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Ausgabe:

1899 Nr. 24

Spalte:

655-657

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wordsworth, Johannes

Titel/Untertitel:

Novum Testamentum Domini Nostri Jesu Christi Latine secundum editionem Sancti Hieronymi. Pars prior. Quattuor Evangelia 1899

Rezensent:

Gebhardt, Oscar

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655 Theologifche Literaturzeitung. 1899. Nr. 24. 656

1652 XV f. 48'* (= c) abgefchrieben habe. Hier wird Sach. I2M I gelia. Oxford, Clarendon Press, 1889—1898. (XXXVIII,

779 S gr 4)

Ueber die erften drei Lieferungen diefer monumentalen
Vulgataausgabe habe ich Th. L. Z. 1891 Sp. 421 f-
und 1893 Sp. 497 f. berichtet. Der vierten, welche im J.
1895 den Text des Johannesev. brachte, ift nunmehr die
den erften Band abfchliefsende fünfte Lfg. gefolgt, die
unter dem Titel Epilogus in der Hauptfache dasjenige
enthält, was man fonft in den Prolegomena zu finden
gewohnt ift.

Das erfte Capitel (S. 655—672) handelt, nach einer
kurzen, ,de Hieronymi propositd überfchriebenen Einleitung
, von der Befchaffenheit der von ihm benutzten
griechifchen Handfchriften. Das Problem ift ein fchwieriges,
obfchon es durch die Wahrnehmung, dafs Hieron. die
Evangelien nicht frei aus dem Griechifchen überfetzt,
fondern einen dem Cod. Brix. (f) verwandten lateinifchen
Text zum Ausgangspunkt genommen hat, nicht unwefent-
lich vereinfacht wird. Das Refultat ihrer forgfältigen,
durch mehrere Tabellen erläuterten Unterfuchung faffen
die Hrsg. dahin zufammen, dafs fie zwei Gruppen von Handfchriften
bez.Lesarten unterfcheiden: 1) folche, die von allen
uns bekannten abweichen, 2) folche, die im wefentüchen
mit 55 B L übereinftimmen. Die für den vorwiegenden
Einflufs der unter 2) genannten Handfchriftengruppe angeführten
Beifpiele find überzeugend; weniger einleuchtend
, .,. XT . die Beobachtungen, auf welche genützt die Hrsg. die
VvkioixovNa&avxaVttibx* domus Natan ^WomnsNathan Benut eines Xextes mit jetzt ganz verfchollenen
£avxrjv xai ai yvvaixec seorsum et muheres seorsum et Multens t> • j 11 n. c^iUn

avxiov xa& xavxaq eoium seorsum eorum seorsum Lesarten annehmen. Denn in den allermeiften haue»

13ipvXn ocxov Aevc xa» tribus domus Leui famiiiae domus Leui dürften die dabei in Frage kommenden Varianten aut

EaVTW Vtfl tri -jxvrr ivcr- e.nrciim r-t /*'-—-

bis 13, in folgenden beiden Formen citirt:

t '..-•:«; , ob

dixit dominus : . .

11 in die illa magnilicabitur planctus in Jherusalem . illa die . . .

12 et plangent super tribus unus quisque seorsum . . f A . .

tribus David seorsum
et uxores eorum s.

13 tribus symeon domus Leui seorsum /tr- Leui a

...... (tr. domus d leui b

et uxores eorum seorsum . . " .

tribus Symeon seorsum . simei

et uxores eorum seorsum ....
tribus domus Dan seorsum
et uxores eorum seorsum

1 In illa die erit Iuctus apparens . die illa . . apertus
et Jherusalem erit transmigrata . erit Jher. .

Hiermit vergleiche man

LXX Hier in comm. vulg.

11 SV zrj rjfixoa xxsivrj in die illa magnus in die illa magnus
ßEyaXvv'rrjCSExai o xo- erit planctus in erit planctus in
nxxoq ev lxQOvaaXrjß Jerusalem sicut Jerusalem sicut

cur; xonxxoq Potovoq planctus malogranati planctus Adadremmon
EV7t£Öi(DEXX07iX0fJEV0v quodincamposucciditur in campo Mageddon

12 xai xovjstui rj ytj xaxa et planget terra per et planget terra fami-
ipvXaq ipvXaq tribus ac tribus liae et famiiiae seorsum

yt'Vatxt-; nm xutt eueruc]

ipvXrj otxov /Javid xa& tribus David famiiiae domus D a u i d

EavxrjV xai ai yvvaixxq seorsum et mulieres seorsum et mulieres

avxiov xa(t xavxaq eorum seorsum eorum seorsum

tribus domus I 11 d a s . et
mul. eor. s.

savxrjv xai ai yvvaixxq seorsum et mulieres seorsum et mulieres

avxiov xa'r xavxaq eorum seorsum. eorum seorsum

ipvXrj xovXvpi Em vxaf> tribus Symeon famiiiae Semei

EavxrjV xai ai yvvaixxq seorsum et mulieres seorsum et mulieres

avxiov xafr xavxaq eorum seorsum eorum seorsum

14 naaai ai VTioXxXxißßX omnes reliqui omnes famiiiae

vai ipvXai ipvXrj xafr tribus reliquae famiiiae

EavxrjV xai ai yvvaixxq seorsum et mulieres et famiiiae s. et mul.

avxiov xa& xavxaq eorum seorsum eorum seorsum

1 sv xrj rjpiEQa Exsivrj in die illa in illa die

xoxui nuq xonoq öiavoi erit omnis locus aper- erit fons patens
yoßsvoq xtooixto daviö tus in domo Dauid domui Dauid

xai xotq xaxoixovaiv et habitantibus et habitantibus

IxgovaaXrjß xiq xijv Jerusalem et in Ierusalem in ablu-

usxaxivrjaiv xai xiq transmutationem tionem peccatoris

xov ytoQiauov. et in aspersionem et menstruatae.

Hier tritt ganz deutlich ein altlateinifches Element in magnificabi-
tur, tribus, uxores hervor. Der von Hier, im Commentar vorausgefetzte
Text fteht gleichfam in der Mitte zwifchen c ab und vg. Vor allem aber
liegen in den Namen bedeutfame Correcturen vor. Die Feinheit des
Originales, dem vg entfpricht, dafs Königs- und Priefterftamm mit je
einem Familienzweige genannt find, um die allgemeine und doch bis ins
einzelne Haus dringende Trauer zu malen, ift fchon bei den LXX verkannt
, indem ftatt der wenig bekannten Familie der Simeiten der Stamm
Symeon eingefetzt ift. Das hat innerhalb der LXX weitergewirkt, indem
an Stelle von Leui Juda, der Königsftamm, eingefetzt wurde («* 49),
bei Hier, als 5. Glied neben David. In unferem Citat aber ift der Gedanke
an die ,Zwölf-Stämme' durchgeführt: c läfst David aus, macht aus
Nathan Dan und (teilt dies entfprechend nach Levi, Symeon. Dafs die
Vorlage David bot, beweifen ab, welche diefes Glied im Stile des alt-
lateinifchen Textes haben; übrigens find fie aber nach vg corrigirt: das
beweift Simei, und die Streichung von Dan, worüber nun Nathan ganz
ausgefallen ift. Es liefsen fich noch manche Bemerkungen an diefen Text
knüpfen, zumal an 12,2, wo in c ein terram oder eam ausgefallen zu fein
fcheint, und an 13,, wo apertus ab noch eine Erinnerung an LXX locus
apertus enthält; Iuctus apparens (teilt eine lediglich dem Context ent-
fprungene Correctur dar; transmigrata fcheint für piaxaxivrjaiv die LA
UEXOixrjOiv 62 86 147 vorauszufetzen. Das Gefagte mag genügen zum
Beweife dafür, wie fich die von Corffen richtig beobachteten und fein
dargeftellten Entwicklungstendenzen auch an anderen Texten erproben.

Jena. v. Dobfchütz.

Nouum Testamentum Domini nostri Jesu Christi latine secun-
dum editionem Sancti Hieronymi ad codicum manu-
scriptorum fidem recensuit Episcopus Johs. Words- |

worth s t p ; • • * * a «. rr einwenden laffen. Der dritte bedarf eines Commentar»

7 i ' a °?enS societatem adsum*° Henr. Er geht von der Beobachtung aus, dafs nicht feiten, che
Juliane- White, A. M. Pars prior. Quattuor Euan- j lateinifchen Hff. variiren, wo im Urtexte der gleiche

Flüchtigkeit oder Freiheit des Ueberfetzers zurückzuführen
fei.

Das 2. Cap. bringt Nachträgliches zu vier Hff., über
welche die Hrsg. feit dem Erfcheinen der erften Lieferungen
Näheres in Erfahrung gebracht hatten (S. 672 f.
das 3. ,Capitula noua1 zu allen vier Evangelien: eine
werthvolle Ergänzung zu den vor den einzelnen Ew. abgedruckten
Capiteltafeln (S. 674—704). Im 4. Cap. unterrichten
uns die Hrsg. über Heimath und Befchaffenheit
der von ihnen benutzten Handfchriften. An der Spitze
der erften und vorzüglicheren Claffe fteht der Cod. Antiat.
mit feiner angelfächfifchen Gefolgfchaft; dazu gefellen
fich der Cod. EorojuL, der aus Capua (lammende Ful"
densis und andere italienifche Hff. Auffallend ift, das
von den befferen Exemplaren diefer Gruppe keines mit
Sicherheit auf Rom, den Urfprungsort der Ueberfetzung,
zurückgeführt werden kann. Eine zweite, minder reine
Claffe begegnet uns in den Hff. irländi fcher, gallifcher
und fpanifcher Herkunft (S. 705—719). Anhangsweife
werden im 5. Cap. die Recenfionen Theodulfs u. Älcuins
und die gedruckten Texte kurz behandelt (S. 719—724''
Mussten bei der überaus complicirten Ueberlieferung
und der gewaltigen Maffe der vorhandenen Hff. d'e
Hrsg. von der Aufftellung eines Stammbaumes abfehe'1
und damit auf Anwendung der fogenannten genealo-
gifchen Methode bei der Herftellung des Textes verzichten
, fo ergab fich die Nothwendigkeit, leitende Ge-
fichtspunkte anderer Art zu gewinnen. Nach langwierig611
Einzelunterfuchungen haben fie fich für die folgende
Grundfätze entfehieden, welche den Gegenftand de
6. Capitels bilden (S. 725—732): / Übt Codices nostft »
partes eant, lectio quae in ueteribus Latinis non app<*r '
probabilior est. II. Codices qui cum Graecis 8 B L j°
cordant plerumque textum Hieronymianum osteiidj1 •
III. Uera lectio ad finem uictoriam reportat. IV- '
breuior lectio probabilior sit, Codices A F H* M'V Plerü".^
que praeferendi sunt. Der erfte Canon ift von vorn he r
einleuchtend und auch gegen den zweiten und vier
wird fich in der gewählten Faffung {plerumque) n)f^r^