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Ausgabe:

1901

Spalte:

657-660

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Strzygowski, Josef

Titel/Untertitel:

Orient oder Rom. Beiträge zur Geschichte der spätantiken und frühchristlichen Kunst 1901

Rezensent:

Stuhlfauth, Georg

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack? Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Göttingen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark

jyir. 25. 7- December 1901. 26. Jahrgang.

Bovon, Jesus et l'eglise des premiers jours
(Lobfteinl.

Bovou, Christianisme et religion (Derf.).
Heine, Das Wefen der religiöfen Erfahrung
(Keifchle).

Marino, Heinrich Herz für die Willensfreiheit?

(Reifchle).
Foerfter, Lebensideale (Tröltfch).
Wyneken, Das Ding an ftch und das Natur-

gefetz der Seele (Elfenhans).
Wundt, Grundrifs der Pfychologie. 4. Aufl.
(Derf.).

Strzygowski, Orient oder Rom (Stuhlfauth). , Staat, Kirche und Sitte der Oberpfalz-Kur-
Domanski, Die Pfychologie des Nemefius pfalz (Hubert). •

[Beiträge zur Gefch. der Philofophie des MA. , Arnold, Die Vertreibung der Salzburger Protein
, il (Elfenhans). | »anten (Cohrs). • P ■ . ..
Worms, Die Lehre von der Anfangslofigkeit Arnold, Die Ausrottung des Proteftantismus in
der Welt bei den mittelalterlichen arabifchen Salzburg (Derf).

Philofophen des Orients [Beiträge u. f. w. III, Bahlcke, Die Stellung der Philanthropien zum
4l (Derf.) Religionsunterricht (Knoke).

Rade, Doktor Martin Luthers Leben, Thaten Eck, Aus den grofseii Tagen der deutfehen
und Meinungen (Cohrs). Philofophie (Tröltfch)

Benrath, Julia Gonzaga (Cohrs). i Heinrich. Lehrbuch der kathohfehen Dog-

Lippert, Gefchichte der Gegenreformation in | matik (Tröltfch).

Strzygowski. Jofef, Orient oder Rom. Beiträge zur Ge- ' Theil gewefen fei, fo dürfte es auf Abwege führen, auf
fchichte der fpätantiken und frühchriftlichen Kunft. welchen die Wftorifche Wahrheit nicht liegt und nicht
„ , , r , „„ ■ -rov(.^ „ o I negen kann. Richtig id, dafs die chridhch-archäologifche

Mit 9 Tafeln und S3 Abbildungen im Texte u. a- , Fo5rfchung den Orient gegenüber Rom zu lange ungebühr-

lieh in den Hintergrund gefleht und vernachläffigt hat, und

nach Aufnahmen der Palmyra-Expedition Sobern
heim. Leipzig, J. C. Hinrichs, 1901. (VII, 159 S. 4.)

Geb. in Leinw. M. 17.—

Zwei altchriftliche Reliefs, eines in Marmor, das
andere in Holz, und einige Fetzen altchriftlicher figurirter

es bleibt Strz.'s grofses Verdienft, die Blicke von dem
allzu bevorzugten Rom nach dem Öften gelenkt zu haben
und für die Hebung feiner altchriftlichen Denkmäler und
feine eminente Bedeutung auch für die chriftliche Ar-

dllUClC III UHU 1,11111/1- I. l-l/.l-H aiLCUI Ii LIII-lll-l U|-U1UI.I ... ,__■ ■ ,, y-. . , r .

Stoffe haben den Verf.? als er fie zu Odern des ver- ^aologie(,tmlf ^ler Energie eingetreten zu fem Die
gangenen Jahres in Berlin kennen lernte, angeregt, mit ! The,or'f ^rz.s aber die üch daran knüpft und che er
T r> ur 1 j vi j- 1 Tr 1 „ r.r» I verficht, wird lieh als unmöglich richtig herausdellen,

ihrer Publication ,kurz und bundig' gewiffe ihm telt- , ,' , , • , » „ p .. '. '

r. , j ,1 - Deute- e r u c j„m , wenn he behauptet, der Weden: Rom, Italien, Sicihen,

dehende allgemeine Refultate feiner Porfchung auf dem c.. ., . • u v c • v . 1 u c ■ & * ■
Gebiete der altchriftlichen Kundgefchichte zu geben, die §S^tig^'Ä ^'"en Katakomben, feinen Malereien,
laut Vorwort feit Jahren in ihm reiften, aber ohne die [ fe,ner Plaft,k- fe'ner Architektur habe nie Selbdandiges,
Bekanntfchaft mit den genannten Monumenten wohl noch 1 *m.mer nur ™n ffdem Ürient mehr oder weniger dark Inlange
der Ausfprache hatten harren müffen. Andere Denk- lPirntes geicharten.

mäler find im Intereffe deffen, was Strzygowski nachzu- Fur feine Theorie kämpft Strz. vor allem gegen

weifen fucht, theils felbiländig mitbefprochen, theils in ; Krausund Wickhoff. Speciell mit letzterem und feinem
die Erörterung hereingezogen. So entdand das Buch: j Werke über die Wiener Genefis fetzt er lieh auseinander
Orient oder Rom. Man kann das Buch wohl kaum i in. der Einleitung, welche überfchrieben id: ,Die Entkürzer
und bündiger, aber auch kaum zutreffender Wickelung der Kund in den erden drei Jahrhunderten
harakterifiren, als dafs man dem Titel die Worte bei- l n- Chr-'. und die den Zweck hat, Gründe geltend zu

c__

fügt: Dichtung und Wahrheit. Denn die .Wahrheit',
welche Strz.'s kundgefchichtliches Credo bildet und fich
in das bekannte: ex Oriente lux zufammenfaffen läfst, id
in der extremen Form, wie Strz. mit einem geradezu
fanatifchen Eifer fie behauptet, u. E. nicht Wahrheit,
fondern Dichtung, mit feinem eigenen Schlagworte aus

machen, die gegen die Wickhoff'fche Anficht von dem
bahnbrechenden Charakter der römifchen Kund in den
erden Jahrhunderten fprechen.

Auf die Einleitung folgen fünf Auffätze über einzelne
Denkmäler bezw. Denkmälergruppen: 1. Eine Grabanlage
:ri Palmyra vom J. 259 ca. und ihre Gemälde. Anhang:

gedrückt: ein Wahn. Wem es um wiffenfehattliche Klar- , Der Ashburnham Pentateuch. 2. Ein Chridusrelief klein-

heit auf dem noch immer in den Anfängen deckenden, ] afiatifcher Richtung. Anhang: Die Condantin-Schale im

mit vielen Hinderniffen kampfenden Gebiete der altchrid- , British Mufeum. 3. Eine Holzfculptur aus Aegypten,

liehen Kund erndlich zu thun id, wird mit Freuden das 1 Anhang:^ Die Elfenbeintafel des Domes zu Trier. 4. Ein-

Bedreben begrüfsen, eine Studienrichtung zu erzeugen, farbige Stoffe mit biblifchen Dardellungen aus Aegypten,

die mit einem beffer extrem gegen Rom gerichteten als | Anhang: Mannigfaltigkeit der Technik der Malerei im

vor dem römifchen Nimbus zurückweichenden Eifer den | Oriente. 5. Ein bedeutender Red des Prachtbaues Con-

Denkmälern des chridlichen Orients nachgeht, und wird I dantin's des Grofsen am heil. Grabe zu Jerufalem. Ein

es befonders gerne dann thun, wenn die Aufgabe nicht
im allgemeinen, fondern gleich auch die Frage ins Auge
gefafst werden foll, ,ob denn die einzelnen Länder
Aegypten, Syrien, Kleinafien, Griechenland u. f. f. nicht
jedes Land fur Geh eigenartige Richtungen entwickelt
haben' (S. 8.) Allein wenn dies Bedreben, wie hier, von

der als Dogma hingenommenen Ueberzeugung ausgeht, fammtbereiche der altchridlichen Kund, Leider läfst
dafs die altchridliche Kundbethätigung in deter, voller ; Strz. die für das Problem feines Buches doppelt nöthige
Abhängigkeit vom Orient gedanden, dafs der Orient ] Ruhe in der Beweisführung, die peinliche Erwär/uncr und

Verzeichnifs der Tafeln und Abbildungen im Texte und
ein Regider befchliefsen das Ganze.

Die einzelnen Theile lind zufammengehalten durch
das oft fehr fcharf hervortretende Leitmotiv von der
führenden Rolle des Orients, Alexandrias, Antiochias.
Ephefos', Kondantinopels, im Gefammtverlaufe und G

durchaus der gebende, Rom, Italien, der Weden durch
weg, durch alle Jahrhunderte hindurch der nehmende,
immer und überall in den Bahnen des Orients gehende

6s

Berückfichtigung aller die Refultate bedimmenden Fac-
toren, mitunter die einfachde Nüchternheit und Klarheit
des Blickes, die Unmögliches ohne weiteres abweift,

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