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Ausgabe:

1901

Spalte:

609-612

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Kurzer Hand-Commentar zum Alten Testament. 14. Lieferung. 20. Abteilung. Die Bücher der Chronik, erklärt von J. Benzinger 1901

Rezensent:

Löhr, Max

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Göttingen.

Erfcheint

Preis

alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hiririchs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark.

Nr. 23. 9- November 1901. 26. Jahrgang.

Kurzer Hand-Commentar zum A. T., XX: Die | Gottes unter dem Alten und Neuen Bunde, II
Bücher der Chronik, erkl. von Benzinger (Wernle).
(Lohr).

Dungern, Frederik Denison Maurice (Eck1.
Lafch, Die Theologie der Parifer Schule
(Lob-Hein).

Kant's Kritik der reinen Vernunft, herausg.

Wells, The age of Charlemagne (Krüger).
Lundborg, Begreppet Herrens Tjänare hos I DtW, Tg Wj£J?£^&iL.)

Andre-Esaias (Dalman). C lark The Anghcan Urformalio. (Der. ) von Kirchmann, 8. Aufl. (E. W. Mayer).

Schoen Traditionelle Lieder und Spiele der ; Diefenbach. Der Zauberglaube des fechzehn- von ^lrL " ' V Z

Knaben und Mädchen zu Nazareth (Dalman). ten Jahrhunderts nach den Katechismen Dr. Rietfchel. Lehrbuch der Liturgik. 1. Bd. (E

Beftmann, Entwicklungsgefchichte des Reiches Martin Luthers und des P. Caniflus (Köhler). , Chr. Achelis).

Kurzer Hand-Commentar zum Alten Testament. In Verbindung aus verständlichen Befonderheit beliehen läfst. — Den

mit T Benzinger, A. Bertholet, K. Budde, B. Duhm, 1 Satz (S 41 oben), ,es ift ganz finngemäfs, ftatt des weniger

... . r> wu u u „ o^D„»K»r. P^f paffenden T0*»tJ*i das neutralere imri zu fchreiben.
H. Holz.nger, G. Wildeboer herausgegeben von Prof. ich njcht _ Abef fernef durfte auch {n Kön_

D. Karl Marti. 14. Lieferung. XX. Abtheilung. Die dig Zahl der Varianten gröfser fein, als B. annimmt.
Bücher der Chronik, erklärt von Lic. Dr. J. Benzinger. I Dafs z. ß. bei dem Berichte der Chron. über den Sturz
Tübingen. J.C.B.Mohr, 1901. (XVIII, i4iS.gr.8.) M.3.— j der Athalja II 22,10ff. nicht an eine andere Vorlage als

. ,.' ..... r, i . . j.__-„r„„uD„ r~r l II Kön. 11 gedacht werden könne, S. Iii, mufs ich im

Auch diefe Arbeit B. s zeigt die mannigfachen Vor- _,. , r 3 ... , _„ , .

zv.uv.1 uiu & ..07 , • r._ 1 Blicke auf das Plus 22,11b 23,1—3, bei dem doch von

zuge welche fall allen 1 heilen des Marti fcnen Com- . .„ , ,. D , . J. ' , .f ,

B w 1 • c a v, „ TTöua,r,^kti;^m.c;f Tor keiner lendenz die Rede lein kann, bezweifeln.
mentar-V erkes eigen find: Kurze, Ueberlichtlicnkeit, Ver- ~ ., ,. ji. n.Aiu L1.1. n u

. j & T .. . _ Es mag allerdings die Ouelle. welche Chron. neben

arbeitung der neueren Literatur u. a. m. e , ,b.. , * . , .~ U r , . , . . , . ,

s , , t» v, 1 -1 , ts 1 ,1 I Sa.m. und Kon. benutzt hat, die Gefchichte nicht ohne

Nur habe ich zu B.'s Beurtheilung und Behandlung eine Beziehung zu jenen beiden erzählt haben, p. XIII.
des MT Einiges anzumerken. , £inen ftringenten Beweis hierfür liefert I 21,1—22,1 =

In der Literarkritik gilt heute durchweg die Unab- ' II Sam. 24, David's Volkszählung. Hier bieten beide,
hängigkeit zwifchen den Parallelberichten von Sam. und 1 auch nach B. felbftändige, Darflellungen die näm-
Kön. einerfeits und Chron. andererfeits als ausgefchloffen. i i che Zufammenarbeitung zweier Erzählungen
Die Abhängigkeit beurtheilt man aber allgemein fo, dafs über die Peft. Die erfte erzählt, wie die Peft nach der
Chron. fich, theilweife fklavifch genau, an Sam. und Kön. Wahl David's über Israel kommt; fie rafft unter dem
angefchloffen habe. Diefes Unheil wird von B. mit Volke 70000 dahin und wendet fich jetzt auch der
Recht eingefchränkt, befonders bezüglich einer Reihe j Hauptfladt zu. Da reut Jahve das Verderben. Er ge-
von Parallelerzählungen zu Kön. (p. XIII). bietet feinem Engel: Genug: Lafs ab! — Wir dürfen

M. E. mufs diefe Einfchränkung noch weiter aus- ! als Fortfetzung bezw. Abfchlufs vermuthen: Da that
Gedehnt werden; zunächft auch auf Sam., vgl. I 31,8—31 j der Engel, der schon an der Tenne Aravnds stand,
zu Chron. I 10,s—12: In Sam. nehmen die Philifler dem ! nach dem Befehl Jahve's, und Hess ab, II Sam.
erfchlagenen Saul die Rüflung ab, welche als Trophäe 1 24, 10—is = I Chron. 21, 7(8)—15. Die Verklammerung
in ihren Aftarte-Tempel gefchafft wird. Den Leichnam 1 mit der zweiten Erzählung ifl die Erwähnung der
fchänden fie, indem fie das Haupt vom Rumpfe Tenne II 24,16b = I 21, 15b. Der zweiten Erzählung
trennen und letzteren an der Mauer von Bethfan dient die Peft nur als Hintergrund. Ihr Thema ifl
aufhängen. (Ebenfo verfahren fie mit den Leichen die Umwandelung der Tenne in einen Cultort durch
von Saul's Söhnen.) Die Jabefchiten flehlen von dort David. Die Peft fcheint in der Hauptfladt ihren An-
die vier Leichen, vgl. II Sam. 21,2, verbrennen und fang zu nehmen. Jedenfalls wüthet fie Vers 17 unter
beftatten fie. In Chron. nehmen die Philifler von dem David's Augen [im Widerfpruche mit Vers 16a, dem Be-
Erfchlagenen Kopf und Rüflung hinweg, beide finden ; fehle Jahve's, abzulaffen]. David betet, um Gottes Zorn
als Trophäen in zweien ihrer Tempel Platz. Den auf j zu befänftigen. Auf göttliche Weifung errichtet er
dem Schlachtfelde zurückgelaffenen Leichnam | den in Rede flehenden Altar und opfert. Darauf legt
(nebft denen der Söhne) bringen die Jabefchiten von fich der Zorn, und es ergeht der göttliche Be-
dort aus in ihre Heimath zur Beftattung. Schon Syr. | fehl an den Engel, von dem Verderben abzulaffen
fucht beide Texte in Einklang zu bringen, indem er 1 [die Differenzen mit der erden Erzählung find hier
Vers 10b nach Sam. corrigirt, vgl. S. Fraenkel, Jahr- j leicht erfichtlichj. —

bücher f. prot. Theol. 1879, S. 11. R. Kittel in P. Haupt's In obiger Erzählung lehnt B. es mit Recht ab,

SBOT hat fich Syr. angefchloffen, unter völliger Ver- j Vers 20 der Chron. nach II Sam. 24,20 zu corrigiren. Erhält
kennung von Fraenkel's Arbeit. B. fchlägt den anderen • Vers a für eine fpäter eingefügte Bemerkung. Ich fehe
Weg ein, er vervollftändigt Chron. durch Sam. ,Es 1 keinen Grund, nicht den ganzen Vers dem urfprüncr-
bleibt nichts anderes übrig als die Annahme, dafs beide 1 liehen Erzähler zuzufchreiben, dem daran lag, Ornan
Sätze im urfprünglichen Text neben einander ftanden: [ durch die Engelserfcheinung vorzubereiten und will-
seine Waffen in den Astarte- Tempel, sein Schädel in '< fährig zu machen. — Ebenfo fcheint es mir eine unzu-
den des Dagon, die Leiche an die Mauer. In Sam. j treffende Beurtheilung des Autors, wenn B. zu I, 20,1 bekann
der Mittelfatz durch Verfehen ausgefallen fein; merkt, der Chronift habe den Satz; David aber blieb
die Weglaffung des letzten Satzes in Chron. kann nur i zu Jerusalem ,auszulaffen vergeffen'. Was für eine
abfichtlich fein. Ein hinreichender Grund nicht er- ; Anfchauung von der Arbeitsweife des Autors fetzt das
kennbar' (S. 41). Das Richtige ift, dafs man beide Er- voraus! — Derfelbe hat ein anderes execretifches Em-
zählungsvarianten in ihrer, für fich allein doch durch- pfinden als wir. Dafs David nachher auf den Kriegs-

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