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Ausgabe:

1899

Spalte:

649-652

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Strack und Zöckler‘s kurzgefaßter Kommentar zu den heiligen Schriften A. und N. Testaments. 6. Abtheilung 1899

Rezensent:

Löhr, Max

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Theologische Literaturzeitung.

Herauscecreben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Göttingen.

Erfcheint Preis
alle 14 Ta"-e Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark.

NE; 24.

25. November 1899.

24. Jahrgang.

Strack und Zöckler's Kurzgefafster Kommentar
zu den heiligen Schriften, Altes Tefta-
ment, 6. Abth. (Löhr).

Corffen , Zwei neue Fragmente der Weingartener
Prophetenhandfchrift (v. Dobfchütz).

Novum Testamentum Domini nostri Jesu Christi
latine secundum editionem Sancti Hieronymi
edd. Wordsworth et White, Pars prior
(v. Gebhardt).

Lewis and Gibson, The Palestinian Syriac
Lectionary of the Gospels (Rahlfs).

Feftbriefe des Athanafius (H. Achelis).

Dobfchütz, v., Chriftusbilder, i. Hälfte [Texte
und Unterfuchungen von Gebhardt und Harnack
, N. F. III, 1—2] (II. Achelis).

Böhmer, Brennende Zeit- und Streitfragen der
Kirche, III u. IV (Eck).

Strack und Zöckler's kurzgefafster Kommentar zu den
heiligen Schriften A. und N. Testaments. A. Altes Tefta-
ment. Sechfte Abtheilung. München, C. H. Beck,
1899. (gr- 8.) M. 6.— ; geb. M. 7.50

Inhalt: Kefsler, Konfift.-Rath Paft. Lic. Hans, Die Pfalmen. 2. Aufl.
(XX, 302 S.) — Strack, Prof. D. Hermann L., Die Sprüche Salomes
. 2. theilweife neubearb. Auflage. (VIII, 104 S.)

1. Kefsler's Commentar zu den Pfalmen ift eine
völlige Neubearbeitung der erften, von F. W. Schultz
gelieferten Auflage, und muls feine grofse Sorgfalt und
'ein im Allgemeinen befonnen abwägendes Urtheil anerkannt
werden; um fo mehr, als das Ganze, wie das Vorwort
fagt, ,eine Frucht fpärlicher Nachtftunden ift,
Welche dem Verf. in feinem arbeitsreichen Doppclamt
verblieben'.

In der Einleitung werden die gewöhnlichen ifagogi-
fchen Probleme in gedrängter Kürze behandelt, S. VII
-jX-X. Mit Recht wird S. XVIf. die Zahl der Ich-Pfalmen,
die als urfprüngliche Gemeindelieder anzufehen find, ein-
gefchränkt. Mit Recht wendet fich auch K. S. XVIIf. gegen
»die Vorausfetzung, dafs a priori für jeden einzelnen Pfalm
"achexilifche Herkunft angenommen werden müffe', und
ficht m. E. zutreffend in ip 46 und 48 Lieder, welche
auf die Kataftrophe Sanheribs vor Jerufalem Bezug haben.
Nicht völlig zuftimmen kann ich in folgenden Punkten:
S. XVII glaubt K. von der Thatfache des um 300 v. Chr.
fertig vorliegenden altteftamentlichen Kanons aus, die durch
den hebräifchen Sirach geftützt wird, gegen die Annahme

die Schwierigkeit, indem er ohne Noth LXX dem MT
vorzieht. In ip 72 entfeheidet er einfach, ,die Beziehung
des Pfalms auf einen ausländifchen König ift unmöglich.'
— S. XV beklagt fich K., dafs man der Ueberfchrift
"jnb zu wenig Glauben beimeffe. Er hätte doch feiner-
feits neben der wiederholten thatfächlichen Unrichtigkeit
gerade diefer Ueberfchrift die Nichturfprünglichkeit derselben
überhaupt und auch das Auseinandergehen von
MT und LXX mehr berückfichtigen füllen. Ebenfo hätte
m. E. bezüglich der hiftorifchen Ueberfchriften erwähnt
werden mühen, dafs man folche Notizen noch in fpätefter
Zeit hinzugefügt hat. Im Commentar, auf den wir ver-
wiefen werden, wird die Richtigkeit der Ueberfchrift zu
ip 3 anerkannt; ip 4 wird der gleichen Situation aus dem
Leben Davids zugetheilt. Zu ip 52 heifst es, die Ueberfchrift
paffe ,in allewege vortrefflich'. Ebenfo zu ip 60.
Abgelehnt wird Ueberfchrift und davidifche Abfaffung
bei ip 57. 59. 63. Uebrigens werden ip 72. 127 und 90
für unecht erklärt. — Zu S. IX über das Schwanken der
Zahl der Pfalmen zwifchen 147—150 hätte Graetzen's
Erklärung wenigftens angeführt werden können. — Bei
der Ueberfchrift zu ip 92 werden wir S. 201 auf die Einleitung
verwiefen. Dafelbft findet fich aber keine Bemerkung
weder über diefe Ueberfchrift noch über die
ganze Notiz im Traktat Thamid VII 4. In den betreffenden
Pfalmen ift allerdings auf letztere, mit Ausnahme
von tp 48 Montag und ip 81 Donnerstag, eingegangen
. — Ueber die planmäfsige Ordnung des Pfalters
war vielleicht auch eine Bemerknng nicht ganz über-

makkabäifcher Pfalmen fich ausfprechen zu follen. Bei hüffig, zumal Fz. Delitzfch hierüber beachtenswerthe Be
V> 44 74 7Q die heute allgemein für makkabäifch ge- obachtungen mitgetheilt hat.

halten werden, erfcheint ihm diefe Herkunft unwahrfchein
hch. Höchflens will er in ip 149» wegen feines jüdifch

Zur Charakterifirung des theologifchen Standpunktes
des Commentars führe ich an: S. 33 zu ip 16: ,Es ift

zelotifchen Geiftes und des Ausdrucks CTOn bHp V. 1 j zwar richtig, dafs die Ausleger, welche die chrirtliche

e'nen Makkabäer-Pfalm fehen, der ,noch nachtraglich
kanlafs in das Gefangbuch Israels gefunden hat und ihm
an Ende angereiht ift'. Wie weit der hebräifche Sirach
!" die Frage der Makkabäer-Pfalmen Licht bringt — die
Möglichkeit deffen bezweifle ich keinen Augenblick —,
Hufs vorläufig noch unentfehieden bleiben. Dafs ip 149
aiJf die makkabäifche Zeit bezogen werden kann, ift
"nbeftreitbar. Ebenfo unbeftreitbar ift aber auch — neben
Hehreren anderen Argumenten — dem Ausdruck D'iV'On74,2

'e gleiche, wenn nicht gröfsere Beweiskraft zuzugeftehen,
gle I494i gegen S. 170. 301. — S. XVIII findet fich der

atz: ,Pfalmen, in denen der König Israels vorkommt,
Hüffen vorexihfeh fein'. Die Bezeichnung ,König' wird

Auferftehungshoffnung hier haben finden wollen, über-
fehen haben, dafs es fich um die Bewahrung des Frommen
nicht nach dem Tode, fondern vor dem Tode
handelte. Noch weniger indefs werden die Neueren dem
Dichter gerecht, welche in den vv. 9—II lediglich die
gewiffe Erwartung einer Bewahrung vor drohender Todesgefahr
bezeugt fehen'. Das ift eine ,Entleerung'. Delitzfch
trifft das Richtige: ,Es ift alfo die Hoffnung nicht
zu fterben oder fterbend nicht zu fterben, welche David
v. 10 ausfpricht' Und zwar umfafst diefe Hoffnung die
gefammte Perfönlichkeit des Frommen: vgl. v. lOb "HTB3.
Sie ift fo wenig finnlos (Baethl), dafs fie fich vielmehr
ohne Zwang jener langen Reihe altteftamentlicher Aus-

-n den Pfalmen gebraucht für den irdifchen, den himm- fagen eingliedert, nach welchen der Tod trotz feine

''fehen und den meffianifchen König und infofern fchliefs- fahrungsmafsig ausnahmslofen Allgemeinheit im Grunde

''eh auch für das Volk felbft. K. will feinen Satz ge- doch em Widerfpruch mit der Idee des Menfchen als

Wife nur aufrecht erhalten für den Fall, dafs den gejfhger Perfönlichkeit ift'. - Oder zu S. 50 zu ip 22:
"•difchen König Israels bezeichne. Aber gerade das , Die Erfahrungen des Pfalmiften in Leiden und Errettung

wird i„ vielen Fällen recht ftrittig fein. Zu ip 2 fetzt K flehen fich als ein we.sfagender Typus dar, als eine der

das felbft auseinander. In ip 20,10 befeitigt er kurzer Hand zahlreichen im Intereffe der Heilspädagogie von Gott

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