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Ausgabe:

1899 Nr. 2

Spalte:

53-56

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Knodt, Emil

Titel/Untertitel:

Gerdt Omeken. Eine reformationsgeschichtliche Skizze 1899

Rezensent:

Cohrs, Ferdinand

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Theologifche Literaturzeitung. 1899. Nr. 2.

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Rolfs. Chr.. Zur dithmarsischen Reformationsgeschichte. (Bei- Dithmarfchen war eine Bauernrepublik, kein Fürstenhaus

träge und Mitteilungen des Vereins für fchleswig-
holfteinifche Kirchengefchichte. II. Reihe, I. Heft.)
Kiel, H. Eckardt in Komm., 1897. M. 1. 50

Knodt, Pfr. Emil, Gerdt Omeken. Eine reformationsge-
fchichtliche Skizze. (Chriftliche Lebenszeugen aus
und in Weftfalen. Von Emil Knodt. I.) Gütersloh,
C. Bertelsmann, 1898. (VII, 236 S. 8.)

M- 3- —; geb. M. 3. 80
Wir ftellen diefe beiden Publicationen zufammen,
weil fie beide Beiträge zur Kirchengefchichte des nord-
weftlichen Deutfchlands liefern. Rolfs' Auffatz ift er-
fchienen in dem erften Hefte der .Beiträge und Mitteilungen
des Vereins für fchleswig-holfteinifche Kirchengefchichte
', der, am 6. Juli 1896 gegründet, erfreulicher
Weife den fchon beftehenden Vereinen zur Erforfchung
der kirchlichen Vergangenheit einzelner Länder oder
Provinzen fich anreiht. Knodt's Buch eröffnet die Bio-

ftand an der Spitze, das die reformatorifche Bewegung
fördern konnte, vielmehr mufste man den benachbarten
bremifchen Erzbifchof bei guter Laune erhalten — und
endlich in focialen Gründen —, in den mächtigen Ge-
fchlechtsbündnifsen, die namentlich durch ihre zu leichtfertigem
Schwören verleitenden Bundbriefe den Wider-
fpruch der evangelifchen Prediger erregten.

Der dritte Abfchnitt der Einleitung behandelt noch
näher den Inhalt und den Erfolg der drei Schriften. Wenn
dabei Rolfs den Gedankengang der erften Schrift mit
den Worten erörtert: ,zweitens beweift der Verfaffer, dafs
jene Ceremonien mit den erften drei Hauptftücken in
Widerfpruch Itehen' (S. 23), fo vermuthet man, dafs die
römifchen Gebräuche ausdrücklich durch die zehn Gebote
, Glauben und Vaterunfer widerlegt werden. Statt
deffen finden wir nachher von den zehn Geboten nur
das erfte angeführt, das uns lehre, alles Vertrauen auf
Gott zu fetzen, während die Ceremonien uns zum Aberglauben
verleiteten; das Credo wird gar nicht erwähnt,

graphien-Sammlung ,Chriftliche Lebenszeugen aus und 1 vielmehr kommt es dem Verfaffer auf den Nachweis an,
in Weftfalen', die uns hoffentlich noch über manchen | dafs die römifchen Gebräuche das Leiden und die Er

bisher vielleicht unbekannten oder nur dem Namen nach
bekannten kirchengefchichtlich bedeutfamen Mann Auskunft
giebt.

Rolfs veröffentlicht drei Schriften, die für die Einführung
der Reformation in Dithmarfchen bedeutfam ge-
wefen find. Sie find 1528 unter dem gemeinfamen Titel

löfung Chrifti nicht genugfam fein liefsen für unfere
Sünde; das Vaterunfer wird beiläufig genannt, der Hauptgedanke
des Verfaffers aber ift, dafs wir alles, was wir
bedürfen, bitten follten vom himmlifchen Vater im Namen
Jefu Chrifti, dafs die römifchen Ceremonien aber verführten
, auf die Kraft des geweihten Waffers zu vertrauen.

Orfacke, grund und bewys Utk der hilghen jchriejft, dat j Rolfs Bemerkung ift alfo werthlos und nur durch Kün

gewyget fo/t, water .... unde andere creaturen und cere-

monyen......nycht gut noch gottlick, funder mehr

böfe .... fyntr und mit gemeinfamer Vorrede herausgegeben
, Hammen aber von verfchiedenen Verfaffern.
Die erfte Schrift, die nachweift, dafs die römifchen Ceremonien
gegen das Wort Gottes find, und die dritte, die
den mit Seelenmeffen und Vigilien getriebenen Mifs-
brauch bekämpft, fchreibt Rolfs dem Nikolaus Boie, dem
damaligen Kirchherrn in Meldorf, zu; die zweite Schrift,
die die Behauptungen der Katholiken über die Kraft des

ftelei zu rechtfertigen.

Die gründliche Unterfuchung leitet die Publicationen
des Vereins für fchleswig-holfteinifche Kirchengefchichte
trefflichft ein. Wir wüofchen den Bemühungen der Ge-
fellfchaft beften Erfolg und hoffen von Rolfs' Feder noch
manchen Beitrag zu erhalten. —

Emil Knodt erneuert das Gedächtnifs eines Mannes,
deffen reformatorifches Wirken von Weftfalen bis Mecklenburg
gereicht hat, deffen Name aber, wie der Verfaffer

Weihwaffers widerlegt, dem Henricus Dimerbrok, Kirch- widerholt beklagt, faft vergeffen ift. Nur eine Biographie
herrn in Brunsbüttel. Dafs diefe beiden als Verfaffer der Omeken's gab es bisher, die bald nach feinem Tode fein

Schriften in Betracht kommen, daran ift nach der auf
dem gemeinfamen Titel fich findenden Angabe: geprediget
dorch de kerkheren tho Meldorpe und Brunfzbüttcl
yn Dytmerfchen und den von Rolfs im zweiten Abfchnitt
der Einleitung über die Verfafferfrage gegebenen Erörterungen
nicht zu zweifeln; aber die — übrigens nur
als Vermuthung ausgefprochene — Vertheilung der drei
Schriften auf diefe beiden Verfaffer (S. 21) hat Rolfs

Sohn, der Magifter Joh. Omeken, gefchrieben hat. Sonft
war Omeken's, obwohl man fchon daraus auf feine nicht
gewöhnliche Bedeutung fchliefsen durfte, dafs er die
fchmalkaldifchen Artikel mit unterzeichnet hat, wohl hier
und da in localgefchichtlichen Monographien gedacht, am
ausführlichften noch in Schröder's Kirchenhiftorie des
evangelifchen Mecklenburgs 1788 f. Knodt hat das Leben
feines Helden mit Liebe und grofser Wärme gefchildert;

ziemlich willkürlich vorgenommen. Die Gründe, die er zuweilen veranlafst ihn feine Verehrung, erbaulich zu
für feine Annahme S. 25 anführt — die zweite Schrift ; werden; nicht immer fcheint er vor der Gefahr des begebrauche
mehr, als die anderen, Beifpiele aus dem täg- , gitterten Biographen fich gehütet zu haben, auch die
liehen Leben, die dritte wende fich wie auch andere von Fehler des Helden im beften Lichte zu fehen. Omeken's
Boie herrührende Reden oder Schriften, an die Obrig- 1 gepriefene Energie ift doch wohl manchmal nicht frei
keit, an die Landesregenten —, fallen fchwerlich ins Ge- von Figenfinn, und vielleicht wäre ihm manches beffer
wicht. Solange nicht andere Schriften auch von Dimer- ; geglückt, wenn er feinen .Lutherzorn' etwas gedämpft
brok vorliegen, wird über die Verfafferfrage fich nichts i hätte. Mit feinem autokratifchen Charakter hängt es doch
Entfcheidendes fagen laffen, und immer wird die An- j zuweilen zufammen, dafs er in feinen jüngeren Jahren
nähme beliehen bleiben dürfen, dafs wir in den drei ' feinen Wirkungskreis häufig wechfelt.
Abhandlungen gemeinfame Arbeiten der beiden Männer Geboren ums Jahr 1500 in Kamen bei Dortmund

befitzen. Dagegen könnte ja freilich das gepredigefi des j ftudirt er zuerft in Roftock und dann noch in Witten-
Titels fprechen, wenn es nämlich befagte, dafs die drei j berg, ift dann Prediger in Büderich, wirkt in Lippftadt
Stücke drei wirklich gehaltene Predigten wären, die man ; und wird im Anfang des Jahres 1532 nach Soeft be-
doch wohl je einem Verfaffer zufchreiben müfste. Aber , rufen, wo er die kirchlichen Verhältnifse ordnet und eine
das gepredigeb braucht das nicht zu bedeuten, es kann 1 Kirchenordnung verfafst. Odern 1533 finden wir ihn in
einfach heifsen .veröffentlicht'. Lemgo, 1535 in Minden. Bis wann er dort geblieben ift,

Im erften Abfchnitt der Einleitung giebt Rolfs eine wird aus Knodt's Darfteilung nicht klar, auch nicht, wann
Ueberficht über die Zeitverhältnifse. Er erörtert die 1 er fein Amt in Gifhorn angetreten hat und damit ins
Frage, weshalb die Reformation bei dem freitheitlieben- | Fürftenthum Lüneburg übergefiedelt ift. Verlaffen hat er
den Volke der Dithmarfcher verhältnifsmäfsig fpät Ein- Gifhorn im Anfang des Jahres 1548, um in die Dienfte

gang gefunden habe und findet die Erklärung in religiöfen
Gründen — die katholifche Frömmigkeit hatte auch hier
erft eine neue Blüthe erlebt — in politifchen Gründen —,

des Herzogs von Mecklenburg zu treten. Kurze Zeit ift
er Hofprediger in Schwerin, dann bis an feinen Tod
(25. März 1562) Probft in Güftrow. Als folcher verfafst