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Ausgabe:

1901

Spalte:

33-34

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Jeremias, Alfred

Titel/Untertitel:

Hölle und Paradies bei den Babyloniern 1901

Rezensent:

Jensen, Peter

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. SchÜrer, Prof. zu Göttingen.

Erfcheint Preis
alle A Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark.

N°- 2. 19. Januar 1901. 26. Jahrgang.

Jeremias, Hölle und Paradies bei den Baby-

loniern (Jenfen).
Piepenbring, Histoire du peuple d'Israel

Kraetzsclirnar).
Happel, Der Pfalm Nahum (Lohr).
Karl, Johanneifche Studien I (Deifsmann).
Dorn er, Grundrifs der Dogmengefchichte

(Loofs).

Quentin, Jean Dominique Mansi et les grandes
collections conciliaires (Krüger).

Thurnhofer, Bernhard Adelmann von Adelmannsfelden
(Köhler).

Doumergue, Une poignee de faux. La mort
de Calvin et les Jesuites (Lobstein).

Glagc, Ihr habt einen andern Geift (Eck).

Vifcher, Albrecht Ritfchls Anfchauung von
evangelifchem Glauben u. Leben (Derf.).

Garvie, The Ritschlian Theology (Ders.).

Wendland, Albrecht Ritfehl und feine Schüler
(Eck).

Roman es, Gedanken über Religion (Tröltfch).

Petran, Beiträge zur Verttändigung über Begriff
und Wefen der fittlich-religiöfen Erfahrung
(Reifchle).

Lemme, Endlofigkeit der Verdammnifs und
allgemeine Wiederbringung (Lobftein).

Pfeiffer, Das alte Teftament für das chrift-
liche Haus ausgewählt und überfetzt (Fay).

Jeremias. Dr. Alfred, Hölle und Paradies bei den Baby- ' lange man den Hauptinhalt und den Zweck des für die

loniern. (Der alte Orient. 1. Jahrg. 3. Heft.) Leipzig,
J. C. Hinrichs, 1900 (32 S. gr. 8.) M. —.60

Diefer Auffatz enthält wenigftens das Meifte und
Wichtigfte von dem, was wir über die Vorftellungen von
Tod und Jenfeits und damit Zufammenhängendem bei
den Babyloniern und Affyrern wiffen. Er ift nicht ohne

Lehre vom Jenfeits befonders bedeutungsvollen Gilgamis
- ,Epos' fo gründlich verkannte, wie bisher ge-
fchehen, konnten auch deffen Einzelheiten nicht alle zu
ihrem Rechte kommen. Ich darf hier fagen, wozu es
da ift und was es ift: Kein Heldenepos und Gilgamis ift
kein babylonifcher Herakles. Nein. Ueber Leben und
Tod und Jenfeits foll es den ängftlich Fragenden beleh-

neue förderliche Gedanken, kommt aber in der Haupt- ; ren und ihn durch die am Schlufs vorauszufetzende Auffache
nicht über längft Bekanntes hinaus. Das wäre nun | erftehung des faöaniQ) mit freudiger Hoffnung auf eine
nicht zu tadeln. Wohl aber, dafs es Jeremias nicht ge- j Auferftehung erfüllen. Darum ift die Sintfluth,epifode'
lungen ift. feine Arbeit auf diejenige Höhe zu bringen, j mit der Apotheofe des babylonifchen Noah und feines
die man, auf den Schultern anderer flehend, erreichen Weibes am Schlufs ein integrirender Bestandtheil des
kann, oder, da ihm dazu kaum Zeit genug zur Verfügung ,Epos'. Der Zug nach dem Cedernberge in Elam öft-
ftand, dafs er den Lefer nicht durch Fragezeichen warnte, j lieh von Babylonien (cf. II R 50, 65) gilt in erfler Linie

wann immer es ihm klar fein mufste, dafs ihm ein
ficheres Urtheil unmöglich war und er Gefahr lief, zu
irren. So ift die Sammlung .gemeinverftändlicher Dar-

nicht dem Elamiterkönige Humbaba, fondern der von ihm
bewachten hohen Ceder des elamitifchen Bfl (In)susinak,
des ,Cedern-Niniü', und zwar wohl der Ceder als dem

ftellungen'durch Jeremias'Auffatz um einen bereichert Lebensbaume, dem Lebensbaume des biblifchen Para
worden, der dem Kundigen zwar manche Anregung giebt, diefes im Often! Und Gilgamis ift der Held des ,Epos',
aber feinen Zweck, Urtheilslofe über Thatfachen und nur j weil Richter der Unterwelt, und fein Name fchon —
darüber zu belehren, nicht erfüllt. Ich habe nicht etwa | Gil ift der Statthalter der Unterwelt — weift auf fie
verhältnifsmäfsig nebenfächliche Ueberfetzungsfehler im i hin. Er ift König von Erech, weil diefe Stadt mit
Auge, deren Zahl übrigens reichlich grofs ift, fondern ! ihren 7 den 7 der Unterwelt entfprechenden Abtheilungen
vielerlei erheblichere Irrthümer, welche die babylonifchen enge Beziehungen zur Totenwelt hat. Darum bleibt
Vorftellungen doch in nicht unwichtigen Punkten in ihre Nekropole eine bevorzugte Gräberftadt bis in fpätere
falfchem Lichte erfcheinen laffen. Wo fleht z. B. ge- Zeit: Wer ftch in der Stadt des Totenrichters begraben
fchrieben, dafs die Sintfluth von einem aus der Unter- liefs, hoffte auf deffen mildes Gericht im Jenfeits und
weit flammenden Riefengefchlechte angeftiftet ift (p. 17)? auf eine Auferftehung mit ihm, der ficherlich als Sonnen-
Jeremias denkt dabei doch nicht etwa an die verfloffene gott, wie Marduk im Frühling am tabu- d. i. Aufer-
,kuthäifche Schöpfungslegende': Woher kennt Jeremias | ftehungsfefte, alljährlich wieder auferftand. Denn die
einen ,Gott des Schickfals', dem es allein vergönnt ift, ; Seele, der Lebenshauch, fetzt nach eingetretenem Tode
die Menfchen vor dem Tode zu fchützen (p. 21)? Nach nicht nur im Grabe ihre Sonderexiftenz fort, fondern fie
welchen Texte find die Aminnaki die Hüter des Waffers j wird auch eines Tages wieder leben. Zwar werden des
des Lebens in der Unterwelt (p. 22)? Wonach hat Gil- j Todes Tage ,nicht beftimmt' oder ,nicht kundgethan',
gamifs Ahnherr, ParQ)napistim, die Macht, über Leben j alfo dafs keiner von den Sterblichen ihre Dauer kennt,
und Tod zu entfeheiden (p. 23)? Ufw. Dafs auch Jerc- ; Aber eben damit ift doch auch ausgefprochen, dafs fie

rnias noch Gilgamis die Stadt Erech von elamitifcher
lyrannenherrfchaft befreien (p. 23) oder ihn von Par(})-
napistim in einen Zauberfchlaf verfetzen läfst (p. 241))
Oder ftch auf der Infel des Parlp)napistim eine Lebensquelle
denkt (p. 25) oder nicht erkannt hat, dafs Gilgamis
nicht dort einen Wunderbaum findet, deren
Zweige den Menfchen Unfterblichkeit geben (p. 25); fon

nach .Tagen' zählt, alfo der Tod nicht ewig währt.
Marburg. Jenfen.

Piepenbring, C, Histoire du peuple d'Israel. Strasbourg,
J. Noiriel, 1898. (IV, 730 S. gr. 8.) M. 6.40

jjern am Grunde des Meeres ein Dorngewächs, welches j In den letzten Jahren ift an Erfcheinungen über die

das Meer beruhigt und ihm darum wieder geraubt wird, Gefchichte Israels kein Mangel gewefen, aber doch be
lowie er das Land erreicht hat, von ihm allerdings für | hauptet das hier vorliegende, umfaffende Werk in diefer
ein Verjüngungskraut gehalten wird ufw., kann man
aber Jeremias nicht übel nehmen. Denn all' diefe
Dinge find nun einmal Dogmen geworden, gegen deren
Zauber felbft die peinlichfte Philologie nicht fchützt. So

Literatur feinen Platz mit Ehren. Mit aufserordentlicher
Sorgfalt und grofsem Fleifse ift hier der in Betracht
kommende Stoff fowie die darüber veröffentlichte Literatur
zufammengetragen und verarbeitet, in einer Weife,

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