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Ausgabe:

1899 Nr. 22

Spalte:

610-611

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Recueil des travaux rédigés en mémoire du Jubilé Scientifique de M. Daniel Chwolson, Professeur émérite à l‘Université de St.-Pétersbourg 1846 - 1896 1899

Rezensent:

Schürer, Emil

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6og Theologifche Literaturzeitung. 1899. Nr. 22. 610

Die Verhältnifse der Syrer in den letzten Jahrhunderten i fiTTDn tn« bü^ib lYrrnn anb, Recueil des travaux rediges

v. Chr. find fehr dunkel, und daher wird (ich das Alter
des Ruches kaum genauer beftimmen laffen. Darauf, dafs
der Verfaffer in der affyrifchen Gefchichte nicht gut
Befcheid weifs, darf man nicht viel bauen. Die Kenntnifs

en memoire du Jubile Scientifique de M. Daniel Chwolson,

Professeur emerite ä l'Universite de St.-Petersbourg
1846—1896. [Umfchlag: Feftfchrift zu Ehren von Prof.

der Keilfchrift hat fich allerdings mindeftens bis in das Daniel Chwolfon.] Berlin, S. Calvary & Co., 1899
dritte Jahrhundert v. Chr erhalten, aber fie war um d.efe ([

Zeit gevvifs auf einen noch weit engeren Kreis befchrankt, S J y

als früher, und es werden kaum alle fchriftkundigen Syrer Diefe ,köftliche Speife für Daniel den köftlichen

auch in der affyrifchen Literatur Befcheid gewufst haben. , Mann' (Anfpielung an Daniel 10, 3 u. 11) umfafst folgende
Aber namentlich ein Punkt fei hier hervorgehoben, j neun Abhandlungen: L Zur Gefchichte des Tempelcultus
Die fpäteren Ueberfetzer und Abfchreiber haben von den j in Jerufalem, von Prof. Dr. A. Büchler (S. 1— 41). Die

behandelten Materien find: 1. Die Verlofung der Dienft-
gefchäfte, 2. Simon der Gerechte, 3. Die Signale im
Tempel für die einzelnen Dienftgefchäfte. Die Verlofung
der Dienftgefchäfte foll erft in den letzten drei Decennien
vor der Zerftörung des Tempels eingeführt worden fein.
Von Simon dem Gerechten erzählt eine Baraitha: ,So
lange er lebte, brannte die werbliche Lampe des Armleuchters
im Tempel 24 Stunden, dagegen fand man fie
nach feinem Tode fchon am Morgen bald brennend,
bald erlofchen'. Diefer Simon der Gerechte foll nach
B. identifch fein mit dem Hohenpriefter Ismael ben
Phiabi(ü), welcher 59—61 n. Chr. fungirte; und daraus
foll wieder folgen, dafs die in der Mifchna befchriebene
Ordnung der Bedienung des Leuchters erft kurz vor der
Zerftörung des Tempels eingeführt worden fei. Auch
die Signale für die einzelnen Dienftgefchäfte follen erft
damals eingeführt worden fein. Richtig ift gewifs, dafs
die Mifchna den täglichen Cultus im Tempel fo befchreibt,
wie er kurz vor der Zerftörung ausgeübt wurde. Aber
dafs dies alles erft kurz vorher ganz neu geordnet worden
fei, ift eine durch nichts zu beweifende Hypothefe Büch-
ler's (vgl. auch feine frühere Schrift: Die Priefter und
der Cultus im letzten Jahrzehnt des jerufalemifchen
Tempels, 1895; dazu: Theol. Litztg. 1895, 516). Es ift
im höchften Grade zu bedauern, dafs er feine ausgebreitete
Gelehrfamkeit in den Dienft zuchtlofer Phan-
tafien (teilt. — II. Biblifche Textkritik bei den Rabbinen,
von A. Epftein (S. 42—56), behandelt hauptfächlich ein
Verzeichnifs von Text-Varianten, welches aus einer Thora-
Handfchrift entnommen fein foll, die aus Jerufalem nach
Rom gebracht und dort in der Synagoge des Severus

Göttern Chikars nicht viel übrig gelaffen. Sie reden nur
allgemein von Göttern, bezw. Götzen, Gott oder dem
Gotte des Himmels. In der armenifchen Verfion hingegen
, wendet fich Chikär an Belsim, Simil und Samin.
Auch fpäter vergleicht er Sanherib mit Belsim. Diefer
ift kein anderer, als der wohlbekannte "jatDbya. Dafs man
denfelben fchon zur Zeit Sanheribs verehrt habe, ift un-
wahrfcheinlich, vielmehr dürfte der Autor Verhältnifse
feiner Zeit in eine frühere hineingetragen haben. Ja die
Stelle, in der Chikär das Uebergewicht des Himmelsgottes
über Sonne, Bei und Mond hervorhebt, die fich faft wie
ein Hymnus auf den Gott anhört, legt die Vermuthung
nahe, dafs der Verfaffer felbft zu den Verehrern des-
felben gehört habe. Die ältefle Erwähnung des Himmelsbaal
ift nun die in der Infchrift CIS I 139, die aus dem
zweiten Jahrhundert v. Chr. flammen dürfte. Viel weiter
wird die Verehrung desfelben auch nicht hinaufreichen. ')
Die foeben angeführte Stelle über den pwbya lautet
p. KD: Mein Herr Sanherib gleicht dem [Gotte des Himmels
] und feine Grofsen den Blitzen, die in den Wolken
find. Wenn er will, bildet er (von) Regen und Thau
[und] Hagel. Wenn er donnert, hindert er die Sonne zu
fcheinen und deren Strahlen gefehen zu werden, und
hindert den Bei ein- und auszugehen in der Strafse und
feine Grofsen gefehen zu werden, und hindert den Mond
zu fcheinen und feine Sterne gefehen zu werden'. Ich
bin jetzt der Anficht, dafs mit Bei der Planet Jupiter
gemeint fei, fchon weil er zufammen mit Sonne und Mond
genannt ift. Wer find aber feine Grofsen bezw. Diener oder
Priefter, wie es hier p. 133 und in anderen Verfionen heifst?
Ich erwog, ob vielleicht die Trabanten des Jupiter damit

gemeint feien, und erkundigte mich bei den beiden Aflro- j (OTTiCT SnCSDh) aufbewahrt worden fei. Epftein hält
nomen der hiefigen Univerfität, den Herren Proff. Harzer j diefen Codex für identifch mit dem von Titus als Beute
und Kreutz, ob es möglich fei, dafs diefelben fchon im ; nach Rom gebrachten {Jos. Bell. Jud. VII, 5, 5). Er hat
Alterthume bekannt waren. Beide fagten mir, dafs man 1 den Gegenftand fchon früher behandelt (Monatsfchrift
zwar bis jetzt keine Nachricht darüber habe, dafs aber für Gefch. und Wiffenfch. des Judenth. 1885, S. 337 ff.),
wiederholte Verfuche gezeigt hätten, dafs ein fcharfes j und kommt jetzt auf Grund reicheren handfchriftlichen
Auge auch ohne Fernglas die Jupitermonde fehen könne, j Materials auf denfelben zurück. — III. Le Premier livre
Somit fei die Möglichkeit nicht ausgefchloffen, dafs auch imprime en hebreu, par le Baron David de Günzburg
die Babylonier diefelben gekannt haben. Während nun j (S. 57—121). Giebt nicht nur eigene Unterfuchungen,
Herr Prof. Kreutz meint, dafs es näher liege, die .Grofsen' fondern theilt auch aus dem Archiv feiner Familie bisher
bezw. .Diener' oder, Priefter' auf die übrigen Planeten zu i ungedruckte bibliographifche Unterfuchungen zweier jü-
beziehen, hält Prof. Harzer dies nicht für wahrfcheinlich, J difcher Gelehrter aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts,
weil Jupiter nicht eine fo fehr dominirende Stelle unter , Carmi und Foa, in italienifcher Sprache mit. Das Re-
'hnen einnehme. Jedenfalls fei darauf hingewiefen, dafs j fultat ift, dafs der ältefte hebräifche Druck eine Ausgabe
Jenfen auch von den Keilinfchriften her auf die Ver- , des Jore dea (eines Theiles der Arba turim des Jakob
muthung kam, dafs den Babyloniern Jupitermonde be- j ben Afcher) ift, welche 1474 zu Ferrara erfchien. —
kannt waren (Kosmologie, p. 130). IV. Beiträge zur femitifchen Sprachvergleichung bei

Aus all dem Gefagten geht die Wichtigkeit des Buches Mofes Maimuni, von W. Bacher (S. 122—148). Stellt
hervor. Daher haben Herr Harris und feine Mitarbeiter fprachliche Erläuterungen des Maimonides zu einzelnen
durch die Sammlung und forgfältige Bearbeitung des Ma- Worten der Mifchna zufammen, und zwar I.Erläuterungen
terials einen jeden Freund der orientalifchen Erzählungs- aus dem biblifchen Hebräifch, 2. aus dem Aramäifchen
hteratur fich zu Dank verpflichtet. Auch die Ausftattung , der Targume, 3. aus dem Arabifchen, 4. Erklärungen
des Bandes verdient alles Lob. j griechifcher Wörter. Der Nachweis von Mifchna-Stellen

Kiel M Lidzbarski. lV;ielchen feltenere biblifche Worte vorkommen, ift

ielbftverftändlich auch von Werth für die Feftftellung

ihrer Bedeutung im biblifchen Sprachgebrauch. _ V On

1) Ob dem Umdande, dafs die Gehilfen des Henkers Nabusmakh the Relationship of the SO-called Codex ßabvlonin/i nf
'arther genannt werden, Bedeutung beizumeffen ift, werden andere viel- g f) r,,fi f„ fi,„ _,r .1. t/, — °j

'eicht belfer beurtheilen können. In dem Epitheton desfelben TOD
QÜrfte eine affyrifche Amtsbezeichnung (lecken (St. skn?), im erden Worte
allein oder in beiden.

A. D. 916 to the Bastern Recension of the Hebrew Text
by C. D. Ginsburg (S. 149-188). - VI. Zwei koptifche
Fragmente aus den Feftbriefen des heiligen Athanafius,

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