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Ausgabe:

1901

Spalte:

612-613

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lundborg, Matheus

Titel/Untertitel:

Begreppet Herrens Tjänare hos Andre-Essias. Kritik-exegetisk undersökning 1901

Rezensent:

Dalman, Gustaf

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Theologifche Literaturzeitung. 1901. Nr. 23.

612

fchauplatz geeilt, vgl. Vers 3b, gilt ihm als felbftver-
fländlich und deshalb nicht weiter erwähnenswerth.

Weniger als in literatkritifcher Hinficht vermag ich
B. in textkritifcher Beziehung zu folgen.

Gewifs ift eine ftändige Vergleichung der Parallel-
ftücke von Nöthen. Wo der Text nur auf einer von
beiden Seiten verderbt ift, wird die andere zu feiner
Wiederherftellung unter Umftänden willkommen fein.
Indefs Abweichungen, gegen die textkritifch nichts einzuwenden
ift, wird man beftehen laffen muffen. Ob z. B.
ein Plus auf einer von beiden Seiten vom Autor felbft,
von einem Abfchreiber oder Lefer ftammt, wird man
vielfach gar nicht mit Sicherheit entfcheiden können.
Wie kann B. zu I 17,12 fagen: .Wie LXX. Sam. zeigt, ift
"6 Chron. das richtige gegenüber "153953 Sam., ebenfo
55509 gegenüber 575955353 5509 Sam.'? — Ebenfo heifst es
zu Vers u: "pOKil pafst nicht in den Zufammenhang (?),
fehlt in Sam., ift alfo durch Verfehen aus Vers 23 hierhergekommen
, u. dgl. m. — B. ift gleichfalls fehr fchnell
bereit, Chron. nach LXX, die bekanntlich häufig den
Text mit Sam. und Kön. conformirt, zu ändern. M. E.
ift es unmethodifch, das unanfechtbare 9,77!7r52> I 10,5
in 1S1il"by zu corrigiren, nur weil LXX (und Sam.) es fo
bieten, oder das tTrjil ebenda zu ftreichen, nur weil LXX
es ausläfst. Nach B. ift das ,einer der beliebten ausmalenden
Zufätze'. Woher weifs B. das? — Es ift vielmehr
die Frage, ob man es hier wegen des Vers 6 init.
folgenden rwi mit einer Dittographie in MT oder etwa
mit einer Unterlaffungsfünde in der hebräifchen Vorlage
des Griechen zu thun hat. Wer will das entfcheiden
?— Daher bleiben wir bei MT. Pur B.'s Textkritik
ift übrigens charakteriftifch, dafs er (S. 41) mit Klofter-
mann 059 Ori55 5B15ES5 I Sam. 31,12 fin. als ,verdorben'
aus 0715 nöD"1! anfieht.— I Chron. 17,3 fin. nähern fich LXX
und Syr. dem Texte II Sam. 7,5. Ebenfo die Neueren
Kittel a. a. O. und B. Man mufs aber dem Chroniften
fchon das Recht einer Abweichung im Ausdrucke geftatten.
Sein Text lautet 57!55-555 5715553 (757IT152) 7P7J555. Wer
-90)53535 als urfprünglich anfieht, mufs es zu "53~555 ver-
vollftändigen. Vielleicht rührt es aber auch von einem
Gloffator her, der den Chronik-Text dem von Sam. annähern
wollte.

Noch zum Schlufse eine Auswahl von Einzelheiten:
Zu I 15,27 f Ml biSbaa 59,1953 führt B. die Anficht Bertheau's
an, dafs diefe Worte Schreibfehler für T3-599. 191953 (Sam.)
feien, der fofort den weiteren Zufatz veranlafst habe, der
auch für die anderen Betheiligten diefelbe Kleidung in
Anfpruch nimmt. Weiterhin erfcheint ihm diefe Anficht
(von einer unabfichtlichen Verderbnifs) zwar fehr fchwer,
beffer hätte er aber entfchieden gethan (im Intereffe
feiner ftudentifchen Lefer), fich über das Wort 531953 zu
äufsern und Bertheau's unhaltbare Vermuthung fich felbft
zu überlaffen. — I 21,12 tritt er der gegenwärtig herr-
fchenden Meinung bei, 7IB02 Chron. fei Entftellung von
7102 Sam. (71905). Diefe Annahme hat ihre Schwierigkeiten
. LXX cptvysiv öe Chron. und Sam. conformirt,
kann fehr wohl fchon 71005 gelefen haben. 7l£D ift in
diefem Zufammenhange ein fehr paffender Begriff. Nur
die Form (Part. Nif.) fcheint eine Entftellung, erforderlich
ift neben 35*1 und 121 ein nomen subst. 902 macht
den Eindruck einer erleichternden Lesart. — Zu II 18,9
werden wir auf Kön. I 22,10 (Benzinger's Comm. S. 123)
verwiefen. Hier wird mit Recht conflatirt, dafs LXX
uns im Stiche läfst. Dann heifst es, ,TljG (sie) ift (innlos
' — von O'nJB fehe ich hier ab — ,fo find wir ganz
aufs Rathen angewiefen'. Ehe das Rathen losgeht, wolle
man beachten, dafs 1153 (sie) dafteht. Im Blicke auf einen
Ortsnamen wie 105571 J12, ift die Annahme fo ungeheuerlich
, dafs "5 hier die (vielleicht abgekürzte) Bezeichnung
einer Oertlichkeit vor den Thoren Samariens ift? —
Warum, fobald wir einen Ausdruck, bei unferem geringen
hebräifchen Literatur-Material, nicht gleich verftehen,
darauf los corrigiren? — Das gebe ich B. noch bei

j II 32,28 fin. zu bedenken. Es ift nicht unmöglich, dafs
der Chronift fchon fiiTJi» in der Bedeutung ,Hürden', vgl.
Levi chald. Wörterbuch, kennt und braucht (S. Fraenkel).
— Zu I 4,2 hätte den Lefern ein Hinweis auf die Wiener

| Zeitfchrift f.d.Kunde des Morgenlandes VI 312 gut gethan,
ebenfo zu I 24, ib (S. 73) die Erwähnung der Zeitfchrift
d. Deutfch. Morgenländifchen Gefellfchaft 1886, S. 162
Anm. 1. — S. 63 ift Nathan zweimal Schreibfehler
für Gad.

Breslau. Max Lohr.

Lundborg, Docent Matheus, Begreppet Herrens Tjänare

hos Andre-Esaias. Kritik-exegetisk undersökning. Lund,
Gleerup, 1901. (II, 259 S. gr. 8.) 3 Kr —

Das in den letzten Jahren vielfeitig bethätigte Intereffe
an der Geftalt des ,Knechtes Jahve's' im zweiten Jefaja
hat in diefer Schrift auch einen fchwedifchen Vertreter
gefunden, der mit guter Kenntnifs der bisher geleifteten
Arbeit an feine Aufgabe herangetreten ift. Er leitet fein
Buch ein durch eine Darfteilung derGefchichteder jüdifchen

| und der chriftlichen ,Auslegung' der vom Knechte Jahve's
handelnden Prophetenworte (S. 11—86). In vorchrift-
licher Zeit verftand man den Knecht J.'s nach Lundborg
vorwiegend collectiv vom israelitifchen Volke, feltener vom
frommen Individuum, nie vom Meffias oder einem hiftori-
fchen Märtyrer. Die Anwendung der prophetifchen Auslagen
auf Jefus durch ihn felbft hat dann innerhalb der
Kirche die meffianifche Deutung veranlafst, welche die
Synagoge fich nie confequent angeeignet hat. Die neuefte
Zeit zeige wieder einen Rückgang zur älteften Auffaffung

j neben der Deutung von einer Einzelperfon und fordere deshalb
das Suchen nach einer befriedigenden Löfung heraus.
Als zu berichtigende Einzelheit fei erwähnt, dafs jener
Hillel, welcher Hiskia für den Meffias hielt, nicht der

! Zeitgenoffe Chrifti diefes Namens war, wieL. meint (S. 25),
fondern ein 300 Jahre fpäter lebender, wenig bekannter
Amoräer. In der S. 36 ff. gegebenen Ueberfetzung des
Targums zu Jef. 52, 13—15; 53, v—12 ift am Anfange von
Vers 14 ,när' (wenn) durch fiuru' (wie) zu erfetzen. 53,3
kann es nicht heifsen: ,Wenn er auch verachtet wird,
wird er der Herrlichkeit aller Königreiche eine Ende

' machen'. Das einleitende Ji93 heifst nur .deshalb'. Man
mufs überfetzen: .Deshalb wird verachtet werden und ein
Ende nehmen (1. pIDBi) die Herrlichkeit aller Königreiche'.
Nur in diefer Faffüng pafst der Satz in den Zufammenhang.

i Somit fagt das Targum zu Jef. 53 keinerlei leidentliches
Verhalten des Meffias aus, obwohl ich es für wahrfcheinlich

! halte, dafs es urfprünglich 53,2 vom Meffias und nicht von

j den Frommen verftand (f. meine ,Aram. Dialektproben'
S. 10). — Der Gefchichte der Auslegung des Begriffes läfst
der Verf. S. 87 —117 eine Vorgefchichte des Begriffes
innerhalb der altteftamentlichen Literatur folgen und geht

> dann über zu einer Befprechung der fog. vier Ebedlieder

| im Zufammenhange von Jef. 40—55 (S. 118—247). Auf
den letzten Seiten des Buches wird das Refultat der vorangehenden
Unterfuchung mitgetheilt, und zwar i. in
literarifcher Beziehung: Darftellungsform, Sprache und
Zufammenhang beweifen die Einheit des Verfaffers von
Jef. 40—55. Die Ebedlieder find nicht auszufcheiden.
2. in exegetifcher Beziehung: Der Begriff des Knechtes
ift überall der gleiche und zwar eine Perfonification des
Volkes Israel. Die individuelle Deutung wird auch für

I Cap. 53 abgelehnt. 3. in biblifch-theologifcher Beziehung:

I Das Alte Teftament kennt weder hier noch fonftwo einen
leidenden Meffias. Der pofitive Inhalt des Begriffes des
.Knechtes Jahve's' befteht in der Betonung der Gnade,
in Gottes Dienft berufen zu fein, und der Pflicht, fich

| diefer Berufung gemäfs zu verhalten in freudigem Be-
kenntnifse zu dem berufenden Gott. — Gegen die individuelle
Deutung des Knechtes in ihren verfchiedenen

I Formen liefs fich kaum etwas fagen, was nicht von jeher