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Ausgabe:

1901 Nr. 7

Spalte:

194-195

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gummerus, J.

Titel/Untertitel:

Die homöusianische Partei bis zum Tode des Konstantius 1901

Rezensent:

Krüger, Gustav

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Theologifche Literaturzeitung. 1901. Nr. 7.

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thcorf. In Bezug auf C bringt er einige werthvolle Daten
in die Discuffion, die bisher noch nicht beachtet waren,
befonders bezüglich der Zeit, in der es im Abendlande
zuerft bekannt wurde; S. 108 ff. Er glaubt, dafs Epi-
phanius fchon auf der Reife, die er im unmittelbaren Anreden
. Was ich Th. Litztg. 1896 Nr. 11 ausführte, habe
ich von Neuem geprüft und weiter verfolgt in Bd. II, 440 ff.
Hier nur die Notiz, dafs es B. dem Anfchein nach geglückt
ift, eine weitere willkommene, d. h. nicht gleich-
giltige Nachricht mit Bezug auf das Leben des dacifchen

fchlufs an das Concil zu Konft. 381 nach Rom machte, j Bifchofs beizubringen, S. 107. Derfelbe ift danach Theil-
es hier als das Symbol des Cyrill zur Kenntnifs brachte, nehmer des Concils zu Antiochia 378 gewefen. Dann
Ich fchalte ein, dafs B. feither den lateinifchen Ueber- j aber noch eine Frage, die ich B. umfomehr zur Erwägung

fetzungen von C weiter nachgegangen ift und diesbe
zügliche wichtige Publicationen machen konnte. Vgl. The
Journ. of Thcol. Studies II, 1901, S. 102 ff.; (Neitle hat
diefe Editionen fchon Th. Litztg. lc/JoNr.25 berührt, doch
fo, dafs er den irrigen Eindruck erweckt, als ob es fich
um lateinifche Texte von N handele).

In Bezug auf das Athanaüanum bringt B. im
Wefentlichen das wieder vor, was er in feiner Sonder-
ftudie darüber geglaubt ausmachen zu können, f. darüber
meine Anzeige Th. Litztg. 1897 Nr. 5, auch ib. Nr. 20. Er
hat feine Theorie, dafs Honoratus von Arles, als er
noch in Lerinum war, diefe Formel gefchaffen habe, noch
einmal forgfältig geprüft und, wenn er fie wiederholt,
jetzt umfomehr ernftlicher Erwägung werth gemacht.
Man findet auch fonlt manche Spuren, dafs er fich fortgefetzt
um die Gefchichte des Ath.'s bemüht hat. Ich
will hier nicht von neuem auf all' das eingehen; mir
fcheint, dafs die Frage nach dem Urfprunge des Ath.'s an
einer Grenze angelangt ift, wo Gefchmacksurtheile mit
verlangen, berückfichtigt zu werden; das ift nicht ver-
heifsungsvoll dafür, dafs bald eine volle Einigung zu
erzielen fei. Vgl. neueftens Künftle, Eine Bibliothek
der Symbole, 1900: (vorher ,Zur Gefchichte d. Ath. Sym-
bolums', D. Katholik 1899).

Mit ChapterVWl kehrt B. zur Gefchichte des apoftoli-
fchen Symbols zurück, indem er nun langfam auf T
überlenkt. Er bahnt (ich den Weg durch eine Unter-
fuchung der Formen des im Abendlande als apoftolifch
declarirten Symbols, die feit dem 4. Jahrhundert auftauchen
. Die Weife, wie B. diefe Formen vorbringt, ift
inftructiver als die in der Hahn'fchen Bibliothek.
Man fieht bei ihm viel deutlicher, wie unficher das
Material vielfach ift. Er hält für wahrfcheinlich, dafs R
fich in Rom .allmählich' zu T verwandelt habe. Mit
diefer Auffaffung von T habe ich mich fchon Bd. II,
7S5 ff. auseinandergefetzt; man lefe dort doch auch die
Bemerkung S. 982. Ich kann mich nicht überzeugen, dafs
B. hier auf der richtigen Fährte fei. Das Material, das
zur Erledigung der Frage vorliegt, ift mager und verworren
, faft an jedes Detail heften fich Schwierigkeiten
für die Verwerthung. Ich habe letzlich am eheften glaublich
gefunden, dafs Taus der Kirche des Burgunderreiches,
etwa aus Vienna oder Lugdunum, flamme. Jede neue
Notiz kann neue Ideen anregen. Es ift nicht ausge-
fchloffen, nur bis auf weiteres mir wenigftens nicht
irgendwie wahrfcheinlich, dafs T feine Geftalt in
Rom erhalten habe.

Im 10. Capitel befpricht B. einige ,unsolvedproblems1.
Ich habe auch zu diefen allen fchon Stellung nehmen
können, dankbar Gebrauch machend von den hand-
fchriftlichen Mittheilungen, die B. hier befonders macht.
Zuletzt unter diefen problems behandelt er flie Creed
of Niceta of Remesiana'. Das führt dann noch hinüber
zum 7Y Drum, welches D. Morin ja in überzeugender
Weife auf diefen dacifchen Bifchof, den Freund des
Paulinus von Nola, zurückgeführt hat. Die Fragen, die
fich an den Namen diefes Mannes knüpfen, find mannigfaltig
. Ich bleibe meinerfeits überzeugt, dafs Gennadius
zwei Männer des Namens ,Nicetas' verwechfelt hat, den
dacifchen Bifchof und einen wahrfcheinlich gallifchen
Bifchof. Jener ift der Dichter des Te Deum gewefen,
diefer der Autor einer cxplanatio symboli, die zu den
hiftorifch wichtigften gehört, die erhalten find. B. hält
es hier mit Zahn wider mich und identificirt beide
Männer. Ich will darüber vor der Hand nicht weiter

anheimgeben möchte, als er eine neue Ausgabe der
unter dem Namen des Nie. erhaltenen Tractate in Vorbereitung
hat. Er nennt den Mann ftets ,Niceta'. Das
ift gegenüber der früheren Gewöhnung eine Neuerung,
die zuerft Zahn eingeführt hat (N. kirchl. Zeitichr. VII
1896, S. 94 Anm. 5). Auch Morin hat fie kurzweg in
Brauch genommen. Ich fehe jedoch keinen durch-
fchlagenden Grund dafür. Eine einzige, freilich fehr
alte Handfchrift des Gennadius bietet die Form Niceta,
die meiden anderen, die ich Bd. I, 126 Anm. 36 nach den
Mittheilungen von Nik. Müller zufammenftcllte, bieten
Niceas. Die F"orm ,Nicetas' entfpricht dem Cod. Cliis.
der cxplanttio und der Vaticanifchen Handfchrift der
Tractate (vgl. Bd. I, 114 f.), auch wohl dem Namen bei
Caffiodor (Nicetus', I, 122 A. 30). Andere Handfchriften
empfehlen nicht minder entweder Nicetas (Nicetus) oder
Niceas (Niceus), f. I, 115 A. 19 u 128 f. A. 38. Für .Niceta'
fpricht die Bemerkung Zahn's, dafs vixrjxrjQ{NLxrjrrjq) nach
geläufigen Analogien lateinifch richtig mit niceta wiedergegeben
werde, vgl. pxtriarcha, sophista etc. Aber der be-
kannteTrier'fche Bifchof hiefs doch z. B. ,Nicetius'. (Grie-
chifch ift Nixrjtas bekanntlich ein fehr geläufiger chriftlicher
Name; ,Niceas' ift wohl Tranfcription von IVtxlag). Nebenformen
wie Nicefius etc. find auch zu belegen. Es fcheint
mir alles in allem eine Grille, das Nicetas der Tradition zu
verlaffen und das ,correcte' Niceta einzufetzen. Sollte
,Niceta' die echte Form fein, fo läge der Gedanke vielleicht
nicht fern, an ein Pfeudonym zu denken, wie fie
in Gallien beliebt waren. Diefen Gedanken hat mir
Burn felbft einmal brieflich nahegelegt; vgl. dazu II, 442
A. 21. Jedenfalls wünfehte ich, dafs die Bezeichnung des
Mannes als ,Niceta' nicht in den geläufigen Gebrauch
käme, ehe die Gründe noch einmal ernftlicher erwogen
würden, als bei Zahn gefchehen.

Giefsen. F. Kattenbufch.

Gummerus, Lic. J., Die homöusianische Partei bis zum Tode
des Konstantius. Ein Beitrag zur Gefchichte des Ariani-
fchen Streites in den Jahren 356—361. Leipzig, A.
Deichert, 1900. (IV, 196 S. gr. 8.) M. 4.—

Diefe fleifsige und auf gründlicher Quellenkenntnifs
ruhende Abhandlung hat der theologifchen Facultät
der Univerfität Halle als Licentiatendiffertation vorgelegen.
Da fie fomit das Imprimatur eines der beften Sachkenner
in den dogmengefchichtlichen Fragen des 4. Jh., des
Herrn Collegen Loofs, befitzt, fo ift man berechtigt,
mit guten Erwartungen an fie heranzutreten, und nicht
überrafcht, wenn diefe Erwartungen erfüllt werden. Es
könnte auffallen, dafs faft 200 engbedruckte Seiten
einem fo engbegrenzten Thema gewidmet find. Allein
nicht nur (teilen die Jahre 356—361 eine ganz befonders
intereffante und wichtige Pnafe des arianifchen Streites
dar, fondern es kann über die bereits bekannten allgemeinen
Thatfachen und ihre durch die Darftellungen von
Zahn, Gwatkin (deffen treffliche Studies on Änanism
foeben in 2. Auflage ausgegeben wurden), Harnack,
Loofs u. A. feftgelegte Werthung hinaus Neues nur
durch forgfältigfte und eindringlichfte Unterfuchung der
Einzelheiten gewonnen werden. Welchen Umfchwung
die Bildung der hoinöufianifchen Partei hervorgebracht
hat, ift bekannt genug; eine Unterfuchung, wie es im
Einzelnen dahin gekommen ift, fehlte. Diefe Lücke wird
durch Gummerus' Abhandlung in willkommener Weife