. ms. opp. add. 40. 154) gemacht. Die Correctur des von der Handfchnft ge-
und Berlin (ms. or. fol. 1203), die von John Cohn in | botenen Saööovx in 2aömx (2, 5, dazu Theol. Litztg.
leiner Ausgabe von Saadja's Hiob-Ueberfetzung (Altona 1900, 6oif.)%ift ebenfo unberechtigt, wie die Aenderung
1889) genau befchrieben wurden: ,es erübrigt fich daher von t% Baal in toü Baal (2, 12). Aus Rom. m, 5 follte
eine Wiederholung', fagt das Vorwort S. 7 in eigenthüm- doch der Gebrauch von Baal mit dem weiblichen Artikel
lichem Deutfch. Die andere, unvollftändige, mit 2, 13 bekannt fein (vgl. dazu Dillmann, Monatsberichte der

beginnend, flammt aus einer der hebr. Hdff. des Briti-
fchen Mufeums, die in neuerer Zeit wegen ihrer fupra-
linearen Vocalifation Beachtung fanden (or. 130. 4 °; f.
PRE 33, 92 Z. 44). Ob eine der beiden Ueberfetzungen,
am eheften die zweite, von Saadja herrührt, ift nicht

Berliner Akademie 1881, S. 601—620).

Ueber das Verhältnifs diefer Texte zu einander hat
Charles Folgendes feftgeftellt. Im Texte der Visio geht
der lateinifche Text der vaticanifchen Fragmente mit der
äthiopifchen Ueberfetzung, während der lateinifche Text

licher. Im L'nterfchied von Hirfch giebt Peritz den | des Venediger Druckes mit der flavifchen Ueberfetzung

Text in arabifcher Schrift, aber in einer viel Raum ein- | geht (p. XXI). Hieraus erhellt, dafs beide Gruppen auf
nehmenden, und fügt unter dem Text Ueberfetzung mit j zwei verfchiedene Recenfionen des griechifchen Textes
Anmerkungen bei. Von letzteren feien die zu 2,14.15 über ; zurückgehen. Eine ähnliche Beobachtung läfst fich auch
die feltenen Wörter E3X und MX hervorgehoben; weiter j für die erfte Hälfte machen. Hier geht ebenfalls in
diejenige über die Wiedergabe von ffieben' in 4, 15 durch ■ manchen Fällen der lateinifche Text der vaticanifchen
,viel'; denn fie ift eine fehr erfreuliche Beftätigung deffen, ; Fragmente mit der äthiopifchen Ueberfetzung in Ab-
was ich (Philologica sacra 24 f.) zur Lesart iscraxlaolova , weichung vom Text des griechifchen Fragmentes (p. XXX),

Lc. 18, 30 ftatt xolZaxlaölova aus Hieronymus angeführt
habe, verbum Hebraicum saba vcl Septem . . . .
sonare vel plurimos (jtollovdt). — Der Druck des Heftes

Man darf hieraus vielleicht fchliefsen, dafs das griechifche
Fragment derfelben Recenfion angehört, wie die Vorlage
von Lat. Vcnet. und Slav.

ilt nicht fo forgfältig. als man wünfchen möchte. Charles giebt zunächft (S. i—82) feine englifche Ueber-
Maulbronn. Eb. Neftle. mjJ reichhaltigen Anmerkungen, undl läfst dann
__t die texte folgen, und zwar uberall da, wo mehrere texte

~ " Zm ^ ^ ~ , _, , . ., . , vorhanden find, in parallelen Columnen neben einander;

Charles. R. H., D. D., Prof, The Ascension of Isaiah, trans- ; häufig find es drei (in der erften Hälfte aeth graec und

lated from the ethiopic version, which, together with
the new greek fragment, the latin versions and the
latin translation of the slavonic, ishere published in füll,
edited with introduction, notes and indices. London,

lat. Vat., in der zweiten Hälfte aeth., lat. Ven. und slav.),
an einer Stelle, wo die beiden Lateiner vorliegen, vier
(7, 1 —19). Die flavifche Verfion wird in Bonwetfch's
lateinifcher Ueberfetzung gegeben. Als Anhang folgt
noch die von Gebhardt herausgegebene fehr ffark ver-

A. & C. Black, ic/jo. (LXXIV, 155 S. 8.) kürzende und freie griechifche Bearbeitung (S. 141 —148).

Seinen zahlreichen Verdienflen um die jüdifch-chrift-
lichen Apokryphen fügt Charles durch diefe Ausgabe der
Ascensio Isaiae ein neues hinzu. Die Ausgabe von Dill-

In der Einleitung legt Charles feine Anfchauung über
die Compofition des Buches dar (p. XXXVI—XLV). Er
erkennt mit Dillmann und den Meiften an, dafs zunächft

I, 120 sq. erwähnten /Jia{rT/x>/ 'EOxiov identificirt. Alle
drei Stücke feien urfprünglich felbftändig, das jüdifche
Martyrium wahrfcheinlich älter als der Hebräerbrief, die

mann (1877I war zwar eine hervorragende Leiflung. Aber i zwei Hauptbeftandtheile zu unterfcheiden find: die jüdifche
fie war doch fchon auf Grund des damals bekannten i Erzählung vom Märtyrertode desjefajas (Cap. 1—5) und
Materiales in Einzelheiten der Verbefferung fähig; aufser- die chriftliche Apokalypfe von der Vifion desjefajas oder
dem find feit ihrem Erfcheinen zwei neue Textquellen feiner Wanderung durch die fieben Himmel (Cap. 6—11).
bekannt geworden: die flavifche Ueberfetzung und ein ! Er erkennt ferner mit Dillmann und den Meiften an, dafs
grofses griechifches Fragment. Charles vereinigt nicht ; in der erften Hälfte fich ein fremdartiger Einfchub chrift-
nur die neuen Texte mit den alten, fondern er hat fich j liehen Urfprunges findet, 3, 13—4, 18, welchen Charles ,das
auch um die Revifion der letzteren bemüht. Sein Appa- | Teftament des Hiskia' nennt und mit der von Cedrenus
rat fetzt fich aus folgenden Texten zufammen:

1. Die aethiopifche Ueberfetzung. Für fie find
zu den drei von Dillmann benützten Handfchriften (einem

Bodleianus und zwei des britifchen Mufeums) keine neuen : beiden chriftlichen Stücke auch noch gegen Ende des
hinzugekommen. Aber Charles hat fie neu verglichen erften Jahrh. nach Chr. entftanden. Alle drei feien dann
und giebt einzelne Verbefferungen der Lefung, wie es : von einem chriftlichen Redactor zufammengearbeitet, der
fcheint befonders beim Bodleianus, den Dillmann nicht, j an manchen Stellen eigene Zufätze kleineren Umfanges
wie Charles irrig vorausfetzt, felbft verglichen, fondern | eingefügt habe. Diefe redactionellen Zufätze feien:
nur nach Laurence's Ausgabe benützt hat (Dillmann, prol. ' I, 2b—6a. 13». II, 9. III, 13». IV, ia. IV, 19—V, ia. 15. 16. XI.
P- VII). In der Beurtheilung der Handfchriften ftimmt j 41—43 (Charles p. XLIII). Wie man fieht, ift die Ueber-
Charles mit Dillmann darin überein, dafs die bodleianifche einflimmung mit Dillmann fehr grofs. Von einigem Belang
die befte ift. 1 find nur zwei Abweichungen: 1) Dillmann hält das ganze

2. Die lateinifchen Texte, nämlich a) der Vene- erfte Cap., nicht nur einzelne Verfe in demfelben, für
diger Druck der Vls/oid. h. der zweiten Hälfte des Ganzen) 1 eine Zuthat des Redactors, 2) er hält auch Cap. 11, 2—22
vom J. 1522, und b) die von Mai herausgegebenen vatica- für einen fpäteren Einfchub in die Visio, während Charles
nifchen Fragmente, 2, 14—3, I3und7, 1 —19. Die letzteren diefesStück zum urfprünglichenBeftande derfelben rechnet,
find für Charles' Ausgabe von Mercati neu verglichen 1 Mir fcheint in beiden Fällen die Hypothefe Dillmann's
worden, wobei fich manche Verbefferungen ergeben haben, die wahrfcheinlichere. Was von Cap. 1 nach Charles als

3- Idie flavifche Ueberfetzung der Visio (denn 1 urfprünglicher Beftandtheil des .Martyriums' flehen bleibt,
nur cliefe exiflirt in flavifcher Ueberfetzung). Sie ift zwar ; läuft darauf hinaus, dafs Jefaja dem Hiskia weisfagt,
fchon länger bekannt, war aber bisher den Nicht-Slaviften j fein Sohn Manaffe werde von Gott abfallen und ihn, den
unzugänglich. In fehr dankenswerther Weife hat Bon- Jefaja, zum Märtyrer machen. Die Voranflellung einer
wetfeh eine lateinifche Ueberfetzung diefes Textes für ' folchen Einleitung ift recht überflüffig und unwahrfchein-
Charles' Ausgabe angefertigt. lieh bei einer Erzählung, die einfach berichten will, wie