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Ausgabe:

1901 Nr. 5

Spalte:

137-140

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Henrici, C. F. Georg

Titel/Untertitel:

Der zweite Brief an die Korinther 1901

Rezensent:

Holtzmann, Heinrich Julius

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i yj Theologifche Literaturzeitung. 1901. Nr. 5. 138

gerathener fein, bei den fchlagenden Analogien, die , Gemeinde und der helleniftifche des Paulus zur einleuch-
Üfener beigebracht hat, flehen zu bleiben, als fpeciell tenden Geltung gebracht find, wird diefe Haupterrungen-
die Ifis anzurufen, fofern diefelbe nämlich als Mutter fchaft der Heinrici'fchen Bemühungen um die Korinther-
des Horus gedacht werden kann, auch ohne dafs fie briefe wohl beliehen bleiben.

dabei zugleich als Gemahlin des Ofiris zu gelten braucht Ergänzungsbedürftig fcheint mir die vorliegende

(S. 278). Lieber als dafs wir dem Verf. auf diefen in Arbeit dagegen nach einer anderen Seite. Freilich
das Helldunkel der Mondmythologie fleh verlierenden 1 handelt es fich dabei nicht um Einzelheiten, die etwa
Wegen (S. 285 f.) folgen, conflatiren wir, dafs feine Be- nachgetragen werden follten, als vielmehr um den ganzen
merkungen über das Verhältnifs des Protevangeliums zu Standpunkt, von welchem aus das biblifch-theologifche
den fpäteren apokryphifchen Bearbeitern diefes Themas ! Problem in Angriff genommen wird. Ich kann es dem
fehr von Belang find (S. 116 f. 172 f.), finden es ferner ! Verf. daher nicht verdenken, wenn er feinerfeits findet,
beachtenswerth, dafs er fich die Entftehung einer lucani- dafs vielmehr meine Methode ,hlrgänzungen und Correc-
fchen Vorgefchichte auch bei Bekanntfchaft mit der turen' herausfordere, fofern fie den Paulinismus in ,Ifo-
matthäifchen vorflellig zu machen vermag (S. 36 f.), lirung' bringe (S. 52) und Anlafs zur Entdeckung von
dafs er gegenüber den auf der Suche nach einer juden- , ,Antinomien' gebe (S. 57): Letzteres mit befonderer Pointe
chriftlichen Quelle der lucanifchen Vorgefchichte befind- gegen Wernle's(S.93f.)und Clemen's(5.233) Behauptungen
liehen Kritikern gefunde Anfchauungen vertritt (S. 34). 1 bezüglich der Sündenfreiheit des paulinifchen Chriften, da-
Berührt er fich auf diefem Punkte mit einer neueften neben auch gegen die neuefte Anwendung des Kunftwortes
Kundgebung Harnack's, fo noch mehr darin, dafs ihm ,Enthufiasmus' zur Kennzeichnung des Urchriftenthums
das Magnificat nur im Munde der Elifabeth gerechtfertigt , (vgl. die Stellen im Regifter). Indem ich es den Ange-
erfcheint (S. 48 f.). Schliefslich ift anzuerkennen, dafs j griffenen überlaffe, ihre Sache zu fuhren, bemerke ich
dem fo belefenen Verf. viel Material zu Gebote fleht, < nur zur Klarftellung der Situation und zur Rechtfertigung
aus dem in den Händen eines mit geringerer Combi- j des Widerfpruch.es, loweit ich folchen gemeinfam mit
nationsgabe ausgerüfteten Gelehrten mancherlei entftehen ihnen erheben mufs, in Kürze Folgendes. Jene ,rück-
und erwachfen könnte, was vielleicht das kühn auf- fichtslofe Ifolirung der innerlich zufammengehörenden
ftrebende Gebäude, das er vor unteren Augen entftehen Momente' foll es mit fich bringen, dafs ,die einzelnen
liefs. überdauern könnte. An einzelnen Orten ift der j Gedankenreihen einfeitig nnd ohne Aufdeckung der ge-
griechifche Text flark mit Druckfehlern durchfetzt; fo meinfamen Wurzel nach ihrer abweichenden Orientirung
S. 66. 75. 96 f.; befonders unangenehm machen fie fich feftgeftellt werden' (S. 56). Ein Beifpiel, wie Verf. dies
in der Schreibung von kirchenväterlichen Namen S. 26. , meint, liefert feine Auslegung von 5,1—4, wo ,Paulus
120. 219 bemerklich. von hellenifchen Vorftellungen ausgeht' (S. 291). Wird

Strafsburg i. E. H. Holtzmann. j d'e Stelle ifolirt, fo gewinnt es den Anfchein, dafs Paulus

an einen unmitelbaren, gottgewirkten Uebergang aus dem

Heinrici. Confift.-R., Prof. Dr. C. F. Georg, Der zweite leiblichen Tode zum evvigen Leben denkt' (S 192). Trotz-
n • , .. „ ._». , , ,77 j» dem, dafs ich gegen Schmiedel citirt werde (S. 193), mufs

Brief an d.e Korinther, neu bearbe.tet. Mit e.nem An- ich doch daraijf%eharren> dafs hier und PhlL ?% eine

hang: Zum Hellenismus des Paulus. 8. Auflage. (Kri- | andere Perfpective in die Zukunft vorliegt, als in den
tifch-exegetifcher Kommentar über das Neue Tefta- früheren Briefen, während nach des Verf.'s Anficht ,die
ment, begründet von Heinr. Aug. Wilh. Meyer, VI. Ab- veranfehaulichende Ausfage über die Art des Ueber-
theilung.—) Göttingen, Vandenhoeckcv Ruprecht, 1900. ganSes vory T°deJUT Seligkeit als eine ergänzende Er-
nmr 7«, <= „. vi l , L lauterung der Eröffnungen von I. Kor. 15, 35—58 anzu-

(VIII, 463 S. gr. 8.) M. 6.20; geb. M. 7.70 j fenen< wäre Dem gegenüber könnte ich hier nur wieder-

Bereits zum dritten Mal (feit 1883) bearbeitet Heinrici, j holen und weiter ausführen, was in diefer Zeitfchrift fchon
nachdem er mittlerweile feinen eigenen Commentar ver- : Schürer (Jahrgang 1887, Sp. 333 f.) bemerkt hat, dem ich
öffentlicht hat (1887), die MeyerTche Erklärung neu; er ! auch in feiner Ablehnung der vom Verf. vertretenen
ift alfo mit diefer, die frühere von 1890 um 2 Bogen über- altlutherifchen Ueberfetzung von 8,9 folge. Freilich wiederbietenden
Ausgabe, jetzt zum vierten Mal an die Aufgabe holt hier Heinrici felbft eine fchon in der vorigen Auflage
herangetreten. Nach Conftatirung diefer Thatfache be- ; unter Berückfichtigung von Phil. 2, 5 f. gemachte Con-
darf es bei einem Forfcher von feiner anerkannten Er- 1 ceffion, welcher zufolge der Aorift an den Eintritt in den
probtheit auf exegetifchem Gebiete und von einer fo ; Stand der Erniedrigung denken läfst und nur noch beausgebreiteten
Vertrautheit mit der ganzen zeitlich oder hauptet wird, dafs nttOTela ,in die Beziehung auf die
raumlich angrenzenden, fachlich oder formell verwandten, Menfchwerdung nicht aufgeht' (S. 278). Ift das wirklich
die Zeitatmofphäre fpiegelnden Literatur kaum noch einer , nur ,eine genauere Beftimmung' der früheren Auffaffung
weiteren Empfehlung vorliegender Leiftung. Bietet doch oder nicht vielmehr ihre Preisgebung? Bedeutet es einen
überdies gerade der zweite Korintherbrief das ergiebigfte 1 Vorzug vor der Methode der ,Ifolirung', wenn nun
Feld für die Arbeit einer Exegefe, welche im Gegenfatze hexeo^svae beides bedeuten mufs: er war und er wurde-
zu dem .jüdifchen Hintergrund', für den andere Ausleger arm? Was aber die andere Stelle betrifft, fo ift die von
allein Augen haben zu dürfen glauben, den ganz anders der früheren Auflage gebrachte Abwehr der Schürer'
gearteten Analogien nachgehen, wie fie das vulgäre • fchen Einwendungen gegen des Verf.'s Auslegung von
Griechenthum der Zeit, zumal auch die zeitgenöffifche 5, I — IO zwar in der neuen weggefallen. Aber erledigt
Rhetorik (S. 39 f. 313 f.) und Philofophie (vgl. 153 f. 156 j ift mit dem, was jetzt vom früheren Texte der 2. AnStoiker
, S. 171 Piatonikerund Pythagoreer, S. 166 Philo, merkung flehen geblieben, theils neu hinzugekommen
S. 191 Seneca) in faft verblüffender Menge darbieten. ; ift (S. 192 f.), die Sache doch fo wenig, wie durch die
Gegen übertreibende Mifsdeutung diefer feiner Tendenz ] Anmerkung zu 5, 18 (S. 213 f.), eine paffive Gottesfeind-
hat fich der Verf. in einem Anhange ,Zum Hellenismus 1 fchaft des Menfchen, eine Umftimmung in Gott felbft
des Paulus' (S. 436—458) verwahrt. Derfelbe tritt an die ' und ein wirkliches Strafleiden des Gottesfohnes (S. 221)
btelle des früheren Anhanges über den genoffenfehaft- j aus dem Gedankenkreis des Apoftels eliminirt find. Mufs
liehen Charakter der korinthifchen Gemeinde (7. Aufl. : ich auf allen diefen Punkten mich der Exegefe Schmie-
S. 409—4171, wofür im gegenwärtigen Buche einzelne i del's anfchliefsen, fo ift eben damit auch gefacht, dafs mir
Ausfuhrungen wie S.266f. 288 f. 438 Erfatz bieten. Auch | die griechifche Wagfchale bei aller fachlichen Correctheit
hier war eine Richtigftellung gegenüber vorgekommenem j doch zu einfeitig beladet erfcheint im Vergleich mit der-
Mifsverftändnifs geboten S. VI. In der vorfichtigen Be- jenigen, auf welche ,fpätjüdifche oder rabbinifche Mytho-
grenzung, in welcher jetzt der hellenifche Charakter der logumena'(S.III),richtiger dieDocumente für den Glaubens-.

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