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Ausgabe:

1899 Nr. 17

Spalte:

486-490

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dalman, Gustaf

Titel/Untertitel:

Die Worte Jesu. Mit Berücksichtigung des nachkanonischen jüdischen Schrifttums und der aramäischen Sprache erörtert. Band 1: Einleitung und wichtige Begriffe. Nebst Anhang: Messianische Texte 1899

Rezensent:

Clemen, Carl

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485 Theologifche Literaturzeitung. 1899. Nr. 17. 486

von Nöthen der ftark überrafchenden Thatfache gegen- i nutzt, es überhaupt nicht gekannt; nur infofern zeige
über, dafs der gröfsere Theil der Gefetze diefer Samm- fich zwifchen beiden eine Verwandtschaft, als beide ,aus
Jung, die doch PI. angehören foll, in fingul. Form abge- dem vielfach gleichen Gewohnheitsrecht und in einigen
fafst ift, auch 1914 z. B., eine der oben erwähnten 4 wenigen Fällen aus denfelben fchriftlichen Vorlagen
Stellen, die beweifen follen, dafs blofs PI. in gebrauche. ! fchöpfen'. Diefe Behauptung kann man nur aufftellen,
Ich geftehe, dafs ich angefichts diefer Thatfache das Zu- j wenn man mit St. Stellen wie 1510 f. 1921 (vgl. Ex. 2isf.
trauen zu St.'s Annahme eines PI. vollends verliere, und | 23 h) u. a. als Zufätze anheilt, indem bei und nach der
fein Sg. nähert fich mir mehr und mehr D felber. Denn Zufammenarbeitung des D1 mit J.E. die in beiden ent-
um Dr, der Sg. mit PI. verbunden habe, fcheint es mir ■ haltenen Gefetze nach einander ergänzt worden feien,
nicht beffer beftellt als um PI. Zwar ,die beiden Ein- j Aber das Recht der Ausfcheidung jener Stellen fcheint
leitungen hat er mit grofsem Gefchick kombiniert'; (doch mir mehr als zweifelhaft, und eine felbftändigeZufammen

fchon mit dem Schlufs von Sg. nichts anzufangen ge
wufst!) Aber diefes Gelchick fcheint ihn in den letzten
Capp. verlaffen zu haben, wo er ,den Reft der Gefetzes-
fammlungen fo verflocht, dafs ein Plan nicht erkennbar
•1, bald aus diefer, bald aus jener Quelle einen Abfchnitt
^"(nehmend1. Hier herrfcht die reinfte Ordnungslofig-
keit. St. fagt: ,Es fcheint deutlich ein Erlahmen feiner
Kraft den ihm geftellten Aufgaben gegenüber bemerkbar
zu fein .... Ein felbfländiger Schriftfteller war er
kaum.' Das ifl für für mich das Eingeftändnifs, dafs die
v°n St. unternommene Aufgabe, einen Dr nachweifen zu
Rollen, einfach undurchführbar ift. Nur dafs für ihre
Undurchführbarkeit eine, wie ich glaube, imaginäre
"erfon verantwortlich gemacht wird.

Nicht minder anfechtbar erfcheint mir St's. Verfuch,
d'e von Sg. u. PI. benutzten Quellen aufdecken zu wollen.
Folgendes ift fein Refultat: Sg. hat zu Grunde gelegen:
aufser Nebenquellen die Grundfammlung. Diefe umfafste
die Grundforderung der Cultuscentralifation, vermehrt
um die Gerichtsfprüche, d. h. einzelne nicht zum Familien-
recht gehörige Gefetze (über Mord z. B.), welche mit
oiefen verfchiedene charakteriftifche Merkmale (Nennung
des Stadtthores als der Gerichtsftätte u. dgl.) gemeinfam,
aber im Gegenfatz zu ihnen fingul. Anrede haben. Diefe
Grundfammlung ift aber auch für PI. Quelle geworden,
mit den familienrechtlichen Gefetzen zum fog. Aelteften-
gefetz verbunden. Aufser diefen hat PI. die Kriegs-
gcfetze (2110—14 2310—15) und die Thoebhafprüche, d. h.
d'e Gefetze, denen die Begründung durch "* M?it ^3
i"1'?!* Mtfy-ba charakteriftifch ift, benutzt, während feine noch
ubrig bleibenden Gefetze als Einzelverordnungen zu bedachten
find, die bei Herftellung der Sammlung verwandten
Gefetzen angefügt find. Die Unterfuchung
(P. VI—VIII), durch die St. zu diefem Refultat gelangt,
"I fo minutiös, dafs ich mir verfagen mufs, hier darauf
Anzugehen. Ich weifs nicht, ob es überhaupt Vielen
pgeben fein wird, dem Vf. darin zu folgen. Der Vergeh
den literargefchichtlichen Procefs des Dtns. in diefer
weife aufzurollen, führt ihn fchliefslich dazu, das Grund-
gefetz, vielleicht fogar die Grundfammlung, bis in die
ypt Hiskias hinaufzurücken, ja, er wagt geradezu die
yerrnuthung, das Grundgefetz fei eine Recapitulation des
Faictes diefes Königs. Seine Vorausfetzung dabei ift,
aafs der Notiz II Reg. 184 mehr hiftorifcher Werth bei-
?umeffen fei, als vielfach angenommen wird. Darüber
'alst fich mit ihm nicht rechten; denn fchliefslich gehen

ergleichen Anflehten auf individuellen Eindruck und das
Pei-fönliche Zutrauen zurück, das man einer Ueberliefe-
rUng glaubt entgegenbringen zu können. Wenn St.
pdlich auf die Seite derer tritt, welche das die Grund-
der Reform Jofias bildende Gefetzbuch in Manaffes
^eit gefchrieben fein laffen, fo ift mein Hauptbedenken
pgen diefe Anfetzung, dafs in diefem Falle den Autor
wandle es fich um eine Anzahl oder um eine Mehrzahl)

twas von dem II Kor. ioio gegen Paulus erhobenen
vorWurf treffe. Jedenfalls möchte ich das XTQ (II Reg. 22s)
rpht preffen. Aber wie weit die Entftehuhg D's. hinter
n.ltle Bekanntwerdung zurückreicht, wird fich überhaupt

e mit Sicherheit ermitteln laffen.
t- Noch kann ich einen Widerfpruch nicht unterdrücken.

arbeitung von D1 mit JE, die fich St. aus der Analyfe
von 271—8 ergiebt, vermag ich nicht anzuerkennen, weil
ich nicht wüfste, was in diefem Falle D2 zu feiner Arbeit
veranlafst haben follte. Den Gründen aber, auf die er
fich ftützt, und die er in entfprechender Weife auch
gegen eine directe Benutzung von Ex. 34 feitens Sg.
ausfpielt, dafs nämlich eine ganze Anzahl von Vorfchrif-
ten des Bundesbuches (refp. Ex. 34) in D1 keine Parallele
haben und in parallelen Stücken bei allen Berührungen
fich weitgehende Differenzen im Sprachgebrauch
finden, ift entgegenzuhalten, ob denn eine Schrift den
Anfpruch auf den Namen einer Quelle für D1 nur erheben
kann, wenn fie von D1, deffen fchriftftellerifche
Eigenart doch für jedermann feftfteht, mechanifch aus-
gefchrieben wird, ob es bei der Abhängigkeitsfrage nicht
vielmehr auf die Auswahl des Stoffes ankommt; und
wenn diefer auch hier und dort nicht ganz derfelbe ift,
wer bürgt uns dafür, dafs das Dtn. bei feinen Ueberar-
beit ungen nicht mancherlei Kürzungen erfahren hat?

Natürlich hätte ich noch zu mancher Einzelheit ein
Fragezeichen zu machen. Vor Allem fcheint mir unhaltbar
die Anficht, dafs 187 in Jofias Gefetzbuch gefehlt
habe. In der Bemerkung zu TiTÖri (163) hat St. Jef. 5212
überfehen. Aber der Raum fehlt mir, auf Weiteres einzugehen
.

Trotz vielfachen Widerfpruches ift der Dank, mit
dem ich diefe Anzeige befchliefsen will, um fo aufrichtiger
, als ich mir bewufst bin, in eigener Arbeit am Dtn.
durch St.'s Commentar durchgehends unterftützt und
vielfach gefördert worden zu fein.

Basel. Alfred Bertholet.

Dal man, Prof.Guftaf, Die Worte Jesu. Mit Berückfichtigung
des nachkanonifchen jüdifchen Schrifttums und der
aramäifchen Sprache erörtert. Band I: Einleitung und
wichtige Begriffe. Nebft Anhang: Meffianifche Texte.
Leipzig, J. C. Hinrichs, 1898. (XV, 319 S. gr. 8.) M. 8.50

Von verfchiedener Seite ift namentlich in den letzten
Jahren der Verfuch gemacht worden, die Reden Jefu dadurch
zu erläutern, dafs man fie in die Sprache, in der
fie gehalten wurden, zurücküberfetzte — ohne dafs freilich
diefe Beftrebungen bisher viel Erfolg gehabt hätten.
"Mit um fo gröfserer Freude ift es daher zu begrüfsen,
dafs jetzt nach jahrelangen Vorarbeiten ein Mann unfer
Problem in Angriff genommen hat, der wie wenige zu
feiner Löfung befähigt ift. Verfügt er doch aufserdem
über eine fo fichere Methode, dafs fein Buch, auch wo
es nichts Neues bringt, felbft für ganz andersartige Unter-
fuchungen als Vorbild dienen kann. Auch wenn hier
und da die Beforgnifs vorhanden fein follte, dafs D. auf
dem Gebiet des neuen Teftaments vielleicht nicht durchaus
zu Haufe fein möchte, fo würde fie doch bei der
Leetüre feiner Schrift alsbald verfchwinden. Ref. ift daher
wohl in Einzelheiten zumal vielfach anderer Meinung,
aber in erfter Linie doch fo häufig neubelehrt worden
dafs er hier jenen Widerfpruch zumeift überhaupt zurück-
ftellen kann und fich im wefentlichen auf Mittheilung der
(manchmal allerdings in etwas felbftbewufster Form^und

Gr bezieht fich auf des Vf.'s Behauptung, D1 (d. h. Jofias j ohne genügende Würdigung der Vorgänger vorgetragenen)
Ue|etzbuch) habe das Bundesbuch nicht als Quelle be- | Hauptrefultate des D.'fchen Buches befchränkt,