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Ausgabe:

1899 Nr. 15

Spalte:

444-447

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Cremer, Hermann

Titel/Untertitel:

Die christliche Lehre von den Eigenschaften Gottes 1899

Rezensent:

Reischle, Max

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Theologifche Literaturzeitung. 1899. Nr. 15.

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Funden treten die ebenfalls neu entdeckten coemeteria
sub divo und die bis dahin auch unbekannten altchrift-
lichen und byzantinifchen Kirchen Siziliens zurück, obgleich
auch unter ihnen mehr als ein Stück ift, das des
Intereffes werth ift, wie z. B. die Felfenkirchen in Rofolini

heiligen Deodata (vgl. Th. Lztg. 1896, 573 f.) ift S. 141
mit neuen Ergänzungsvorfchlägen wiederholt.

Die Katakomben von Syrakus find die einzige zu-
verläffige Quelle, welche uns fichere Kunde von einer
blühenden Chriftengemeinde in der Zeit vor Conftantin

und Pantalica. Von dem Allen giebt Führer auf den j bewahrt hat. Wer fich für fie intereffirt, wird nicht ohne
erften 10 Seiten feiner Abhandlung einen kurzen Ueber- ! Dank an der entfagungsvollen Arbeit des Mannes vorblick
, um dann zu feinem Thema, den Katakomben von j übergehen, der fie uns zuerft völlig erfchloffen hat; und
X. Giovanni, der Vigna Cassia und von 5. Maria di Gesü 1 Führer darf gewifs fein, dafs er feine Kraft und feine
zu kommen, den Hauptcömeterien von Syrakus. Alle [ Gefundheit nicht an eine gleichgültige Sache gefetzt
drei liegen in der Vorterraffe der Achradina auf einem j hat. Für die angekündigte grofse Publication habe ich
Boden, der fchon vorher vielfach von Brunnenfehachten, ! noch die Bitte, dafs dort einige der Malereien in farbi-
Cifternen und Wafferleitungen durchfurcht war, wovon I ger Reproduction wiedergegeben werden mögen; Photo-
die Katakomben noch vielfache Spuren zeigen. S. Gio- 1 graphien allein geben von ihnen eine zu mangelhafte

vanni und der weltliche Theil des Cömeteriums der Vigna
Caffia find im vierten Jahrhundert angelegt und bis ins
fiebente, bis zur Zeit der Araberherrfchaft, benutzt worden
. Die örtlichen Anlagen in der Vigna Caffia und das
Cömeterium von S. Maria di Gefü aber flammen noch
aus dem dritten Jahrhundert. In den älteren Anlagen
wiegt das Loculusgrab vor; die fpäteren zeichnen fich
durch umfangreiche Säle und befonders hohe und breite
Corridore aus, an deren Seiten Arkofolien angebracht
find, die aber — ganz anders wie die römifchen — oft
10—12 m tief find, bis 20 Gräber hintereinander enthalten
und dazu noch Seitennifchen, in denen ebenfalls Gräber
angelegt find. Dadurch ift eine äufserft intenfive Ausnützung
der Grundfläche ermöglicht, und die Orientirung
ift erleichtert, da das Netz der Gänge weit weniger com-
plicirt ift als in den römifchen Katakomben. Die con-
ftruetiven Unterfchiede find durch die geologifchen Ver-
hältnifse hier wie dort bedingt. Das Alles erörtert Führer
in den erften beiden Kapiteln, denen er felbftgefertigte,
vortreffliche Pläne im Mafsftab von 1 :250 und 1 :200,
fowie zahlreiche Zeichnungen und Photographien (Tafel
III—VIII) beifügt.

Die nicht fehr zahlreichen Malereien in den älteren
Anlagen zeigen die bekannten Katakombenbilder, den
guten Hirten, üranten, Jonas, Daniel und Lazarus noch
in frifcher Auffaffung und flotter Manier. In S. Giovanni
krönt Chriftus die Heiligen, Engel führen Verftorbene in

Anfchauung.

Göttingen. Hans Achelis.

Cremer, D. IL, Die christliche Lehre von den Eigenschaften
Gottes. (Beiträge zur Förderung chriftlicher Theologie.
Hrsg. von A. Schlatter und H. Cremer. 1. Jahrgang
1897. 4. Heft.) Gütersloh, C. Bertelsmann, 1897-
(111 S. gr. 8.) M. 1.60

Die vorliegende Schrift verdient nicht nur um ihres
Verfs., fondern auch um ihres Gegenftandes willen unfere
Beachtung. Denn dafs die Lehre von den Eigenfchaften
Gottes dem Dogmatiker ftets befondere Schwierigkeiten
bereitet (ähnlich wie etwa die Tugend- und Pflichtenlehre
dem Ethiker), hat wohl jeder erfahren, der fich nicht mit
einer Aneinanderreihung der überkommenen biblifchen
Ausdrücke begnügen, fondern innerhalb der Grenzen der
chriftlichen Gotteslehre eine fyftematifche Darftellung der
göttlichen Eigenfchaften geben will. — Cremer felbft
weift in einer ,Einleitung' nachdrücklich auf die Mifsftände
in der Behandlung diefes Lehrftückes hin, in dem mehr
als in irgend einem anderen die Traditionen der Scholaftik
fortgeführt werden. Sodann ftellt er felbft den ,Begriff
der Eigenfchaften Gottes' (I) feft: im Gegenfatz zu jedem
neuplatonifchen Gottesbegrifife, nach welchem Gott im
Grunde eigenfchaftslos und der Gedanke von Eigen-
das Paradies ein und derartiges mehr; zu der Würde des i fchaften Gottes nur eine ihn ins Endliche herabziehende

Gegenftandes fleht aber, wie gewöhnlich im fünften Jahr- | Vorftellung ift, kennt der chriftliche Glaube nur den

Gott

hundert, die Technik der Ausführung in häfslichem Mifs- der Offenbarung, der fich als der unfer Heil Bewirkende,
verhältnifs. Zu den älteren Bildern gehört auch das Befchaffende, Zeugende bethätigt. Eben darum kann er
intereffante Arkofolbild in der Katakombe Caffia (Tafel ohne die in diefem zweckvollen Handeln hervortretenden
XI 2), das fo fehr aus den bekannten Darftellungen Eigenfchaften oder Beftimmtheiten feines Willens und
der altchriftlichen Kunft herausfällt, dafs bis jetzt jede i Vermögens gar nicht geglaubt und darum auch nicht
Deutung verfagt. Ein kleines Mädchen fleht in betender j gedacht werden; fie gehören zu feinem im Glauben zu
Haltung vor einem Mann, der mit untergefchlagenen erfaffenden Wefen. Diefes Wefen Gottes, wie es in der
Beinen auf einem rothen Teppich fitzt. Er ift bekleidet Offenbarung uns erkennbar wird, ift die Liebe. Hiernach
mit einem weiten Aermelkleide und einem Schulterkragen, find die Eigenfchaften Gottes ihrem Inhalt nach ,die Be-
der fich aus Ringeln und Schuppen zufammenfetzt; in ftimmtheit der Erfcheinung Gottes in feinem Verhalte»
den Ohren trägt er goldene Ringe. Die in feierlicher durch fein Wefen als Liebe'. Aus allem dem folgen d'e
Ruhe dafitzende Geftalt mit dem breiten, bartlofen Ge- Grundfätze für die ,Ableitung und Ordnung der Eige»"
ficht gleicht weit eher einem Buddha als den altchrift- fchaften' (II): Gottes Liebe ift Bethätigung abfoluter
liehen Chriftusbildern. Da fie aber in der Linken einen höchfler Freiheit, und mit ihrer wunderbaren Regel, dafiv
Palmzweig und in der Rechten einen Becher mit Wein wo die Sünde mächtig geworden, die Gnade noch mächträgt
, über dem ein Brod angebracht ift, will Führer in I tiger fei, ift fie der Gegenfatz unferes logifchen Gefetzes
der exotifchen Geftalt Chriftus als den Einfetzer des und Gewiffensgefetzes; eben deshalb ift auch jede (»P1?"
Abendmahles erkennen. Die Deutung dürfte ebenfo frag- j orifche) Deduction der Eigenfchaften Gottes unmöghcn'
lieh fein wie die der bekannten Bilder von S. Lucina in | Vielmehr find aus Gottes wirklichem Verhalten fene
Rom, die Führer als Parallele anführt und in herkömm- Eigenfchaften zu erheben, zuerft die, welche überhaup
licher Weife ebenfalls auf das Abendmahl bezieht (S. 119). nur durch die Offenbarung kund werden, fodann dte'
Vielleicht hilft diefe Mittheilung dazu, ihm die richtige welche zwar fchon im Gottesbegriff überhaupt enthalte»
Deutung zu vermitteln. — Unter den Werken der Plaftik find, aber ihren ganzen chriftlichen Inhalt doch erft aU
ift das hervorragendfte Stück der fchön erhaltene Sarko- j der Offenbarung gewinnen. Diefe beiden Reihen v°
phag der Adelphia, von dem wir Tafel XII eine neue, | Eigenfchaften werden nun in den beiden Hauptabfchnitte
vortreffliche Photographie erhalten. Ausführliche Aus- j (III und IV) entwickelt, in der erften Reihe die der Hcl*
führungen über die Infchriften und die fonftigen Kunde i ligkeit, Gerechtigkeit und Weisheit Gottes, in der zwe' it
in den Katakomben machen den Schlufs des Buches; ! die der Allmacht, All-oder Weltgegenwart, Allwiffe»»//;
auch da wird viel neues Material mitgetheilt und das I und Ewigkeit mit Unveränderlichkeit. Hierbei ber»»
bekannte in neue Beleuchtung gefetzt; die Infchrift der : fich die Schriftbegründung, die der Verf. für die einzelne