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Ausgabe:

1899 Nr. 2

Spalte:

43-44

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Conybeare, Fred.

Titel/Untertitel:

The Armenian Canons of ST. Sahak 1899

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologifche Literaturzeitung. 1899. Nr. 2.

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der Synagoge fich befinden müffe oder unmittelbar vor
der heiligen Lade fein dürfe, S. 93—107), Was lehrt der
Talmud über Schaufpiel, Mufik undGefang? (S. 108—118),
Der Gefang in den orthodoxen ungarifchen Synagogen
(S. 119—132), Die Rechte Unverheiratheter in der Gemeinde
(S. 146—157), Die Amtstracht der Rabbinen
(S. 217—234), Fahren am Sabbath (S. 299—329). Rein
hidorifch ift der kurze Auffatz über die Titel Rabbi und
Rabban (S. 211—216).

Unter den auf die Gefchichte der Juden in Ungarn
bezüglichen Auffätzen ift der umfaffendfte: ,Schickfale
und Beftrebungen der Juden in Ungarn' (S. 371—435),
welcher eine Ueberficht hierüber vom Anfang des II, bis
zum Ende des 18. Jahrh. giebt. Als Ergänzungen fchliefsen
fich an: Zur Gefchichte der ungarifchen Sabbathäer
(S. 437—457), Die ungarifchen Municipien und die Juden
(S. 459—471). Andere Auffätze haben mehr das prak-
tifche Intereffe der Emancipation und geiftigen Hebung
der ungarifchen Juden im Auge, geben dabei aber auch
hiftorifchen Stoff.

Mögen diefe Mittheilungen genügen, das Intereffe
chriftlicher Lefer für die Sammlung zu wecken.

Göttingen. E. Schürer.

Dobschütz, E. v., A hitherto unpublished prologue to the
Acts of the Apostles, probably by Theodore of Mops-
vestia. (The American Journal of Theology edited
by the Divinity Faculty of the University of Chicago,
vol. II, 1898, p. 353—3S7)-

Burton, E. de Witt, The Poiitarchs (The American Journal
of Theology vol. II, 1898, p. 598—632).

Conybeare, Fred. C, The Armenian Canons of St. Sahak

Catholicos of Armenia, 390—439 A. D. (The American
Journal of Theology vol. II, 1898, p. 828—848).

Das von der theologifchen Facultät der Univerfität
Chicago herausgegebene American Journal of Theology
hat jetzt feinen zweiten Jahrgang vollendet. Es läfst fich,
was theologifche Richtung und wiffenfehaftlichen Charakter
anlangt, vielleicht am meiften mit unteren ,Studien
und Kritiken' vergleichen, nur dafs die Referate über
neu erfchienene Bücher in dem amerikanifchen Journale
zahlreicher find und einen gröfseren Raum einnehmen
als in den Studien und Kritiken. Wie fehr die Redaction
bemüht ift, die Beziehungen zur deutfehen Theologie zu
pflegen, zeigt die ftarke Berückfichtigung der letzteren
bei den Bücher-Befprechungen. Aus dem mannigfaltigen
Inhalte des letzten Jahrganges haben wir die drei obigen
Auffätze herausgehoben, weil Nr. 1 und 3 literarifche
Inedita bringen, Nr. 2 aber infehriftliches Material zu-
fammenftellt, das in theologifchen Kreifen wenig oder
gar nicht bekannt ift. Deutfche Lefer mögen daraus
entnehmen, dafs die Zeitfchrift auch für uns von erheblichem
Werthe ift.

1. Der von Dobfchütz herausgegebene Prolog
zur Apoftelgefchichte ift aus einer griechifchen Hand-
fchrift der Nationalbibliothek zu Neapel entnommen,
welche die Apoftelgefchichte, die katholifchen und pau-
linifchen Briefe und die Apokalypfe des Neuen Tefta-
mentes enthält (befchrieben in Gregory's Prolegomena
zu Tifchendorf's Nov. Test. p. 627 Nr. 83). Sie giebt
fol. 1 den Prolog des Euthalius zur Apoftelgefchichte
und dann fol. 3 einen zweiten Prolog zu diefem Buche,
von welchem in der Befchreibung der Handfchrift durch
Salvator Cyrillus (Codices Graeci MSS. Regiae Biblio-
ihecae Borbonicae descripti atque illustrati, Neapol. 1726,
I, p. 13—24) nur ein kleines Stück mitgetheilt ift. Dobfchütz
giebt den vollftändigen Text auf Grund von
zwei Abfchriften, welche Erich Förlter und James Hardy
Ropes angefertigt haben. Der Prolog ift aber thatfäch-
lich nicht ein Prolog zur Apoftelgefchichte, fondern das

Vorwort eines Commentares über die Apoftelgefchichte,
welchen der unbekannte Verfaffer auf Wunfeh eines
[ Bifchofs Eufebius gefchrieben hat. Wir erfahren daraus
, dafs der Vorgänger diefes Eufebius gleichfalls Eufebius
geheifsen hat, und dafs derfelbe Autor, welcher
jetzt dem Eufebius II den Commentar zur Apoftelgefchichte
fchickt, bereits für Eufebius I einen Commentar
zum Lucas-Evangelium gefchrieben hat. Da der Name
Eufebius überaus häufig ift, andererfeits unfere Kenntnifs
der Bifchofsliften eine fehr unvollftändige ift, fo geben
jene Notizen keine ficheren Anhaltspunkte. Dobfchütz
glaubt aber folche doch zu gewinnen aus einem Ver-
zeichnifse der Werke des Theodor von Mopfueftia bei
Ebed Jefu. Hier werden aufgezählt: Commentare zu
Lucas und Johannes in zwei Bänden ad Eusebium, ein
Commentar zur Apoftelgefchichte in einem Bande ad
Basilium, ein Commentar zum Römerbrief ad Eusebium.
Dobfchütz meint nun, hier bei Johannes und Apoftelgefchichte
eine Verwechfelung annehmen zu dürfen: bei
Johannes müffe es heifsen ad Basilium, bei der Apoftelgefchichte
ad Eusebium. Dann hätten wir ja genau das,
was wir fuchen. Und Dobfchütz fucht zu zeigen, dafs
auch innere Gründe für die Autorfchaft des Theodor von
Mopfueftia fprächen. So fcharffinnig dies alles ift und
fo forgfältig die gelehrte Beweisführung, fo fcheint mir
die Sache doch problematifch, da die Grundlage erft
durch Annahme eines Irrthums in der überlieferten Lifte
des Ebed Jefu gewonnen werden mufs. Immerhin liegt
die Vermuthung eines folchen Irrthums angefichts der
fonftigen Indicien nahe.

2. Auch Burton's Beitrag bezieht fich auf die
Apoftelgefchichte, nämlich auf die Act. 17,6. s erwähnten
jcoliräQXCti von Theffalonich, vor deren Tribunal die
Juden von Theffalonich ihre Klage gegen Paulus und die
dortigen Chriften vorbrachten. Diefe Bezeichnung der
Oberen einer Stadt ift feiten; ja die Form sioXitäQXTjq
kommt in der Literatur fonft überhaupt nicht vor (nur
scoXiapxoq und jtoXiraQXoq); und die Lexica und Commentare
zur Apoftelgefchichte pflegten bisher nur auf einige
wenige Infchriften zu verweifen. Burton aber ftellt 17
Infchriften zufammen, auf welchen jcoXiTäQxai oder jto-
XiraQXOvvrsq (letzteres häufiger) vorkommen, und aufser-
dem noch 2, auf welchen der Titel vielleicht durch Er-
gänzung herzuftellen ift. Von jenen 17 entfallen 13 auf
Macedonien, und von diefen wieder 5 auf Theffalonich
(im eigentlichen Griechenland kommt der Titel nicht vor).
Die fünf Infchriften von Theffalonich erftrecken fich auf
die Zeit vom Anfang des erften bis zur Mitte des zweiten
Jahrhunderts n. Chr. Die Zahl der Politarchen fchwankt
in Theffalonich zwifchen fünf und fechs.

3. Conybeare's Ueberfetzung der armenifchen Kirchenordnung
des Katholikos St. Sahak wird für die auf
diefem fpeciellen Gebiete Arbeitenden von Intereffe fein.

Göttingen. E. Schür er.

Braun, Prof. Dr. Oscar, De Sancta Nicaena Synodo. Sy-

rifche Texte des Maruta von Maipherkat nach einer
Handfchrift der Propaganda zu Rom überfetzt. [Kir-
chengefchichtliche Studien, hrsg. von Knöpfler, Schrörs,
Sdralek. IV. Band, 3. Heft.] Münder, H. Schöningh,
1898. (128 S. gr. 8.) M. 2. 80

In feiner kritifchen Lide der pfeudepigraphifchen
Schriften, in denen die Werke des Dionyfius Areopa-
gita citirt werden, erwähnte Stiglmayr (Das Aufkommen
der Pfeudo-Dionyfifchen Schriften u. f. w. 1895 S. 94 f.)
auch einen ,Brief des Clemens an Dionyfius', der fich in einer
Sammlung ,Historia Concilii Nicaeni' des Bifchofs Maruta
von Maipherkat (um 410) finde. Mittheilungen aus diefem
Briefe hatte ihm Prof. Braun gemacht. Die ganze Sammlung
id nun von Braun in deutfeher Ueberfetzung edirt
nach der (wie es fcheint jungen) Abfchrift eines Moffuler