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Ausgabe:

1901

Spalte:

209-211

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Facsimiles of Biblical Manuscripts in the British Museum 1901

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Göttingen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark.

N°- 8. 13. April 1901. 26. Jahrgang.

Facsimiles of Biblical Manuscripts in the British
Museum (Schürerl.

Stofch, Altteftamentliche Studien. V (Lohr).

Holzinger, Exodus (Bertholet).

Steuernagel, Das Buch Jofua (Bertholet).

Bartlet, The apostolic age (Weinel).
Zeitfchrift der Gefellfchaft für niederfächfifche

Kirchengefchichte, V. Jahrg. (Boflertl.
Thiele, LuthersSprichwörterfammlung (BofTert).
Briefwechfel des Herzogs Chriftoph von Wirtem-

berg hrsg. von Ernft, 2. Bd. (Boffert).

Fuchs, Schleiermachers Religionsbegriff und re.
ligiöfe Stellung zur Zeit der erftcn Ausgabe
der Reden (E. W. Mayer).

Ehrhardt, Pfychophyfifcher Parallelismus und
erkenntnifstheoretifcher Idealismus (Ritfehl).

Facsimiles of Biblical Manuscripts in the British Museum,

editet by Frederic G. Kenyon, M. A., D. Litt.
Printed by order of the Trustees. Sold at the
British Museum. (Also the Booksellers.) 1900.
(25 Tafeln m. VII, 43 S. Text Folio.)

Ueber den Plan diefes glänzend ausgeftatteten und
mit vollendeter Technik hergeftellten Werkes fpricht
fich das Vorwort folgendermafsen aus: ,Der Zweck des
gegenwärtigen Bandes von Facfimiles ift, die Gefchichte
der Ueberlieferung des biblifchen Textes vor Erfindung
der Buchdruckerkunft zu illuftriren. Die Facfimiles find
genommen von Manufkripten im Befitz des Department
of Manuscripts, und fchliefsen daher keine Vertreter der j
orientalifchen Sprachen ein, welche zu einem anderen
Departement gehören. Das hebräifche Original des
Alten Teftamentes, und die fyrifche, koptifche und
andere orientalifche Ueberfetzungen der Bibel fallen
daher aufserhalb unferer Grenzen; aber die Septuaginta-
Ueberfetzung des Alten Teftamentes, das griechifche
Original des Neuen und die Vulgata-Ueberfetzung beider j
Teftamente find vertreten, ebenfo die verfchiedenen ;
englifchen Ueberfetzungen, von den älteften angel- I
fächfifchen Gloffen bis zur Periode der Erfindung der
Buchdruckerkunft'.

Jeder der 25 photographifchen Tafeln find erläuternde
Bemerkungen über die Handfchrift und eine Reproduction
des faefimilirten Textes in gewöhnlichem Typendruck
beigegeben.

Die Reihe eröffnet ein Papyrusblatt mit dem griechi-
fchen Text von Pf. 12,7—15,4(griech. Zählung 11,7—-14,4),
welches im Fajjum gefunden und erft im J. 1893 vom
britifchen Mufeum erworben worden ift, aus dem Ende
des 3. Jahrh. nach Chr., daher die ältefte Bibelhand-
fchrift des britifchen Mufeums und eine der älteften überhaupt
. — Es folgen: 2. eine Seite des codex Alexandrinus,
Marc. 9, 2—29 enthaltend. 3. Eine Seite der Palimpfeft-
Fragmente des Lucas, saec. VI, welche aus der nitrifchen
Wüfte ftammen, herausgegeben von Tifchendorf im
zweiten Bande feiner Monmnenta sacra inedita, nova
collectio, in den kritifchen Apparaten mit R bezeichnet.
Ueber den griechifchen Lucas-Text ift ein fyrifcher
Tractat des Severus von Antiochia gefchrieben. Die
mitgetheilte Seite enthält Luc. 1, 69—77. 4. Eine Seite
der berühmten, mit Gold und Silber auf Purpur ge-
fchriebenen Prachthandfchrift, deren einzelne Blätter in
London, Rom, Wien, Patmos und St. Petersburg zerftreut
find, herkömmlich cod. N genannt. Vgl. die zufammen-
faffende Ausgabe von Cronin, Codex Purpureus Petro-
folitanus, 1899 (Theol. Litztg. 1900, 171). Die mitgetheilte
Seite enthält Joh. 15, 15 — 19. Auf diefe verfchiedenen
Vertreter der Majuskel-Schrift folgen folchc
der Minuskel, zunächft 5. eine Septuaginta-Handfchrift,
welche dadurch merkwürdig ift, dafs in ihr zuerft, bis

Gen. 42, 30, Majuskel-Schrift angewendet ift, dann Minuskel
(und zwar fo, dafs auf der Rückfeite desfelben Blattes
in Minuskel fortgefahren wird). Sie gehört alfo der Zeit
des Ueberganges an. Die einzelnen Blätter diefer nur
fragmentarifch erhaltenen Handfchrift find zerftreut in
Oxford, Cambridge (hier das Blatt, auf welchem der
Uebergang gemacht wird, Gen. 42, 18—44, 13), London
und St. Petersburg. Sie find alle erft von Tifchendorf
aus dem Orient nach Europa gebracht worden (die Oxforder
und Londoner 1853, die Cambridger und Petersburger
1859, das Cambridger Blatt war bis zu Tifchendorf
s Tode 1874 in feinem Befitze und wurde erft
dann von der Cambridger Bibliothek erworben). Die
Zufammengehörigkeit der Oxforder Blätter mit dem
Cambridger ift 1891 von Swete erkannt worden, die
Zufammengehörigkeit aller genannten Stücke erft von
Rahlfs (Nachrichten [nicht Anzeigen, wie Kenyon
citirt] von der Göttinger Gefellfchaft der Wiffenfchaften,
phil.-hift. Claffe 1898, S. 98—112; vgl. von Dobfchütz,
Theol. Litztg. 1899, co'- 74 £ Swete, Introduction to the
Old Testament in Greek p. 134 sq.). Die von Kenyon
in Facfimile mitgetheilte Seite umfafst den Schlufs von
Jofua und den Anfang des Richterbuches, Jof. 24, 27—
Jud. 1, 8. Auf diefen Vertreter der älteften Minuskel
folgt 6. eine Minuskel des 11. Jahrh., die Evangelien enthaltend
(in Scrivener's Verzeichnifs n. 569, in Gregory's
Prolegomena zu Tifchendorf n. 481), woraus der Anfang
des^ Johannes-Evangeliums, Joh. 1, 1—12 mitgetheilt wird.
7. Ein illuftrirter Pfalter, der theils durch feine Illuftrationen,
theils durch den Umftand, dafs er datirt ift (1066 n. Chr),
von befonderem Intereffe ift. Er ift erft 1853 aus Smyrna
nach dem britifchen Mufeum gekommen. 8. Eine Septuaginta
-Handfchrift des 13. Jahrh. n. Chr., bei Holmes und
Parfons n. 93. Sie ift allen Textkritikern bekannt als
ein Haupt-Repräfentant derjenigen Recenfion, welche
Lagarde als die Lucian'fche erkannt hat. Wie andere
Handfchriften diefer Recenfion enthält fie vom Buch
Efther zwei griechifche Texte, welche bereits Uffher 1655
eben aus unferer Handfchrift herausgegeben hat. Das
Facfimile giebt den Text von II. Chron. 8, 14—9, 15.

Auf diefe acht griechifchen Handfchriften folgen elf
lateinifche, vom 7. bis 13. Jahrh., die Bibel-Ueberfetzung
des Hieronymus oderTheile derfelben enthaltend, darunter
folche von grofser Wichtigkeit. Wir zählen fie nur kurz
auf: 9. Die vier Evangelien, 7. Jahrh., eine der älteften
Vulgata-Handfchriften, deren Text aber nach dem Ur-
theile von Wordsworth und White an Güte hinter dem
des Amiatinus und der Lindisfame Gospels zuruckfteht.
10. Das Psalteriutn Romanum (Hieronymus' Revifion des
alt-lat. Textes nach den LXX), 7. oder 8. Jahrh., mit
einer im 9. Jahrh. hinzugefügten angelfächfifchen Interhnear-
Verfion. u. Die findisfarne Gospels', um 690—700 zu
Ehren des heil. Cuthbert gefchrieben, mit einer im
10. Jahrh. hinzugefügten angelfächfifchen Interlinear-

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