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Ausgabe:

1901 Nr. 24

Spalte:

641-645

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Nestle, Eberhard

Titel/Untertitel:

Die Kirchengeschichte des Eusebius. Aus dem Syrischen übersetzt 1901

Rezensent:

Gressmann, Hugo

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Theologifche Literaturzeitung. 1901. Nr. 24.

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mir ein Hofi'eher gewefen zu fein; im übrigen verfchwand
wohl der Seher im nabi (auch in der Sprache), weil die
Seher ausftarben und die nebümglldta in Ermangelung des
Zündftoffes in das ruhigere Gefchäft des öffentlichen und
privaten Rathgebers eintraten. Allmählich haben fich dann
die alten Ekftatiker in die ,falfchen' Propheten verwandelt.

Tübingen. P. Volz.

Nestle, Eberhard, Die Kirchengeschichte des Eusebius. Aus

dem Syrifchen überfetzt. (Texte und Unterfuchungen
zur Gefchichte der altchriftlichen Litteratur. Herausgegeben
von v. Gebhardt und Harnack. Neue Folge,
VI. Bd., 2. Heft.) Leipzig, J. C. Hinrichs, 1901.
(X, 296 S. gr. 8.) M. 9.50

Die Kirchenväter-Commiffion der Kgl. preufsifchen
Akademie der Wiffenfchaften beabfichtigt, eine text-
kritifche Ausgabe der Kirchengefchichte des Eufebius
zu veranftalten. Zu dem Behufe müffen nothwendig die
uns durch Wright-McLean und Bedjan zugänglich gemachten
älteften Ueberfetzungen (die fyrifche. die im
Wefentlichen auf zwei Handfchriften A und B beruht,
und die armenifche Tochter 91) herangezogen werden.
(Vgl. darüber und über den textkritifchen Werth die
Anzeige von V. Ryffel, Theol. Lit.-Ztg. 1898. Nr. 11.
Sp. 296—304). Da nun der Herausgeber des griechifchen
Textes (G) der fyrifchen Sprache unkundig ift, fo hat
Neftle die undankbare Aufgabe übernommen, den Syrer
(Jfy .möglichft wörtlich' zu überfetzen. Seine Arbeit will
demnach unter diefem Gefichtspunkte gewürdigt werden.
Zweifellos war die peinlichfte Genauigkeit nöthig; denn
auch die kleinfte Variante kann für die Kritik von
Wichtigkeit fein. So ift es begreiflich, dafs aus der
,möglichft wörtlichen' eine interlineare Ueberfetzung geworden
ift, und verftändlich, dafs Neftle von einem unerquicklichen
Gefchäft' redet. Um fo mehr mufs man es
dem Verfaffer danken, dafs er es dennoch übernommen
und zu Ende geführt hat, und den grofsen Fleifs, der
hinter diefer Arbeit fteckt, lobend anerkennen.

Aber es erheben fich doch Bedenken. Zunächft
wäre es beffer gewefen, Neftle hätte die nur ungern er-
theilte Zuftimmung zum Drucke verweigert. Denn der
geringe Nutzen, den eine folche Arbeit abwirft (vgl. Vorrede
III ff.), wird völlig dadurch aufgewogen, dafs diefe
Geftalt der Ueberfetzung unlesbar ift. Aufser einem Syri-
aften oder Textkritiker wird kaum jemand zu ihr greifen.
Sie hätte nur dem Herausgeber von G im Manufcripte vorgelegt
werden follen. Hoffentlich werden uns nicht noch
mehr folche Texte in diefer Weife zugänglich gemacht.
Es erfcheint überhaupt fraglich, ob der Erfolg die aufgewendete
Mühe lohnt. Denn bei der meift eleganten
und fehr häufig freien Ueberfetzung durch A" ift es unmöglich
, auch nur mit annähernder Sicherheit den Text
oder die Variante von G zu beftimmen, die jener vor
fich gehabt hat. Ich habe überdies keine Stelle bemerkt,
die nach 2 zu corrigiren wäre.

Neltle's methodifcher Fehler ift es, dafs er den
griechifchen Text ,meift erft nachträglich eingefehen' hat.
Er hätte ihn vielmehr von vornherein heranziehen, von
Wort zu Wort vergleichen und darnach urtheilen müffen.
Denn bei der Vieldeutigkeit des Syrifchen ift häufig die
Entfcheidung für die eine oder andere Ueberfetzung erft
auf Grund des Griechifchen möglich. So hat Neftle
manchmal Stellen wiedergegeben, die an fich, nach dem
blofsen Wortlaute, wohl fo verftanden werden können,
aber nach G — theilweife auch nach dem Sinne und
Zusammenhange — anders überfetzt werden müffen.

Sodann war freilich Genauigkeit nöthig, aber diefe
Genauigkeit hätte nicht fo weit getrieben werden dürlen,
dafs fie die Erreichung des Zweckes erfchwert, wenn
nicht mitunter gar unmöglich macht. Dahin rechne ich
einmal, um es kurz zu fagen, buchttäblich-etymologifche

Ueberfetzungen, die felbft hinter das fyrifche Sprach-
bewufstfein zurückgehen. Z. B. (ich citire nach Seiten-
und Zeilenzahl) 371 ,Trauernde'= Mönche. Oder 113 11
,Wiffet mir von meiner Seele', wobei Neftle allerdings
ein sie' in Klammern beifügt. Kann ein Nichtfyriaft
ahnen, dafs dies genau dem gr. 6VYVi'o>(i7]v tuoi £y£T>
entfpricht? (Habt Verftändnifs = Empfindung, Schonung
für meine Seele.) Ebenfo ift 2 22 -^r- .nicht ,Einficht',
fondern ,Nachficht' haben. Oder 16414 .Zutheilung' =
fatum. So könnte man noch viele Fälle namhaft machen,
in denen Neftle unbefchadet feines Zweckes einen paffen-
deren und verftändlicheren Ausdruck hätte wählen können.

Ebenfo überflüffig und wahrfcheinlich noch irreführender
find die (keineswegs confequent) wiedergegebenen
fyrifchen Redewendungen, z.B. die diftributive Ausdrucksweife
oder die häufige Ueberfetzung eines griechifchen
j Adjectivums durch ein Subftantivum mit ?, oder eines
j Adverbiums durch ein Subftantivum mit ä Welchen
i Werth hat es, wenn Neftle überfetzt: 4521: .durch die
Macht des Dinges' = öwccftn? Eigentlich ,mit gehöriger
Gewalt'. Ferner 4714 je nachdem genügend war in der
Hand eines jeden von ihnen'= fo gut ein jeder von ihnen
vermochte, oder 8825 ein .Gedanke, welcher durch fich
felbft herrfcht' = ;.07tö//öc «uVoxparaip u. f. w. u. f. w. Wenn
diefe unnöthigen Syriasmen fehlten, wäre der Text bedeutend
lesbarer und die Aufgabe des Kritikers von G
; nicht ohne Grund erfchwert. In allen diefen Fällen hätte
Neftle fich ruhig dem griechifchen Texte anfchliefsen follen.

Freilich find dies Kleinigkeiten und fchliefslich würde
man diefe übertriebene Genauigkeit gern mit in den Kauf
nehmen, wenn nicht auf der anderen Seite doch recht
viele Ungenauigkeiten vorkämen. Namentlich wäre es
wünfehenswerth gewefen, die Abweichungen die 91 bietet.
S in noch gröfserem Umfange zu verzeichnen. Es find
i mehrere nicht notirte Stellen vorhanden, an denen 91
mit G übereinftimmend die richtige Lesart gegenüber 2£
zu bieten feheint. Nur in diefen Fällen find einige Ver-
befferungen zu Neftle angeführt. Ferner befpreche ich
I die Stellen, die ich anders auffaffe als Neftle und dem-
gemäfs auch anders überfetze. Ich habe Buch II. III.
VI—VIII nachgeprüft.

Ob 39 5 richtig ift, feheint fraglich. Man könnte zur N'oth

! mit Neftle verliehen. Vielleicht ift aber zu lefen: .Vollftändig

j aber befeftigte er fte [durch feine Apoftel] für feine Thaten'. ,D. f. A.'
ift am Ende erft fpäter eingefügt, als die Lesart ',_». entftanden war.

— 39 16 füge hinzu: Act. n 19. — 4015 ?l< Gottes. — 41 23 yzveoig
! feheint 2 als ercatio verftanden zu haben; denn <piaig hat er kaum gel
j lefen. — 4217 ]-fSLs nicht .Götter', fondern süSmXa. Ebenfo 529. —

447 ift zu verliehen: .wahrend er (Gaius) lachte und ihn verfpottete'.

(Die zwei Punkte über ev£ lind Interpuncüon). — 44 19 überfetze: ,und
1 nur von diefen Juden werde er nicht in Ehre gehalten1. (Neftle feheint

krxa.s.« und |_«rcc-k. verwechfelt zu haben). — 4519 lies: ,mit Bildern
; und Statuen, Abbildung (A Plur.) feiner felbft' — rf/g ISiag ftOQmfci

Appofition, um das Genitivverhältnifs auszudrücken. — 45 28 Text : .ftimmt

auch (31 < auch) Jofefus Uberein'. — 45 29 lies für ,die Juden' vielmehr ,sie'.

— 46lhatAftatt Icjisj .irgend ein Bild'. — 46s beruht die Klammer
(A-f- einiger) auf einem Verfehen. Statt deffen: 191 Plur.). — 4611
Für ,eine grofse Menge' lies ,die Menge'. — 4617: .Schwerter (91 Sing.V.

I — 4625 ,aus den Städten (A 31 Sing.)'.— 47 12 fuge hinzu: (Act. n 28ff.);
ebenso 4717: (Act. 121 f.); 4731: (ib. 3); 487: (Act. I28lff.) (nicht 1321 ffj
wie fälfehlich bei Wright lieht); 504: (Act. 536); 50 23: (Ant. XX 52);
5027 lies llatt 9 29 vielmehr 11 29 f. — 4913 cf. Anm. 1. IZaa^sl bedeu-

j tet nicht .Sorge', fondern .Anfpaunung' .Stärke' wie tTtizaaig. — 51 8
hat A: ,Es thut aber kund'. — 51 20 »q^a-Z] ift Activ, alfo nicht .betrieben
wurde', fondern .fleifsig wirkte'. — 53 3 .aufftanden', genauer
.auffprofsten'. — 53 26 llatt .mit der Kraft Gottes' mufs es heifsen .mit

! den Waffen Gottes', lalii^lz wird beffer mit .Waare' llatt mit .Gewann'

überfetzt. — 5414 lies: (1. Pet. 513). — 552s füge hinzu: (ib. 2). _

55 35 liefs: (Act. 2 45; 4 34f.). — 56 2« ff. überfetze: .Denn sie denken,
dafs in den fchriftlich (eigentlich: fchriftbildlich I ausgedrückten Worten
gleichnifsartige Geheinmifse verzeichnet feien'. — 57 14 füge hinzu:

| (ib. 4). — 586 lies: .und die fchriftlich ausgedrückten Worte vergleichen

| fie'. — 589 ift die Ueberfetzung Neftle's finnlos. | p^--v kann hier

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