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Ausgabe:

1899 Nr. 13

Spalte:

393-395

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Mirbt, Carl

Titel/Untertitel:

Die preussische Gesandtschaft am Hofe dse Pabstes 1899

Rezensent:

Eck, Samuel

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Theologifche Literaturzeitung. 1899 Nr. 13.

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übertreffende arabifche, bisher noch nicht veröffentlichte | eine Lehrzeit nennen, die er aber, neben den hundert
Ueberfetzung befitzt. Es ift: ihm entgangen, dafs j anderen Dingen, an die er ebenfo unvorbereitet ging,
wenigftens ein Stückchen diefer Handfchrift (Cod. Orient. | fchlecht genug angewandt hat, wenn Treitfchke's Urtheil
4402), nämlich die von Bardefanes handelnden Notizen, j über feine fpäteren Leiftungen in London auch nur an-
von F. Nau (Um biographie inedite de Bardesane FAs- nähernd berechtigt ift (Deutfche Gefch. 5, 125f.) •). Ich
trologiie. Paris, Fontemoing, 1897) franzöfifch veröffent- j kann aber auch im Uebrigen der Darftellung Mirbt's nicht
hcht worden ift. Diefer Abfchnitt findet fich in der beipflichten, wenn er im Grunde nur die Handlungsweife
armenifchen Ueberfetzung nicht (vgl. Langlois S. 107), I des nervös Ueberreizten gegenüber der Allocution Gregor's
Mt aber von Bar Hebräus iChron. Eccles. edd. Abbeloos- , vom 10. Dec. 1837 zu beanftanden oder ausdrücklich zu

Lamy 1,48) ausgefchrieben worden. Nau behauptet weiter,
aars eine arabifche Ueberfetzung Michaels fich im Vatikan
befinde. Ueber jene Handfchrift des Britifchen Mufeums
bat er auch im Journal Asiatique 9. Ser. 8. Tom., 1896,
523—527 eine Notiz gegeben und die erften Zeilen der
Vorrede fowie Michaels Angaben über feine Quellen
(Langlois 19 f.) mitgelheilt.

Im zweiten Abfchnitt handelt Geizer von den 4 ar-
menifchen Chronographen. Die beiden älteren, Stephanos
Asolik Taröneci (um 1000) und Samuel von Ani (12. Jh.)
und vollftändig abhängig von Eufeb; die beiden jüngeren,
wardan der Grofse und Mhithar von Ayriwankh beide um
,3°°), haben Michaels des Syrers Chronik ausgefchrieben,
deren Uebertragung ins Armenifche einem tiefgefühlten
bedürfnifs entgegengekommen fein mufs. Während aber
Mhithar irgend welches beachtenswerthe Material über

tadeln findet. Der Briefwechfel der katholifchen Bifchöfe
mit Bunfen zeigt m. E. fehr deutlich, dafs von ,zweifel-
lofen Verdienften' des Ritters bei dem Zuftandekommen
der Convention mit Spiegel nicht geredet werden kann.
Denn Bunfen mufs an wirklich überrafchend geringem
Scharffinn gelitten haben, wenn er während feiner münd-
flichen Unterhandlun gen mit Spiegel die Bedenken, die
der letztere gegen das ganze Unternehmen der Beifeite-
fchiebung der Kurie hegte, nicht herausgehört haben
follte, Bedenken, die uns jetzt aus allerhand verfteckten
Wendungen der Briefe, vollends aber aus dem geheimen
Verkehr Spiegels mit dem Nuntius in München deutlich
werden (f. Th. Lit. Zt. 1898 S. 522). Ich kann aber auch
den Verdacht nicht loswerden, dass die Lücke im Briefwechfel
des Erzbifchofs (März 1832 bis Mai 1834) keinem
blofsen Zufall ihr Dafein verdankt. Denn das Breve von

Samuel von Ani und Michael hinaus nicht bietet, bringt ! 1830, betr. die gemifchten Ehen, war das Ergebnifs von
Wardan manchen Bericht aus anderer Quelle, der von j Bunfen's Rath, dafs die Bifchöfe fich um Abhülfe an den
Latereffe ift. Geizer verweilt bei dem Abfchnitt über Papft wenden follten (Reufch, Briefe an Bunfen,
ben Turmbau von Babel mit feiner hübfchen, dem Werke [ pag. XXXVII) Am 1. März 1832 gab Schmedding den
f& Erzbifchofs Stephanos von Siunikh entflammenden Rath zu confidentiellen Verhandlungen mit den Bifchöfen

- uoiiviivia kJlVl/uniiv« »w.» ---- ----------

'-harakteriflik der verfchiedcnen Sprachen, von dem fchon
Lagarde im Agathangelos 150 ff. gehandelt hat.

Zum Schlufs mag darauf hingewiefen werden, dafs
bas aus den Verläse der Teubner'fchcn Buchhandlung in

(an Bunfen, Reufch S. 228) und Bunfen ging auf den
Syftemwechfel ein, der nur den Eindruck einer hinter-
liftigen Politik — eine unbezahlbare Handhabe für die
Kurie — machen konnte. Hiernach halte ich gegen

aen der Hinrichs'fchen übergegangene Werk künftig zum j Mirbt wie gegen Nippold Treitfchke's Auffaffung von
ermäfsigten Gefammtpreife von 12 Mark abgegeben wird. 1 Bunfen's Charakter und politifcher Befähigung aufrecht

Giefsen. G. Krüger.

S. Deutfche Gefch. 3, 412 ff, 4, 686 ff, 7031, 715, 5, 280,
295. Es ift aber klar, dafs die Verfchiedenheit des Ur-
theils an diefem Punkte auch die Gefammtauffaffung be-
cinfluffen mufs. Denn Bunfen vertrat Preufsen an der

Wirbt, Prof. D. Carl, Die preussische Gesandtschaft am

Untr. j n » t • -~ n.iMiimnSinn^ Fvancrel Kurie in der fchwerflen Knfis beim Beginn der Kölner
Hofe des Papstes. Leipzig, Buchhandlung des Evangel. Wmeo ^ ^ Inftitutio,-läfst fich

Bundes v. C. Braun. (64 S. gr. 8.) M. 1 —

Mirbt's Schrift über die preufsifche Gefandtfchaft
am Vatican hat weithin Auffehen erregt. Sie flellt,

für diefe Zeit nur unter fehr forgfältiger Abwägung ihrer
fachlichen Bedeutung und ihrer durch die Perfon bedingten
Leiftungsfähigkeit ein Urtheil bilden. Diefe

Urt»eilt die Chronik der Chriftl. Welt (1899 S. 34), die j Vorficht vermiffe ich durchaus bei Mirbt. Umgekehrt
fJ>plomatifchen Beziehungen der preufsifchen Regierung . ift Niebuhr's Bild grau in grau gemalt. Die wenigen
*Ur Kurie unter das vernichtende Urtheil der Gefchichte. j Lichtpunkte, die es bietet, berühren feine Diplomatie
Uher die diplomatifchen Beziehungen und der Gefandt- faft garnicht. Mir fcheint es heute fehr billig, über Nie-
j^haftspoften — das ift zweierlei. Vorfichtiger fchon hat buhr's irrige Urtheile über das Papflthum, die er doch
jwbger in der Chriftl. Welt (1899 S. 84) zugeftanden, dafs mit Ranke theilte, abzuurtheilen. Für die Regierung
llcb die Regierung in der Wahl der Perfönlichkeiten aber handelte es fich um die Pfaffengaffe am Rhein; und
9*hrfach gründlich vergriffen habe. Damit aber ift die felbft Spiegel zeigt, dafs die ftolzen Traditionen der kur-
Wu.cht des Schlages gegen die Inftitution erheblich ab- fürftlichen Zeit in diefen Hierarchen, die weit entfernt

des Schlages gegen .
te^chwächt. Ich bedaure fehr, mein Urtheil in diefer
'Vchtung in die Thefe zufammenfaffen zu müffen, dafs
"e Gefchichte bis jetzt gegen die Inftitution als folche
erhaupt garnichts bewiefen hat.
r , . In dem gedrängten Bilde von dem bisherigen ge-
Cn'chtlichen Verlauf fällt der Schwerpunkt naturgemäfs

waren, fich als Generalfuperintendenten einfehätzen zu
laffen, kräftig genug fortlebten. Alfo war es für die neuen
Herren, die kein napoleonifches Säbelregiment aufrichten
wollten, garnicht fo leicht, eine neutrale Stellung gegenüber
den innerkirchlichen Parteien des Kurialismus und
Episkopalismus zu bewahren oder — was aber nicht

5jj[ die erfte Hälfte unferes Jahrhunderts. Die drei be- daffelbe ift _ bei den Berathungen über den Wieder
,uhmten Namen W. Humboldt, Niebuhr, Bunfen füllen aufbau der Kirche den deutfehen Klerus in erfter Lin

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'?'e Zeit aus. Die Amtstätigkeit der Späteren wird | heranzuziehen (S. 15. 23 f.). Ob aber die Regierung auf
7™ Recht fehr kurz abgethan (S. 36 und 43). Von jenen
j. eien aber kommt Bunfen wirklich mit einem fehr bilden
Urtheil weg. Seine römifche Gefandfchaft wird
j-Ur eine intereffante Epifode in dem reichen Leben' des
jeHes genannt (S. 33). Das Wort Epifode ift hier
din?"falls «ngefchickt gewählt. Denn den Anfang einer
'Plornatifchen Laufbahn, für die der Theologe mit
Wnr rnplanen von unerhörtem Umfang und Selbftbe-
^'stfein (Nippold, Bunfen 1, 86, 134, 179) fchlechter-
gs garnicht vorbereitet war, kann man beften Falls

dem letzteren Wege auf fo viel geringere Schwierigkeiten
geftofsen wäre, kann bezweifelt werden. Denn der Ultramontanismus
hatte nicht in Preufsen feinen Sitz; fein
Eindringen hätte alfo höchftens verzögert, fchwerlich aber
ganz verhindert werden können. Unter den gegebenen
Verhältnifscn aber hat Niebuhr gethan, was er konnte.
Er hat ehrlich auf feine Concordatsgedanken verzichtet
und die Ausdehnung der Circumscriptionsbulle auf das

1) Vgl. Fürft Bismarcks Gedanken und Erinnerungen 1,112.139.2,97.

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