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Ausgabe:

1901 Nr. 21

Spalte:

574-575

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Hippolytus Erklärung des Hohen Liedes 1901

Rezensent:

Bonwetsch, Gottlieb Nathanael

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Theologifche Literaturzeitung. 1901. Nr. 21.

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textes ift hier fichtlich gleichzeitig mit dem Texte der Erklärung
erfolgt, wie die vielfach buchftäbliche Ueberein-
itimmung zeigt. — E. unterfucht eingehend die Sprache
der beiden Ueberfetzungen und die Art und Weife der
Uebertragung aus dem Griechifchen, giebt genauen Bericht
über ihr Verhältnifs zur Vorlage in Declination
und Conjugation und fchliefslich ein höchft dankenswertes
Lexikon, das allein fchon feine Arbeit für den,
der fich mit dem Kirchenflavifchen zu befchäftigen hat,
werthvoll macht.

Den zweiten Theil feiner Arbeit widmet der Vf. der
griechifchen Vorlage der beiden Jefajaüberfetzungen.
Er verwerthet dabei vornehmlich das reiche Varianten
material der Ausgabe von Holmes-Parfons. Da det
flavifche Parcmijnik auf das Prophetologion zurückgeht,
repräfentirt er natürlich auch deffen Textgeftalt. E. macht
54 Handfchriften des Prophetologion namhaft und be-
fchreibt davon die durch Porphyrij aus der Jerufalemer
Bibliothek in die St. Petersburger Oeffentliche Bibliothek
(cod. 217 und 218) übergeführten v. J. 1054 und saec. 12,
deren erftere von jenem mit den Varianten einer Hand-
fchrift von Theffalonich sacc. 10 bereichert worden ift, fo-
wie Cod. Seb. 466 des Rumjanzev-Mufeums saec. 10. Den
aus ihnen, dem Cod. Simeonis (ed. Steininger Trier 1834)
und den Lesarten der Moskauer Synodalbibliothek bei
Parfons gewonnen Typus des Prophetologion hat E. noch
mit 32 Handfchriften der Bibliotheken zu Jerufalem, Kairo
und auf dem Athos verglichen und feftgeftellt, dafs nach
diefen für den Jefajatext nur eine Geftalt des Prophetologion
ohne wefentliche Differenzen vorhanden ift, und
dafs diefelbe in den Patriarchaten von Konftantinopel und
lerufalem, aber wahrfcheinlich auch zu Alexandrien und
Antiochien im Gebrauche (fand. Diefes Prophetologion
repräfentirt aber die lucianifche Recenfion, daher E. kein
Bedenken trägt zu erklären, dafs für das Jefajabuch eben
das Prophetologion den Prüfftein für diefe Recenfion
bildet, obfchon auch eine Anzahl von Handfchriften des
Prophetologion die Neigung bekundet, Lesarten der
Recenfion des Hesychius fich anzueignen. E. unternimmt
es nun aber auch, die Recenfion des Lucian nach ihren
inneren und äufseren Merkmalen zu charakterifiren, unterfucht
ihre Quellen und ihre Bedeutung und bietet hierauf
S. 34—92 ihre Lesarten für den Jefaja im Verhältnifse
zu dem Texte der Holmes-Parfons'fchen Ausgabe. Die
Bezeichnung der Handfchriften nach Zahlen in diefer Ausgabe
erfetzt er durch Buchftaben vornehmlich des lateinischen
und griechifchen Alphabetes, dürfte aber dadurch
die Benutzung feiner Arbeit fehr erfchwert haben. Im
übrigen wird gerade diefer Theil feiner Schrift auch von
dem des Ruffifchen nicht Kundigen fehr wohl gebraucht
werden können. Soweit Stichproben genügen, hat fich
mir die Zuverläfhgkeit diefer überaus mühevollen Arbeit
durchaus bewährt; fie darf daher bei weiteren Septuaginta-
ftudien nicht unberückfichtigt bleiben.

Die Vorlage der flavifchen Catenenverfion genauer
feflzuflellen, erfchwert der Stand der Catenenforfchung.
Aufserdem wirkt hier die vom jedesmaligen Erklärer ver-
werthete Textrecenfion auch auf die des Bibeltextes ein,
fo dafs ein einheitlicher Typus des letzteren ausgefchloffen
erfcheint. Dennoch läfst fich die durch Cyrill Alex,
repräfentirte Recenfion des Hesychius namentlich dort,
wo eine Auslegung fehlt, als zu Grunde liegend erkennen
(H 93—100). Diefer Recenfion gilt daher in Bezug auf
den Jefajatext E.'s weitere Forfchung, und ihre Lesarten,
unter Berückfichtigung auch der koptifchen Verfion, bietet
er II 114—142, während er S. 142—145 noch von der
durch eine dritte Gruppe von Handfchriften bei Parfons
repräfentirten paläftinenfifchen Recenfion handelt. —
Neben der keine Muhe fcheuenden Sorgfalt und Selb-
ftändigkeit der Arbeit E.'s ift noch feine vollftändige Ver-
werthung der Literatur, auch der Schriften von Neftle,
Cornill, Bouffet, Rahlfs, E. Kloftermann rühmend anzuerkennen
. Soweit Referent, ohne Septuagintaforfcher zu

fein, zu urtheilen vermag, ift E.'s Schrift nach allen Seiten
eine ganz vortreffliche Leiftung.

Göttingen. N. Bonwetfch.

HünO-IHTT, TOJiKOBaine nicnn nieiieit. rpy3imcKii1
TeKcni no pyKonHCii X BiKa, nepeBoATs ct. apxancKaro
(cos oahoh iiajeorpatpii'iecKOH» TaÖJimeio) n3c.rx.t0Baua», ne-
peBeaa. h H3Aajni H. Mappx (TeKcrti 11 pa3bicKaiiiH no
apMHiio-rpy3iiHCKoii (jtii.ro.roriii. Kmira TpeTta. ILjAanin:
(jiaKyjibTeTa hoctomhiixt. homkobt. iiMiiepaTopCKaro C. Pfe-
TepßyprcKaro ymiBepciiTeTa .35 5).
Hippolytus Erklärung des Hohen Liedes. Den grufinifchen
Text nach einer Handfchrift des zehnten Jahrhunderts,
eine Ueberfetzung aus dem Armenifchen, hat unterfucht
, überfetzt und herausgegeben N. Marr [mit
einer palaeographifchenTafel]. (Texteund Forfchungen
in der armenifch-grufinifcheii Philologie. Drittes Buch.
Ausgaben der Facultät der orientalifchen Sprachen
der kaiferl. St. Petersburger Univerfität Nr. 5.) St.
Petersburg 1901. (CXIV, 32, 69 S.)

Eine überaus werthvolle Gabe wird hier von
Seiten der orientalifchen Philologie der Patriftik dargeboten
. Auf's Neue erfährt nämlich unfere Kenntnifs
der literarifchen Thätigkeit Hippolyte eine beträchtliche
Erweiterung durch N. Marr's vorliegende Edition
und feine Mittheilungen. Die von dem Verfaffer
aus Gefälligkeit gelegentlich angefertigte Numerirung
und Skizzirung in den Katalog der Gefellfchaft für Ausbreitung
der Bildung unter den Grufinern noch nicht
eingetragener Handfchriften lenkte — ohne fein Wiffen
veröffentlicht — die Aufmerkfamkeit namentlich auf eine
aus Schatberd flammende, für die Gefchichte Grufiens
nicht unwichtige Handfchrift des 10. Jahrhunderts. Dabei
trat zu Tage, dafs es fich um einen Sammelcodex feltener
Denkmäler der altgrufinifchen Literatur handele. Erft
der Herausgeber aber erkannte die volle Bedeutung der
Handfchrift, und trat daher nun auch an ihre Erforfchung
und wiffenfchaftliche Verwerthung heran, fpeciell an die
Edition der in ihr enthaltenen Schriften Hippolyt's. Sein
Intereffe galt zunächlt der philologifchen Frage nach der
altgrufinifchen Ueberfetzungsliteratur aus dem Armenifchen
, denn er erkannte, dafs es fich auch hier um eine
Verfion eines armenifchen Textes handele. Bald nahm
ihn aber auch daneben die Bedeutung diefer Schriften
für die Patriftik in Anfpruch. Hier finden fich nämlich
nicht wenige fonft zum Theil nur in Fragmenten oder
auch überhaupt nicht mehr vorhandene hippolytifche
Schriften. Dahin gehört die Erklärung des Segens
Mofes und des Segens Jakob's (S. 55 ff. der Berliner
Ausgabe). Ganz unbekannt war bisher die Erklärung
der Gefchichte David's und Goliath's, die aber
in den kurzen mitgetheilten Stücken durchaus die Art
J Hippolyt's trägt. Auch die als De consummationc mundi
bezeichnete Schrift ift die echte De antichristo (S. XXV).
Einer eingehenden Unterfuchung werden bedürfen die
Schriften über den Glauben und über die Weife
des Gelübdes (der Weltverleugnung); Polemifches gegen
die Juden und gegen Sabellius in der erfteren Schrift,
Erörterungen über Gott und die Auferftehung in der
zweiten fprechen für die Echtheit, die ja auch zu-
nächft vorauszufetzen ift. Jedenfalls hat man nach der
Veröffentlichung aller diefer Schriften mit Spannung aus-
zufchauen. — Zunächft ift nur Hippolyt's Erklärung
des Hohelieds zur Edition gelangt, da der Verfaffer
auch mit der Herausgabe einer altgrufinifchen Ueberfetzung
des Hohelieds aus einer Athoshandfchrift be-
fchäftigt ift. Er bietet eine ruffifche Ueberfetzung und
den grufinifchen Text. Vorausgefchickt aber hat er
fprachliche und fachliche Erörterungen, unter den