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Ausgabe:

1901

Spalte:

561-563

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Zimmermann, Heinrich

Titel/Untertitel:

Elohim. Eine Studie zur israelitischen Religions- und Litteraturgeschichte, nebst Beitrag zur Religionsphilosophie und einer Pentateuchtabelle 1901

Rezensent:

Beer, Georg

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Göttingen.

Erlcheint Pre!s
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark.

21.

12. October 1901.

26. Jahrgang.

Zimmermann, Elohim (Beer).

Weifs, Die Predigt Jefu vom Reiche Gottes,

2. Aufl. (Bousset).
Preufchen, Antilegomena (Jülicher).
Evsöev, Das Buch des Propheten Jefaja in

der altflavifchen Ueberfetzung (Bonwetfch).

Hippolytus' Erklärung des Hohen Liedes,
grufinifcher Text, in's Ruffifche überfetzt und
herausg. von Marr (Bonwetsch).

Odonis Abbatis Cluniacensis occupatio ed.
Swoboda (Mirbt).

Kleffner und Woker, Der Bonifatius-Verein
, feine Gefchichte u. f. w. 1849—1899
(Mirbt).

Lipsius, Die Vorfragen der fyftematifchen
Theologie (Otto).

Zimmermann, Dr. Heinrich, Elohim. Eine Studie zur | Heifst es nicht bei ihm von Jahve6,3 TT03 pxn -33 xbrj?

israelitifchen Religions- und Litteraturgefchichte, nebft
Beitrag zur Religionsphilofophie und einer Pentateuch-
tabelle. Berlin, Mayer & Müller, 1900. (VIII, 83 S. gr. 8.)

M. 2.40

Das Thema, das hier behandelt wird, ift durchaus
anziehend. Wie erklärt fich, dass flirrbx im A. T. fo-
wohl den einen heiligen Gott, als auch" eine Mehrheit
von (heidnifchen) Göttern bezeichnet? S. 1. Leider befriedigt
die Löfung der Frage recht wenig, zum Theil
gefchieht fie in unglaublich oberflächlicher Weife, oder
durch ein kühnes avros e<prj.

B*n"bx ftellt der Verf. S. 5 nach bekannten Vorbildern

mit der Wurzel xj| = ,ängftlich Zuflucht fuchen' zufam-

men und fetzt es — nicht ganz unrichtig — mit xu

{rtlov oder klffN' S. 6 gleich. Die Singularform Wibx

wird richtig als fecundäre, aber falfch als uralte
Ableitung von dem Plural EirvbX erklärt. Dafs diefe
künftliche Rückbildung erfl in jüngften dichterifchen
Schriften des A. T. auftaucht, bleibt ein ftarkes Argument
gegen das hohe Alter von WibX. bx wird nach

Nöldeke's Vorgang mit JJj ,erfter'verglichen. Aber es
hält fchwer, zu glauben, dafs Birrbx und bx verfchiedenen

Und find nicht für Jefaja felbft die Todtengeifter einfach
QiW3? 8,19. Auf S. 52 lefen wir dann bei Zimmerm.,
dafs ,wir in Ermangelung anderer Beweife nur auf Grund
der beiden in die Zeit von 320 fallenden elohiftifchen
Pfalmen 73 und 74 zuverfichtlich die Behauptung aus-
fprechen, dafs die Elohiftenfchule ungefähr 350
v. Chr. die israelitifche Religionsgefchichte um
eine neue Erfcheinung [nämlich Elohim = Jahve, der
Gott überhaupt] bereichert hat'. (TW Pfal. 73,2» und
74,18 beruhe auf Abfchreiberverfehen. Mit diefem Be-
kenntnifse ift Z. ehrlich genug, die Schwäche feiner Thefe
einzuräumen. Wer wird denn auf Grund der unficheren
Datirung zweier Pfalmen, wobei für den zweiten die
makkabäifche Zeit wahrfcheinlicher als jede andere ift,
glauben können, dafs ca. 350 v. Chr. eine Elohiltenfchule
ihr gloffatorifches Handwerk am A. T. getrieben habe?

Hören wir kurz, wie Z. fich z. B. den Sprachgebrauch
von Elohim = Gott fchlechthin, nämlich Jahve, an der
Mehrzahl der von ihm dargebotenen Stellen aus dem
Dcuteronomium zurecht legt. Im Deuteronium fagt Z.
S. 37 kommt Elohim ,in reiner Pluralform und ohne Artikel'

32 Mal vor ■— ich zähle nach Mandelkern's Concordanz

33 Stellen, die ich verglichen habe. Davon bezeichne es
8 Mal den einen wahren Gott. So flehe es Deut.4,32 und 33
und beide Verfe feien eben Einfchub der Elohiftenfchüler.
Vers 31 werde durch 34 fortgefetzt. Denn die Verfe 32 und 33
bedienten fich der fingular. Anrede Israels, ftatt des ,Ihr'

Urfprungs feien. Es bleibt bei dem Worte Kitt el's (Elohim im Zufammenhange von Vers 29 und 34. Jedoch ift auf diefen
in RE V3 S.3i6f.): Man wird. ,follte fleh eine Etymologie j formalen Unterfchied nicht viel zu geben. Vers 34 hat ja
finden, bei der 3X und Sifibx aus einer und derfelben ( auch ^»b und in Vers 29 fteht neben BfiBpB (wofür Sam.
Wurzel abgeleitet^werden können, diefer jlen Vorzug rr»p3): V?6«, BiXBÜ, UBTltl, "plb u. TBEU. Dafs auf

geben müffen'. — Sollte diefes gemeinfame Thema nicht
ein bilitterales //fein können? Dann liefse fich fowohl das
Sere in bx, i-3X, E^bx als auch das Chateph Segol in
Biffbx und in Zufammenfetzungen wie rjbtti3X u. ä.
begreifen. Für den Gebrauch des Plural B^Jlbtt werden
urfprünglich gewiffe fociale Zuftände ältefter Zeit von
Einflufs gewefen fein, ohne dafs wir an reinen Polytheismus
zu denken brauchten (vgl. Smith-Stübe, Religion
d. Semiten 1899 S. 101).

Zur Erklärung der Thatfache, dafs Elohim an vielen
Stellen des A. T. Nomen proprium für den einen
heiligen Gott fei, will Zimmermann uns die Meinung
aufdrängen, dafs diefer Sprachgebrauch erft durch die
gloffirende Thätigkeit einer Elohiftenfchule der mittleren
nachexilifchen Zeit eingeführt worden fei. Noch .lange

Vers 31 nur Vers 34 folgen könne, ift reine Willkür, nojn IX
Vers 34 Anfang hängt deutlich von dem X3"bx© 13 in Vers 32
ab. Ein Grund, der den ,Elohiften' veranlafst haben follte,
in Deut. 4,32.33 feine monotheiftifche Weisheit anzubringen,
ift fchlechterdings nicht einzufehen und wird von Z. auch
nicht angegeben. Noch fchlimmer fleht es bei 5,Hier
foll fich der elohiftifche Zufatz fchon in dem durch die
Gloffe 21b veranlafsten 113 in 22 b verrathen. Aber mit
Verlaub — Z. überfieht einfach, dafs 22 b mit den Worten
anfängt "Vi D^BD^BX! Es müfste dann fchon der ganze
Vers 22 b fallen. Wie foll nny 22a ohne 22 b verftändlich
gemacht werden? Und nun gar Hier wird einfach

S.38 behauptet, XlfiBinbxb BBfiJBn 13 ftöre den Zufammen-
hang. Dann fehlt aber gerade die Angabe des Grundes,
weshalb der israelitifche Richter keine Furcht vor Men-

nach dem Exil'war , „Elohim" als ausfchliefsliche I fchen haben foll: er ift der Stellvertreter Gottes, des
Benennung Jahves unbekannt' S.48. Denn dereigent- ! unparteiischen Richters: Xin BTbxb BBttTöfi 13! Jedes
liehe Monotheismus foll fich erft zur Zeit des Deutero- religionsgefchichtlichen Verftändnifses auf a. t.lichem Ge-
nomikers aus der hebräifchen Literatur feftftellen laffen. biete bar ift die Behauptung Z.'s, dafs Wendungen wie
Das Volk habe noch im Exile und geraume Zeit fpäter j Dinbxb Tb niiJrb 26,17 u. aifibxb "ib"^!"^ XlrTl 29,12 un-
den Polytheismus nicht überwunden. Aber war nicht ] nütze elohiftifche Gloffen feien. Indirect liegt in' diefer
z. B. fchon Jefaja reiner Monotheift? cf. 2,6 fr. 31,3. leichtfertigen Behauptung für uns das willkommene Zu-

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