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Ausgabe:

1899

Spalte:

65-68

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Jensen, P.

Titel/Untertitel:

Hittiter und Armenier 1899

Rezensent:

Schwally, Friedrich

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Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Göttingen.

Erfcheint . Prei*

alle 14 Ta^e. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark

N£. 3 4. Februar 1899. 24. Jahrgang.

Jenfen, Hittiter und Armenier (Schwally).
Wijnkoop, Manual of Hebrew grammar
! Schwally l.

Craig, Assyrian and Babylonian religious texts,
vol. II [Affyriologifche Bibliothek XIII, 2]

(Jenfen).

McCurdv, History, prophecy and the monu-
ments, ör Israel and the nations, vol II (Jensen).

Aus Schrift und Gefchichte, Theologifche Abhandlungen
für Orelli (Schürer).

Zwei Bibelhandfchriften mit doppelter Schriftart
(v. Dobfchütz).

Heineke. Synopfe der drei erften Evangelien
(Joh. Weifs).

Tifchendorf, Synopsis evangelica, ed. septima
(Joh. Weifs).

Eichhorn, Das Abendmahl im Neuen Tefta-
ment (Lobftein).

Watfon, Das letzte Abendmahl (Derf.).

Diekamp, Hippolytos von Theben (Grützmacher
).

Baumgartner, Die Philofophie des Alanus de

Insulis [Beiträge zur Gefchichte der Philofophie

des Mittelalters Dt, 4] (Siebeck).
Nagy, Die philofophifchen Abhandlungen des

Ja qüb ben Ishaq Al-Kindi [Beiträge etc. II, 5]

(Schwally).

Berger, Martin Luther in kulturgefchichtlicher
Darfteilung II, I (Cohrs).

Erläuterungen und Ergänzungen zu Janffens Gefchichte
des deutfchen Volkes I, 1: Paulus,
Luthers Lebensende (Cohrs).

Fricke, Luthers kleiner Katechismus in feiner
Einwirkung auf die katechetifche Litteratur
des Reformationsjahrhunderts (Cohrs).

Brandenburg, Moritz von Sachfen, 1. Bd.
(Trefftz).

Burkhardt, Die Miffion der Brüdergemeinde
in Miffionsftunden, 3. Heft (Wurm).

Jensen, P., Hittiter und Armenier. Mit 10 lith. Steindrucktafeln
und 1 Ueberfichtskarte. Strafsburg, K. J. Trübner,
1898. (XXVI, 255 S. gr. 8.) M. 25.-

In Nordfyrien und nördlich davon kennen die
Aegypter. foweit wir willen, feit Thutmofis III. (im
15. lahrh. v. Chr.) ein Land mit Namen Ht die Affyrer
etwa feit dem Ausgang des 15. Jahrh. das Land Häte-
Hatti; die Präarmenier, d. h. die vorindogermanifchen
Bewohner Armeniens, das Land Häte-Hati. Im alten
Tellament werden die Bewohner diefes Landes Hittliu
genannt. Als nun in Havta und an anderen Orten Nord-
fyriens und nördlich davon, ja ringsum in Klein-Alien
Infchriften mit bisher unbekannter Schrift einer und der-

gleich im Anfang feiner Entzifferungsverfuche der Gedanke
auf, dafs in dem Namen Hay—k' der heutigen
Armenier eine letzte Erinnerung an ihren einftigen Aufenthalt
in Hate, fortlebte. Einer vom Lande Hate konnte
oder mufste im Armenifchen einmal Hatto neifsen und
daraus, falls bei den Armeniern zur Zeit ihrer Einwanderung
in Armenien urfprünglich intervocalifches t noch
nicht gefchwunden war, nach armenifchen Lautgefetzen
Hay werden. Jenfen vermuthete daher, dafs in Hay
ein altes Hatto erhalten fei. Diefe Vermuthung hat fich
ihm immer mehr und mehr beftätigt und aufserdem, dafs
die Sprache der Infchrifte n ein altarmenifcher Dialekt fei.

Dies alles in erfchöpfender Weife darzulegen, ift die
Aufgabe des vorliegenden Werkes. Dasfclbe zerfällt in

felben Gattung, für die aber Einheitlichkeit der Sprache i folgende Theile: Vorbemerkungen — XXIV. Cap. I.
nicht erwiefen war, gefunden wurde, und es fich darum j Das Volk und das Land der Hatio-HayH 1—16; Cap. II.
handelte, für fie die Urheber zu ermitteln, war man mit Die hatifch-armenifchen Infchriften, Lille der bekannten
der Antwort fchnell bei der Hand: Da man die Be- Infchriften 17—24, Ueberfetzungsverfuche 24—58; Cap. III.
wohner Nordfyriens Hittiter heifst und ein Teil der In- Das hatifch-armenifche Schriftfyllem 59—80; Cap. IV.
fchriften im Gebiete von Hätc gefunden war, hat man, | Die Sprache der Hatier und das Armenifche 81—133;
zuerfl W. Wright und Sayce, die Urheber der Infchriften Cap. V. Zur hatifch-armenifchen Religion 134—188; Cap VI.
Hittiter genannt, und Hals über Kopf conftruirte man ein ] Zur hatifch-armenifchen Gefchichte 189—216.
grofses Reich diefer Hittiter, das fich irgend einmal oder Die Grundlage zur Entzifferung hat Jenfen in einem

Jahrhunderte hindurch, jedenfalls aber etwa um 1300 zu | in vieler Hinficht claffifchen Auffatze gelegt, der vor
Ramfes DL Zeit, gerade foweit erftreckt haben follte, wie [ vier Jahren in der Zeitfchrift der deutfchen morgenlän-
die Infchriften reichten: in Kleinafien im Werten bis nach ! difchenGefellfchaft erfchienen ift. Ich felbft habe die Mono-
Karabel, im Norden bis nach Uyük, im Süden bis Kili- ! graphie in der Theol. Lit. Zeitung (Jahrg. 1895 Nr. 11) einer
kien und weiter noch nach Süden bis nach Hamä. Diefe I eingehenden Befprechung unterzogen und konnte mich
Theorie fleht naturlich auf fehr fchwachen Füfsen. Nun 1 dabei in allen Hauptfachen auf die Seite des Verf. ftellen,
hat Jenfen fchon in der Zeitfchrift der deutfchen morgen- ohne gerade feine letzten Confequenzen zu aeeeptiren.
ländifchen Gefellfchaft Bd. 48, 245 f. wahrfcheinlich ge- Was ich damals gefagt habe, glaube ich auch jetzt noch
macht, dafs feit den älterten Zeiten für Aegypter, Affyrer 1 vertreten zu können. Da ebenfalls Jenfen feine damaligen
und Präarmenier der Landesname Hate das eiQOTtQOV, Anflehten fich im Wefentlichen beftätigt haben, fo kann
der dazu gehörige Gentilname aber das votbqov fei, mit ich in diefer Beziehung einfach auf meine früheren Aus

anderen Worten, dafs der Name Hittiter nicht eine
Nationalität, fondern nur den Angehörigen eines Landes
Hate, einerlei ob diefer Semit oder Nichtfemit wäre, be-

führungen verweifen. Der Auffatz ift aber zum Ver-
ftändnifs des Buches viel nothwendiger als Jenfen meint.
Er hat vor diefem den grofsen Vorzug, eine analy-

zeichnen könnte. Der Name Hittiter in dem eben an- ti fche Darlegung zu fein und durch die Verwendung der
gedeuteten umfaffenden Sinne wäre nur dann berechtigt, Infchriftentypen im Texte eine gröfsere Anfchaulichkeit
wenn der Beweis zu erbringen wäre, dafs alle Infchriften zu befitzen.

von einem Volke flammten, dafs diefes Volk fich ins- Die Hauptaufgabe des Buches ift der Erweis der

gefammt nach dem Lande Hate genannt hätte, und dafs ! armenifchen Hypothefe. Diefer Aufgabe entledigt fich
fowohl die fpäteren Bewohner des Landes Hate als auch I der Verfaffer unter Darlegung des gefammten weit zer-
der zur Zeit Ramfes IL lebende Fürft Htsr nebft feinen 1 (freuten Materiales und mit Aufbietung feiner ganzen
Volksgenoffen diefer Nation zugehörten. Den Beweis Gelehrfamkeit und feines anerkannten Scharffinnes mit
für die Spracheinheit in wenigftens faft allen Infchriften dem Selbftbewufstfein des Entdeckers und mit kühner
hat nun Jenfen m. E. wirklich erbracht. Dazu (lieg ihm Combinationsluft, aber auch mit außerordentlicher Vor-

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