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Ausgabe:

1899

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422

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Zwingliana. Mittheilungen zur Geschichte Zwinglis und der Reformation. 1898. (Bd. I, Nr. 3 u. 4.) 1899

Rezensent:

Bossert, Gustav

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Theologifche Literaturzeitung. 1899. Nr. 14.

422

Gafs in diefer Zeitfchrift, 1885, S. 235fr. Bericht ermattete
; leider ift es bei diefem erften Bande geblieben,
aer nur die avußoXixd ßtßXia behandelte. Die jetzt veröffentlichte
Antrittsrede bietet in einem Abrifs eine Erörterung
der gefammten Aufgabe der Theologie. M. bezeichnet
ihre Stellung als Wiffenfchaft befonders im
yerhältnifs zur Philofophie und fleht dann überfichtlich
dar, was fie in ihren beiden Hauptformen als {rsoXoyla
&£(»QrlTtx?) und xgaxxix?) zu leiften habe. Der Standpunkt
des Verf.'s ift in vollkommener Correctheit derjenige
feiner Kirche: die rechte Theologie fleht auf dem
Boden der Offenbarung und der Tradition der oQ&oöogog
toocZTjala. Letztere Kirche ift im vollen Sinne die Hüterin
der Wahrheit. Es lieft fleh nicht übel, wie Verf. das
entwickelt; wer den Standpunkt der orientalifchen Kirche
^urdigen will, mag fich durch ihn belehren laffen. Die
thilofophie wird neben der Theologie in hohen Worten
Sepriefen. Ja die theoretifche Theologie ift ihrer Art
nach felbft .philofophifch'. M. beruft fich auf Bafilius
den Grofsen und Gregor von Nyffa, um das als die rechte
Auffaffur)g zu erweifen. Sein Gefichtspunkt ift kein anderer
als wir ihn im Proteftantismus bei den Theologen
des 17. Jahrhunderts treffen, zum Theil auch noch bei
modernen Vermittelungstheologen. Die Philofophie gewährt
die Fähigkeit, die kirchliche Lehre begrifflich zu
Entwickeln und dialektifch zu rechtfertigen. Das Wichtigfte
'B das Gefühl innerer PTeiheit, welches unferm Verf.,
Wle jedem orthodoxen orientalifchen Theologen, ange-
uchts der Philofophie, die er kennt, erwächft.

raktcriftifch, wenn M. dabei wefentlich nur die exioxii-
(tovtxrj exO-eOiq xcöv oqcov xal xavövoov. xmv xa&yxövxoop
xal öixaiwudxmv im Auge hat: die IIoituavxix/) ift die
Wiffenfchaft vom ,Kirchenrecht'. — In einem Schlufs-
abfchnitt, S. 37—51 giebt M. eine Erörterung über die
praktifche Theologie als ganze nach fchulmäfsigen Ge-
fichtspunkten, indem er von twoia, 6x0x6g, divxixEtUEVov,
vxoxeluevov, dvayxaiöxyg xai avxoxtlua, UsxoQia xai
xyyai, fchliefslich xQyaifioxyg bei ihr handelt. Unter der
Rubrik töxogla zeigt er auch, dafs er wohl vertraut ift
mit der wiffenfchaftlichen Arbeit an der praktifchen
Theologie, die in Deutfchland feit der Zeit ,xov öucjtqe-
xovg Scleiermacher' geleiftet worden. Er gedenkt der
meiften literarifch hervorgetretenen Forfcher auf diefem
Gebiete bis auf Kraufs. Leider fcheint er Achelis noch
nicht zu kennen. Im Ganzen gewinnt man durch feine
Rede einen wiffenfchaftlich erfreulichen Eindruck bezüglich
der Theologie im heutigen Griechenland.

Giefsen. F. Kattenbufch.

Zwingliana. Mittheilungen zur Gefchichte Zwingiis und
der Reformation. Herausgegeben von der Vereinigung
für das Zwinglimuseum in Zürich. Redaktion:
Prof. Dr. Emil Egli. Nr. 3 und 4. [1898. Nr. 1 u. 2.|
Zürich, Zürcher u. Furrer. (S. 41—80.) M. 1.50

Der zweite Jahrgang bringt wiederum eine ganze
Fülle kurzer neuer intereffanter Mittheilungen für die

Der praktifchen Theologie im Befonderen ift der ^icmcnre «mgi. s una aer.^nwe.zemte ormat.on lo
rweite, etwas gröfsere Theil der Rede gewidmet, S.21 ff. Pbfe[ das "e.u reft>ur,rte Zwinghhaus in W.ldhatis, das
. -- - - -- •• - I jetzt Eigenthum der fünf reformirten Kantonalkirchen

der Oftfchweiz ift, über Zwinglibilder, über den Brief-

wechfel der Schweizer Reformatoren, aus dem ein unbekannter
Brief Oekolampads an Zwingli, ebenfo ein Brief
Bullingers an Mykonius, ein Brief Zwingiis in verbeffertem
Text veröffentlicht find. Sehr hübfch ift die Charakte-

rytifche ixioxrjiüj betrachtet werdenclürfe, fondern letzt-
1*0 als xgaxxixy, fo vollends 1) yUExiga EiiiOxyiiy, r)
Jy'ri'orw tcöv Exioxyucöv. Verf. vergegenwärtigt fich die
Kirche als aoöfta ogyavixbv,_ ^ojyv txgv xal £coyv titxa-
ßOov, 6nax>i xoivcovia tv ?) avxbg 6 2mxyg xgiymq

^mr. %> Ulav xf] &Eia avxov xd(nxi xaLiHOfiivcov r.ft.k Zwinghs als Redner Man fleht Zwing , vvar ein
"fi'Avcov, nämlich l) als'*^ xal ÖcödaxaXog, 2) als , ffprachgewalt.geri Mann. Recht beachtenswerth durften
^QEvg 3) als ßaOiXtvq. Verfi ftützt diefen Gedanken die-Abhandlungen über die Neutralitätspolitik Zwinghs
pElöft auf die Theorie vom dreifachen Amt fälcoua). u.d d'e Z"rchfer Po ,lik nach d^ Schlacht von Kappe
Dje Kirche bedarf der öucxovta xov IhAov xygbyuaxog, fe'n- Der Brief von J Lomcer an Gwalther vom 18. April
tüe q. ,"-"c UCU<UI uc, im*«« «* « - :' 1546 gtebt zwar nichts wefentlich Neues, aber er be-

5 S lt;.3Ä^ <]V> "acMch. Uber Luthers rfäubigi, Ende, feine

GrunH 1; £utuc,|- ,IV-U ,'c V ,„,Pifarh öar I Beerdigung und die Stimmung nach feinem Tode.

T/'unddisciphnen. Das xtiovyua ltellt heb zwenaen aar, t? . u , d <• ~ *• c- l •

fofprr, p""*-'- «■>ik"/r" , , ,__„,„if. Die Beziehungen der Reformation zur Schweizer

P'yrn es rort fthv rpEgti xaxyxyrixov, xoxs de gyxogixov i

L°UlXyxixbv yagaxx/jga. Eine Nebenform der Katechetik
[P die AXievxixrj y lhgaxo6xoXtxy (Miffionslehre). Aber,

ahrt#M. auf S. 30 fort, 6 &tlog Xbyoq ubvoq 6ev Ixavoxoi-
? ?aoaq xag xpv/txag dvdyxag xov xioxov. V ävfrgauioq

V^tui va ixötjXmoy xa xyg xloxEmg avxov avvaiööyuaxa
Jl, 6l tgmxEQlXWV 0t)/iEt03V, x. 6. avfißöXcov, frvöiwv,
l*0Va>», Vfivcov, XQOöivyöjv xX. Tovxo eIve ovoimdsg xal
/'de"h 6X0f/El0V XOV iöOJXEQlXOV rjfiwv ßiov. Movov 0

£oc. tn„ 77..—_ 2_ese,/Tefe2.e, rJl/tAmfAjp eIxQVCOV Xül

^Eixovgytxy

w n'ffe fchliefslich die ganze praktifche Theologie gefafst
ReK Dann würde man von der hier fpeciell fich er-

& -enden Disciplin näher reden müffen, als TsX.Exovgyix?/,

*«Clefq ______-r_ j.t-_ J„_ 1____......A^, ^.^„mr.

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feiernde Gottesdienft verftanden wird. Da die

Induftrie, die an zwei Stellen zu Tage treten, dürften
noch weitere Unterfuchung verdienen. Schon 1848 hat
Zellweger in feiner ,Gefchichte der diplomatifchen Ver-
hältnifse der Schweiz mit Frankreich', wie S. 44 mitge-
theilt wird, betont, dafs die reformirten Orte zugleich
die Sitze der induftriellcn Bethätigung waren. Die Induftrie
brachte ficheren Wohlftand, man konnte das vater-
landslofe Reislaufen entbehren. Noch intereffanter ift
die Abhandlung über die fchweizerifche Handftickerei
im 16. Jahrhundert. Man fleht, wie die Stickerei, ,das
tTminvtxri ne'dnifch Werk', fchon vor der Reformation in der
Schweiz geübt wurde, wie befonders die Familie Bullinger's
kunftfertig war und Töchter des Reformators weithin nach
Deutfchland folche Arbeiten lieferten. Befonders Tifch-
tücher für religiöfe Anläffe find fpeeififeh fchweizerifch.
Eine Probe diefer Stickerei zeigt das Blatt in Nr. 2, das
einen feidegeftickten Leinwandteppich mit der Auffindung

'ich ^ J.eder we'fs> dafs unter der XEixovgyia der_eigent-

«Ä* hoff B5f°nd.erfen zuni L^ftltl tlZucht

■ehaSl««®0'!.. 1Ä.«dTTTl^^r^,!S .^1'jf*f/ ?J , willkommen ift die Nachricht von einem ausführlichen

Jzymandlnnr, t-l. -i a r r ^ p- „„•;..,!„ Aomit öfr i »"iKuiuiiien 11t aie iacnricnt von einem ausiunrncnen
C°nfefr "S 1» Th«d werden-Uftt Er wurde °« Regifter über die Reformatorenbriefe des Züricher

lei(l^k nSkUne emen mllk°T d Lh d ! d"s Kirchenrath Scheller gefertigt hat. Das

volln Konnen. Dann am meiften, wenn er einlach und

Ldig fchilderte, wie die xeXexüI xal uxoX.ov&iai

dCr °rtnodoxen Kirche verlaufen. Dem dritten Zweig

»HiP praktifchen Theologie liegt der Gedanke von der

» erarchie« zum Grunde. Hier handelt es fich um die

Es -nrf? Und ihre befonderen Aemter und Befugnifse.
ut für den Standpunkt der orthodoxen Kirche cha-

nur einige Proben aus der reichen Fülle des in knappfter,
gemeinverftändlicher Form Gebotenen. S.62Z. 10 möchte
ftatt ,und erfchrockenlich' zu lefen fein ,und unerfchro-
ckenlich.'

Nabern. G. Boffert.