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Ausgabe:

1900

Spalte:

321-322

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Smend, Rudolf

Titel/Untertitel:

Lehrbuch der alttestamentlichen Religionsgeschichte. 2. umgearbeitete Auflage 1900

Rezensent:

Siegfried, Carl

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von I >. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Göttingen.

Erfcheint Preis
alle u Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark

N°- 11. 26. Mai 1900. 25. Jahrgang.

Smend, Lehrbuch der altteftamentlichen Reli-

gionsgefchichte, 2. Aufl. (Siegfried).
Cheyne, Das religiöfe Leben der Juden nach

dem Exil (Siegfried).
Budde, Die Religion des Volkes Ifrael bis zur

Verbannung (Siegfried!.
Budde, Die fogenannten Ebed-Jahwe-Lieder

(Siegfried).

Litthardt, Die vier Evangelien (Schürer).
Hafenclever, Aus Gefchichte und Kunft des

Chriftenthums, 2. Reihe (Hennecke).
Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum,

vol. XXXX, Augustini opera, sect. V pars I,

ed. Hoffmann (Jülicher).

Dasfelbe, vol. XXXXI, Augustini opera sect. V
pars 3, ed. Zycha (Ders.).

Gregorii Barhebraei Ethicon sen Moralia ed.
Bedjan (Ryssel).

Baeumker, Die Impossibilia des Siger von
Brabant (Siebeck).

Mandonnet, Siger de Brabant et l'Averroisme
latin au XHIme siecle (Ders.)

I'aflor, Gefchichte der Päpfte feit dem Ausgang
des Mittelalters, 3. Bd. 3. u. 4. Aufl.
(Trefftz).

Wülcker und Virck, Des kurfächfifchen Rathes
Hans von der Planitz Berichte aus dem Reichsregiment
in Nürnberg 1521 —1523 (Bernays).

Paetzold, Die Konfutation des Vierstädtebe-
kenntnifses (Bollert).

Lang, Die Bekehrung Calvins (Benrath).

Choisy, La Theocratie ä Geneve au temps de
Calvin (Benrath).

Reinhold, Die Streitfrage über die phyfifche
oder moralifche Wirkfamkeit der Sakramente
(Ritfehl).

Tombach, Unterfuchungen über das Wefen des
Guten (Ritfehl).

Smend, Prof. Dr. Rudolf, Lehrbuch der alttestamentlichen
Religionsgeschichte. 2. umgearbeitete Auflage. (Sammlung
theologifcher Lehrbücher.) Freiburg i. B. J. C. B.
Mohr, 1899. (X, 519 S. gr. 8.) M. 11.50

Die erfte Auflage des vorliegenden Lehrbuches ift I
von uns in diefer Zeitung Jahrg. 1893 No. 25 angezeigt
worden. Erfreulich fchnell ift ihr die zweite gefolgt, der
das feltene Lob gefpendet werden darf, dafs fte kürzer,
beffer und billiger als ihre Vorgängerin ift. Wenn auch
die allgemeine Anlage und Eintheilung des Stoffes die-
felbe geblieben und auch manche Einzelausführungen
unverändert herübergenommen find, fo verdient doch
im Ganzen diefe zweite Auflage durchaus das Prädicat
einer umgearbeiteten. Nicht nur find zahlreiche neue
Paragraphen eingefchoben worden, auch in den alten ift
die Stoffvertheilung geändert und zweckmäfsiger geftaltct,
befonders auch durch neue Capitelüberfchriften ift das
Material überftchtlicher geworden. Die feit der erften
Auflage hinzugetretene Literatur ift vom Verf. forgfältig
berückftchtigt worden. — Namentlich der dritte Theil
hat auf uns den Eindruck einer fchärferen und klareren
Entwickelung gemacht. Nachdem der Verf. gezeigt hat,
wie die entgegengefetzten Bewegungen unter Hizkia und
Manaffe eine gefetzliche Regelung der Religion des ju-
däifchen Staates vorbereitet hatten, fchildert er die all-
mäliche Codificirung der letzteren in den Dekalogen
und dem Bundesbuch bis zur Bildung des Deuterono-
miums hin und die dadurch gewirkte Bildung des fpe-
eififeh jüdifchen Selbftbewufstfeins, welches auf göttlicher
Erwählung Israels und deffen Bundesverhältnifs zu Gott
beruht. Wie die Verletzung des Bundes den Untergang
Israels zur Folge hatte, fo beruht alle Hoffnung
auf der Möglichkeit der Bekehrung. Der Weg zur
letzteren ift durch Errichtung eines neuen gefetzlichen
Cultus und Ritus gewiefen und die Erhaltung der
Heiligkeit der Gemeinde wird durch die Einrichtung
einer cultifchen Sühne gewährleiftet. An die Stelle des
alten jüdifchen Staates tritt nach dem Exil eine jüdifche
Gemeinde, bei der die Religion in feften gefetzlichen
Ordnungen zum Ausdruck kommt. Auch die Entwickelung
des fpäteren Judenthums und feiner Lehre ift vom
Verf. fchön und unter deutlicherer Markirung der ver-
fchiedenen Lehrtropen, die jetzt hervortreten, dargeftellt.
In einzelnen wichtigeren Fragen hat jetzt Verf. feine
Anficht geändert, fo befonders in der Lehre vom Jahweknechte
(S. 352f.), den er nunmehr nicht mehr als Einzel-
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perfon fondern als Vertreter des israelitifchen Volkes
fafst. — Möge das fchöngefchriebene Buch aufs Neue
dazu beitragen, eine idealere Anfchauung der Theologie
in Kopf und Herz befonders jüngerer Lefer zu befeftigen.

Jena. C. Siegfried.

Cheyne, Prof. Kanonikus Rev. T. K., M. A., D. D., Das
religiöse Leben der Juden nach dem Exil. Deutfche
Ueberfetzung unter durchgängiger Mitwirkung des
Verfaffers von H. Stocks. Giefsen, J. Ricker, 1899.
(XII, 264 S. gr. 8.) M. 5.— ; geb. M. 6.20

Die vorliegenden Vorlefungen find von T. K. Cheyne
auf feiner amerikanifchen Reife 1897)38 in den vereinigten
Staaten gehalten und in durch Zufätze vermehrter Geftalt
im Jahre 1898 unter dem Titel JewisJi religious life
after the exile in der Sammlung der American lectures
on the Iiistory of religions veröffentlicht worden. Die
deutfche Ueberfetzung von H. Stocks ift unter Ermächtigung
und mit Unterftützung des Verfaffers gearbeitet
und mit mehrfachen, meift im fortlaufenden Texte durch
eckige Klammern kenntlich gemachten Zufätzen verfehen
worden. Die indiecs der englifchen Ausgabe find hier
fortgelaffen worden. Dafür ift eine für den Lefer bequeme
Ueberficht über die Datirung der hier in Frage kom-
j menden Quellenliteratur auf S. 263 f. eingefügt. Stocks hat
dazu die hergehörige deutfche Literatur mit der Bezeichnung
S. in Klammern nachgetragen. Der Wunfeh des verdienten
Verf.'s, fich nicht ,mit 10 gelehrten Lefern begnügen zu
j brauchen' (p.IX), ift jedenfalls auch in Deutfchland durch
die Bemühung feines gefchickten Ueberfetzers in Erfüllung
gegangen, fo hartnäckig bekanntlich auch die gebildeten
Deutfchen fich gegen das Bücherkaufen zu fträuben
1 pflegen. So fchwierig auch die Befchaffung des hiftori-
Ichen Matcriales und die Behandlung der Quellen gerade
in diefer Periode der jüdifchen Gefchichte ift, man wird
' dem Verf. es zugeftehen müffen, dafs er mit ebenfo be-
I fonnener als freier Kritik diefelben behandelt und ihnen
mehr Refultate abgewonnen hat, als man ihnen auf den
erften Blick zutraut. Was zunächft die Geftaltung der
Rückkehr der verbannten Juden in die paläftinifche Heimath
anlangt, fo hätte vielleicht noch fchärfer betont
werden können, dafs die Politik des Cyrus (S. 5 f.) in
diefer Hinficht dem Verfahren der Affyrer und Babylonier
entgegengefetzt war. Er entliefs überhaupt die unterjochten
Völker in die alte Heimath, weil er auf diefem

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