Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1900

Spalte:

289-292

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Elhorst, H. J.

Titel/Untertitel:

De profetie van Amos 1900

Rezensent:

Volz, Paul

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. HarnaCk, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Göttingen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark.

NE: 10. 12. Mai 1900. 25. Jahrgang.

Elhorst, De profetie van Arnos (Volz).
Smit, De profetie van Habakuk (Baudissin).

Wetzel, Die Echtheit und Glaubwürdigkeit des
Evangeliums Johannis (Baldenfperger).

Mehlhorn, Aus den Quellen der Kirchenge-
fchichte, 2. Heft (Preufchen).

Seeberg, Lehrbuch der Dogmengefchichte,
2. Hälfte (Mirbt).

Mason, The five theological orations of Gregory
of Nazianzus (Krüger).

Budge, The history of the Blessed Virgin Mary
and the history of the Likeness of Christ,
Syriac texts with english translations (Neftle).

Conybeare, The Key of Truth, a manuel of
the Paulician church of Armenia (Preufchen).

Hü ff er, Korveier Studien (v. Bippen).

Schmidt, Wilh., Die Kirchen- und Schulvifi-
tation im Herzberger Kreife vom Jahre 1529
nebft Urkunden (Cohrs).

Neumann, Der evangelifche Religionsunterricht
im Zeitalter der Reformation (Derf.)

Lern mens, Pater Auguftin von Alfeld (Cohrs).

Kuyper, De post-acta of nahandelingen van de
nationale synode vau Dordrecht (Benrath).

Schleiermacher, Ueber die Religion, Reden,
neu herausg. von Otto (Wendt).

Herrmann, Römifch-katholifche und evangelifche
Sittlichkeit (Wendt).

Schanz, Apologie des Chriftenthums, 3 Theile,
2. Aufl. (Härtung.)

Lindsay, Litterary and philosophical Essays
(Härtung).

Grimm, Das Problem Friedrich Nietzfche's
(Härtung).

Elhorst, Dr. H. J., De profetie van Arnos. Leiden, Boek-
handel en Drukkerij voorheen E. J. Brill, 1900. (VII,
172 S. gr. 8.)

Vorliegende Schrift will eine radicale Umwälzung
in der Anfchauung über das Buch Arnos herbeiführen,
fowohl hinfichtlich der Abfaffung als hinfichtlich der
Textgeftalt diefer Prophetie. Bisher hatte man fich damit
begnügt, einzelne Stellen wie 1 2, 2 if. u. f. w. aus
Arnos auszufcheideu, weil fie nicht zur Zeit und zum
Geifl des Propheten zu paffen fchienen. E. führt diefe
Ausfcheidungen in ausführlichem Referat (S. 3—13) an,
hält fie aber nicht für begründet (S. 25—34). Allerdings
ftimme manches nicht zur Zeit Jerobeams II, aber nicht
blofs einzelne Stellen, fondern die ganze Schrift fei zur
Zeit diefes Königs nicht erklärbar. Nicht das will E.
leugnen, dafs ein Arnos von Tekoa unter Jerobeam gelebt
habe und in Betel aufgetreten fei, aber dafs das
Amosbuch aus jener Zeit flamme. Die Gründe, die E.
hierfür angiebt, find folgende: Die Werthung des Zion
in 1 2 fowie die Davidsweiflagung 911; die Ankündigung
eines Strafgerichts über die Nachbarvölker durch einen
auswärtigen Feind in 13 ff., da doch Jerob. II. felbft etliche
jener Völker bezwungen hatte; das völlige Still-
fchweigen über die Durchhilfe Jahwes in den Siegen
diefes glorreichen Königs, z. B. in 2 9ff.; das peffimiftifche
Urtheil des Propheten über die Gröfse und das Ergehen
Israels (5 if., 72 jmp), und nicht blofs des Propheten,
fondern des ganzen Volkes, das den Tag Jahwes herbei-
wünfcht, während doch Jerob. II. Zeit felbft fo ein Glanztag
Jahwes für Ifrael gewefen fei (cf. die Stimmung in
Dt. 33 und den Bericht der Königsbücher); die Schilderung
der inneren Verhältnifse, der focialen Gegenfätze,
der Verweichlichung der Grofsen paffe nicht auf jene
Periode des Triumphs; es fei nicht gut denkbar, dafs
Arnos den Untergang des Haufes Jerobeams und die
Wegfuhrung Israels fo genau habe vorauswiffen können.
Diefe angegebenen Gründe fchliefsen nach E. nicht blofs
die Zeit während und kurz nach Jerobeams Regierung
aus, fie führen über 701 herab, zumal unfere Prophetie
viel Verwandtfchaft zeige mit den Prophetien des
7. Jahrh. und die Drohung über Philiftaea 1 7 f. auffallend
genau übereinftimme mit den affyrifchen Berichten
über die Eroberung der erwähnten Städte (S. 79). Schliefs-
l.ich entfcheidet fich E. für die Anfangszeit Jofias (638—
621). Hierzu paffe 1 2, die Beurtheilung der falfchen
Götter als 0"OT3 2 der Sterndienft 5 26, die Polemik
gegen das Vertrauen des Volks auf feine Erwählung

den König bei der Rüge gegen die Grofsen 2 eff. Da
die Verwerfung der bamot noch nicht fo weit geht wie
im Deut., habe man vor 621 flehen zu bleiben. — Warum
aber trägt denn unfere Prophetie den Namen des Arnos?
Es befland eine Legende von diefem Propheten aus
Tekoa, der als Bufsprediger unter Jerobeam II. gewirkt
hatte; man wufste von feiner Begegnung mit Amasja,
es hatte fich in der Ueberlieferung noch manches auch
von dem erhalten, was er gefagt hatte, fo befonders
feine Polemik gegen das particulariftifche Selbftbewufst-
fein des Jahwevolkes. Nun greift ein frommer Schrift-
fleller zur Zeit Jofias diefe Legende auf und fchreibt im
Geifte jenes Arnos eine Prophetie gegen Efraim als Spiegelbild
für fein eigenes jüdifches Volk; er will feinen Zeit-
genoffen fagen: was Arnos den Efraimiten zu predigen
und zu drohen hatte, das gilt in gleicher Weife euch.
Man habe alfo, fagt E., durchaus das Recht, dem Eindruck
, der auch anderen fich fchon aufgedrängt habe,
nachzugeben, dafs die Amosprophetie nicht eine Nieder-
fchrift öffentlicher Reden fei, fondern ein Product der
Studierftube. Natürlich gehört dann auch 1 1 urfprüng-
lich mit dem übrigen Buch zufammen, und für die Drohreden
1 3 ff. benützte der Schriftfteller nach E.'s Anficht
Prophetien über die genannten Länder, die im Volke
umliefen.

Es ifl wohl nicht nöthig, gegen diefe Hypothefe viel
zu fchreiben, fo blendend für den Augenblick manches,
wie z. B. die Uebereinftimmung zwifchen den affyrifchen
Berichten und Am. 1 7 f. fein mag. Es geht entfchieden
zu weit, wiffen zu wollen, wie die inneren Zuflände zur
Zeit Jerobeam's waren, aus dem Herbeiwünfchen des
Jahwetages auf allgemeinen Peffimismus zu fchliefsen, den
prophetifchen Geiftern Israels alle Gröfse im Vorausblick
und in der eigenartigen Beurtheilung auch der
äufseren Blüthezeiten zu nehmen. Einerfeits werden
manche bisher gefühlten Schwierigkeiten durch E.'s Ra-
dicalmittel nicht befeitigt, denn Interpolationen wurden
angenommen, nicht blofs, weil die betroffenen Abfchnitte
zur, "* ^es Arnos und zum Zufammenhang des Uebrigen
nicht zu paffen fchienen, fondern auch, weil fie dem
Geifte der ganzen Schrift widerfprechen. Andererfeits
werden neue Schwierigkeiten gefchaffen: wie follen die
Vifionen erklärt werden bei obiger Hypothefe, wie die
eiferne Androhung des völligen Unterganges bei einer
Tendenzfchrift, die in erfter Linie doch ermahnen will;
ein Polch lebendiger Proteft wie in 4 iff. verliert feine
Kraft, die Erzählung in 710 ff. Sinn und Bedeutung. Wir
bleiben daher bei der alten Annahme flehen, dafs das

durch Jahwe, der Monotheismus, das Schweigen über I Amosbuch den Grundftock der Prophetie des Arnos von
289 290