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Ausgabe:

1899 Nr. 3

Spalte:

87-90

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Fricke, Friederike

Titel/Untertitel:

Luthers kleiner Katechismus in seiner Einwirkung auf die katechetische Literatur des Reformjahrhunderts 1899

Rezensent:

Cohrs, Ferdinand

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87 Theologifche Literaturzeitung. 1899. Nr. 3. 88

aber nur 11 Seiten katholifcher Häfslichkeiten gegenüber, gelten. S. 10 oben will die Verfafferin mit der Verbreitung
Da liegt der Schlufs nahe: die Katholiken find doch in aufserdeutfchen evangelifchen Kirchen beginnen und
beffere Menfchen! Wir wollen aber deshalb nicht mit ! fie aus den Ueberfetzungen beweifen; aber erft S. 20
Paulus rechten, zumal wir gleich in der zweiten Ab- j kommt fie zu der hier eingeleiteten Aufgabe. Vorher
theilung des Buches durch die katholifche chronique handelt fie noch von den niederdeutfchen, lateinifchen,
scandaleuse über Luther's Lebensende reichlich entfchädigt j griechifchen und hebräifchen Ueberfetzungen. Das ftört
werden. Die dritte Abtheilung enthält dann die Zeug- j den Zufammenhang und giebt der Darfteilung den
nifse gegen Luthers Selbftmord, zuerft die Zeugnifse von Charakter des Zufälligen. Mit demfelben Rechte, wie
Katholiken, dann die von Proteftanten, und fchliefst mit die letztgenannten Ueberfetzungen, hätten übrigens auch

dem Ergebnifs, das uns fchon aus der anfangs genannten
Publication des Herrn Verfaffers bekannt ift.

die zahlreichen Ausgaben und Nachdrucke des Enchiridions
angeführt werden müffen. Dafs fie fehlen, ift ein Mangel

Gerne fähen wir genauer unterfucht, wann die häfs- des Buches,
liehe Sitte, den Tod des Gegners zu befchimpfen, zuerft I Wir hätten gewünfeht, Frl. Fricke hätte mit einer
bekämpft, und von wem diefer Kampf geführt worden ift. ' Ueberficht über fie begonnen und hätte dann an der
Wer über die Frage nach Luther's Lebensende, die Hand der Kirchenordnungen und anderer Quellen feft-
nun wohl aufhören wird discurirt zu werden, fich unter- : geftellt: 1. wo nachweisbar im Laufe des 16. Jahrh.
richten will, findet hier alles Material bei einander. I Luther's Enchiridion eingeführt worden ift, hätte nament-

Werden die anderen Hefte ,Erläuterungen und Er- j lieh auch das Jahr der Einführung angegeben; 2. wo mit
gänzungen' fich gleicher Objectivität der Darftellung be- 1 Sicherheit andere Katechismen in Geltung geftanden
fleifsigen, fo wollen wir uns diefes Unternehmens herzlich ! haben; 3. für welche Länder und Städte nach den bisher
freuen! — | zu Gebote flehenden Quellen ein ficherer Schlufs noch

nicht zu ziehen ift.

Cap. II und III faffen wir zufammen. In Cap. II will
! Frl. Fricke die Auslegungen des kl. Kat. — a. in Lehr-
Fricke, Friederike, Luthers kleiner Katechismus in feiner büchern, b. in Predigten geben, in Cap. III .andere luth.
Einwirkung auf die katechetifche Litteratur des Refor- I Katechismen' d. h. felbftändigelutherifche Katechismen.

. , , , . ,r , , , o „ 1 Von letzteren follten hier nur die angeführt werden, die

mationsjahrhunderts. Gott.ngen, Vandenhoeck & Rup- yon Luther.s Enchiridion beeinflufst find, aber getreu ihrer
recht, 1898. (IV, 195 S. gr. 8.) M. 5— Ueberzeugung, die fie fchon in Cap. I geäufsert und

Wenn wir bei der Befprechung von Ernft und Adam, 1 deren Richtigkeit wir dort fchon angezweifelt haben,
Katechetifche Gefchichte des Elfafs (Theol. Litztg. 1898 dafs Luther's kl. Kat. zu fämmtlichen fpäteren evange-
Nr. 12 Sp. 345 ff.) unferer Freude darüber Ausdruck j lifchen Katechismen die Anregung gegeben — fie beruft
gaben, dafs die Bearbeitung der Katechismusgefchichte fich hier dafür auf Zezfchwitz (Real-Enc. 2. Aufl. VII
mehr und mehr Intereffe finde, fo können wir heute mit S. 592) — bringt die Verfafferin hier alle ihr bekannten

Efchershaufen (Brfchw.). Ferdinand Cohrs.

Vergnügen conftatiren, dafs felbft eine Dame zu diefer
Arbeit die Hand gereicht hat.

Fräulein Friederike Fricke verfucht, angeregt durch
eine Preisaufgabe der Göttinger theologifchen Facultät,
den Einflufs des kleinen Katechismus Luthers auf die

Katechismen luth. Färbung, die fie nicht unter Ia gerechnet
hat.

Die Zufammenftellung IIb ift am beften geglückt;
die Predigten fondern fich ja auch am reinften aus der
übrigen Literatur aus. Nur gehören Matthefius' Predigten

katechetifche Literatur des Reformationsjahrhunderts ! über Luthers Leben, die unter Nr. 6 angeführt werden
nachzuweifen. Sie theilt ihr Buch in folgende Capitel: 1 (S. 58 f.), nicht hierher; fie hätten in einer Anmerkung
I. Zeugnifse für Geltung und Verbreitung des kleinen 1 flehen mögen. Dagegen hätten die Katechismus-Lieder
Katechismus. II. Auslegung des kleinen Katechismus. (S. 63 Anm. 3) nicht in einer Anmerkung abgethan werden
III. Andere lutherifche Katechismen. IV. Reformirte j dürfen; fchon die Schlufsbemerkung auf S.64 unten hätte
Katechismen. V. Sonftige evangelifche Katechismen. | die Verfafferin auf den Gedanken bringen müffen, dafs

VI. Katholifche Katechismen

Das erfte Capitel enthält viel Intereffantes, nur hätte
man gröfsere Klarheit und Ueberfichtlichkeit gewünfeht.

fie eine felbftändige Behandlung verdienten; fie gehören
im 16 Jahrh. direct zur katechetifchen Literatur.

Verfehlt erfcheint die durch Cap. IIa und III vorge-

Die Geltung und Verbreitung in den deutfehen evange- nommene Sonderung. Verfchiedene Aeufserungen der
lifchen Kirchen will die Verfafferin aus den Kirchen- i Verfafferin verrathen auch, dafs fie fich felbft bei diefer
Ordnungen nachweifen; fie trägt allerlei Material zufammen, j Theilung nicht ficher gefühlt hat, fo wenn fie S. 82 von
kommt aber bei ihrer Ueberficht zu keinem klaren Refultat. ! Nr. 10 fagt, dafs es ,einigermafsen hierher zu rechnen'
Es ift ficher zu viel behauptet, wenn es S. 8 von den bis I fei, oder wenn fie S. 117 bei Nr. 20 (Sim. Mufaeus)
dahin angeführten Kirchenordnungen heifst, fie hätten i fchwankt, ob das Buch nicht zur Auslegungsliteratur
,ohne Zweifel den Katechismus Luthers als Grundlage hätte gerechnet werden müffen, fich dann aber dabei be-
des Unterrichts ins Auge gefafst'; bei der heffifchen Vifi- 1 ruhigt, dafs es dazu ,doch wieder zu felbftändig' wäre.
tations-Ordnung verbietet fchon die ganz andere Stellung I Ganz dasfelbe liefse fich von verfchiedenen der unter
der Hauptftücke, an ihn zu denken. Unklar ift die Wen- j Cap. IIa angeführten Katechismen tagen; gleich Cameradung
, auch die Kirchenordnungen, die andere Katechismen rius' Kazrjpjoiq, Selnecker's Paedagogia u. a. enthalten
empföhlen, ftänden ,alle auf dem durch Luther im kl. auch fo viele felbftändige Partien, dafs es gewagt ift,
Katechismus gelegten Grunde'; es foll offenbar heifsen, he kurzweg Auslegungen von Luther's Enchiridion zu
Luthers Katechismus fei für fie die Veranlaffung gewefen, 1 nennen. Mit demfelben Rechte hätten neben Mufaeus'
auch ihrerfeits auf die Einführung eines Katechismus be- ! auch Urbanus Regius', Trotzendorfs und anderer Kate

dacht zu fein. Das ift aber doch wohl übertrieben, denn
nicht erft Luthers kl. Katechismus, fondern fchon fein
Aufruf in der deutfehen Meffe veranlafst zahlreiche Bearbeitungen
des Katechismusftoffes, (fügt diefen — beiläufig
bemerkt gegen die Bemerkung S. 6 Z. 13 fr. —
auch fchon die Sacramente hinzu: Erl. Ausg. 22, S. 235
unten). Aber, davon ganz abgefehen, was hat das mit

chismen zur Auslegungsliteratur gerechnet werden können.

Die Katechismen des Cap. III theilt Frl. Fricke in
drei Gruppen, in folche, die auf Melanchthon's Loci comm.
zurückzuführen find, in folche, die den Brenz'fchen Typus
bezw. den des böhm. Brüder-Katechismus tragen, und
in folche, die fich der Lutherfchen Reihenfolge anfchliefsen.
Die Zugrundelegung diefer Theilung ift verhängnifsvoll

der Geltung des kleinen Katechismus zu thun, von der I geworden. Die Verfafferin verliert über fie das eigent-
doch hier die Rede ift? Wo andere Katechismen einge- | liehe Thema ihres Buches wiederholt völlig aus dem
führt wurden, follte Luther's Kat. doch gerade nicht ; Auge. Mehrfach fcheint es, als käme ihr mehr, als auf