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Ausgabe:

1901

Spalte:

621-622

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dungern, Helene von

Titel/Untertitel:

Frederick Denison Maurice, der Führer der christlich-sozialen Bewegung Englands von 1848 - 1866 1901

Rezensent:

Eck, Samuel

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Theologifche Literaturzeitung. 1901. Xr. 23.

622

ich nur als einen fchwerwiegenden Mangel anfehen.
Offenbach a. M. S. Eck.

(a a O S =04 ff vgl. feine jüngft erfchienenen .Oucllen j von Zügen an demfelben die ihm die hervorragende
u ' UnterfucnuiWn Gefch. des Hexenwahns' S.'516 fr.) | Stellung unter den Freunden fichern mufsten, hat auch
ft'atiftifch nachliefen, wie ftark die weltlichen Proceffe 1 die Vf. glücklich herausgekehrt: die vornehme Art, in
oecren die Hexen nach Erfcheinen des mallcus zunehmen. ' der er bei Meinungsverschiedenheiten jedem fein Recht zu
Kein Wunder wenn alsbald auch in die neuen Rechts- wahren weife; die Stellung über den Parteien, die ihm
bücher die Anfchauungen des malleus eindrangen, fo durch einen entfchloffenen Widerspruch gegen jede neue
in Tencrler's Laienfpiegel (das kann felbft D. nicht leug- Parteibildung gewahrt bleibt: das Anfaffen der Dinge
nen S&i;3f) fo in einer Reihe deutfcher Criminalord- an ihrer Wurzel, darum das ganz uberwiegende Betonen
nun'gen (f. Längin S. 81 ff.) Und wenn auch die Caro- der ethilchen Aufgaben und Ziele gegenüber einem Po-
lina — das ift D zuzugeben — nicht unmittelbar auf chen auf fociale,blofs-wirthfchafthcheEinrichtungen. Aber
den mallcus in ihrer Strafbeftimmung gegen Zauberei auf den Grund gelangen wir mit alle dem doch nicht,
zurückgeht Mas haben übrigens Längin und Riezler Graben nicht bauen halt Maurice felbft für feine Auf-
auch licht behauptet), fo bleibt es doch Thatfache, gäbe Alfo das Suchen nach dem letzten Grunde auf
dafs die ausdrückliche Verhängung der Todesftrafe auf! dem fich der Bau - vielleich: inifehr verfcluedener Stuart
Zauberei, die fchon in der Öuelle der Carolina, der - erheben kann, ift fein. Beruf. Als Theologen bezeichnet
Bamberger HalsgerichtsordnurTg, fich findet, damals er fich und zu nichts will er-Neigung habenu als zur Theo-
eine Neuerung war (f. Riezler S. 136ff., Längin S. Soff), logie. Wenn alfo M. innerhalb des Freundeskreifes der
die nur aus dem durch den malhus geänderten Zeit- vornehmftc Trager des rehgiofen Gedankenganges (Bren-
aeifte zu erklären ift (vgl z B. die Beftimmung der tano) war, fo kann auch feine Fuhrerftellung nur aus der
Bambereer Ordnung dafs Zauberei beftraft werden foll Eigenart der .Theologie«, die in fchroffem Widerfpruche
bleich0 Ketzerei' Das ift die echt kirchliche, im gegen alle Syftemfucht es nur mit dem wirklichen
maUeus nur fcheinbar zurückgeftellte Anfchauung f. Han- lebendigen Gott zu thun haben will, verftanden und zur
fen S 146 u 493). Natürlich hat nebenher eine Unter- Anfchauung gebracht werden. Dafs die erfaffenn nir-
ftrömunrr beftanden, die den Hexenwahn bekämpft hat; gends einen Anlauf nimmt, diefe Grundlage feiner Herr-
aber fie zur Hauptftrömung machen, heifst die Gefchichte fchaft über die Gemüther eigens zu kennzeichnen, kann
verzerren, wie D. verfährt. Vor allen Dingen war diefe '
Unterftrömung durchaus unkirchlich. Seine Invec-
tiven gegen Thomafius, die ich im Einzelnen nicht nachprüfen
kann, hätte D. fich alfo fparen können. Th.'s

Grundanfchauung ift durchaus richtig. Lasch, Lic. Dr. Guftav, Die Theologie der Pariser Schule.

Damit werde ich wohl abbrechen dürfen. Zwar Charakteriftik und Kritik des Symbolo-Fideismus. Ber-
wäre noch mancherlei zu fagen über einige böfe Schnit- | Q a. Schwetfchke & Sohn, 1901. (VI, 67 S. gr. 8.)

zer. wie die Verbrennung der Bannbulle durch Luther ^ gQ

in Leipzig! (S. 176), wie Ebeling von Günzburg (S. 177), I

Roskopf ftatt Roskoff (S. XII), fowie den nachläffigen, j Aus zwei wichtigen Schriften, die auch in Deutfch-
grammatifch fehlerhaften Stil (vgl. S. 13 Z. 14ff. S. 74 Z. j land die gebührende Beachtung gefunden, aber aus nahe
9 ff u. ö.), wie die flegelhaften Ausfälle gegen Riezler 1 liegenden Gründen doch nicht dasfelbe Auffehn als in
und Längin, aber der Worte find fchon viel zu viel Frankreich erregt haben, aus der ,Religionsphilofophie'
über das Buch gemacht im Verhältnifs zu feinem Werthe. Sabatier's, des der Wiffenfchaft und der Kirche vor kurzem
Der einzige Nutzen, den es ftiften könnte, wäre der, j entriffenen Decans der Parifer F'acultät, und aus den ge-
Veranlaffung zu werden zu einer Monographie über ! fammelten Effays Menegoz' (Theol. Literaturzeitung 1897,
.Reformation und Hexenprozefs.' Das wäre allerdings Nr. 7; 1900, Nr. 18) unternimmt es Lafch die im
dringend zu wünfchen. .Symbolo-Fideismus' ausgefprochenen Gedanken im Zu-

Giefsen W Köhler ■ ^arnmen'lange darzuftellen, die Haltbarkeit der Grund-

principien zu prüfen und die Bedeutung der ganzen Er-
fcheinung für die Gefchichte der proteftantifchen Theologie
Dungern. Helene von, Der Führer der chriftlich-fozialen zu erweifen' (1). Der gröfsere Theil der Arbeit ift dem
Bewegung Englands von 1848—1866, Frederick Denison -Symbolismus' Sabatier's (12—47), der kleinere dem ,Fideis-
Maurice. Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht, 1900. g-f Mönegoa' gewidmet; beide Abfclmitte zerlegt der

Vert. in eine Reihe von kleineren Stucken, die zwar der
Klarheit förderlich find, die Gefammtüberficht aber etwas
erfchweren. Durch die lichtvolle und fachlich gehaltene
Darftellung zieht fich eine Reihe kritifcher Einzelbemerkungen
, die fich durch Reife und Befonnenheit des
Urtheils auszeichnen und an manchen Punkten den Kern
der Sache treffen (20. 30— 31.49). Weniger gelungen dürfte
der Nachweis fein, wie die Gedankengänge beider Lehrer
ineinander greifen und fich gegenfeitig bedingen; Anfätze
zur Löfung der Frage find zwar vorhanden (52. 54. 55),
aber eine principielle Behandlung des Problemes ift der
Verf. uns fchuldig geblieben. Ein näheres Eingehn auf die
Controverfe zwifchen Sabatier und Stapfer (42) wäre er-
wünfeht gewefen; die Mifsverftändnifse Frommel's (45 f.)
hätten eine fchärfere Beleuchtung verdient. Die Aus

(IV, 143 S. gr. 8.) M. 2.40; geb. M. 3.

Maurice ift 1805 geboren, 1872 geftorben. Die Darfteilung
der Verfafferin will fich fchon nach der Titelangabe
nur über 18 Jahre diefes Lebens erftrecken, weil
fich in diefer Zeit allein Maurice unmittelbar handelnd an
der chriftlich-focialen Bewegung betheiligt. Man kann
dabei zwei Zeiträume unterfcheiden : 48—53, die Jahre
der ftürmifchen Anfänge und der taftenden Verfuche:
54—66 der ruhigen Arbeit an der Volkshochfchule in
London. Etwas ungleichmäfsig, wie mir fcheinen will,
vertheilen fich die Mittheilungen der Vf. auf diefe Zeiträume
; für den erften flehen S. 21 —106 zur Verfügung,
dem letzten find nur S. 107—141 gewidmet: eine deutliche
Anfchauung von dem Betriebe und vollends den

Lrgebnifsen der Volkshochfchule wird dem Lefer nicht 1 führungen über den Neokriticismus (57—61) bieten zu viel
vermittelt. Aber läfst fich überhaupt die Führerftellung, die oder zu wenig; denn einerfeits gehören fie nur indirect
M. eingenommen hat. die dem Widerftrebenden von dem zur Sache felbft, oder, wenn einmal diefe Erfcheinung ge-
Freundeskreife mehr noch zugemuthet als zugeftanden ; würdigt werden follte, fo mufste fie in einen gröfseren
wurde, an dem Ausfchnitte aus feinem Leben und feiner Zufammenhang gebracht werden. Im letzten Capitel hebt
Arbeit deutlich machen? Es verlieht fich, dafs in den L. mit Recht die Verwandtfchaft des Symbolismus mit
reichlich in die Erzählung aufgenommenen Briefen, die Kant, Schleiermacher, Lipfius hervor; hier kommt aber
oft nur leicht von jener eingerahmt erfcheinen, das Cha- Menegoz zu kurz; dafs der,Fideismus' die Wiederaufnahme
rakterbild des Mannes fcharf hervortritt. Und eine Reihe des echt reformatorifchen Gedankens des religiöfen Heils-