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Ausgabe:

1899 Nr. 24

Spalte:

664-667

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dobschütz, Ernst von

Titel/Untertitel:

Christusbilder. Untersuchungen zur christlichen Legende. 1. Hälfte. Darstellung und Belege 1899

Rezensent:

Achelis, Hans

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Theologifche Literaturzeitung. 1899. Nr. 24.

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Orthographie, manches Wort wird auf verfchiedene Weife
gefchrieben, und aus diefen verfchiedenen Schreibungen
laffen fich manchmal Schlüffe auf die wirkliche Aus-
fprache ziehen. Daher find uns Paralleltexte doppelt
willkommen. Wenn z. B. das Wort für ,Gnade', welches
das paläftinifche Syrifch mit dem Hebräifchen gegen das
edeffenifche Syrifch gemein hat, Joh. Im ff. u. ö. entweder
t m.. oder ,-.4-, mit Artikel )j-p., gefchrieben wird, fo
bietet jene Schreibung die hiftorifche, diefe die phone-
tifche Orthographie, und es ift damit erwiefen, dafs das
ü in Affimilirung an das folgende ? auch dann zu 1 wurde,
wenn es von j durch einen Vokal getrennt war, vgl.
Nöldeke, Syr. Gramm. § 22; Schwally, Idioticon des
chriftl.-pal. Aram. S. 33. Zudem find in der römifchen
Hf. die Formen vielfach corrigirt, und diefe Correctur
ift fo gründlich vorgenommen, dafs felbft Lagarde's fcharfes
Auge das Urfprüngliche öfters nicht mehr erkennen konnte,
vgl. Lagarde, Mittheilungen IV 330: ,Der Dialekt braucht
die Artikelform der Nomina nur da, wo im Griechifchen
der Artikel fteht. Allerdings habe ich gelegentlich auch

Herausgeber Amelineau (in den Annales du Musce Guimet
Bd. 17 S. 238 ff.) wunderlich entftellt ift, fich aber, richtig
verftanden, mit einem Stück der Schmidt'fchen Ausgabe
identificiren läfst, wie R. Pietfchmann in den Nachrichten
der Gefellfchaft der Wiffenfchaften zu Göttingen, phil.-
hift. Klaffe 1899 S. 87 fr. zeigt. Intereffanter als das Fragment
ift die Notiz des Theodor-Biographen (Pietfchmann
S. 87): ,er befahl den (Ofterfeft-)Brief des Erzbifchof
Abba Athanafios zu überfetzen, und er wurde auf Aegyp-
tifch gefchrieben (und) er liefs ihn dem Klofter als Richt-
fchnur (vouoc) für fie'. Der Kanon des Athanafius, der
in diefem Briefe enthalten ift, wäre danach fofort von
der Pachomianifchen Kloftercongregation als Norm anerkannt
worden, und die erhaltene fahidifche Ueberfetzung
flammte aus dem Jahre 367. Allerdings verliert die Angabe
des Biographen wefentlich an Werth, wenn Theodor
, wie es nach anderen Nachrichten der Fall zu fein
fcheint (Pietfchmann S. 100) fchon im Jahre 363 geftorben
wäre; der Biograph würde dann irrthümlich dem Theodor
zufchreiben, was einer feiner Nachfolger gethan hätte.
Zwei weitere koptifche Fragmente theilte, ebenfalls

falfche Artikelformen herausgegeben, weil ich nicht fah, 1 mit deutfcher Ueberfetzung, O. von Lemm mit in der
dafs ein Aelteres unter dem jetzt vorhandenen Texte j Jmftfchrift zu Ehren von Prof. Daniel Chwolfon' (Berlin

ftak: ich bin aber überzeugt, dafs diefe Stellen zu emen
diren find. Vorläufig wollte ich nur was ich fah, vorlegen
'. Hier kommen die nicht übercorrigirten Sinai-
Hff. zu Hülfe; fie bieten gleich in der erften Perikope,
Joh. Ii—17, die beiden einzigen der Regel Lagarde's

1899) S. 189 ff. Er entnahm fie aus zwei Handfchriften
der Biblioteca Nazionale in Neapel, den Codices Borgiam
249 und 250. Das erfte enthält den Anfang des erften
Feftbriefes vom Jahre 329, mit einigen Abweichungen
vom fyrifchen Texte bei Cureton (überfetzt von Larfow);

wirklich widerfprechenden Formen A's v. 13 = u. a. wird eine gröfsere Lücke des Syrers durch den

dvÖQOg und Lj^ajs v. 14 = dlrjd-siaq richtig ohne Artikel. Kopten ausgefüllt. Das zweite ift der Anfang des
Doch ich mufs mich hier mit diefen Andeutungen j 25. Briefes vom Jahre 353, der bis jetzt unbekannt war.
begnügen. Ich kann nur noch meinem Bedauern Aus- | Ehe Ueberfchrift des erften Briefes: ,Dies find^ die Briefe
druck geben, dafs ich an der fo gut gemeinten und
fleifsigen Arbeit der englifchen Damen im Einzelnen fo
viel habe ausfetzen müffen, dafs meine Anzeige ihres
Werkes vermuthlich einen zu ungünftigen Gefammtein-
druck hervorrufen wird. Daher will ich zum Schlufs
nochmals hervorheben, dafs wir trotz der gerügten
Mängel den Herausgeberinnen zu grofsem Danke verpflichtet
find und ihre Publication mit den angegebenen
Einfchränkungen fehr wohl gebrauchen können. Ich
möchte den Wunfeh hinzufügen, dafs fie auch ferner
noch manchen glücklichen Fund thun und der Wiffen-
fchaft mehr gleich werthvolles Material zuführen mögen ;
wenn fie fich dann auf blofses Vorlegen des neuen Materials
befchränken und fich bemühen wollten, das, was
fie lefen, ganz zu verliehen und auch in fcheinbaren
Kleinigkeiten recht genau zu fein, fo würden fie uns zu
doppeltem Danke verpflichten.

Göttingen. A. Rahlfs.

unferes heiligen Vaters, Apa Athanafius, des Erzbifchofs
von Alexandrien, wegen des heiligen Ofterfeftes' fcheint
eine Sammlung der koptifchen Briefe vorauszufetzen, die
vielleicht, nach und nach, mehr oder weniger vollftändig,
aus den verfchiedenften Bibliotheken wiederherzuftellen
ift. — Herrn Prof. Pietfchmann bin ich wiederum für
manchen Hinweis zu Dank verpflichtet.

Göttingen. Hans Achelis.

Dobschütz, Ernst von, Christusbilder. Unterfuchungen zur
chriftlichen Legende. 1. Hälfte. Darftellung und Belege
. (Texte und Unterfuchungen zur Gefchichte der
altchriftlichen Literatur. Hrsg. von Oscar von Gebhardt
und Adolf Harnack. Neue Folge, 3. Band,
Heft 1/2, der ganzen Reihe XVIII, 1/2.) Leipzig,
Hinrichs, 1899. (X, 294 u. 335 S. gr. 8.) M. 20.-—

,Von Chriftusbildern handelt dies Buch. Der wird
enttäufcht werden, der, den Untertitel überfehend, eine
Festbriefe des Athanasius. kunftgefchichtliche Studie erwartet ... Ich habe mich

, . , ,,7-ri- r, r abfichtlich von den eigentlich archäologifchen und kunft'

In den Nachrichten der Gefellfchaft.der Wiffenfchaften gefchichtlichen Fragen fern gehalten, um nicht unnötig
zu Gottingen, ph.l.-hift. Klaffe 1898 S. 167 ff. publ.cirte dem Dilettantismus zu verfallen. Studien zur Religions-
C Schmidt ein Fragment des 39. Feftbriefes vom Jahr gefchichte, auch zur Konfeffionskunde kann man die
367' in koptifcher Verhört aus dem Cod. Copt 151 der vorliegenden nennen. Denn in der Legende legt das
Nationalbibliothek in Paris saec. X-XI. und fugte eine Volk oft den beften Theil feines religiöfen Empfindens
deutfehe Ueberfetzung mit längerer Abhandlung bei. j nieder , Es lohnt fich jedenfalls, mit diefen Legenden
Dazu bemerkte W E. Crum in dem Archaeological fich zu befchäftigen, vor allem in einer Zeit, wo die
report 1897/8 des Egypt Exploration Bund S 60 dafs - Pfychologie als Weg aller Erkenntnis, auch auf dem

'.ich noch andere Fragmente derfelben Handfchrift mit
Stücken deffelben Briefes in Paris und Oxford befänden.

Ein Citat aus dem 39. Brief hat fich in der Vita des
Theodorus Tabennefiota wiedergefunden, das durch den

heften Willen nicht ernft zu nehmen vermag. Uebrigens find Mrs, Lewis'
Angaben S. XIV über die erfte jener Varianten fehr fehlerhaft: A hat
die Unform yjj w^Llo ebenfo wenig, wie B und C das gleich unförmige
viVim-.I^c, fondern A hat -.jjiii:, dies wurde in B zu ^"-f V
verlefen und dies in C in l.Cz corrigirt falfo ift C hier von B

oder von einer Hf., die denfelben Fehler wie B hatte, abhängig).

Gebiete der Religion gilt. Nicht in Konzilsbefchlüffen
und dogmatifch - polemifchen Werken der Theologen,
nur in der Legende kann man die religiöfe Volkspfych°-
logie ftudieren'. — Mit diefen Schlufsworten feiner Vorrede
hat der Verfaffer felbft fein Buch am beften charak-
terifirt. Er behandelt die Legenden von den ,nicht m'
Händen gemachten' Bildern, den fog. Achiropoii'ten. D«e
berühmteften unter ihnen find die Bilder von Kamulian3-
von Edeffa und die fog. Veronika, denen der Verfafler
die Capitel 3, 5 und 6 widmet. In Capitel 4 find di
unberühmteren Bilder wunderbarer Herkunft befprochen,