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Ausgabe:

1899

Spalte:

571-572

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Thieme, Karl

Titel/Untertitel:

Eine katholische Beleuchtung der Augsburgischen Konfession 1899

Rezensent:

Cohrs, Ferdinand

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Seite 1

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37i

Theologifche Literaturzertung. 18915; Nr. 20.

572

zufchrieb, Francke als Begründer der Bibelanftalt nach- I der Regierung Karls V.' auf ße hingewiefen und in dem
gewiefen haben. Schade, dafs bei dem Ueberblick über l Artikel: , Augsburgifche Confeffion' im Wetzer und Weite's
die erften Publicationen der Bibelanftalt nicht die Titel ' Kirchenlexikon he feftgelegt hat, haben vorliegende

der für die Gefchichte der Bibelverbreitung und für die
Geftaltung des heutigen Bibeltextes fo wichtigen alterten
Hallifchen Bibeln reproducirt find. Die Zeitfchrift wäre
dafür doch gerade der rechte Ort gewefen. Es wäre
wünfchenswerth, dafs die Reproduktion noch nachgeholt
würde; mancher würde dafür dankbar fein. Ein Artikel
ift dem kirchengefchichtlichen Apokryphon von der
Päpftin Johanna gewidmet, das als Beitrag zur Curiofitäten-
Litteratur behandelt wird. Doch noch zahlreiche andere
Artikel müffen den Theologen intereffiren. So W. L.
Schreiber's Auffätze über die Totentänze (S. 291 ff. u. 321 ff.),
die diefes für die Religiofität unferer Voreltern fo bezeichnende
Kunftgebiet aufs befte illuftriren, oder Dr.
Jean Loubier's Auffatz: dieKunft im Buchdruck (S. 424 ff.),
gleichzeitig Bericht über die Sonderausftellung von Druckwerken
u. f. w. im Kgl. Kunftgewerbemufeum zu Berlin,
der gerade aus der reliöfen Literatur zahlreiche Repro-

Brofchüre veranlafst.

Auf die Frage, ob die Vorrede der Augsburgifchen
Confeffion — vorausgefetzt, dafs fie fo zu interpretiren
wäre, wie Onno Klopp fie auslegt — wirklich dem Papfte
heute noch das Recht gäbe, die Proteftanten auf ein allgemeines
Conzil zu laden, geht Thieme nicht weiter
ein. Mit Recht, denn einmal ift diefe Vorftellung zu
abenteuerlich, andererfeits wird die Frage durch die
richtige Auslegung der Vorrede von felbft hinfällig.

An ein ,gemein, frei, chriftlich Concilium' hatten die
Unterzeichner der Augsburgifchen Confeffion appellirt.
Der richtigen Auslegung diefer entfcheidenden Worte gilt
deshalb zuerft Thieme's Arbeit.

Er weift nach, dafs mit jenen Worten die Forderung
ausgefprochen war, dafs 1. das Conzil in deutfchen
Landen tage, dafs 2. auf ihm auch die Laien Redefreiheit
und Stimmrecht befäfsen, dafs es 3. frei fei vom Papft

duktionen bringt: z. B. das Fakfimile einer Seite aus | und 4. frei von den Befchlüffen der früheren Conzile.

der erften Ausgabe der Ars moriendi; Reproductionen aus
Schedel's Chronik, aus Koberger'fchen Druckwerken, aus
Holbein's Bibel von 1538, aus der Lufft'fchen Bibel von
1558, aus Stimmer's Holzfchnittbibel von 1576 u. f. w

Indem Thieme diefen Nachweis gerade aus den Einwänden
und Bedingungen führt, durch die die Kurie das vom
Kaifer wirklich beabfichtigte Conzil zu vereiteln fuchte,
zeigt er zugleich, dafs Papft und Kardinäle die Worte:

Unter den politifchen Carricaturen aus der Zeit des ,,gemein, frei, chriftlich' feiner Zeit ganz richtig verftanden

dreifsigjährigen Krieges von Dr. Rud. Wolkan (S. 457 ff.)
find naturgemäfs viele auch kirchengefchichtlich interef-
fant; ich nenne nur das antipapiftifche Spottbild: Lutherus
triumplians. Heinz Königs Abhandlung über Georg Leop.
Fuhrmann's Schriftprobenbuch von 1616 (S. 220 ff), der

haben.

Aber noch mehr: jene Appellation an ein Konzil
wird erft recht verftändlich, wenn man fie durch andere
wichtige Worte der Vorrede näher illuftrirt: durch die
Worte ,aus Grunde göttlicher heiliger Schrift', ,mit Gott

Artikel: vom Antiquariatsmarkt vom Herausgeber (S.487ff.), j und Gewiffen', ,ein jeder Liebhaber chriftlicher Religion',
die Nachrichten über die Bibliotheken Jon. Fifchart's ■ Aus ihnen geht hervor, dafs auf dem von den Proteftanten

(S. 21 ff. von Ad. Häuften) und Mofcherofch's (S. 497 ff
von Ad. Schmid), endlich das Referat: Zur Bibliographie
der Reformationszeit von Joh. Luther (S. 441 ff.) enthalten
ebenfalls Beiträge zur theologifchen Literatur.

geforderten Conzil nur die heilige Schrift, das in Gott
gebundene Gewiffen und der gefunde Cüriftenverftand
entfcheidend fein follten. Diefe aber — das fagten ftch
die Proteftanten im Vertrauen auf ihre gute Sache

Die Ausftattung ift, wie fchon beim erften Jahrgange mufsten zu ihren Gunften entfcheiden. Sie fagten fleh

anerkannt wurde, vorzüglich.
Efchershaufen (Brfchw.). Ferd. Cohrs.

Thieme, Prof. Karl, Eine katholische Beleuchtung der Augsburgischen
Konfession. Leipzig, Dürr'fche Buchh., 1898.
(44 S. gr. 8.) M. —.80

Im Jahre 1868 veröffentlichte Onno Klopp in den I feffion noch auf dem Boden der alten Kirche ftehe, fage"
.r,r.iit rjiytf„,„ r,;, j„c i,,tu„i;<vi,P Dputc-Vilanrl doch nichts anderes, als dafs man die Bifchöfe wom

aber auch, dafs ein Conzil ,nach voriger Weife und Gewohnheit
' niemals nach ihnen entfcheiden würde.

Mit der Devotion gegen den Papft und die Bifchöfe
war es alfo fo weit nicht her, wie man aus der Vorrede
herauslefen möchte. Und auch die Sätze im letzten
Artikel der Auguftana, die nach Paftor die Anerkennung
der hiftorifchen Autorität enthalten und beweifen follen,
dafs in betreff der Verfaffung die Augsburgifche Kon-

Hift.-polit. Blättern für das katholifche Deutschland I doch nichts anderes, als dafs man die Bifchöfe
(I S. 148 fr. und 189fr.) einen Artikel: ,Das Verhältnifs t gelten laffen wolle, wenn fie die Gewiffen nicht zwingen
der Confeffion von Augsburg zu der päpftlichen Er- würden, menfchliche Satzungen zu halten, die man ohne
mahnung an alle Proteftanten'. Er wollte darin in vollem j Sünde nicht halten könne, und wenn fie die Lehre des
Ernfte nachweifen, dafs Papft Pius IX., der in feinem Evangeliums predigen liefsen, d.h. fich der Reformation
Schreiben vom 13. September 1868 alle Proteftanten anfchlöffen.

aufgefordert hatte, aus Anlafs des von ihm fürs künftige | Das etwa der Inhalt von Thieme's Schrift. Sie »»
Jahr berufenen vatikanifchen Konzils eilends in die j ein wichtiger Beitrag zum Verftändnifs der Vorrede de^
katholifche Kirche zurückzukehren, und für diefe An- ; Auguftana; gleichzeitig ift fie dankenswerth als Erinnerung
mafsung eine energifche Zurechtweifung von allen ! an jene wunderbare Aufforderung des Papftes und ai

intereflanter Beweis dafür, was tendenziöfe Gefchich""
betrachtung fertig bringen kann.

Efchershaufen (Brfchw.). Ferd. Cohrs.

Bibliographie

von Lic. theol. Paul Pape, Zehlendorf bei Berlin.
jDeutfcbc Hiteratur.

Schmidt, C, Die Entwicklung der altteftamentlichen Opferidee. Vxoff'

Breslau 1899. (29 S. 4.)
Kloppe, Der urfprüngliche Begriff des altteftamentlichen Opfers, f>

Nordhaufen 1899. (5 S. 4.) ,er.
Barth, F., Die Hauptprobleme des Lebens Jefu. Eine gefchichtl. uu
fuchg. Gütersloh 1899, C. Bertelsmann. (VII, 280 S. gr. 8.) go

4--;. ßn Abtb-
Schmidt, A., Hebräer 4, 14 bis 5, 10, eine exegetifche Studie.

Progr. Doberan 1899. (24 S. 4.)

proteftantifchen Kirchengemeinfchaften erfahren hatte, zu
diefer Aufforderung vollberechtigt gewefen fei. Er berief
fich dafür auf die Vorrede der Augsburgifchen Confeffion
. Sie werde meiftens nicht beachtet, fei aber in
Wahrheit der wefentlichfte Theil des Bekenntnifses, denn
,fie lege die eigentliche Subftanz, den Standpunkt, die
Bafis der Urkunde dar'. Aufs deutlichfte aber fpreche
fie aus, dafs die Unterzeichner einem allgemeinen Conzil
fich unterwerfen wollten. Da aber alle, die heute auf
die Augsburgifche Confeffion verpflichtet wären, auch
auf dem Boden jener Vorrede ftänden, fo müfsten fie
heute noch bereit fein, der Entfcheidung eines allgemeinen
Conzils fich zu unterwerfen.

Diefe Gedanken Onno Klopp's, die in der römifchen
Kirche vielen Anklang gefunden haben, namentlich feit
Profeffor Paftor in den ,Reunionsbeftrebungen während