Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1901

Spalte:

49-53

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Garvie, Alfred E.

Titel/Untertitel:

The Ritschlian Theology 1901

Rezensent:

Eck, Samuel

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2, Seite 3

Download Scan:

PDF

4g Theologifche Literaturzeitung. 1901. Nr. 2. 50

gefochten, hat lieh ein Verdienft um feine Kirche und : Unter der Erörterung der zahllofen Einzelheiten, die man

fein Volk, ein Verdienft um die Wahrheit erworben. an diefer Theologie zu bemängeln findet, verftecken fich

,-./■!_• tt p t „Kn„;„ 1 nur zu leicht die grofsen Gefichtspunkte, die Ritfehl ge-

Strafsburg i. E._P. Lobfte'"- leitet haben. Un^ auch für eine rechtfehaffene Kritik

Glane. Paft. Max, Ihr habt einen andern Geist! Eine Unter- ! ™rd es an der Zeit fein bei der Prüfung feiner wirklichen
? ' , . r, 01, j n-.r i.,,r u 1 Grundgedanken einzufetzen. Vifcher luhrt feinen Zu-

fuchung des innerften Schadens der Rftfchl fchen hörern& jn fchlichter und durchfichtiger Weife die prak-

Theologie. Gütersloh, C. Bertelsmann, 1900. (VII, 78 j tifchen Ausgangspunkte und Ziele Ritfchl's vor. Er fieht

S. gr. S. M. 1.20 | ihn aber dabei im Kampf nach zwei Seiten hin. Gegen eine

Vischer, Privatdoz. Eberhard, Albrecht Ritschis Anschauung , ^curlatuVe7hw0fgie behauptet er die eine gefchichtüche
... _, . . . . 1 1 hatfache der Perfon Jelu als der ebenfo unentbehrlichen

von evangelischem Glauben und Leben. Ein Vortrag, wie ausreichenden Offenbarung Gottes, gegen den Pietis-
gehalten am 19. Dezember 1899 in der Basler Aula. [ mus verficht er das neue Lebensideal Luther's. Durch
(Sammlunggemeinverftändlicher Vorträge undSchriften ■ den Gegenfatz ift in beiden Fällen die Pofition Ritfchl's
aus dem Gebiet der Theologie und Religionsgefchichte ■ beftimmt. Und nur in den dadurch bezeichneten Grenzen
18.) Tubingen, J. C. B. Mohr, 1900. (36 S. gr. 8.) . f°Ut,e fle> foweit Ritfehl felbft in Betracht kommt, beur-
& ' ; y M — ' tnedt werden. Die Schwierigkeiten, die auf ihr Iaften.

'^5 find ja dem Verf. nicht verborgen. Was den erften Punkt
Garvie. Alfred E., The Ritschlian Theology, critical and anlangt, fo hat er das in dem fchönen Auffatz in der Z.
conftruetive. An expofition and an eftimate. Edin- Th-K. 1898 S. 195 bewiefen; dafs auch bei dem Gegen-
burgh. T. & T. Clark, 1899. (XXVII, 400 S. gr. 8.) tfatz« §efen den. Pietismus ,verfchiedene Fragen' auf-

" K ° tauchen, deutet er in dem Vortrage an. Naturliche Religion,

9- fffffo mystica, Offenbarung in der einzelnen Menfchen-
Wendland, Hilfspred. Johannes, Albrecht Ritsehl und seine feele werden geleugnet. ,Wie verhält es fich dann mit
Schüler im Verhältnis zur Theologie, zur Philosophie und a|l den Propheten und Chriftus felber, in denen wir die
zur Frömmigkeit unsrer Zeit dargeftellt und beurtheilt. ! FvaSer göttlicher Offenbarungen fehen follen ? Auf vvelchem
„,.„". 0 ,tv q . „ „ q Wege kamen denn he in den Befitz deffen. womit fie

Berlin, G. Reimer, 1899. (IX, 135 S. gr. 8.) M. 2.80 uns ak Fuhrer dienen?l Aber die neuen Probleme> die

1. Ueber die Schrift des als orthodoxer Heifsfporn fich hier melden, verkümmern dem Verf. die Freude an
bekannt gewordenen Hamburger Paftors Max Glage (f. Ritfchl's Leiftung nicht. Denn ,im Pietismus bekämpft
Chronik d. Chr. W. 1895 f. v. Hamburg) kann ich mich ; er den Verfuch, die Erlöfung durch Chriftus aus einer
kurz faffen. Diefelbe ift durch ihr Motto gekennzeichnet: , weltgeschichtlichen Thatfache zu einer Privatangelegenheit
,Der Wahn der Schuldlofigkeit ift die gröfste Schuld'. In der einzelnen Seele zu machen'. Wenn aber die aufge-
fünf Abfchnitten handelt Verf. von der Sündenfchuld, der worfenen Fragen fich ebenfo vom Standpunkte der Spe-
Erbfünde, dem Tode als Folge der Sünde, von Chrifti i culation wie von dem des Pietismus ftellen laffen, fo wäre
Perfon und Werk, endlich vom Reiche Gottes. Aus den I es vielleicht angezeigt gewefen, mit einem Worte auf die
Erlebnifsen, die einen Chriften machen, und die fich mit | innere Verwandtfchaft der beiden vorgeführten Gegner,
den biblifchen Realitäten decken, wird Punkt für Punkt : foweit es fich bei ihnen um wirkliche Frömmigkeit handelt,
das Syftem der Modernen in's Unrecht gefetzt. Ich hebe hinzuweifen.

aus der Beweisführung nur zwei Sätze aus. Es ift aller- 3. Eine Darfteilung von Ritfchl's Theologie, fo aus-

dings verkehrt, jedes Einzelleiden als göttliche Antwort föhrlich und freundlich zugleich, wie fie von Alfred
auf eine Einzelverfchuldung aufzufaffen. Jefus hat das ; Garvie geboten wird, hat es in englifcher Sprache bisausdrücklich
abgelehnt. Aber der ftricte Zufammenhang, her nicht gegeben. Sie ift aus Vorlefungen hervorgegangen.

den des Verf.'s Erfahrungsfyftem feffftellt, ift auch Joh. 9, 3

zuftand über das Wort: „der Tod ift der Sünde Sold",

die der Verf., Geiftlicher in Montrofe, auf Veranlaffung

gewahrt: ,Der Blindgeborne predigte durch feinen Leidens- und in Vertretung von Dr. Fairbairn in Oxford gehalten

hat. Aufklärung der Studenten über die Bewegung in

nicht als Individuum, fondern als Glied feiner Gattung'. 1 der deutfehen Theologie ift fein nächfter Zweck gewefen,
Zeigen aber fchon die erften Abfchnitte unheimliche ; Er hofft, dafs die dankbare Anerkennung, die ihm von
Lücken in diefer Theologie, fo weift der letzte vollends ! feinen Zuhörern zutheil geworden ift, auch in dem weiteren
die allerfurchtbarfte Entdeckung auf, die man bei ihrem ; Kreife theologifcher Lefer nicht ganz ausbleiben wird.
Studium macht: ,Das Reich hat keinen regirenden König, j Er wird der Erfüllung diefer Hoffnung mit guter Zuver-
Aus der Monarchie ift fchnell eine Republik geworden, | ficht entgegenfehen dürfen. Denn feine eingehenden Er-
wenn diefelbe auch nach monarchifchen Grundfätzen ver- : örterungen ermöglichen — auch durch die ausgedehnten,
waltet wird'. Bei diefer Behauptung handelt es fich nicht In guter und genau abwägender Ueberfetzung gebotenen
nur um die angebliche Erfetzung des lebendigen Chriftus ; Citate — einen wirklichen Einblick in die "Motive und
durch eine Idee Chrifti, fondern um die runde Anklage, , Ziele, den fyftematifchen Aufbau und die Einzelaus-
dafs ,jede wirkliche Lebensbeziehung zu dem perfönlichen Führungen diefer Theologie. Was ihn aber befonders
Gott' in der Theologie der Ritfchlianer in Frage geftellt j auszeichnet, ift das energifche Streben noch Verftändnifs,
werde. Die Anklage wird ja nicht zum erften Male er- > auch wo der Sinn der Rede nicht auf der Oberfläche
hoben. Dafs fie durch öftere Wiederholung an innerer : hegt, und zu gerechtem Urtheil, auch wo er fich zu ent-
M ahrheit gewinne, kann ich nicht finden. Vgl. Harnack, i fchiedenem Widerfpruch genöthigt fieht.
Chr. VV. 1897, S. 895. | Was uns an dem Buche zunächft intereflirt, ift der

2. Den Carricaturen gegenüber, die Glage gezeichnet , Bericht über die Schickfale, die Ritfchl's Theologie bishat
, darf ich den Vortrag Eberhard Vifcher's als eine ; her in England erlebt hat. Sehr langfam nur ift die
überaus erfreuliche und dankenswerthe Erfcheinung be- Kunde von ihr hinübergedrungen. Zwar der erfte Band
zeichnen. Er fpricht in einer Verfammlung von Nicht- von Ritfchl's Rechtf. u. Verf. foll fchon 1870 bei Williams
Iheologen. In Anknüpfung an eine abfehätzige Frage i and Norgate in Ueberfetzung erfchienen fein. Diefe müfste
Profeffor Hilty's nach den Ergebnifsen des Ritfchl'fchen dem Original (Vorwort Ritfchl's vom 17. September 1870)
ächulftreits für die Lai en will er eben diefen die Be- j uuf dem F"ufse gefolgt fein. Der Ueberfetzer wird nicht
ji^bungenRitfchU^ ! genannt. Aber es ift fall zu vermuthen, dafs der Namen-

Chriftenheit darlegen. Schon durch feine Zuhörerfchaft | lofe nur eine mythifche Perfönlichkeit ift. Denn nach
r k - 7 f'Ch genötnigt> ucn auf die Hauptpunkte zu be- I Otto Ritfehl, R.'s Leben 2, 101 erfchien auf W. Robertfehränken
. Aber er hält das nicht für einen Schaden. | fon's Veranlaffung eine Ueberfetzung von John S. Black