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Ausgabe:

1901 Nr. 14

Spalte:

382-383

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Het Oude Testament 1901

Rezensent:

Budde, Karl

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Theologifche Literaturzeitung. 1901. Nr. 14.

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lieh hingewiefen. Sie bieten das Zeugnifs der Verfionen,
befonders auch der drei Recenfionen der eigentlichen
Lxx und zahlreicher Einzelhandfchriften, in ungewöhnlicher
Genauigkeit und Vollftändigkeit; eine befonders
erwünfehte und feltene Gabe bildet die reiche Auswahl
aus den textkritifchen Arbeiten des 18. Jahrhunderts; ,
endlich find die neueren und neueften Arbeiten auf
diefem Gebiete mit der gröfsten Umficht berückfichtigt,
meine Auslegung im kurzen Hand-Commentar (1897)
in Geftalt maffenhafter Nachträge in []. Jeder wiffen-
fchaftliche Arbeiter mag fich glücklich fchätzen, wenn
er Lefer findet wie Moore oder auch die beiden vorher
genannten Mitarbeiter. Für methodifches Studium der
Textkritik des A. T.'s fchliefst fich diefe Lieferung
ficherlich den allerbeften Hilfsmitteln an, die wir befitzen.
Die durch Farbendruck angedeutete Quellenfcheidung
deckt fich, foviel wie ich fehe, genau mit der in Moore's
Commentar (1895) dargebotenen, vgl. darüber Anzeige.
Die feitdem erfchienenen Beiträge kamen zu fpät, um
noch Berückfichtigung zu finden.

Ein fehr willkommener und wichtiger Beitrag ift
endlich auch das Buch Numeri von dem fchottifchen
Profeffor J. A. Paterfon, der bei uns noch weniger be- {
kannt ift als die bisher genannten englifchen und ameri-
kanifchen Gelehrten. Es ift befonders intereffant, bei
diefem foviel feltener behandelten und doch fo wichtigen
Buche die Ergebnifse der Quellenfcheidung wie eingehender
Textkritik gefchloffen vor fich zu fehen. Ohne Ueber-
druck bleibt hier der Text von P, überftrichen darin die
redactionellen Zufätze. Durch fiebenfachen Farbenüber- j
druck find unterfchieden das Heiligkeitsgefetz H, Novellen
zu P, JE ungefchieden, J und E einzeln, Rd (zugleich
überftrichen) und Zufätze zu den Bileamfprüchen.
Die violette Farbe, die für ungefchiedene JE-Stücke in
c. 13 f. 16. 20 f. verwendet wird, bezeichnet ganz fach-
gemäfs, wenn die Worte überftrichen find, die Zufätze
von Rje. Für die Textkritik fällt mehr ab, als man
nach der landläufigen Meinung von der Güte des Penta-
teuchtextes in MT erwarten follte.

Statt näher auf die Arbeit Paterfon's an Numeri
einzugehen, möchte ich den übrigen Raum benutzen,
um auf die Mitarbeit des Herausgebers Paul Haupt an
allen vier Lieferungen hinzuweifen. In Geftalt felbftän-
diger Beiträge hebt fie fich nur in den Anmerkungen
heraus, und zwar in den vier Lieferungen in fehr ver-
fchiedenem Umfang. Bei Moore finden fich nur wenige
Zufätze, bei Toy find deren fchon recht viele, bei Cheyne
noch mehr, oft mit einer Replik des Verfaffers verfehen,
eingefügt, und bei Paterfon find fie fo zahlreich und umfangreich
geworden, dafs fie leicht ein Viertel oder ein
Drittel der gefammten Erläuterungen ausmachen mögen.
Freilich find wir kaum in der Lage ficher feftzuftellen,
wieviel Haupt gehört; denn neben den Abfätzen in [],
die mit dem ,P. H.' am Ende als fein Eigenthum feft-
gelegt werden, finden fich zahlreiche andere, denen diefe
Bezeichnung fehlt. Nun fcheinen Paterfon und Toy die
eckigen Klammern nirgends für eigenes Gut zu gebrauchen
, fo dafs man geneigt ift, bei ihnen alle diefe
Zufätze Haupt zuzueignen. Moore braucht die Klammen
für zahlreiche eigene Nachträge, Cheyne ebenfo, aber
der Regel nach mit einem vorausgefchickten ,P. S.', das
wieder bei fehr vielen Abfätzen fehlt. Und bei beiden
finden fich Klammern ohne Haupt's Initialen, die doch
nach ihrem Inhalte wie nach ihrem Verhältnifs zu der
Umgebung mit hoher Wahrfcheinlichkeit von ihm her-
ftammen. Ich verweife bei Moore auf die Anm. zu 7,
15- l6> 5, bei Cheyne auf S. 78 Z. 24, S. 82 Z. 14, S. 94
Z. 40—46, S. 124 Z. 29 f., S. 152 Z. 8, S. 158 Z. 17. Nicht
überall handelt es fich dabei um Kleinigkeiten; jedenfalls
müfste aber in einem Werke, das fonft an typographi-
fchen Mitteln das Aeufserfte aufbietet und die Genauigkeit
felber ift, jeder Verwechfelung zwifchen Verfaffer

und Herausgeber vorgebeugt werden. Für Haupt's Beiträge
haben wir alle Urfache dankbar zu fein, befonders
da, wo fie aus Quellen fchöpfen, die den meiften Lefern
nicht oder doch nur fchwer zugänglich find. Als Bei-
fpiele ausführlicherer, befonders werthvoller Beiträge feien
hervorgehoben: die zu Jdc. 3, 22 f. über <rhE, 19, 24
über das femitifche pron. $.pi'rs., zu 20, 6 über nt2T; zu
Jef. 29, 1 über übtTTP; zu Hef. 14, 15 über 15, 38, 2"über
TUST und J15 u. a. m. Bei Paterfon find befonders die
Beiträge zu kultifchen Begriffen forgfältig in Erwägung
zu ziehen. Alles in allem ift der Gehalt der vier hier
befprochenen Lieferungen ein aufserordentlich reicher;
es wird unmöglich fein, wenn man über diefe Bücher arbeitet
, an den SBOT vorüberzugehen.

Marburg. K. Budde.

Het Oude Testament opnieuw uit den grondtext overgezet
en van inleidingen en aantekeningen voorzien doorDr.
A. Kuenen, Dr. J. Hooijkaas, Dr. W. H. Kofters
en Dr. H. Oort. Voor de pers bewerkt door Dr. H.
Oort. Leiden, Boekhandel en Drukkerej voorheen E.
J. Brill, 1899. (5.-33. [Schlufs-] Lieferung. L Bd.
S. 257—1100 u. XVI S. nebft 3 Karten u. TL Bd. XII
u. 1096 S. Lex. 8.)

Selten wird, was Herausgeber und Verleger eines
weitfehichtigen Unternehmens zu Anfang verfprechen, fo
pünktlich eingehalten, wie es bei diefem fchönen Bibelwerke
der Fall ift. Am 14. Mai 1898 konnte ich an diefer
Stelle das Erfcheinen der vier erften Lieferungen anzeigen,
in 34—36 Lieferungen follte es nach höchftens drei Jahren
abgefchloffen vorliegen, und diefe Schranken von Raum
und Zeit find in dem nun vollendeten Werke aufs ge-
nauefte gewahrt. Das will umfomehr fagen, als, wie ich
damals fchon hervorhob, von den fechs Männern, die fich
zur Arbeit zufammengethan hatten, zwei, Dyferinck und
Matthes, fich fchon bald wegen Ueberlaftung zurückgezogen
hatten, drei durch den Tod abberufen wurden,
fodafs endlich H. Oort allein die ganze Laft der Arbeit
zu tragen hatte. Seine dankbaren Lefer und Freunde
haben ihm kürzlich für foviel Aufopferung verdiente Ehre
erwiefen. Ebenfo wie die Pünktlichkeit des Abfchlufses
verdient auch die Stetigkeit und Gleichmäfsigkeit der
Arbeit hohes Lob. Die ganze Art des Verfahrens ift
fich derart gleich geblieben, dafs dem, was ich vor drei
Jahren darüber mittheilte, gar nichts hinzugefügt zu werden
braucht. Wer etwa von der ausfchliefslichen Leitung Oort's
eine Ablenkung nach links, zu kühnerer, fubjectiverer
Behandlung erwartete, wird fich darin getäufcht fehen.
Er bemerkt felbft fehr befcheiden in der Vorrede zum
erften Bande S. VII: ,Schliefslich bin ich alfo in gewiffem
Sinne für das Ganze verantwortlich, wenn ich auch, wäre
es mein eigenes Werk, an manchem Punkte anders —
ich fage nicht: beffer — verfahren fein würde'. Die
eyangelifche Gemeinde niederländifcher Zunge befitzt in
diefem Bibelwerke den Ertrag nüchternfter, mafsvollfter
Erwägung, ein Handbuch, das die Thür zu gefchichtlicher
Betrachtung der biblifchen Ueberlieferung weit aufthut
und dem Lefer mit höchfter Sachkunde den Weg weift,
fich aber forgfältig hütet feinem eigenen Urtheil durch
fubjectiv durchgeführte kritifche Arbeit vorzugreifen. Dem
| Begriffe des Möglichen wird überall weiter Spielraum
gelaffen.

Auf eine Frage, die ich a. a. O. aufwarf, die nach
dem Antheil der einzelnen Mitarbeiter, gibt die Vorrede
Oort's zum erften Bande die Antwort. Von Anfang an
wurden unterfchieden der erfte Ueberfetzer, der zweite
Ueberfetzer und der Revifor. Das letztere Amt, und

I diefes allein, hatte Kuenen auf fich genommen. Der erfte
Ueberfetzer überfandte ihm den betreffenden Teil des

j Werks zur Entfcheidung, nachdem er das Manufcript auf

*