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Ausgabe:

1899 Nr. 5

Spalte:

131-132

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gunning, J.H.

Titel/Untertitel:

Jesaja Xl-LXVI 1899

Rezensent:

Kraetzschmar, Richard

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Seite 1

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131 Theologifche Literaturzeitung. 1899. Nr. 5. 132

wendet? Und wie ftellt N. es fich vor, dafs ein pro-
phetifcher Bearbeiter zur Zeit des Elifa auf den Gedanken
kommt, dafs deut. Gefetz, das doch auf den jerufalemi-
fchen Tempel zugefchnitten ift, im Nordreiche einzuführen?
Doch es verlohnt fich nicht, den Aufftellungen N.'s im
Einzelnen nachzugehen, da die Grundvorausfetzung, mit
der alles fteht und fällt, dafs nämlich das deut. Gefetz
aus der Zeit Salomos ftamme, völlig unhaltbar ift. Ge-
wifs hatte der falomonifche Tempel als Königsheiligthum
ein natürliches Uebergewicht über die anderen Cultftätten
im Lande, aber daran, den ganzen Cultus dafelbft zu
centralifiren, dachte zu Salomo's Zeit kein Menfch. Und
wie will es N. begreiflich machen, dafs das viermal überarbeitete
Gefetzbuch, das doch dem Volke in succum et
sanguinem übergegangen fein müfste, in der ganzen zeit-
genöffifchen Literatur auch nicht die Spur einer Einwirkung
hinterlaffen hat, und dafs erft des Jeremia Sprach-
und Denkweife fich davon berührt zeigt? Und wie foll
man gar begreifen, dafs man zu Jofias Zeit von diefem
Volksbuche gar keine Ahnung hat und höchlichft erftaunt
ift, als es im Tempel aufgefunden wird? Haben denn
diefe Erwägungen für N. gar kein Gewicht? Was N.
für Entftehung in falomonifcher Zeit vorbringt, ift dagegen
doch völlig belanglos. Es wird alfo vorläufig fein
Bewenden dabei haben müfsen, dafs das Deut, eben dem
Zeitalter feine Entftehung verdankt, in dem es aus der
Tempelkammer an's Tageslicht gebracht wurde. Vielleicht
lernt N. auch das Gewicht diefer Gründe mit der Zeit
noch beffer würdigen.

Auf all die Abfonderlichkeiten und zahlreichen Fehler,
die fich in N.'s Buche finden, will Ref. nicht eingehen,
zumal dem Verf. feiner Zeit bereits im Theol. Literaturblatt
eine ftattliche Lifte derfelben vorgehalten ift. Nur
Einiges fei hier hervorgehoben. Vor allem liegt hier die
Transfcription hebräifcher Wörter im Argen. Für Dipri
bekommen wir Chukim, für bb Qöl, für viM noqri, für
b.lj? dagegen Kahal zu lefen; auch das Dibarim auf
S.T 65 nimmt fich merkwürdig aus. Noch fchlimmer ift,
dafs der Verf. S. 3 ph mit verwechfelt hat. Auch
von der Einführung des ,Apisdienftes' unter Jerobeam I.
zu reden (S. 34), und das Ephodbild (S. 69) mit dem
Aftralcultus in Verbindung zu bringen, fteht dem Verf.
fchlecht an, der S. n nicht ohne Selbftgefälligkeit von
fich fagt: ,Darf ich doch fagen, dafs ich auf dem Gebiete
der vergleichenden Religionsphilofophie (foll wohl heifsen:
Religionsgefchichte) und Mythologie eingehende Studien
gemacht habe'. Wenn ich zum Schlufs noch einen
Wunfeh äufsern darf, fo ift es der: der Verf. möge fich
bei künftigen literarifchen Gaben einer ruhigeren, mehr
methodifchen und weniger fprunghaften und überladenen
Darftellung befleifsigen. Die Leetüre feines Buches bietet
nicht gerade einen Genufs.

Jena. B. Baentfch.

Gunning, Pred. Dr. J. H., J. Hz., Jesaja XL—LXVI. He-

breeuwsche tekst. Rotterdam, J. M. Bredee, 1898.
(56 S. gr. 8.)

In der vorliegenden Schrift bietet der Herausgeber,
derPredikant zu Utrecht ift, auf S.4—55 den nach Stichen
abgetheilten vocalifirten Text des zweiten Theiles vom
Jefajabuche; auf S. 55 f. folgt ein Verzeichnifs der Druckfehler
und die Notiz, dafs eine Begründung und genaue
Erklärung des hier vorgelegten Textes in des Verfaffers
umfangreichem Buche, Van Babelnaar Jeruzalem' zu finden
fei. Jede weitere Angabe fehlt. Leider ift Referenten
das letztgenannte Werk hier in Marburg unzugänglich,
fo dafs er fich auf das in dem vorliegenden Hefte Gebotene
befchränken mufs.

Eine ftichifche Ausgabe des Jefajatextes wie überhaupt
der Prophetenfchriften ift nur dankbar zu begrüfsen,
da durch fie beffer als durch langwierige Erörterungen

dargethan wird, dafs die Propheten zugleich auch Poeten
waren und fich, wenigftens in fehr vielen ihrer Weis-
fagungsreden, fefter poetifcher Formen bedient haben.
Die Grundlage einer folchen Ausgabe kann nun natur-
gemäfs nur ein kritifch-revidirter Text von MT fein, der
dem Urtexte möglichft nahe zu kommen fucht, und fo
hat auch Gunning, in richtiger Erkenntnifs diefer That-
fache, den mafforethifchen Text von Jef. 40 fr. durch gelegentliche
Eingriffe verbeffert, von Einfchüben befreit
u. f. w. Bedauerlicherweife hat er aber unterlaffen, im
Drucke kenntlich zu machen, wo der Text verändert ift,
fo dafs man zunächft meinen mufs, einen Abdruck von
MT vor fich zu haben. Eine diesbezügliche orientirende
Angabe fowie Bezeichnung der Stellen, an denen in den
Text eingegriffen ift, wäre gewifs nicht überflüffig gewefen.
Bei feinen Textänderungen ift G. fehr maafsvoll und ver-
ftändig vorgegangen, er ift dabei faft etwas zu confer-
vativ gewefen: 41 14 z. B. hat er iriü belaffen, während
doch felbft ein fo zurückhaltender Kritiker wie Kittel
die Ewald'fche Conjectur rvsri bevorzugt hat. 4127 ift
das räthfelhafte Ulfl n?n, mit dem fchlechterdings nichts
anzufangen ift, ftehen geblieben. Ibd. ift v. 7 mit Duhm
u. a. hinter 40m geftellt, v. 6 an feiner Stelle belaffen;
mit v. 7 fteht und fällt aber v. 6. b"Olüi 5213 mufs aus
rhythmifchen Gründen geftrichen und DTT zum vorangehenden
Stichos gezogen werden, damit zwei völlig
ebenmäfsige Parallelverfe von je 3 Hebungen entftehen.
Desgl. ift ntFlSI 522, ibHÜ ibd. v. 10 zu tilgen, da rhyth-
mifch überhängend. Die Forderungen der Rhythmik
find überhaupt nicht genügend beachtet. So ift 4115
(mit Duhm) pTHl geftrichen, — zu Unrecht, denn es wird
durch den Rhythmus gefordert; noch viele andere Bei-
fpiele diefer Art liefsen fich anführen. Auf Abtheilung
von Strophen hat der Herausgeber ganz verzichtet. Er
theilt zwar das Ganze in 25 Abfchnitte (cap. 40; 41; 42;
43i—4423; 4421—45; 46; 47; 48; 491—503; 504—u; 51 —
5212; 5213—53; 54; 55 1—568; 569—5713; 5714—21; 58; 59;
60; 61; 62; 631—6; 637—64; 65; 66), aber ftrophifche Gebilde
und Gliederungen innerhalb diefer Parafchen fcheint
er nicht anerkennen zu wollen. Und doch find deren
ganz augenfeheinlich vorhanden. 401— u ift, wie Duhm
richtig gezeigt hat, ftrophifch gegliedert; vv. 1—4=8
Langzeilen, desgl. vv. 9—11, die vor vv. 6—8 zu ftellen
find; zwifchen beide Strophen fchiebt fich ein Dreizeiler
(v. 5). Ferner find 5117—5212 deutlich 5 Strophen zu
unterfcheiden (f. Duhm). Das grofse Knecht-Jahwe-Lied
5213—5312 ift ein Gedicht von 7 Strophen, von denen
die erften 5 aus je 9, die beiden letzten aus je 6 Stichen
beliehen (5213—15, aber ohne biblüi, das Duhm aus
logifchen Gründen ftreicht; 531—<th« ohne nitlDI; v. 3F/?—
5; 6 f., wo aber — gegen Duhm u. a. — das zweite
Tip »bl zu belaffen ift, da fonft nur 8 Stichen vorhanden
find; 8—ioact ohne ibnn; ic-a/S—11; 12). Diefe
Beifpiele mögen genügen. Immerhin ift die Gunning'fchc
Ausgabe von Jef. 40 ff. werthvoll und wohl der Empfehlung
werth.

Marburg. R. Kraetzfchmar.

Lury, Jofeph, Geschichte der Edomiter im biblischen Zeitalter.

Diss. Berlin. (?) (67 S. 8.)

In meinem Artikel ,Edom' in Hauck's Realencyklo-
pädie Hft. 43—44, 1898 habe ich unter der Literatur die
Differtation von Lury nicht angeführt. Ihre Exiftenz
ift mir erft bekannt geworden aus den Literaturangaben
in der Zeitfchrift für die altteftamentliche Wiffenfchaft
1898, Heft J. Wann die Differtation gedruckt ausgegeben
wurde, ift nicht zu erfehen; fie ift, wie auf einem eingeklebten
Zettel mitgetheilt wird, von der Berner philo-
fophifchen Facultät ,mit dem Imprimatur verfehen' worden
am 31. Jan. 1896. Ich mache gern auf diefe Arbeit aut-
merkfam, da fie, wenn fie in die Hände eines nicht fehr
geduldigen Lefers fällt, leicht einer Beurtheilung an-