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Ausgabe:

1900 Nr. 26

Spalte:

699-700

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schulthess, Friedrich

Titel/Untertitel:

Homonyme Wurzeln im Syrischen 1900

Rezensent:

Schwally, Friedrich

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Seite 1

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699

Theologifche Literaturzeitung. 1900. Nr. 26.

700

Verjüngung auch ihre Vorzüge hat, möchten wir doch bei diefer Gelegenheit untere Veteranen bitten, nicht müde
zu; werden. Im Ganzen ift das Alter gewifs mehr berechtigt zum Urtheilen als die Jugend.

Unter Dank gebührt auch der Verlagsbuchhandlung und der Druckerei, welche beide durch entgegenkommende
und zuverläffige Gefchäftsführung uns ftets die Erfüllung unterer Aufgabe erleichtert haben- Infonder-
heit ift es uns ein Bedürfnifs, dem heimgegangenen Chef der J. C. Hinrichs'fchen Buchhandlung, Herrn Hermann Roft,
welcher die Gründung des Unternehmens gefchäftlich gewagt hat, ein Wort dankbarer Erinnerung zu widmen.

Wir fchliefsen mit der Bitte an unfere Lefer, uns auch ferner ihr Wohlwollen zu erhalten. Wir werden uns
bemühen, dasfelbe durch immer vollkommenere Erfüllung unferer Aufgabe zu rechtfertigen. Nunquam retrorsum.

Die laufenden Redactions-Gefchäfte wird zunächft, wie in den Jahren 1876—1880 und 1888—1900, der an
zweiter Stelle genannte Herausgeber beforgen.

Berlin und Göttingen.

A. Harnack. E. Schürer.

Schulthess, Friedrich, Homonyme Wurzeln im Syrischen.

Ein Beitrag zur femitifchen Lexicographie. Berlin,
Reuther & Reichard, 1900. (XIII, 104 S. gr. 8.) M. 4.—

In diefer Studie find 86 verfchiedene Wurzeln be-
fprochen, davon etwas über ein Drittel in ausführlichen
Artikeln. Die Darfteilung erftreckt fich indeffen nicht
auf alle homonymen Wurzeln, fondern nur auf eine zufällige
Auswahl, wie das Vorwort ausdrücklich fagt. An
diefem Orte wird auch fehr richtig auseinandergefetzt,
warum es fich empfahl, gerade vom Syrifchen auszugehen
. Das Mandaeifche wäre in diefer Beziehung
übrigens ein noch dankbareres Object gewefen. Die
Studie zeichnet fich aus durch Sicherheit in der Methode
und grofse Vorficht der Combination; an Citaten und
fonftigem gelehrten Apparate ift des Guten eher zu viel
gefchehen. Sichere Refultate waren natürlich in der
Mehrzahl der Fälle nicht zu erreichen und viele der vor-
gefchlagenen Wurzelfpaltungen find wenig einleuchtend.
Der femitifche Sprachenvergleicher hat ja mit viel
gröfseren Schwierigkeiten zu kämpfen, als der Indo-
germanift. Nicht nur find der femitifchen Sprachen zu
wenige, fondern, was noch fchlimmer ift, diefelben
find auch zu nahe mit einander verwandt. — Leider ift
es in diefer Zeitfchrift nicht geftattet, auf weitläufige
Discuffionen einzugehen. Ich bedauere das um fo mehr,
da mich felbft fprachvergleichende Probleme unaufhörlich
befchäftigen. Darum nur einiges Wenige. Ich halte es
nicht für richtig, die fyrifche Phrafe (S. 3—7) beld beschabte
,Stockhiebe empfangen' anders zu beurtheilen,
als bela schabte. Die fchwere Lesart Jefaia 1,20 anrl
ibSSf" ift beizubehalten. Verf. hat übrigens recht daran g'e-
thari, die Verbefferung Cheyne's abzulehnen. Die Conjec-
turen diefes sonft hochverdienten Mannes werden immer
abfurder. — Ich glaube noch immer, dafs hizlur ,Glanz
verleihen4 und hizhir ,warnen4 (S. 21) zu einer Wurzel
gehören. — S. 38 hebr. maggäl ,Sichel' fcheint mir
affyrifches Lehnwort zu fein. — S. 41 arabifch misbär
,Sonde' ift aus culturhiftorifchen Gründen für entlehnt zu
halten. Allein mit philologifchen Gefichtspunkten kommt
man gerade bei den fchwierigften Problemen der Sprachvergleichung
nicht aus. Das bekannte Buch von
S. Fränkel ,Die aramäifchen Fremdwörter im Ara-
bifchen' ift in diefer Beziehung von bahnbrechender Bedeutung
. — S. 69—71: Es ift gar keine Schwierigkeit
vorhanden, von fyr. i-^' ,zufrieden fein, belieben' zu
xbhA ,denken' zu gelangen, weshalb eine weitere
Spaltung der Wurzel unnöthig erfcheint. — S. 85 jüdifch-
aramäifch XSipDit ,Thürfchwelle' ift natürlich Lehnwort
aus dem Affyrifchen, was ich feinerzeit als der Erfte von
hebr. WITtt ,Thürpfotten' nachgewiefen habe. Für alles
Uebrige kann ich jetzt auf Th. Nöldeke, Zeitfchr. d.
deutfch. morgenl. Gefellfch. Bd. 54, S. 152fr. verweifen.
S. 31 im Texte, Zeile 2 v. u. lies lofi für "iDn.

Auch da, wo man dem Verfaffer nicht zuftimmen
kann, bleiben feine Erörterungen doch immer lehrreich.
Das Buch verdient als eine entfchiedene Bereicherung
und Förderung des fyrifchen Lexikons die ernfthaftefte
Beachtung der Fachgenoffen.

Strafsburg i. E. Fr. Schwally.

König, Prof. DD. Ed., Stilistik, Rhetorik, Poetik in bezug
auf die biblische Litteratur komparativisch dargestellt.

Leipzig, Dieterich 1900. (VI, 421 S. gr. 8.)

M. 12.— ; geb. M. 14.—

Der unermüdliche Verfaffer legt diesmal eine Sti-
liftik, Rhetorik und Poetik der biblifchen Literatur vor.
Er fpricht fich über feine Aufgabe und Methode folgender-
mafsen im Vorwort aus: .Deshalb begann ich .... die
kanonifchen, apokryphifchen und pfeudepigraphifchen
Schriften des Alten Teftaments, die Amarna-Tafeln,
den Mefaftein und andere epigraphifche Denkmäler, auch
Teile des neuhebräifchen und neuteftamentlichen Schrifttums
noch einmal in Bezug auf ftiliftifche Erfcheinungen
zu durchmuftern. Ferner unternahm ich es, die Arbeiten,
die fich mit dem Stil der obenerwähnten Litteraturgebiete
fowie mit der Rhetorik der Araber, der Griechen, der
Römer und neueren Völker befchäftigen, einem vergleichenden
Studium zu unterwerfen. Endlich bemühte
ich mich, das Urteil über die Quellen des Rhythmus
der althebräifchen Litteratur . . . noch einmal an der Hand
der Thatfachen zu prüfen, es mit den neueren Theorien
über die Metrik der Hebräer zu vergleichen und den
wahrfcheinlichften Sachverhalt zu entdecken. Nun galt
es, das fo vervollftändigte Material in einer folchen Weife
darzuftellen, die dem wirklichen Werden und Wefen der
ftiliftifchen Phänomene entfpricht. Deshalb habe ich mir
das Ziel gefleckt, die Stilerfcheinungen aus ihren pfycho-
logifchen Quellpunkten abzuleiten und als ein innerlich
zufammenhängendes Ganze zur Anfchauung zu bringen.
So habe ich denn einen einheitlichen Aufbau zu errichten
geftrebt, worin auch die Erfcheinungen der Sprachverwendung
, die fonft in der Rhetorik und Poetik betrachtet
werden, als lebendige Glieder eines organifchen
Ganzen auftreten'.

Man mufs zugeben, dafs der Verfaffer von feinem
Standpunkte aus feine Aufgabe durchaus befriedigend
gelöft hat. Kaum eine Erfcheinung ift ihm entgangen,
und Alles ift in breitener Ausführlichkeit erörtert. Ein
gutes Sachregilter, ein Stellenregifter von nicht weniger
als 50 eng bedruckten Seiten, orientirende Inhaltsangaben
am Rande des Textes, fowie fchliefslich eine durchgeführte
Zählung des letzteren, erleichtern die Benutzung
und das Citiren des Buches aufserordentlich.

Das auf abfolute Vollftändigkeit ausgehende Verfahren
hat indeffen feine grofsen Schattenfeiten, indem