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Ausgabe:

1899 Nr. 1

Spalte:

518

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gutjahr, F. S.

Titel/Untertitel:

Petrus Cantor Parisiensis. Sein Leben und seine Schriften. Ein Beitrag zur Literatur- und Gelehrtengeschichte des zwölften Jahrhunderts 1899

Rezensent:

Ficker, Gerhard

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung. 1899. Nr. 18.

nicht einmal folgern, dafs Afrika eine reiche Ernte gehabt
hat. — Am Schluffe handelt M. von der Ordnung
der Bücher im Benevent.; er enthielt auch die Schrift

>de montibus Sina et Sion'

in Mailand findet, ift fchmerzlich; aber da fie ihn nicht
verdoppeln kann, fo zieht fie es vor, ihn in Rom zu
vviffen, hat doch Mailand feinen Ceriani! Aufserdem —
Hr. Mercati hat feine Augen überallhin offen: in Italien

nvHiiuus Hirtel et- ^jivti.. __ „ , , ht r • 1. j r _l_ -l

5. In diefem Abfchnitt erörtert M. unter dem Titel verfteckte patnftifche Manufcnpte werden fich ihrer

'Tumultiiaria.' einige Einzelheiten der Ueberlieferungs-
gefcliichte; a) er lenkt in Bezug auf die libri ad Quiri-
**« die Aufmerkfamkeit auf zwei englifche Codices.
Nach der Probe, die in dem ,Ancient Latin Mss. in the
British Mus.1 von ihnen gegeben ift, ifl fowohl der Text
a's die Reihenfolge der Bücher in dem Royal E. XIII
IX/X. der Beachtung werth. Aber der Cotton
^aligula A XV saec. IX trägt die merkwürdige Auf-
chrift: ,/nc. Uber S. Cypriani Carthagenensis ex aueto-
r'tate canonica quem saneta reeepit ecclesia'. b) M. weift
"ach, dafs die berühmte Interpolation in der Schrift de
"nitate fchon in einem Briefe des Papftes Pelagius II.
ja 5^5, cf.Jaffe-KaltenbrunnerNr. 1055) vorausgefetzt
&• Mir war dies bisher entgangen. Beachtenswert]! ift,
^afs Pelagius I. in dem von Löwenfeld (Epp. Pontif.
jo»i. ineditae 1885 p. 15 f.) zuerft edirten Briefe (558/60)

Ruhe nicht lange mehr freuen können.

Berlin. A. Harnack.

Gutjahr, F. S., Petrus Cantor Parisiensis. Sein Leben und
seine Schriften. Ein Beitrag zur Literatur- und Ge-
lehrtengefchichte des zwölften Jahrhunderts. Auf
Grund des Nachlaffes von Prof. Dr. Otto Schmid bearbeitet
. Graz, Verlags-Buchhdlg. Styria, 1899. (V, 72 S.
gr. 8.) M. 1.80

Inbetreff des Lebens und der literarifchen Hinter-
laffenfchaft der Theologen des zwölften Jahrhunderts hat
die wiffenfehaftliche Arbeit noch mancherlei Aufgaben
zu bewältigen. Petrus Cantor Parifienfis, fehr oft blofs
Pierre le Chantre genannt (f 1197), war ein gefchätzter
^«»^Tcitot^ohne noch dle~interpolation zu kennen, j Lehrer und fruchtbarer Schriftfteller, d. h. Compilator.

nntt. 4 eillll, Ulme iiui.ii uiu- --------— — I

Mit Hülfe des Codex M. (Monac), der fie enthält, konnte , Gedruckt find von feinen Werken nur das ,verbum abbre-
man fchon bisher feftftellen, dafs fie wahrfcheinlich nicht viatum' und Auszüge aus den von dem Anfangsartikel
viel fpäter als saec. VI. med. fällt und römifchen Urfprungs , Abel' genannten distinetiones. Seine Gloffen zu faft

' allen Büchern des Alten und Neuen Teflamentes, feine
Schrift de tropis loquendi, feine summa de sacramentis,
feine quaestiones de Simouia find noch in zahlreichen
Handfchriften erhalten. Ueber feine theologifche fcligen-
art vermögen wir uns ein genügendes Bild bisher nicht
zu machen und auch das vorliegende Schriftchen will

— Zu der Erinnerung Mercati's an die epigraphifche
Bezeugung einiger Worte aus der Schrift ,de lapsis' find
die Monatsberichte der Berliner Akademie 1865 S. 79 ff.
zu vergleichen, c) Zur Recenfion der Capp. 24—26
deffelben Tractates verweift M. auf den Cod. Ambros.
J« 98 in/, saec. VII/VIII (Maximus' Homilien), der beach-

h-nswerthe Varianten bringt, d) M. handelt von der j diefem Mangel noch nicht abhelfen,
ganz unentwirrbaren Befchaffenheit des Cyprianifchen Gutjahr hat auf Grund des von dem verftorbenen

Vu'gären Textes (v) und fpeciell von dem Text der Schrift Profeffor der Exegefe an der Univerfität Graz, O. Schmid
1* montibus Sina et Sion'. Mit Recht weift er nach, dafs | gefammelten Materials zufammengeftellt, was über Leben
das Buch am Anfang nicht verftümmelt ift, ebenfowenig ! und Thätigkeit des Petrus zu ermitteln war, und ein Ver-
|° c. 12. Ich freue mich auch, dafs M. das reizende j zeichnifs der Schriften gegeben, die ihm mit Sicherheit
[Meichnifs c. 13 ff. entdeckt und an ihm Gefallen gefunden oder fälfehlich zugewiefen werden. Er zeigt, dafs Petrus
"at. Längft ift es meine Abficht, meine Studien über oft mit anderen Theologen des Namens Petrus (Petrus
den kleinen Tractat zu veröffentlichen. Aus zwei vatica- Comeftor, P. Pictavienfis, Kanzler zu Notre Dame in
"ifchen Codd. theilt M. noch zu den wichtigen Stellen Paris, P. Pictavienfis, Canonicus zu St. Victor in Paris
P- 108, 18 und 117, 4 Varianten mit. An der letzteren u. a.) verwechfelt worden ift. Nicht aus Poitiers oder
Stelle heifst es in ihnen (wie in T): ,in epistula Johannis Paris oder Rheims flammte P., fondern aus Gerberoi in
fscipuli sui ad Pallium'. Dies wird die richtige LA j der Diöcefe Beauvais; er gehörte dem Gefchlechte der
fein und das Stück vielleicht aus den Acta Pauli ftam- : Hosdenc an. Seine Erziehung genofs er in Rheims und
"Jen, die ja auch einen apokryphen Briefwechfel mit den ; fcheint fchon 1169 oder 1170 Lehrer der Theologie und
^°rinthern und höchft wahrfcheinlich ein Martyrium Petri J Canonicus in Paris gewefen zu fein. Die Wahl zum
enthielten. Bifchof von Tournay (ca. 1191) durfte er nicht annehmen.

^ In den beigegebenen ,Appendices' finden fich 1 )die [ Zum Decan in Rheims gewählt (1196) ftarb er im Klofter
bragmcnta Quiriniana (f. o.) abgedruckt und mit einer j Longpont 1197. Die Angaben der Quellen über Petrus'
["ufterhaften Einleitung und ausgezeichnetem Commen- : Leben und Thätigkeit hat G. mit Umficht benutzt; Ref.
tar verfehen (p. 48—67). In dem Abfchnitt 2) ,11 eifrario hat hierzu keine Nachträge zu liefern. Man könnte
J? £. Latini' (p. 67—71 mit 2 Doppeltafeln) wird von ; tadeln, dafs für die Erklärung der Vorgänge im Leben
?en textkritifchen Noten diefes Gelehrten gehandelt, j des Petrus den Zeitverhältnifsen nicht genügend Berück-
ln dem dritten Abfchnitt (p. 72—86) bietet M. eine neue fichtigung gefchenkt worden fei. G. ftellt eine weitere
^cenfion der Cornelius-Briefe (Cypr. cp. 49, 50), deren j Veröffentlichung über P. in Ausficht. Er will darin auf
ötjlcharakter — er ift noch ziemlich vulgär — hier zum | den Inhalt feiner Schriften des Näheren eingehen, und
ltften Mal richtig erkannt und gewürdigt ift. Mercati's j wir hoffen, dafs er auch feiner Stellung innerhalb des
Aext weicht fehr erheblich von dem Hartel's ab, da er | theologifchen und wiffenfehaftlichen Lebens feiner Zeit
/J.le LAA des Veronensis mit Recht bevorzugt. Indem feine Aufmerkfamkeit zuwenden werde. Der Theologe,
Ierten Abfchnitt (p. 87—92) bietet M. ein Buchftück 1 der ein Eiferer gegen die Simonie, gegen die Anwendung'
Us der Passio Mariani, Jacobi et socc. aus einem Ra- : der Todesftrafe bei Häretikern, gegen die Gottesurtheile
• ennatifchen Uncialcodex saec. VII vel VIII. Indem • (S. 49) gewefen ift, darf eines allgemeineren Intereffes
ch die 5—7. Zugabe übergehe, bemerke ich, dafs in der ficher fein
ACnten- (p. 100—108) auf Grund eines Irenäus-Citates bei
Jjgobard die Möglichkeit einer doppelten lateinifchen
eberfetzung des Irenäus erwogen wird, die mir freilich

lr Zeit noch recht unwahrfcheinlich dünkt. züghch der Beichte einem Laien im Falle der Noth.

u Diefe dürftige Ueberficht vermag nur einen fehr unvoll- : Hailea S r,prh.^ rz- 1

f^nienen Eindruck von dem reichen Inhalt der Abhand- 1 Gerhard F>cker.

gr"? zu geben. Die patriftifche Wiffenfchaft kann fich
leh en' da^s ue Jetzt einen fo ausgezeichneten Ge-

nrten bei der Vaticana befitzt. Dafs fie ihn nicht mehr

Zahlreiche Druckfehler ftören die Leetüre. — S. 24,
Z. 18 mufs es heifsen sie eum docere ftatt sie cum docere,
ebenfo S. 40. Grammatifch fehlerhaft ift S. 57 .... be-