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Ausgabe:

1899 Nr. 19

Spalte:

537-540

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Sackur, Ernst

Titel/Untertitel:

Sibyllinische Texte und Forschungen. Pseudomethodius, Adso und die Tiburtinische Sibylle 1899

Rezensent:

Bousset, Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung. 1899. Nr. 19.

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biger Bildverehrung- die Bilder dürfen nicht verehrt p. 17 citirten Stellen lagen überhaupt wohl nur Ueberliefe-
werden, da ja nicht' einmal heilige Mcnfchen mit gött- rungsfehler vor. Dafs aber Methodius auch aufser der
liehen Ehren angebetet werden dürfen, man darf fie aber S-H Quellen zur Verfügung Randen, geht aus den Zeit-
auch nicht aus der Kirche entfernen, da fie für die Un- , beftimmungen im Anfang des 5. cap. hervor. In der
gelehrten das wichtigfte religiöfe Unterrichtsmittel find, hier angegebenen Jahreszahl 4025 begegnen wir merk-
§fe Htteratura für die inliterati, die die religiöfen Em- würdiger Weife der Chronologie des Julius Af-
pfinduneen anregt ricanus. Folgende Berechnung wird das klar machen.

I Nach Africanus fällt das Auszugsjahr Abrahams in das
Jahr 3277, (Geizer I 54) dazu kommt der Aufenthalt
Israels in Aegypten 430 Jahre, Mofes 40, Jofua 25, die

Heidelberg. Grützmacher.

Sackur, Ernst, Sibyllinische Texte und Forschungen. Pseudo- Ackerten 30, Kufan 8, "üthniel 50, Eglon 18, Ehud 80,
methodius. Adso und die Tiburtinische Sibylle. Halle, Jabln 20> Harak 40 Midianiter 7 Jahre, macht in Summa
Mm- 00 in , , c c m 1 8enau 402S Jahre. Es hegt hier nur der geringe Fehler

M. N.emeyer, 1898. (VI, 191 S. gr. 8.) M. 6.- vor> dafs das Datum ei|entlich nicht a*f den» Anfan£

Diefe fibyllinifchen Texte und Forfchungen enthalten - fondern auf das Ende der Midianiterherrfchaft geht!
lext und Erklärungen dreier wichtiger eschatologifcher Aber das Zufammentreffen der Zahl kann kein Zufall
Schriften. fein. Das führt uns nun auch auf die richtige Spur für

1. Die wichtigfte von diefen ift der berühmte einige andre Zahlenbertimmungen der Bücher,
•a- Methodii Episcopi Patarensis Sermo etc., der unter dem | Den Bau Babylons und den Anfang von Nimrods
£amen des Pfeudomethodius bekannt ift. Bisher war Herrfchaft fetzt Methodius in das Jahr 2790. 2790/91 ift
Pfeudomethodius nur zugänglich in einem griechifchen das Geburtsjahr Regus nach Africanus. Wenn nun Me-
Ur"d lateinifchen Texte von fecundärem Werth. (Beide thodius aus der Tradition die angenommene Gleichzeitig-
enthalten in den Monnmcnta S. Patr. Orthodoxographa ' keit Nimrod-Regu kannte, (vgl. z. B. S-H) fo erklärt fich
1 93 ff.). Der bisher bekannte lateinifche Text beruht ' auch diefer Anfatz, und zugleich die Differenz cap. 4,
auf einer fchon im zehnten Jahrhundert (Sackur 4) nach- , wo Meth. mit S-H Nimrod um 3000 anfetzt. Ebenfo
weisbaren interpolirten Recenfion. Die editio prineeps, führt uns die Beftimmung 2690 für den Thurmbau von

^/.hf Bahel nach Africanus in das xo. Tahr des Peler/: alfo auch

..."*** j^JV.IVl UHU lUOVnui wa*>w«.-------

Uberarbeiteten lateinifchen Text nach vier--------

des achten Jahrhunderts und der editio prineeps. Bearbeitung zugekommene Chronologie des Af-

Wir haben fomit nun wenigrtens ein zuverläffiges ricanus benutzen konnte.
Textmaterial für den lateinifchen Text des Methodius. Unter den Dingen, die S-H und Methodius in dem be-
Tloffentlich fchenkt uns der Herausgeber auch noch , treffenden Abfchnittgemeinfam erzählen, erregt vor allem
einmal den urfprünglichen griechifchen Text. Ganz die Erwähnung des feltfamen vierten Sohnes des Noah
^erthlos find übrigens auch bei der Frage nach dem , Jonitus (Jonton Maniton) unfer Intereffe. Zu den Pa-
Uffprünglichen Methodiustexte auch die Texte der Ortho- rallelen die Sackur p. 64 beibringt, füge ich noch hinzu:
doxographa nicht. So liegt z. B. in der Lirte der Völker- das äthiopifche Adamsbuch von Dillmann überf. p. 119,
ftärnme Go^-Magog im älteren lateinifchen und grie- j wo fich die Sache, aber nicht der Name findet, und eine
cbifchen Text bei den Nummern 12 und 14 eine Doublette intereffante Stelle bei dem armenifchen Schriftfteller
v°«, in Folge deren beide Texte (ftatt der von ihnen Thomas Ardzouni (Broffet, Collection des historiens Ar-
felbft angegebenen Gefammtfumme 22) 23 Völker zählen, vieniens I 22), wo ein ,Manithop' neben Zoroarter (Zra-
(vgl- Sackur 37.) Der Fehler läfst fich durch einen Ver- j dacht) gar als perfifcher Religionslehrer genannt wird. —
S'eich mit den Texten der Orthodoxographa heben. I Nach den obigen Stellen wandert Jonitus, der vierte
In einer fehr umfichtigen Unterfuchung bertimmt Sohn Noahs, nach Orten in das ferne Sonnenland, er tritt
Sackur als Zeit des Pfeudomethodius etwa das Ende in Verkehr mit Nimrod. Nach Meth. fchreibt er diefem
des fiebenten Jahrhunderts. Er fchwankt zwifchen dem einen Brief, nach S-H kommt Nimrod zu ihm und em-
Ende der Regierungszeit Konftantins IV. und der Re- pfängt von ihm Offenbarungen. Die Figur des Jo-
f'erung Juftinian's II. Ich möchte mich eher für den nitus ift religionsgefchichtli ch intereffant.
früheren Termin entfeheiden. Als Entrtehungsort der Sackur ift beinahe auf dem rechten Wege, wenn er S.
Schrift wird mit Recht Syrien angenommen. 10 auf den Verkehr zwifchen Izdubar-Nimrod und

Man kann die Schrift in vier Theile theilen. Im Heabani hinweift. Denn Jonitus ift offenbar nicht Hea-
erften Theil verfolgt Methodius die Weltgefchichte bis bani, fondern der zum Sohne Noahs gewordene chaldäifche
f/.u Alexander dem Grofsen {exclusivc). Mit Recht hebt Fluthmenfch, der nach der Fluth fern zu den Infein der
Sackur für diefen erften Theil die Beziehungen zwifchen Seligen entrückt wird; und wenn Nimrod den Jonitus
Methodius und der fyrifchen Schatzhöhle hervor. Der im fernen Lande auffucht, fo haben wir hier die Sage
-Matz freilich, dafs das erfte Jahrtaufend im 40. Jahr von dem Befuch Izdubars bei Sit-napistim, dem ewig

lebenden Fluthmenfchen. Diefe Sagen find dann weiter
theilweife in den Alexanderroman eingedrungen.

Führt uns Jonitus in das chaldäifche Sagengebiet, fo
z,e'2en„un.s die übrigen Ausführungen des erften Theiles

des Jared fchlofs, den Schatzhöhle und Methodius ge
^einfam haben, konnte aus den LXX. berechnet werden
fnd findet fich auch fonft. Aber bedeutfam ift, dafs
ff'de Quellen gegen die LXX und alle fonftige

TJeh^ Vuciien gegen uiv. .

^be^ eignen genaueren ' des Methodiusbuches eine intereffante Verquickum*

függbf"; a's Hu Ja1" Jahr 2000 annehmen. Beide judifcher und perfifcher Ueberlieferung wie Xfe üb
^rorrmb nZU'- eAKr a?fSerdem d'5 Regierungszeit ngens ähnlich in S-H vorliegt, in der offenbar die Ge
fetzen / ™,lt »C;niger Abficht um das Jahr 30CÜ anzu- ftalten Nimrods und Zoroafters verfchmolzen fmH v
*«n?JVgh Met.hodius caP" 4, anders cap. Ä Auch Sackur felbft ift m^HäciSÄ^SJifG^^T^
briZ^ Sa^^'^'k""^^ r,ifche,n »>«den Quellen au Grund fpäterer perfifcher Tradition nTen? cJfcMcE
Rer.il i3ackur P- 13 bei. Wir ha ten die Annahme für aufrifs des Meth die affvrifch-hah,rlr,r,;r^u oe'c»ichts-
6 fzetn' f ,th°diuS im erfte" Thdl die ^«atzhöhle ' perfifche H^m^Sä^tSS^j£ Ä
Quell C- ',reillch wa^ die Schatzhöhle nicht die einzige und perfifche Herrfchergefchlechter Mg ITl lß

Ms wn,lind1nian^arf kaum alle Abweichungen von diefer Nimrods und urfprüngliche Herrfcher BaLl Chf°.lßCr
^«Hkürhche Fabeleien' nehmen. In den von Sackur Die ganze bis cap. 7 erzählte Äf^

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