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1901 Nr. 14

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383

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Textus hebraici emendationes quitus in Vetere Testamento 1901

Rezensent:

Budde, Karl

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383

Theologifche Literaturzeitung. 1901. Nr. 14.

384

Grund der umfaffenden Beiträge des zweiten Ueberfetzers
noch einmal durchgearbeitet hatte. Zufammenkünfte aller
Mitarbeiter fchufen eine weitere Inftanz. Im einzelnen war
Hooijkaas der erde Ueberfetzer von Reges, Jeremies,
Ps. 31—33, der zweite von Denteronomhim, 1. Chr. 1—22,
Ps. 1—8, Jesaja; Kosters der erde von Deuteronomium,
Josua, Samuel, Chronik, Esra-Nehemia, Ps. po—130,
Prediger, der zweite von Genesis — Numeri, Judices, Ruth,
Esther, Hiob, Ps. 1—8p, Proverbia, Canticum, Threni —
Maleachi. Alles Uebrige, und damit die Hauptmaffe der
Arbeit, fiel von felbd Oort zu.

Dem erden Bande find drei klar gezeichnete Karten beigegeben
, das altejerufalem, die Welt des Alten Tedaments
und Palädina dardellend. Der zweite Band, die dichte-
rifchen und prophetifchen Bücher umfaffend, bringt aufser
Verbefferungen zu beiden Theilen am Schlufse eine
Reihe von höchd werthvollen Beilagen. Das fehr ausführliche
Regider der Eigennamen hat eine Tochter
Abraham Kuenen's beigedeuert, auch die Jahreszahlen',
eine Chronologie des alttedamentlichen Zeitalters unter
Einfügung der Literatur, fowie das Verzeichnis der in
dem Werke befprochenen neutedamentlichen
Stellen, rühren nicht von dem Herausgeber her, find aber
felbdverdändlich von ihm durchgefehen. Befonders wichtig
id das Sachregider vonüort's Hand S. 1027—1080, nicht
nur, weil es neben dem Namenregider ermöglicht, das
Werk auch als Nachfchlagebuch zu benutzen, fondern
auch, weil Oort alle Ergänzungen, die fich nicht in den
,Verbefferungen' unterbringen liefsen, hier eingefügt hat.
Man wird da viel Beachtenswerthes vereinigt finden.

Er zerfällt in zwei Berichte: nach ] (222. 8a 5 Gay laß s 11
13—17 i8 19 (von HO) 21 (bis fbil) 22—34 37 39 41 23 1 2
saß 4b 4a 24 10a 23 11 241125) dämmt Bileam aus dem Land
der Ammoniter, wird von Balaks Gefandtenfürden mit Ge-
fchenken aufgefordert zu kommen, geht auf Befehl Jahwes
nicht mit* eine andere Gefandtfchaft kommt; endlich
holt ihn Balak felbd. Auf eine Höhe geführt, wo er
ganz Israel überfieht, läfst fich Bileam von Balak ein
Opfer zurichten, fucht ein Orakel von Jahwe (lies in
233: iDBb; !"n|£) und bekommt es: datt zu fluchen fegnet
er, voll' Zorns fchickt ihn Balak heim. Diefem Bericht
eigen id mp für, fluchen' und der lebenswahre Zug, dafs
Balak den llileam mit immer gröfseren Gefchenken gewinnen
will und ihm vorhält, wie er fich um fein Ge-
fchenk gebracht hat. Bileam id hier der alte Seher, der
durch feine Kund reich wird. Auch die Gefchichte von
der Efelin gehört nach G. zu J. — Nach E. (22 3b 4 5 r,
7 9 10 12 20 36 38 40 23 3a«b 5 6a 12) wohnt Bileam in Petor
am Eufrat; Boten von Balak kommen zu ihm; Elohim fragt
Bileam, wer diefe Männer feien, und verbietet ihm mitzugehen
. Das zweite Mal heifst er ihn mitzuziehen; Balak
geht ihm entgegen, erfährt aber von Bileam fofort, dafs
diefer nur der Mund Elohims fein werde. Balak richtet
fich ein Opfer zu, währenddeffen befragt Bileam feinen
Gott und fpricht auf Elohims Eingebung hin den Segen
über Israel. Diefer Bericht hat ns für ,fluchen', macht
Mefopotamien zur Heimath Bileams und zeichnet diefen
als den gottergebenen Propheten. — Der wiederholte
Verfuch Balaks, Bileam von anderem Standort aus zum
Fluchen zu bringen, fowie die Sprüche über andere

Möchte das fchöne Werk viel Segen fiiften und an Völker find nach G. von fpäteren Händen, und zwar
feinem Theile mitwirken, die Liebe zum Alten Teftament | nimmt er für jedes Stückchen einen befondern Redaktor
und zu der Heiligen Schrift überhaupt bei den Gebildeten | (zufammen aufser Rje fünf) an. Ebenfo weift G. die
unter unferen niederdeutfchen Nachbarn zu wecken und | poetifchen Stücke über Israel fammt und fonders der
zu mehren! nachexilifchen Zeit zu, in forgfältiger Beweisführung und

Marburg a. Lahn. K. Budde. ?u.m Thej} mit einleuchtenden Gründen. Inftruktiy lind

_°_ ._ I feine Stellenfammlungen über mafchal; über 3pJ>?, das

die Bileamslieder in demfpäten Gebrauch=Gefammtifrael
Textus hebraici emendationes quitus in Vetere Testamento j enthalten; über das hier ganz monotheiftifch verftandene

Neerlandice vertendo usi sunt A. Kuenen, I. Hooij
kaas, W. H. Kofters, H. Oort, edidit H. Oort.
LugduniBatavorum typis E.J. Brill, 19CX). (IV, 150 S. 8.)

Die Herausgabe diefer Zufammenftellung hatten Oort
und Kofters fich von Anfang an vorgenommen; Oort
allein mufste fie vollenden, bei der Drucklegung ftand
ihm B. D. Eerdmans zur Seite. Dem Auslande zuliebe
ift die Schrift lateinifch abgefafst. Ueber Inhalt und
Zweck möge Oort felbft Auskunft geben; „Nemo tarnen
de eo plura vel majora sibi promittat quam ea sunt quae
nos dare voluimus: minime hic omnes emimerantur loci
tibi Veteris Testamenti textum emendatione egere verisimile
sit; ii tantum indicantur quos librorum interpretibus mutare
necessarium visum est; saepe meri corrigtintur calami
lapsus; saepe notae et vulgo doctorum prob ata e recipiuntur
emendationes; accedunt tarnen et novae".

Jeder Fachmann weifs, wie ungemein lehrreich ein
folcher nach einheitlichen Grundfätzen angefertigter
kritifcher Conspectus ift; es fei alfo diefes Büchlein auch
denjenigen dringend empfohlen, die das holländifche Bibelwerk
nicht befitzen.

Marburg a. L. K. Budde.

Call, Realgymn.- u. Realfch.-Lehr. Lic. Dr. A. Freth. v.,
Zusammensetzung und Herkunft der Bileam-Perikope in
Num. 22—24. (Aus: F"eftgrufs, Bernhard Stade zur
Feier feiner 25 jährigen Wirkfamkeit als Profeffor
dargebracht von feinen Schülern). Giefsen, J. Ricker,
1900. (47 S. Lex. 8.) M. 1.50

Die anfprechende und gründliche Unterfuchung behandelt
zunächft den gefchichtlichen Teil der Bileamsfage.

bX; über nyiTPl. Sämmtliche Lieder find eschatologifcher
Natur und bekünden fich auch durch einzelne Züge des
efchatologifchen Syftems (Sonderftellung Israels, Meffias-
hoffnung) als jung. Urfprünglich waren nach G. gar
keine poetifchen Segensfprüche berichtet; die einzelnen
Gedichte flammen von den verfchiedenen Redactoren.
Vollends fpät find die Stücke 2420—24; in V24 weiffage ein
zur Zeit Jefu lebender Frommer den Sturz des feleucidifchen
Reiches durch Rom, dem feinerfeits in V24b der Untergang
gedroht werde.

Es leuchtet mir ein, dafs die Bileamsgefchichte von
J. und E. berichtet war. Wir müffen jedoch m. E. diese
Berichte noch fchärfer trennen und drei Anfchauungen
in der Bileamsfage von einander fcheiden: 1) den Bericht
J, wonach Bileam auf die zweimalige Gefandtfchaft
hin nicht mitging und erft von Balak fich holen liefs,

2) den Bericht E, wonach Elohim den Bileam gleich
beim erften Mal mitziehen hiefs mit der geheimen Abficht
zu fegnen; erft fo wird 2220 recht verftändlich;

3) einen Bericht, wonach Bileam im Widerfpruch mit Gott
handelte; dies ift ein fekundärer Bericht, dem die Efelins-
gefchichte V21—35 angehört, und in dem Bileam die Teufels-
geftalt des fpäteren Judenthums zu werden beginnt. Dafs
Balak den Verfuch machte, Bileam an andrem Ort zum
Fluchen zu bringen, ift an fich nicht unwahrfcheinlich;
aber die doppelte Oertlichkeit läfst fich auch auf Rechung
der doppelten Berichterftattung fetzen. Dafs die vorliegenden
Lieder junge Erweiterungen find, wird man kaum
leugnen können; 2420—24 erinnern an die fibyllinifchen
Orakel. Doch möchte ich glauben, dafs in den urfprüng-
lichen Berichten fchon kurze Segensformeln ftanden, und
finde diefe in 2324 und 24s1). (9 b?). Derartige Worte machen

1) lies vielleicht: iiia nis* bs»i A nxi pssma d}«M»H or xx;