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Ausgabe:

1899 Nr. 17

Spalte:

490-491

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dittmar, W.

Titel/Untertitel:

Vetus Testamentum in Novo. Die alttestamentlichen Parallelen des Neuen Testaments im Wortlaut der Urtexte und der Septuaginta zusammengestellt. 1. Hälfte: Evangelien und Apostelgeschichte 1899

Rezensent:

Clemen, Carl

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489

Theologifche Literaturzeitung. 1899. Nr. 17.

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corde maris quasi similitudinem hominis und dann Literatur beigegeben, die auch allein (zum Preis von
Ule hämo, kominem, gut ascenderat de mari: fo erklärt , 50 Pf.) zu haben find und akademifchen Vorlefungen über
fich das m. E. ganz einfach aus dem mx n?3 Dan. 7,13 meffianifche Weifiagungen zu Grunde gelegt werden
und diefes felbft eben aus der Deutung des 'Menfchen- follen. Den Schlufs bilden endlich ausführliche Regifter,
fohns auf die Heiligen. Ja felbft wenn hier, wie Eerd- ; die die Brauchbarkeit des Buches noch mehr erhohen,
mans (ThT 1803 49ff.) und Wellhaufen wollen, der Ausftattung und Druck find vorzüglich; von Verfehen,
Name Menfchenföhn noch nicht Meffiastitel wäre, fo ' die bei einer zweiten Auflage vielleicht nicht von felbft
müfste er das doch auch nachLietzmann (derMenfchen- : corngirt werden würden, notire ich nur xhjQoyo(iog{oi)
fohn 1896) und Wellhaufen fpäter geworden fein — | ftatt xXrjQovopoq{oi) S. 103 und jialöoq ftatt jicuöog b. 228.
warum alfo noch nicht z. Z. Jefu? Die Unechtheit aller j Halle a g Carl Giemen,

entfprechenden Herrenworte läfst fich doch nur auf hochft

im

unge"iügend7Gründe hin ja z. Th. überhaupt nicht be- Djtt pf w Vetus Testamentum in Novo. Die alt-

naupten; dann aber darf man geradezu fagen: da lieh ' ' x

Jefus nicht als den Menfchen' bezeichnen konnte und teftamenthehen Parallelen des Neuen Teftaments
auch kein Myftagog war, fo mufste der Name SÜSS "-3 Wortlaut der Urtexte und der Septuaginta zufammen-

geftellt. 1. Hälfte: Evangelien und Apoftelgefchichte.
Göttingen, Vandenhoeck& Ruprecht, 1899. (VII, 175 S.
gr. 8.) M. 3.60

Wie der Untertitel befagt, enthält das vorliegende
Werk, von dem bisher das erfte, Evangelien und Apoftel-

m dem Sinne, wie ihn Jefus verftand, damals bereits ge
uräuchlich fein. Denn wenn er allerdings nicht ohne
Weiteres auf Jefus, der noch auf Erden weilte, angewandt
Werden konnte, nun fo hat diefer doch auch fort und
fort feinen Jüngern eingefchärft, dafs des Menfchen Sohn
leiden, fterben und auferftehen mufste.

Auch der Name ,Sohn Gottes' fcheint mir trotz D. gefchichte umfaffende Heft erfchienen ift, nicht nur die
fowohl im Judenthum vom Meffias üblich gewefen, als eigentlichen Citate aus dem alten Teftament im neuen,
von Jefus feitens anderer wirklich gebraucht worden zu ' die wieder als Citate im engeren (z. B. Mt. 1, 23) und
kin. Er felbft dagegen dürfte fich damit nicht als Thron- weitern Sinn (z. B. 2, 2) unterfchieden werden, fondern
erben Gottes bezeichnet haben, — denn das folgt aus den auch alle anderen irgendwo im neuen Teftament an-
G'eichnifsen von den böfen Weingärtnern und der könig- klingenden Stellen des alten nach dem maforetifchenText
liehen Hochzeit nur bei unerlaubter allegorifcher Aus- { und der Ueberfetzung der LXX. Durch befondere Unterlegung
und wird durch Mt. 17, 27 vielmehr widerlegt —; ftreichungen wird Uebereinftimmung nur mit diefer oder
er dürfte fich auch nicht einen befonderen Urfprung zu- ; jenem, bez. mit Varianten der LXX oder anderen Stellen
gefchrieben haben — denn das Wort Mc. 12, 35 ff. und j kenntlich gemacht; aufserdem find bei dem griechifchen
lJar. befagt doch gerade für den dogmatifch Unbefangenen Text des alten und neuen Teftaments, für den Swete
rjoch nicht, dafs der Meffias Sohn eines Höheren ift, als { und Neftle zu Grunde gelegt werden, nach erfterem

avids. Auf die Unterfuchungen über den Sinn der
fernen Menfchenföhn und Gottesfohn bei den Synoptikern

.ann ich, fo dankenswerth fie auch find, doch hier nicht
eir"gehen.

, Bei Erörterung des jüdifchen Begriffs vom Meffias
Komrnt D. nochmals auf die fchon früher erwähnte Prä-
ex'ftenzvorftellung zurück, die er nirgend als herrfchend
?°erkennen will. Dem gegenüber könnte es, da er bei
Uenoch und im vierten Efra jene Anfchauung anerkennt,
genügen, auf das vorhin über die apokalyptifche Literatur
überhaupt bemerkte zu verweifen; es kommt aber hinzu,
oafs fie fich auch in den LXX findet, ebenfo wie anderwärts
mit Bezug auf die Gottesherrfchaft. Mag alfo
mmerhin die Verbreitung diefer Vorftellungen vielfach

berfchätzt werden: fo einzufchränken, wie D. will, ift fie
aoch auch nicht. Immerhin läfst fie fich bei Jefu nicht
"achweifen, obwohl er fich als Menfchenföhn und in

■efem Sinne auch als Meffias bekannt hat. — Bezeichnen
j" andere als Sohn Davids, fo war auch dies nur ein
e'fiasname, den man ihm aber nicht gegeben hätte,
j enn man glaubte, dafs er der darin liegenden genea-

°,gifchen Vorausfetzung nicht entfpreche. — Die Anrede
zvQt£ entfprach dem aramäifchen 13p oder t»"iri und be-
'chnete den Lehrer, ebenfo öiöäöxaüe oder Istiardra
„>eiT1 aramäifchen 133 oder x:33. Intereffant ift noch der

und Lagarde bez. nach Tifchendorf und Merx die
wichtigeren abweichenden Lesarten bemerkt.

Soweit ich mich durch einige Stichproben überzeugen
konnte, ift die Arbeit fehr forgfältig gemacht.
Hier und da hätte der Verf. wohl noch andere Stellen
und Lesarten anziehen oder feine Zeichen anders fetzen
können; doch will ich darüber nicht mit ihm rechten.
Eher könnte die Bevorzugung der Pfalmen Salomos vor
anderen Pfeudepigraphen willkürlich erfcheinen; aber die-
felbe erklärt fich wohl aus dem beklagenswerthen Mangel
zuverläffiger Texte für diefelben. Befonders dankenswerth
ift, da fo etwas m. W. bisher noch nicht exiftirte,
das Verzeichnifs der in den Evangelien und der Apoftelgefchichte
citirten altteftamentlichen Stellen; nur hätte
ich gewünfeht, dafs hier auch die ,blofsen Verweifungen'
aufgenommen und vor allem gleich das ganze neue
Teftament berückfichtigt, das Regifter alfo für den Schlufs
des ganzen Werkes aufgefpart worden wäre. Denn jetzt
wird man, um die etwaige Verwendung einer altteftamentlichen
Stelle im neuen aufzufinden, immer zwei Regifter
nachfehen muffen und von der Bedeutung ganzer alt-
teftamentlicher Schriften für das neue überhaupt kein
unmittelbar deutliches Bild empfangen.

Im übrigen hat der Verf. diefe Zufammenftellung
zunächft zum Privatgebrauch angefertigt und nur auf

Schweis, dafs das öiÖäoxaXe ayadt Mc. 10, 17 nicht fitt- mannigfache Anregung hin der üeffentlichkeit zu Über-
Nche Vollkommenheit fondern Güte bedeutet und mithin geben begonnen. Auch ich will nicht beftreiten, dafs er

damit Studenten und wiffenfehaftlich fich befchäftigenden
Geiftlichen nicht nur, fondern auch akademifchen Do-
centen ein bequemes Hilfsmittel darbietet, noch weniger

jede VeTänTaffüng' wcgföllV«" f™gen, in w elchcrnS inne
efus Sündlofigkeit von fich ablehne - auf andere ge^

'egentliche Notizen ähnlicher Art muls len mir natürlich dafs" folche fubtile Unterfuchungen überhaupt

Verfagen, hier hinzuweifen. zeigen angeftellt werden müffen. Wohl aber möchte ich bei

, . Schon das angeführte wird ja genuSen' rVm Unter- , diefer Angelegenheit den Wunfeh ausfprechen, dafs man
*>e aufserordentheh werthvoll und lel^'thJaftenl In- doch bei ihnen oder auch einer zufammenfaffenden Unter-
"chungen des Verf. find und mit »«^J^^Ufcn. , mchung des Verhältnifses der neuteftamentlichen Pa-
&effe wir daher ihrer ^^^3S^S{^^SSi «Helen zu Mafora und LXX nicht flehen bleiben, fon-
Weitere Bände follen die Worte ^£25 dem dann auch einmal, wozu bisher nur erft der Anfang
g^ppenweife erklären und dabei eWa fX^SLitlfo auf gemacht ift, ausführlich und unter nachträglicher Berück-
"pftimmungcn nachbringen oder auch andere ueg fichtigung der zeitgenöffifchen Literatur die exegetifche

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