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Ausgabe:

1901 Nr. 19

Spalte:

531-533

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Tu en hagios patros hemon Photiou 1901

Rezensent:

Lambros, P.

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Theologifche Literaturzeitung. 1901. Nr. 19.

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Ich verweile noch einen Augenblick bei K.'s Schlufs-
ergebnifs. Er glaubt behaupten zu dürfen, dafs untere
Sammlung eine planmäfsig angelegte Bibliothek von
Symbolen und theologifchen Tractaten zur Bekämpfung
des Priscillianismus und des weftgothifchen Arianismus aus
dem 6. Jh. darfteile. Dabei verweht er auf jene Stelle
der Acten der Synode von 589, wo König Reccared erklärt
, es fei nunmehr, nachdem er den Arianismus ab-
gefchworen habe, Sache der Bifchöfe, die Gothen und
Sueven im katholifchen Glauben zu unterrichten. Untere
Sammlung fei der Niederfchlag diefer Mahnung: ,Leander
von Sevilla oder ein anderer Theologe diefer Zeit hat
damit ein Handbuch gefchaffen für den Clerus Spaniens,
um das grofse Werk der Maffenbekehrung, wie fie durch
die Synoden von Braga [antipriscillianifch 563] und von
Toledo [antiarianifch 589] inaugurirt wurde, zu vollenden'
(S. 139). Wenn fich Künftle's Einzelunterfuchungen,
über die in Baufch und Bogen zu urtheilen ich mir nicht
erlauben darf, bewähren follten, fo wäre hier eine wirkliche
Bereicherung unteres gefchichtlichen Wiffens feftzuftellen.
Mir will freilich die ganze Beweisführung noch zu ,fpanifch'
erfcheinen, als dafs ich ihr blindlings trauen möchte.

Giefsen. G. Krüger.

Tov tv dyloig jtaxgbg fjLicbv <Pcoxiov jcaxgidgxov KcovGxav-
zivovjioXeeog Aoyoi xal 'OiicXiai oydor/xovxa xgtlq
ex yeiQojQaepmv "A&co, Biivvnq, revevrjg, 'Evexiag, Ie-
qoGoXvlioov, Movayov, MoGycig, LJagiaicov, Pcöurjq, Xal-
öe/Lßegyr/q xXji. exöiöÖvxoq 2. AgiGx dgyov UEydXov
XoyoQ-Exov xrjg xov XgiGxov fieydXrjg ExxXnGiag. 2 Bde.
Conftantinopel (The Annuaire Oriental and printing
C° Ld). Leipzig, M. Spirgatis, 1901. (CLXXXIV, 490
u. 592 S. gr. 4 m. 1 Bildnifs). M. 20.—

Photius i(t eine fo hervorragende Geftalt in der byzan-
tinifchen Literatur, Kirche und Gefchichte, dafs man fich
wundern mufs, dafs feine Schriften die Aufmerkfamkeit
der Herausgeber bis zuletzt nicht genügend auf fich gezogen
haben. Abgefehen von feinen Briefen, den Amphi-
lochia und dem Lexikon (von welchen gute kritifche Ausgaben
, diejenigen von Valettas nebft den Ergänzungen
von Papadopulos-Kerameus, von Oekonomos und von
Naber, vorliegen), befitzen wir von feinen Werken keine
irgendwie genügenden Ausgaben, weder von der Myrio-
biblos, noch von den ihm allerdings unrichtig zugefchrie-
benen juriftifchen Schriften, noch von feinen theilweife in
den Bibliotheken unedirt deckenden kleinen Werken. Be
fonders gilt dies aber von feinen Reden und Homilien.
Selbft bei Migne in der Patrologia Graeca (B. XXXII,
CI, Ol, CV, CIL) find nur ein und dreifsig Reden in
extenso veröffentlicht, viele andere find bei ihm nur im
Auszug oder in kleinen oder grofsen Fragmenten zu finden.
Obwohl nun feitdem hie und da Einiges hinzugekommen
ift, worunter die von dem Ruften Kunik zuerft 1862
herausgegebenen zwei Reden über die Einfälle der Rhos
und die von Papadopulos-Kerameus in feinen cpcoxiov
otovi)udxia (St. Petersburg 1892) mitgetheilten Reden und
Fragmente, fehlte es doch an einer Gefammtausgabe der
Reden und Homilien des grofsen Patriarchen. Diefe grofse
Lücke hat der Grofslogothet der Conftantinopolitaner
Kirche S. Ariftarches auszufüllen übernommen.

Ariftarches ift fchon bekannt durch die Herausgabe
yon dreizehn unedirten Homilien des Photius in der
'ExxXr/Giaaxixrj dXrjtreia Conftantinopels in den Jahren
1881—1896. Sie wurden herausgegeben^ nach den Ab-
fchriften des gelehrten Athos-Mönchs 'idxcoßoq Baxoois-
öivbq aus Codex Ivereticus 6S4, deffen Befchreibung jetzt
in meinem Catalogue of the Greek manuscripts on Mount
Athos II 201 ff. 592 ff. vorliegt.

Die nun vorliegende Gefammtausgabe enthält im
Ganzen drei und achtzig Reden und Homilien. Das

Material der zwei dicken Bände ift aus verfchiedenen
Quellen mit grofser Mühe zufammengebracht worden.
Aeltere Ausgaben find neu collationtrt, Unedirtes neu
abgefchrieben worden. Der Berg Athos (Laura, Vatopedi,
Iviron), Wien, Genf, Venedig, München, Moskau, Paris,
Rom, Heidelberg, Jerufalem enthielten theilweife verborgene
Schätze, welche fich der Herausgeber durch
eigene Arbeit oder durch Abfchriften von willigen Corre-
fpondenten zu Nutzen zu machen gewufst hat.

Die Reden und Homilien folgen chronologifch nach
der Zeit der Entftehung derfelben zwifchen den Jahren
829 und 882. Die Gründe der Datirung hat der Herausgeber
in den jeder Rede vorangefchickten fpeciellen Vorreden
auseinandergefetzt, worin er auch über die Codices
und Ausgaben und die Realien einer jeden Rede handelt.
Paragraphentheilung undlnterpunction rühren vom Herausgeber
her. Der Text wird gereinigt dem Lefer vorgelegt;
Verbefferungen und Vermuthungen find von ihm direct
in den Text gefetzt; ein scafT rjuäq ye im kritifchen
Apparatus unter dem Texte weift auf folche Veränderungen
hin; in demfelben Apparatus werden die Varianten
der Codices verzeichnet, durch Siglen gekennzeichnet,
deren Erklärung den Schlufs der allgemeinen Einleitung
des ganzen Werkes bildet. Der Apparatus enthält aufser-
dem die Citate der biblifchen, im Texte des Photius vorkommenden
Stellen, welche Ariftarches mit grofser Umficht
aufzufuchen fich bemüht hat. Etwas ftörend wirken
beim Lefen des Textes die vielen Nummern, womit auf die
verbefferten Lesarten der Codices, die Varianten und die
biblifchen Stellen unter dem Texte hingewiefen wird. Es
wäre einfacher und methodifcher, die Textzeilen, wie üblich
, am Rande zu numeriren und auf diefe Randnummern
im Apparatus zu verweifen.

In der langen allgemeinen Einleitung handelt der
Herausgeber über das Leben des Photius. Da aber felbft-
1 verftändlich nach den bisherigen Arbeiten über den
I Patriarchen und befonders nach Hergenröther nur Weniges
I zu ergänzen oder zu verbeffern war, hat Ariftarches keine
I Biographie im eigentlichen Sinne des Wortes zu geben
übernommen; er hat fich vielmehr darauf befchränkt, bei
einer zufammenhängenden Erörterung über die Laufbahn
des Patriarchen Einzelnes herauszuheben, Data zu fixiren
und eine Parallelifirung feiner fchriftfteilerifchen Arbeit
mit feiner patriarchalifchen Thätigkeit zu liefern. Dabei
ift ihm nun meiftens die minutiöfe Erforfchung der Realien
und der chronologifchen Aufeinanderfolge und des gegen-
feitigen Verhältnifses der Reden und der Briefe des Patri-
I archen fehr zu Gute gekommen. So werden manche
Details in's richtige Licht geftellt, worunter Ernennungen
und Verfetzungen von Bifchöfen, ein Verzeichnifs der
I Nachfolger des Photius im Amte des Protospathars etc.
I Die Benutzung der älteren Literatur fowohl in der all-
I gemeinen Einleitung als auch in den jeder Rede vorangefchickten
Vorreden ift reichhaltig; mitunter hat er auch
veraltete oder bedeutungslofe Bücher benutzt, deren Nach-
fchlagen der Mühe kaum werth war. Hergenröther's
Photius ift im Originale benutzt, Citate aus diefem Werke
werden deutfeh angeführt; dagegen desfelben Verfaffers
Kirchengefchichte ift dem Herausgeber nur in der fran-
zöfifchen Ueberfetzung bekannt. Am Schluffe des Buches
werden verfchiedene brauchbare Indices gegeben; darunter
ein Index der bei Photius in den Reden und
Homilien vorkommenden biblifchen Stellen und ein Index
der Eigennamen. Dagegen fcheint mir der Index der
neuen, im Thefaurus und bei Kumanudes (Xvvaycoyrj
XeI-ecov d&nGavgiGxcov) nicht vorkommenden Wörter
I nicht reichhaltig genug; ich kann mir kaum denken, dafs
ein fo fliefsend fchreibender Polygraph wie Photius in
drei und achtzig Reden und Homilien nur ein und dreifsig
nicht fonft gebrauchte Wörter hätte. Zuletzt fei erwähnt,
dafs dieler trotz einiger Einwände ausgezeichneten Ausgabe
ein Bild des Photius nach einer Photographie aus
i Codex Laurae 73, einer Pergamenthandfchrift des X Jahr-