Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1900 Nr. 16

Spalte:

465-466

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hase, Karl von

Titel/Untertitel:

Kirchengeschichte 1900

Rezensent:

Schubert, Hans

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

465 Theologifche Literaturzeitung. 1900. Nr. 16. 466

Lo°-ia bei ihm mit einem Apoftelkatalog (vgl. Apg. 1), I Lehrbuches auf dem Titel ift auch alles übrige gefallen

deffen Wortlaut R. mit Hilfe des Hebräerevangeliums
reconftruirt.

Dafs hier fich die ftärkften Bedenken gegen die Con-
ftructionen R.'s erheben, habe ich bereits ausgeführt.

Und diefen reconftruirten Text überfetzt nun R. ins

was den Anfpruch begründen könnte, der künftigen
Generation von Theologen das nöthige hiftorifche Wiffen
zu übermitteln, namentlich das gelehrte Beiwerk der
Noten. Nur die nothwendigften Aenderungen, befonders
in den Daten, find vorgenommen. Ich fehc keinen Grund,

Hebräifche zurück. Referent bekennt zwar, dafs er diefem j warum der Verfuch das Werk, aus dem die 2. Hälfte
Verfuche als Laie gegenüberfteht. Aber wenn man Dal- i des 19. Jahrh. Kirchengefchichte gelernt hat, als ,klaffifches
mann's überzeugenden Nachweis für die Annahme, dafs j Lefebuch' für Theologen und Laien dem 20. zu über-

Jefus aramäifch gefprochen und die erften evangelifchen
Aufzeichnungen aramäifch gefchrieben feien, gelefen hat,
und aus ihm einen Eindruck gewonnen hat, welche feinen
und umfangreichen Sprachunterfuchungen vorzunehmen
find, ehe man auch nur einzelne Wendungen der Evangelien
mit Sicherheit retrovertiren kann, fo kann man
R/s Ueberfetzung doch nur den Werth eines dilettantischen
Verfuches zufprechen.

Wenn R. jetzt felbft (S. XI) in der Frage, ob das
Urevangelium hcbräifch oder aramäifch gefchrieben fei,
eine gewiffe Unficherheit verräth, und der Frage nur ein
.fecundäres hauptfächlich philologifches' (!) Intereffe zu-
fchreibt, fo zeigt er damit felbft, dafs er nicht der Beliefern
nicht gemacht werden follte. Freilich auch als
folches hat ein literarifches Product, das nicht freie
Schöpfungen der Phantafie enthält, fondern die Wirklichkeit
abzeichnen will, für ein weiteres Publicum Bedeutung
nur für eine gemeffene Zeit, d. h. folange der Abftand
von der gegenwärtigen Erkenntnifs die Möglichkeit auch
einer inhaltlichen Wirkung nicht völlig benimmt. Nicht
nur im Detail, auch in der Frageftellung, der Anordnung,
dem ganzen Auibau ift die Wiffenfchaft heute weiter-
gefchritten. Doch ift das Buch mit nichten nur noch ein
feiten werthvolles Stück in der Entwickelungsgefchichte
der Disciplin etwa wie das Spittler's, das feiner Art am
nächften fteht. Niemand wird das Buch auch heute noch

rufene war, der fich an die Riefenaufgabe einer Retrb- ohne Anregung und Belehrung lefen. Die Gröfse Hafe's
vertirung der Worte Jefu machen durfte. lag ja nicht in grofsartiger Gefchichtsconception, und das

Immerhin foll noch einmal hervorgehoben werden, Fehlen einer Inhaltsüberficht, das auch diefer Neuaus-
dafs R. eine immenfe Arbeitskraft, einen ftaunenswerthen 1 gäbe leider noch anhaftet, macht den tiefer liegenden
Fleifs, einegrofe Belefenheit an fein nun abgefchloffenes ' Mangel noch fühlbarer. Aber eben mit der Flucht vor
Werk gewandt hat. Man braucht nur die doppelte | Allgemeinheiten hängt zufammen, dafs der Geift i n
Reihe von Anmerkungen, die den Text der Logia be- 1 den Dingen um fo energifcher fprüht und leuchtet,
gleiten, zu lefen, um fich davon zu überzeugen. Und 1 Noch vermögen wir hie und da nicht zu glauben, dafs
wie jede ehrliche Arbeit wird auch diefe ihre Frucht ! je beffere Formulirungen gelingen werden, je fo viel in
bringen, wenn fich auch die vom Verfaffer auf diefelben I fo wenig Worten mit foviel Feinheit gefagt werden kann,
gefetzten allzu fanguinifchen Hoffnungen nicht erfüllen Befonders dankbar wird man auch für den Wiederabdruck

werden. *)

Göttingen. Bouffet.

Hase, Karl von, Kirchengeschichte. Zwölfte Auflage. Leipzig,
Breitkopf & Härtel, 1900. (717 S. gr. 8.) M. 5.—

Das Unternehmen, das Hafe'fche Lehrbuch für
Kirchengefchichte, das 1886 zuletzt in 11. Auflage erfchienen
war, noch einmal und folange nach des Autors Tode
ausgehen zu laffen, kann manchem Bedenken begegnen.
Für den Herausgeber G. Krüger, der die Publications-
arbeit an Hafe's grofsem Vorlefungswerke, vielen zur
Freude und Förderung, übernommen hat, war es eine
Aufgabe der Pietät, vor die ihn, wie wir aus der Vorrede
zu diefer 12. Auflage fehen, fchon Hafe felbft bei Ueber-
reichung der It. gehellt hatte. Dafs er fo fpät und in
diefer Form die Frage gelöft hat, ,ob und in welcher Gehalt
es noch eine Weile' im 20. Jahrh. fortleben folle,
hat feine Erklärung darin, dafs erft ein fehlgcfchlagener
Verfuch gemacht wurde, das berühmte Buch durch Umarbeitung
,auf der wiffenfchaftlichen Höhe zu halten'.
Aber wenn derartige Modernifirungen hets, wie der
Referent aus eigener Erfahrung bekräftigt, eine zweifelhafte
Unternehmung bleiben, fo gilt für den .kleinen'
Hafe das Gleiche, was für den fo anders gearteten .grofsen'
Kurtz gilt : sit 11t est mit non sit. Sollte der Verfuch überhaupt
gewagt werden, fo mufste es so gefchehen, wie
der Herausgeber es gethan hat. Mit der Bezeichnung des

des Wichtighen aus den früheren Vorreden, namentlich
der unübertrefflich vornehmen erhen fein müffen. Wer
Hoffnungen und Wünfche an die hihorifche Theologie
knüpft, der wird fich freuen dürfen, dafs über die Jahrhundertwende
ein Buch ftreng-wiffenfehaftlicher Art
fchreitet, das als Gemeingut der Gebildeten bezeichnet
und als ein claffifches Erbe der Zeit, in die noch das von
Goethe ausftrahlende Licht unmittelbar fiel, der Nation
von neuem dargeboten werden kann. Wir Fachgenoffen
aber, die am eheften die Kluft des Alten und Neuen
empfinden, werden die bleibende Mahnung entnehmen
dürfen, dafs auch unfere Wahrheit, wenn fie wirkfam
werden foll, der Form nicht entrathen kann und mit Geift
und Originalität vorgetragen werden follte.

Kiel- H. v. Schubert.

Monumenta Ordinis Fratrum Praedicatorum Historica. To-

mus IV. Acta capitulorum generalium ordinis Praedicatorum
. Vol. II. Ab änno 1304 usque ad annum
1378. Iussu reverendissimi patris Fr. Andreae Früh-
wirth, Mag. Gen., recensuit Fr. Benedictus Maria
Reichert eiusdem ordinis. Romae 1899. Stuttgart,
J. Roth. (VIII, 460 S. Lex. 8.) M. 8. 50

Die drei erften Bände hatte ich in Nr. J diefes Jahrganges
befprochen. Wenige Tage darauf ift der 4. Band
erlchienen, und wie ich deffen Umfchlag entnehme, ift
auch der erftc Fascikel des 6. Bandes (Raymundiana s. do-
cumeitta qUae pertinent ad S. Raymwidi de Pcnnaforti
Vit im et scripta) fchon 1898 veröffentlicht und die Bände
2,2. 5- 7 und 8 find unter der Preffe. Das ift alfo ein
fehr erfreulicher Fortgang des ganzen Unternehmens.

Der vierte Band enthält die Acten der General-
capitel von 1304—78, d. h. bis zum Ausbruche des
Schismas, das auch den Dominikanerorden in zwei
Obedienzen zerriffen hat. Er enthält zum allergröfsten
Theile Neues. Die Acten, die Manfi herausgegeben hat,

denen gegenüber man nicht etwa nur von einem fpäteren vorübergehenden L . , " nur bis I316, und fonft waren nur einzelne
Aufenthalt des Petrus (und Johannes) in Jerufalem reden darf. ! Stücke bekannt, Z. B. die, die Oelsner aus der Frank-

*) Zu bemerken ift noch, dafs K. (VIII) die Entftehung des Ur-
evangeliums auf Grund der Angaben des Commentars des Theophylact
zum Matthäus (Prooemium) und einiger neuteftamentlicher Händlerinnen
in das .achte Jahr nach der Himmelfahrt' fetzt. Ich fürchte,
dafs diefe Zeitbestimmung mit jener anderen weit verbreiteten Ueber-
Üeferung zufammenhängt, derzufolge die Jünger 12 Jahre nach dem Tode
des Herrn Jerufalem und Paläftina verlaffen. Diefer Notiz aber wird
man trotz Ilarnack (Chronologie d. altchriftl. Lit. I 2,3) kaum eine Bedeutung
für die Chronologie des apoftolifchen Zeitalters beilegen können.

Die Notiz fcheint mit der Legende vom 25jährigen Ilifchofthum des Thoilo NT« tv a . j- iir r'.

Petrus in Rom zufammenzuhängen, uud ihr widerfprechen Act. 15, Gab 2, j . , iNei|es. Ute Acten, die Manfi herausgegeben hat,

**