Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1899

Spalte:

37-39

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Addis, W. E.

Titel/Untertitel:

The documents of the Hexateuch. Translated and arranged in chronologial order with introduction and notes. Vol. II. The Deuteronomical Writers and The Priestly Documents 1899

Rezensent:

Beer, Georg

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

37

33

Addis. W.E., M. A , The documents of the Hexateuch. Trans-
lated and arranged in chronological order with in-
troduction and notes. Vol. II. The Deuteronomical
Writers and The Priestly Documents. London, D.
Nu«, 1898. (X, 485 S. gr. 8.) sh. 10. 6.

Der 1892 erfchienene erfte Band diefes Werkes, im
Wefentlichen eine Generaleinleitung zum ganzen Hexateuch
und die Ueberfetzung der JE Quelle von Genefis-
Jofua enthaltend, ift nach feiner Anlage und feiner Bedeutung
für die Hexateuchkritik von K. Budde in diefer
Zeitung 1893. Sp. 157—159 eingehend befprochen worden
. Das von Budde gefpendete Lob kann im Allgemeinen
für die Fortfetzung und den Schlufs des Werkes
wiederholt werden. Ob der am Ende von Budde aus-
gefprochene Wunfeh, dafs der Abfatz des erften Bandes
die Herausgabe des zweiten und letzten ermöglichen möge,
der wirkliche Anlafs zur Vollendung des Werkes geworden
ift, weifs ich nicht, wie dem auch fein möge:
man kann dem Herrn Verf. zu der Krönung feines Werkes
durch diefen Schlufsband feine Glückwünfche nicht
vorenthalten und ihm für feine felbftverleugnende, müh-
fame Arbeit nur beften Dank zollen.

Dem confervativen Standpunkt des erften Bandes ift
der Verf. auch im zweiten Bande treu geblieben und
daher auch hier die feiner Meinung nach gefunde Mitte

wie ich glaube. Mögen Staerk und Steuernagel auch,
obwohl von den gleichen Prämiffen ausgehend, zu theil-
weife anderen Ergebnifsen gelangen, das berechtigt doch
noch nicht, die ganze Methode zu verwerfen. Der auffallende
Wechfel zwifchen üngularifcher und pluralifcher
Anrede in einzelnen Gefetzesgruppen des Hexateuchs
war fchon längft bemerkt worden, bereits Wellhaufen
hat in der Compofition des Hexateuchs 1889 S. 92 darauf
hingewiefen, dafs der Plural in der Anrede bei Ge-
fetzen des Bundesbuches (Ex. 21—23) als Leitfaden für
die Quellenfcheidung verwendbar fei — Staerk's und
Steuernagel's Anwendung diefes Satzes auf das Deuteron
, ift in gewiffem Sinne nur die Ausfuhrung des
Wellhaufen'fchen Programms.1) S. 171 macht Addis
felbft für das Heiligkeitsgefetz Lev. 17—26 auf den
Wechfel von Singular- und Plural-Anrede aufmerkfam,
ohne Confequenzen für die Quellenfcheidung daraus zu
ziehen. Als ich die Sache nachprüfte, ergab fich mir,
dafs auch innerhalb diefes Gefetzescorpus die von Addis
perhorrescirte Methode zu einer befriedigenden Quellen-
analyfe mitführe. Mein hiefiger College Steuernagel,
dem ich meine Beobachtungen mittheilte, erwiderte mir,
dafs er Aehnliches fchon für einzelne Capitel von Lev.
17ff. bemerkt habe und macht mich auch auf S. XXVIf.
feines Commentars zum Deuteronomium 1898 aufmerkfam
, wo er Gleiches andeute. Mögen auch durch die

einzuhalten bemüht gewefen. In der fpeciellen Einleitung | von Staerk und Steuernagel befolgte Methode noch

nicht alle Räthfel des Deuteron, gelöft fein, im Princip
halte ich das Verfahren, das ich nicht etwa blofs aus Local-
patriotismus billige, für zuläffig und ich glaube, dafs fich
Addis durch feine abwehrende Haltung felbft gefchadet
hat. Wer einmal über das Alte Teftament hinaus in
andere femitifche Literatur hineingeguckt hat, wirdwiflen,
dafs es bei der Entftehung von Schriftwerken oft fehr
mechanifch zugegangen ift! Addis fcheint das Dichter-

zum Deuteronomium S. I—32 fetzt fich Addis befonders
mit Horft auseinander, der das Deuteron, nicht als die
Wurzel, fondern als die Frucht der Reform Jofia's auf-
fafste, und vertritt H. gegenüber die traditionell-kritifche
Anficht, wonach ein fogen. Urdeuteronomium die Bafis
für die von Jofia vollzogene Reinigung des Gottesdienftes
bildete. Was die Zufammenfetzung des Deuteron, aus
verfchiedenen Quellen anbetrifft, fo unterfcheidet Addis

1. the primitive book of Deuteronomy, im Wefentlichen , wort ,was du ererbt von deinen Vätern haft, erwirb es,
Cap. 12—26, aufserdem rechnet er dazu Cap. 5—II. 27,9-10, 1 um es zu befitzen' dahin für fich auszudeuten, dafs er

das Meifte von Cap. 28, ferner 31,9-26". 2. Additions
by later writers of the deuteronomic school, dazu gehört
vor allem Cap. I—4, einiges von Cap. 27 und 28, ferner

das von Kuenen, Wellhaufen, Dillmann und Driver
für die Quellenfcheidung des Deuteron. Gebotene nacharbeitet
, combinirt, confervirt und fo zu feinem eigenen

29—31,8. 31 j -- '. einzelne Schlufsverfe von Cap. 32 und l Geiftesbefitz macht, ein Weiterführen der Analyfe fcheint
einiges von Cap. 34. 3. One or two Elohistic fragments j mm vom Uebel — die Erde dreht fich nun aber einmal,
adopted by a Deuteronomist, and encased by him in j «» jier Htixateucldtritik darf der^Karren noch nicht

matter of his own 10,6-7. 27,5-7a und endlich 4. glosses,
and a few insertions wliicli deflect in a inarked degree even
from t/ie general style of Deuteronomy, z. B. 2,10-12. 20-23.
11,29-30. 27.14-26. Die Unterfcheidung der verfchiedenen
Beftandtheile des Deuteron, ift innerhalb des Contextes

ftille flehen. Dafs er bereits in den Sumpf gerathen fei,
dies voreilige Freudengefchrei der ,gläubigen' Antikritiker
ftört uns nicht und das zur Retraite in der Hexateuchkritik
fich anbietende rettende Sechsgefpann Zahn,
Green, Ruprecht, Hommel, Sayce und Naumann

durch verfchiedenen Druck hervorgehoben. Zufätze, die ! imponirt uns nicht!
von deuteron. Schriftftellern zu JE gemacht find, fieht A. j Den zweiten Theil des Buches S. 169—476 nehmen
in Ex. 12,21-27. 13.3-16. Die deuteron. Zuthaten im Buche | the priestly documents ein. In der Specialeinleitung wird
Jofua decken fich bei Addis in der Hauptfache mit den i befonders das Heiligkeitsgefetz in der üblichen Weife
deuieronomistic expansions in W. H. Bennett's, the book 1 befprochen, auch in derDatirung desfelben weicht Addis
of Joshua in P. Haupt's Regenbogenbibel 1895, obwohl , v°n der gewöhnlichen Anfetzung im Allgemeinen nicht
Addis Bennett's Werk nicht zu kennen fcheint, oder ab- ■ *b- Dann folgt die Ueberfetzung der P Schrift, wobei
fichtlich nicht benützt. Die nähere Angabe der auch ! A d dis unterfcheidet I. The main body of the priestly docu-
nach Addis vorhandenen deuteron. Zufatze in Richter bis : mfnr^y. 2- An older document, generally known as the law
2. Könige war durch den Titel des Buches ausgefchloffen, I °f nohness and incorporated in the priestly code. 3. Later
der fich hier als eine Feffel für die Unterfuchung erweift, 1 amftifications of the priestly document, hier fcheint Addis

da das Haltmachen mit der Darlegung der deuteron. Zufätze
bei Jofua incl. nur durch Aeufserlichkeiten bedingt
ift. Im Grofsen und Ganzen giebt Addis die allgemein
aeeeptirte quellenkritifche Anficht über das Deuteron, wie-

manches Neue und Selbftftändige zu bieten. Wenig gefallen
will mir, dafs, während beim Deuteron, die Fett-
fchrift für Gloffen gebraucht wird, derfelbe Schrifttypus
bei P für die Wiedergabe des Heiligkeitsgefetzes dient.

der, hinfichtlich der Zurechnung von Cap. 5—11 zum Sind auch die quellenkritifchen Ergebnifse Addis'
Urdeuteron. hat Addis an Dillmann u.a. Vorgänger. ! im Einzelnen theilweife bereits überholt, ich verweife für
Driver's critical and exegetical commentary on Deuter0- ^iefe Behauptung auf Ball's the book of Genesis (bei
nomy 1895 fcheint A. noch nicht benützt zu haben. P. Haupt) 1896, das Addis nicht zu kennen oder zu be-
Der das ganze Werk charakterifirende überaus vor- riützen fcheint, fo giebt Addis' Werk, das auch von den
fichtige Standpunkt hat Addis wohl veranlafst, die von i Ergeten nicht überfehen werden darf, im Allgemeinen
W. Staerk, Das Deuteronomium 1894 und C. Steuer- "ne überfichtliche und orientirende Darftellung der
nagel. Der Rahmen des Deuteron. 1894 und Die Ent- ; "exateuchquellen und verdient fo mit einen Ehrenplatz
ftehung des deuteron.Gefetzes 1896 vorgenommene Quellen----—

fcheidung als hyperkritifch abzuweisen — mit Unrecht, | 1) s. auch B, Stade, Geich, d. v. JSt. I 658.